Vorwärts-Kontamination

Vorwärts-Kontamination (engl. Forward-contamination) ist der Vorgang, wenn irdische Lebensformen auf andere Himmelskörper gelangen und diese kontaminieren. Das Gegenstück wird als Rückwärts-Kontamination (Reverse/back-contamination) bezeichnet.[1]

Der Weltraumvertrag aus dem Jahr 1967 erwähnt in Artikel IX die planetare Kontamination und formuliert entsprechende Anforderungen an die Raumfahrt betreibenden Vertragsparteien.[2]

Um Vorwärts-Kontamination zu verhindern, werden bei Raumfahrtprogrammen große Anstrengungen bezüglich der Sterilisation unternommen. Der Überbegriff hierfür ist Planetary Protection.

GeschichteBearbeiten

Mit der US-amerikanischen Sonde Surveyor 3 gelangten im Jahr 1967 irdische Mikroben auf den Mond und durch eine Bergungsaktion im Rahmen der Apollo 12-Mission womöglich lebensfähig wieder zurück. Es handelte sich um α-hämolysierende Streptokokken mitis, die regelmäßig im Rachenraum vorkommen und bekannt dafür sind, vakuum-trocken sehr robust zu sein. Die Mikroben hätten allerdings auch 31 Monate die harte kosmische Strahlung und Temperaturzyklen zwischen −160 und +70 °C aushalten müssen. Entdeckt wurden sie in nur einer von vielen Proben aus dem Innern der Surveyor-Kamera[3] unter Bedingungen, die selbst nach dem damaligen Stand der Reinraumtechnik unzureichend waren. So trugen die Menschen zwar Handschuhe, aber beispielsweise nur kurzarmige Hemden, die zudem nicht bis unter die Vorderkante der Laminar-flow box reichten. Eine Eigenkontamination war also durchaus möglich.[4] Für einen Aufenthalt der Mikroben auf dem Mond spricht, dass sie im Nährmedium erst nach einigen Tagen begannen, sich normal zu vermehren. Gegen Kontamination spricht, dass keine anderen Spezies gefunden wurden. Zudem war auch eine Kontamination der Kamera vor dem Start leicht möglich, denn die Vorsichtsmaßnahmen für Mondmissionen waren gelockert worden, weil mit den bis dahin erlangten Kenntnissen klar war, dass eine Kontamination unter lunaren Bedingungen lokal begrenzt bleiben würde.[3] Umgekehrt wurden nach diesem Befund die Hygienestandards für Missionen zu weniger lebensfeindlichen Himmelskörpern deutlich angehoben.[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Iain Gilmour, et al.: An introduction to astrobiology. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-83736-7, Kap.:3.6 Planetary protection, S. 119–122
  2. Treaty on Principles Governing the Activities of States in the Exploration and Use of Outer Space, including the Moon and Other Celestial Bodies - Article IX (Memento vom 16. Mai 2012 im Internet Archive) oosa.unvienna.org, abgerufen am 11. Mai 2012
  3. a b F. I. Mitchell, W. L. Ellis: Surveyor 3: Bacterium Isolated From Lunar-Retrieved Television Camera. In: Analysis of Surveyor 3 material and photographs returned by Apollo 12. NASA Case File Copy N72.26731-72, 1972, S. 239–248 (pdf, 24 MB).
  4. a b Leonard David: Moon Microbe Mystery Finally Solved. Space.com, 2. Mai 2011, abgerufen am 13. März 2016.