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Stammwappen derer von Wartensleben

Wartensleben ist der Name eines alten preußischen Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zum Uradel im Erzstift Magdeburg.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

HerkunftBearbeiten

Nach Kneschke und Zedlitz-Neukirch stammte das Geschlecht ursprünglich aus der Grafschaft Schauenburg und soll auch bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts unter dem Namen von Bartensleben erschienen sein. Später sollen sich Angehörige des Geschlechts in Sachsen und Brandenburg niedergelassen haben.[1][2]

Erstmals erwähnt wird die Familie im Jahre 1270 mit Baldewin de Werdesleve als Zeuge in einer Urkunde des Klosters Althaldensleben.[3] 1282 tritt Gerhard gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich (I.) eine Hufe mit Hof in Werdesleue, die sie von den Edlen von Warberg zu Lehn trugen, gegen eine Entschädigung an das Kloster Mariental in einer Urkunde ab. Beide werden darin als Bürger zu Helmstedt bezeichnet.[4]

Ausbreitung und PersönlichkeitenBearbeiten

Dietrich (II.), sesshaft zu Oschersleben, war von Bischof Gebhard zu Halberstadt gemeinschaftlich mit Paul und Diedrich von Bornstedt mit einem Hufe zu Wulferstedt und zwei Höfen zu Beckendorf (heute Ortsteil von Oschersleben), von denen einer zehntfrei war, belehnt. Außerdem war er mit dem Zehnt vom Dorf und Feld zu Gunsleben und weiteren Gütern unter anderem zu Gumaringen und Klein- und Großwulferstedt belehnt. Nach seinem Tod ging der Zehnt von Gunsleben auf den Mitbelehnten Friedrich von Hoym über. Henning (IV.) wurde vom Bischof Gebhard zu Halberstadt, nach dem Lehnsregister von 1458 bis 1480, mit zwei Hufen und sechs Gärten zu Ottleben (heute Ortsteil von Ausleben), zwei Hufen auf dem Hegersdorfer Felde und einem Holzfleck am Brandesleber Holz belehnt. Jordan (III.), der Stifter des Hauses Brumby, erwarb im Jahre 1456 von Curt von Dieskau den Hof zu Brumby. Der Besitz wurde zu einem Teil von den Erzbischöfen von Magdeburg zum anderen Teil von den Grafen von Barby als Lehn getragen. Im Jahre 1470 ist er von dem Edlen Curt von Warberg mit den Zehnt von 16 Hufen auf dem Felde zu Telze, sowie mit fünf Wispeln Zins von Schwanebeck beliehen worden.[4]

Jordan Heinrich auf Bramby heiratete Margarethe von Rauchhaupt aus dem Hause Sarsdorf und wurde 1610 vom Administrator Christian Wilhelm zu Magdeburg mit dem Hofe zu Bramby nebst Zubehör beliehen. 1617 wurde er mit weiteren Gütern um Brumby vom Grafen Wolfgang Friedrich von Barby beliehen. Er starb 1658.[4]

 
Rittergut Exten

Die Linie in der Altmark erlosch 1683 mit dem Tod von Vollrath Christian. Die Extersche Linie ist urkundlich bis 1471 auf Bodo von Wartensleben zurückzuführen. Von ihm stammen in der siebten Generation die Brüder Alexander Hermann (* 1650) und Simon Elmershausen (* 1653) ab. 1727 wurde das heutige Haupthaus des Rittergutes in Exten durch den Bremer Baumeister Conrad Georg Conradi für Karl Christian Graf von Wartensleben errichtet. Nach dem Tod des Bernd von Eckersten (manchmal auch Eckerstein) um die Jahre 1543/44, hatte die Linie keine männlichen Nachfahren. So folgte ihm in Exten sein Neffe Jost (auch Jobst) von Wartensleben. Er übernahm den Hof am 1. Januar 1545 nach einem Erbstreit mit Johann Westphal und seiner Frau Gisela, einer geborenen von Eckersten. Angeblich aus Besorgnis, dass König Jérôme das Rittergut ohne Entschädigung einziehen würde, verkaufte Ferdinand Graf von Wartensleben es 1809 für 55.000 Taler an Bernard Diederik Gijsbert Freiherr von Wardenburg. Die Zeit der Extener von Wartensleben war damit vorbei.

Karl Christian Graf von Wartensleben, der zweite Sohn des Simon Elmerhaus, geboren am 11. Februar 1689 in Exten, diente erst in der preußischen Armee, trat dann als Oberstleutnant in herzoglich sachsen-gothaische Dienste, welche er als Oberst verließ. Er wurde 1745 in den Grafenstand erhoben und starb am 3. Januar 1760. Er war königlich schwedischer und fürstlich hessischer Rat und Oberforstmeister der Grafschaft Schaumburg. Er heiratete im Januar 1715 Herminia Sibylla von Diepenbroich, die am 3. November im selben Jahr starb, am 28. Februar 1720 Louise Albertine von Quadt zu Wickradt (1697–1744) und am 19. August 1745 Amalie Philippine von Halcken (* um 1698; † 1783).

 
Das Gutshaus Karow nach Süden zum Park

Alexander Hermann, der Begründer der Preußischen Linie, starb 1734 als preußischer Generalfeldmarschall. Die Nachkommen seines jüngsten Sohnes Leopold Alexander (1710–1775), preußischer Generalleutnant, begründeten einen älteren und einen jüngeren Zweig. Zum älteren Zweig gehörte unter anderem Wilhelm Friedrich Graf von Wartensleben, Hofmarschall der verwitweten Prinzessin von Preußen und dessen Sohn, der preußische Schlosshauptmann Ludwig Christian Graf von Wartensleben. Gustav Ludwig Graf von Wartensleben (* 1796), ein Sohn von Ludwig Christian, wurde Majoratsherr auf Gut Karow bei Genthin, Ritter des Johanniterordens, preußischer Kammerherr und Oberstleutnant. Er heiratete 1825 Elisabeth von Goldbeck.[1]

Wilhelm Ludwig Gustav Graf von Wartensleben (* 1734), Sohn des Grafen Carl Philipp Christian und Enkel von Simon Elmershausen von Wartensleben, preußischer Regierungsrat und Drost zu Hausberge († 1798), war der Stammvater der jüngeren österreichischen Linie. Er heiratete eine Gräfin Telecki und starb 1798 als k.k. Generalfeldzeugmeister. Sein Urenkel August Wilhelm Casslo (* 1804), Erbherr auf Jarkasd bei Pest im Königreich Ungarn, wurde k.k. Oberleutnant. Er heiratete 1830 Barbara Patay de Baj-Beniz und konnte den Stamm fortsetzen.[1]

Im 19. Jahrhundert erwarb die Familie 1848 das Rittergut Rogäsen in der damaligen preußischen Provinz Sachsen, im heutigen Land Brandenburg von der Familie von Werder. Ein Familienverband wurde am 14. Oktober 1871 in Berlin gegründet.

Gabriele Gräfin von Wartensleben (1870–1953), in Ansbach (Bayern) als Gabriele Andrian-Werburg geboren, 1890 mit Dr. Konrad Graf von Wartensleben (1864–1931) verehelicht, war die erste Frau, die am 3. Mai 1900 an der Universität Wien zum Dr. phil. promovierte.[5] Von ihr stammt auch die erste veröffentlichte Zusammenfassung der Grundgedanken der Gestalttheorie von Max Wertheimer.[6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde in der Sowjetischen Besatzungszone im Zuge der Bodenreform durch die sowjetische Verwaltung sämtliches immobiles Eigentum der Familie enteignet.

StandeserhebungenBearbeiten

Alexander Hermann von Wartensleben, preußischer Generalfeldmarschall, wurde am 1. Januar 1703 zu Berlin in den preußischen Grafenstand erhoben. Am 29. März 1706 zu Wien erhielt er den Reichsgrafenstand mit der Anrede Hoch- und Wohlgeboren und einer Wappenbesserung zusammen mit seinem Sohn Carl Philipp Graf von Wartensleben, königlich preußischer Kammerherr und Dompropst zu Brandenburg. Letzterer erhielt gleichzeitig eine Namen- und Wappenvereinigung mit denen der Grafen von Flodorff, nachdem er, mit kaiserliche Bewilligung bereits seit 1. März 1709 zu Wien, von Adrian Gustav Graf von Flodorff adoptiert wurde.[7]

Ebenfalls den Reichsgrafenstand erhielten Carl Friedrich von Wartensleben, kaiserlicher Kämmerer und niederländischer General, sowie Carl Philipp Christian von Wartensleben, königlich schwedischer Geheimrat und Oberforstmeister, am 14. Oktober 1745 zu Frankfurt am Main.[7]

WappenBearbeiten

StammwappenBearbeiten

Das Stammwappen zeigt in Gold einen aus einem grünen Busch über grünem Boden aufspringenden roten Wolf. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken der Wolf zwischen zwei natürlichen Pfauenschweifen.

Gräfliches WappenBearbeiten

Die 1706 und 1745 verliehenen gräflichen Wappen haben drei Helme und zwei Schildhalter. Sie zeigen unter einem von Gold und Silber gespaltenen Schildhaupt einen schwarzen Doppeladler, dessen linker Flügel mit einem goldenen Kleestängel belegt ist. Auf dem rechten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken ein offener schwarzer Flug, dessen linker Flügel mit einem goldenen Kleestängel belegt ist. In der Mitte der Stammhelm, auf dem linken Helm mit rot-goldenen Decken ein mit einem blauen Band zweimal umwundener silberbekleideter Frauenarm.[7]

Bekannte FamilienmitgliederBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wartensleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 9, S. 484–486.
  2. Neues preußisches Adelslexicon Band 4, S. 316.
  3. Peter Wilhelm Behrends: Neuhaldenslebische Kreis-Chronik. S. 620.
  4. a b c Nachrichten von dem Geschlechte der Grafen von Wartensleben Band 2, S. 3–15.
  5. G. Stemberger: Gabriele von Wartensleben (1870–1953). Die Gestalt-Gräfin: Pionierleistungen in der Frühzeit der Gestalttheorie. Phänomenal 2(1), S. 42–45.
  6. Gabriele Gräfin von Wartensleben: Die christliche Persönlichkeit im Idealbild. Eine Beschreibung sub specie psychologica. (Köselsche Buchhandlung, Kempen und München, 1914).
  7. a b c Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XVI, Band 137 der Gesamtreihe, S. 466–467.