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Ein Vollverb ist ein Verb (Tätigkeitswort), das den inhaltlichen Kern eines Satzes bildet und allein als Prädikat eines Satzes dienen kann. Ein Vollverb ist also ein Verb, das ein Inhaltswort ist. Im Gegensatz dazu stehen verschiedene andere Klassen von Verben, die eher grammatische Funktionen haben, nur in Verbindung mit einem Vollverb auftreten können, und kleine geschlossene Klassen bilden, die nicht ohne weiteres erweitert werden können. Die Klasse der Nicht-Vollverben wird verschieden eingeteilt, in der deutschen Grammatik unterscheidet man beispielsweise die Klassen Hilfsverben (haben, sein, werden; zur Bildung von Zeitformen und Passiv), Modalverben, Kopulaverben, und andere.[1]

Inhaltsverzeichnis

BeispielBearbeiten

In dem Satz „Hans trägt die Tasche“ gibt es nur das flektierte Vollverb „tragen“. In der Satzvariante „Hans hat die Tasche getragen“ liegt das zweiteilige Prädikat „hat getragen“ vor. In diesem ist eine Aufteilung der Leistungen des Prädikats sichtbar: „hat“ als Hilfsverb trägt die Flexionskategorien Person, Numerus, Tempus und Modus, und ist somit Träger der Finitheit des Satzes, also auch für das Erscheinen eines Nominativkasus am Subjekt verantwortlich. Der andere Teil „getragen“ als Vollverb legt dagegen inhaltliche Eigenschaften des Satzes fest, darunter welche inhaltliche Rolle der Ausdruck an Subjekt- und Objektposition spielt.

Vollverben im Kontrast zu Hilfsverben und LeichtverbenBearbeiten

Unterschied zu HilfsverbenBearbeiten

Es gibt im Deutschen Wörter, die in verschiedenen Varianten vorkommen, nämlich einmal als Vollverb und einmal in der Funktion von Hilfsverben. In dem Satz „Hans hat ein Auto“ ist hat ein transitives Vollverb in der Bedeutung „besitzen“; formgleich ist jedoch das Hilfsverb haben, das das Perfekt ausdrückt. Das Verb bekommen kann ein Vollverb sein („Meine Schwester bekommt ein Baby“); formgleich ist jedoch ein Hilfsverb für eine Variante des Passivs („Er bekam den Führerschein abgenommen.“; siehe unter Aktiv und Passiv im Deutschen#Passiv mit „bekommen“).

Unterschied zu LeichtverbenBearbeiten

Eine weitere Abgrenzung ist die zwischen Vollverben und Leichtverben (ein Begriff, der Ähnlichkeiten mit dem bekannteren Begriff Funktionsverb hat). In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird auf eine Unterscheidung hingewiesen, wonach Hilfsverben grammatische Kategorien ausdrücken (wie Zeitstufe oder Passiv in den Beispielen des vorigen Absatzes), jedoch Leichtverben Bestandteile der Ereignisbeschreibung beisteuern.[2] Ein Beispiel ist:

jemandem einen Tritt geben.

Diese Verwendung des Verbs geben ist kein Hilfsverb, denn statt grammatischer Eigenschaften drückt es Aspekte der Ereignisbeschreibung aus, wie den Übergang eines Impulses. Es ist auch kein Vollverb, denn die inhaltliche Bezeichnung des Ereignisses stellt das Substantiv Tritt dar. Das Leichtverb geben im obigen Beispiel unterscheidet sich vom Vollverb also durch eine rein schematische Bedeutung und dadurch, dass es in dieser Bedeutung nicht alleine stehen kann.

In der soeben dargestellten Definition des Leichtverbs ergibt sich, dass nicht jeder Satz ein Vollverb aufweisen muss.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Vollverb – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. In der Dudengrammatik (2009), S. 414 ff. werden die verschiedenen Nicht-Vollverben unter dem Titel „Verben mit Spezialfunktionen“ zusammengefasst.
  2. Miriam Butt, Wilhelm Geuder: Light verbs in Urdu and Grammaticalization. In Regine Eckardt, Klaus von Heusinger, Christoph Schwarze (eds.): Words in Time: Diachronic Semantics from Different Points of View. Mouton de Gruyter, Berlin 2003. pp. 295–349.