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Volkskommissariat für Bildung der RSFSR

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Anatoli Lunatscharski (1925), Volkskommissar für Bildung von 1917 bis 1929

Das Volkskommissariat für Bildung der RSFSR[1] (russisch Народный комиссариат просвещения РСФСР Narodny Kommissariat Prosweschtschenija RSFSR), kurz NARKOMPROS (russisch Наркомпрос) war ein staatliches Organ der RSFSR.

Es wurde im November 1917 (nach dem julianischen Kalender Oktober 1917) kurz nach der Oktoberrevolution eingerichtet und ersetzte das Ministerium für Volksbildung des Russisches Kaiserreiches, das Staatliche Bildungskomitee der Provisorischen Regierung, sowie das ehemalige Palastministerium, welches die kaiserlichen Theater, die Akademie der Künste und die kaiserlichen Paläste verwaltete.[2]

Das NARKOMPROS war für die gesamte Organisation der Bildung, Wissenschaft, des Bibliotheks- und Verlagswesen, der Museen, Theater, Kinos, Arbeiterklubs und des Denkmalschutzes, sowie für alle weiteren kulturellen Angelegenheiten verantwortlich. Das Narkompros bestand daher aus mehreren Abteilungen, wovon die wichtigsten jene für Bildende Kunst (ISO), Kino (FOTO-KINO), Literatur und Verlagswesen (LITO), Musik (MUSO) und Theater (TEO) waren.

Dem Narkompros kommt für die Entwicklung der Kunst und Kultur in der jungen Sowjetunion eine tragende Rolle zu. Bis zu seiner Entlassung 1929 wurde es durch Anatoli Lunatscharski geleitet, der die Entwicklung der modernen Kunst und Architektur massiv förderte. Sein Nachfolger Andrei Bubnow führte diesen Kurs nicht weiter. 1946 wurde es auf Anordnung Josef Stalins durch das Bildungsministerium der UdSSR ersetzt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Gründung (1917)Bearbeiten

Am 26. Oktoberjul./ 8. November 1917greg. wurde auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress, der am Vortag eröffnet wurde, das Dekret über die Einrichtung des Rates der Volkskommissare akklamiert. Volkskommissar für Bildung wurde Anatoli Lunatscharski.[3]

Einen Tag nach dem Zweiten Allrussischen Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte wurde am 27. Oktoberjul./ 9. November 1917greg. durch ein gemeinsames Dekret des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees und des Rates des Volkskommissare die Staatliche Kommission für Bildung gegründet. Diese Kommission war das wesentliche Leitungsorgan des Kommissariats.[4]

Im Dekret vom 27. Oktoberjul./ 9. November 1917greg. wurde festgelegt, dass alle Angelegenheiten bezüglich der Volksbildung vorläufig durch die Mitarbeiter des ehemaligen Ministerium für Kultur des Russischen Reiches erledigt werden sollen. Es wurde zu einem ausführenden Organ der Staatlichen Kommission für Bildung. So wurde die Rolle des Ministeriums für Kultur als ein Leitungsorgan mit staatlichen Funktionen beendet, und es wurde in ein ausführendes Organ, in einen technischen Apparat, umgewandelt. Nachdem die Anordnungen der Staatlichen Kommission von fast allen Angestellten und Spezialisten des Ministeriums boykottiert worden waren, konnte man sich darauf einigen, dass alle Mitarbeiter die Räumlichkeiten räumen und Lunatscharski und seine Mitarbeiter dort einziehen konnten.[5]

Die Mitarbeiter des ehemaligen Palastministerium arbeiteten gut mit dem von Lunatscharski dafür beauftragen Mitarbeiter Juri Flaxerman zusammen. Diese Abteilung des Narkompros wurde jedoch vom im Dezember 1917jul. gegründeten Volkskommissariats für den Besitz der RSFSR übernommen. Faktisch blieb es jedoch unter Kontrolle des Narkompros, auch Flaxman konnte unter dem Kommissar desselben, Karelin, weiterarbeiten. Dieses Volkskommissariat wurde bereits im August 1918 wieder aufgelöst.[6]

Am 29. Januarjul./ 11. Februar 1918greg. wurde die Abteilung für Bildende Künste (ISO) gegründet und am 22. Maijul./ 4. Juni 1918greg. durch die Staatliche Kommission für Bildung genehmigt.[7] Sie wurde von Dawid Schterenberg geleitet und besaß eine Moskauer und eine Petrograder Unterabteilung.

Evakuierung nach Moskau (1918)Bearbeiten

Im März 1918 wurde das NARKOMPROS, wie die gesamte Regierung aufgrund der vorrückenden deutschen Truppen nach Moskau evakuiert. Lunatscharski blieb jedoch, sowie einige Abteilungen des NARKOMPROS (z. B. das ISO), in Petrograd.[6] In dieser Zeit wurde begonnen, das NARKOMPROS zu einem funktionierenden Regierungsorgan zu machen. Die Organisation war jedoch noch immer äußerst chaotisch. Das NARKOMPROS besaß unzählige Abteilungen, Unterabteilungen und Kommissionen. Über mehrere Jahre noch war das NARKOMPROS nicht fähig, genaue Angaben über die Menge seiner Abteilungen und Mitarbeiter zu nennen.[8]

Die Abteilung für Museen wurde aus dem wiedereingegliederten Volkskommissariat für den Besitz der RSFSR gegründet und im August 1918jul. genehmigt. Sie wurde von Natalja Trotzkaja geleitet.[6]

Anfang 1920 wurde das Kommissariat neu organisiert um effektiver arbeiten zu können. Danach bestand es aus dem Sekretariat, der obersten Archivverwaltung, die Abteilung für die Bildung nationaler Minderheiten, dem Staatsverlag Gosisdat, sowie fünf Sektionen: einen organisatorischen, einen extramuralen (inklusive Erwachsenenbildung, Proletkult und ROSTA), einen wissenschaftlichen (inklusive höhere Bildung), einen künstlerischen und einen Sektor für „soziales Training“ (russisch sotzialnogo wospitanija). Letzterer war für Grund- und weiterführende Schulen zuständig. Diese Struktur bestand bis zur Reorganisation des NARKOMPROS im Jahr 1921.[9]

Am 26. Juni 1918 (13. Juni) wurde mit Lenins Unterschrift vom Rat der Volkskommissare „Das Dekret über die Organisation der Volksbildung in der Russischen Republik“ erlassen, in dem die Aufgaben der Staatlichen Kommission für Bildung detaillierter festgelegt wurden. Die Kommission hatte die Aufgabe, die Angelegenheiten der Volksbildung zu leiten und die allgemeinen Prinzipien der Volksbildung festzulegen, staatliche Bildungspläne zu erlassen und andere prinzipielle Fragen zu klären. Mit diesem Dekret wurde auch die Zusammensetzung der Kommission grundlegend geändert. Die Kommission umfasste nun neben dem Leitungsgremium des Volkskommissariats für Bildungswesen auch Vertreter aus dem Allrussischen Zentralen Exekutivkomitee, den Gewerkschaften, dem Obersten Sowjet für die Volkswirtschaft (ВСНХ), dem Volkskommissariat für Nationalitätenfragen und anderen zentralen Einrichtungen und Organisationen.

Im Januar 1918 wurde im Volkskommissariat für Bildungswesen der RSFSR die Theaterabteilung gebildet und im August 1919 mit Lenins Unterschrift unter das „Dekret über die Vereinigung der Theaterarbeit“ offiziell bestätigt. Mit dieser Theaterabteilung wurde die Arbeit der Theater vollständig einer zentralen Leitung unterstellt. Es wurden neue Revolutionstheater gegründet und neue Stücke in das Repertoire aufgenommen, um sich im Rahmen der neuen herrschenden Ideologie das kulturelle Erbe anzueignen. In der Theaterabteilung gab es je eine Sektion für Repertoire, Regie, Pädagogik und Geschichte/Theorie.

Die Theaterabteilung wurde von Olga Kamenewa geleitet.[4]

Vor der Revolution gab es in Russland 82 Theater, nach der Revolution gab es allein in Moskau 150 Theater der Roten Armee.

Die Theaterabteilung organisierte Vorlesungen und Diskussionen, versandte Empfehlungslisten für Spielpläne, verwaltete die Theaterbibliotheken, Museen und Sammlungen.

Auf Lenins Weisung hin wurde das Theatermuseum „Bachruschin“ in Moskau im Februar 1919 der Theaterabteilung unterstellt, ebenso 1920 die Schule für Kunstgeschichte (russ. Институт истории искусств) in Petrograd.

Leiter der Theaterabteilung waren unter anderen Lunatscharski und Wsewolod Meyerhold. Meyerhold kleidete sich zur Zarenzeit mit Frack und weißen Handschuhen. Als Mitarbeiter des Volkskommissariats trug er eine Kossoworotka, das typisch russische volkstümliche Langhemd, und statt weißen Handschuhen hatte er Schwarzes unter den Fingernägeln.

Die Theaterabteilung wurde 1920 umstrukturiert. Einen Teil ihrer Aufgaben übernahm die Abteilung für akademische Theater, die von Jelena Malinowskaja geleitet wurde, einen anderen Teil der Aufgaben übernahm die Hauptabteilung für politische Bildung (russ. Главполитпросвет).

Die Tätigkeit des Volkskommissariats für Bildungswesen war sehr chaotisch. Es wurden sehr viele Weisungen vom Volkskommissariat erteilt, die oft auch unklar waren. Das war den Umständen der Zeit kurz nach der Oktoberrevolution geschuldet und der mangelnden Erfahrung. Das Volkskommissariat für Bildungswesen hatte einen riesigen Verwaltungsapparat mit über 400 Verwaltungsstrukturen, was auch zu dem Chaos beitrug. Wegen der wichtigen Aufgaben widmete die Kommunistische Partei Russlands [RKP(B)] und Lenin persönlich viel Aufmerksamkeit auf die Arbeit dieses Volkskommissariats.

Eine Reihe von Parteiversammlungen (Oktober 1920 bis Januar 1921) zu Fragen des Volksbildung verabschiedete einige wichtige Beschlüsse zur Gründung von Hochschulen, zu Reformen an den Hochschulen, zu Arbeiterfakultäten, zu Dozenten an Hochschulen für Gesellschaftswissenschaften und auch zur Umstrukturierung des Volkskommissariats für Bildungswesen. Die Umstrukturierung des Volkskommissariats für Bildungswesen wurde mit Dekret des Rates der Volkskommissare vom 11. Februar 1921 und mit Beschluss des Plenums des ZK der RKP(B) bestätigt; Lenin leitete die Kommission des Plenums.

Lunatscharski wurde 1929 als Volkskommissar für Bildungswesen abgesetzt. Diesen Posten bekam Andrei Bubnow, der einen strengen administrativen Kurs führte.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Isobrasitelnoje iskusstwo (Die Schönen Künste). Zeitschrift, eine Ausgabe, Petrograd 1919.
  • Iskusstwo (Kunst). Zeitschrift, acht Ausgaben, Moskau Januar–September 1919.
  • Iskusstwo kommuny (Kunst der Kommune). Zeitschrift, neunzehn Ausgaben, Petrograd Dezember 1918–April 1919.

LiteraturBearbeiten

  • Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment: Soviet Organization of Education and the Arts under Luncharsky, October 1917–1921, University Press, Cambridge 2002.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der russische Begriff prosweschtschenije kann sowohl mit Bildung, wie auch mit Aufklärung übersetzt werden.
  2. Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 11.
  3. Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 1.
  4. a b Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 18.
  5. Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 12–13, 15.
  6. a b c Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 17.
  7. Луначарский А. В.: Об отделе изобразительных искусств. In: Луначарский А. В. (newgod.su [abgerufen am 18. August 2018]).
  8. Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 19.
  9. Sheila Fitzpatrick: The Commissariat of Enlightenment. Soviet Organization of Education and the Arts under Lunacharsky. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52438-5, S. 25.