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Vision Zero (deutsch Vision Null) bezeichnet verschiedene Ansätze, die das Ziel vereint, Unfälle und Verletzungen sowie Erkrankungen des Menschen zu verhindern. Vision Zero hat seinen Ursprung im Arbeitsschutz, wurde Ende der 1990er Jahre in Schweden erstmals auf den Bereich des Straßenverkehrs angewendet und zu Beginn der 2000er Jahre in Deutschland als präventive Strategie in den gesetzlichen Arbeitsschutz übernommen. Im Zentrum aller Bestrebungen stehen Leben und Gesundheit des Menschen. Eine Grundannahme von Vision Zero ist, dass Menschen Fehler machen. Daher müssen Systeme so gestaltet werden, dass diese Fehler nicht zu lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen führen.

Inhaltsverzeichnis

Bereich der ArbeitssicherheitBearbeiten

Maßnahmen und KonzepteBearbeiten

Seit 2008 integriert die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) das Vision Zero-Konzept als Ziel in ihrer Präventionsstrategie: "Die Vision Zero ist die Vision einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen. Höchste Priorität hat dabei die Vermeidung tödlicher und schwerer Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Eine umfassende Präventionskultur hat die Vision Zero zum Ziel."[1] Im Jahr 2017 hat die Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS) die Vision Zero Präventionsstrategie als globalen Ansatz übernommen.[2]

UmsetzungBearbeiten

Im Jahr 2014 hat die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) die Vision Zero als auf zehn Jahre ausgelegte Präventionsstrategie "Vision Zero. Null Unfälle – gesund arbeiten" verabschiedet.[3] Hieraus entstanden 7 Erfolgsfaktoren für die Umsetzung der Vision Zero, die später als 7 Golden Rules auch international übernommen wurden. Die 7 Erfolgsfaktoren für die Umsetzung der Vision Zero im Bereich der Arbeitssicherheit lauten:

  • 1 Leben Sie Führung
  • 2 Gefahr erkannt – Gefahr gebannt
  • 3 Ziele definieren – Programm aufstellen
  • 4 Gut organisiert – mit System
  • 5 Maschinen, Technik, Anlagen – sicher und gesund
  • 6 Wissen schafft Sicherheit
  • 7 Motivieren durch Beteiligung

Bereich der VerkehrssicherheitBearbeiten

Maßnahmen und KonzepteBearbeiten

Ziel präventiver Maßnahmen im Bereich der Verkehrssicherheit ist es, Straßen und Verkehrsmittel so sicher zu gestalten, dass keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr auftreten. Mit einer Optimierung der Verkehrssicherheit befasst sich auch die ISO 39001. Einige Maßnahmen und Konzepte, die aus dem Vision-Zero-Konzept entwickelt wurden, sind:

  • Bauliche Trennung von Fahrstreifen in entgegengesetzte Richtungen. Die Fahrstreifen werden durch Barrieren ähnlich wie auf Autobahnen getrennt. Hierfür werden z. B. doppelte Stahlseile auf Pfosten genutzt. Dies konnte bei umgesetzten Projekten zu einer Reduktion der Unfälle um 90 % führen. Eine bauliche Trennung ist allerdings innerorts oder auf Straßen mit einem Fahrstreifen pro Richtung nur begrenzt möglich. Zudem muss sichergestellt werden, dass durch die bauliche Ausführung der Trennung kein zusätzliches Sicherheitsrisiko z. B. für Motorradfahrer entsteht.
  • Bushaltestellen werden verengt, um nur einstreifige Durchfahrt zu erlauben. So können Busaussteiger nicht von überholenden Autos erfasst werden.
  • Kreuzungen werden durch Kreisverkehre ersetzt. Die Gefahr von Kreuzungen, die nicht beachtet werden, ist schon länger bekannt. Außerdem sind an regelgerecht gestalteten Kreisverkehren die gefahrenen Geschwindigkeiten geringer, so dass Unfallfolgen im Durchschnitt deutlich weniger schwer sind.
  • Ortseinfahrten werden mit Verschwenkungen der Fahrbahn versehen, um die Einfahrt mit überhöhter Geschwindigkeit zu verhindern.
  • Generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen, Schnellstraßen oder Landstraßen.
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen an gefährlichen Straßenabschnitten, generell nachts, bei Regen oder für Fahranfänger, unterstützt mit regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen.

Frühere Vision-Zero-Konzepte sahen auch vor, Fahrradwege von der Fahrbahn und vom Fußweg zu trennen. Um gleichzeitig eine effektive Nutzung des Fahrrads im innerstädtischen Nahverkehr zu erreichen, ist dies mit einem hohen baulichen Aufwand verbunden. Die sichere Zusammenführung der Verkehrswege für Autos, Fahrrädern und Fußgängern an Knotenpunkten ist kompliziert, weshalb die starke räumliche Separation zwischen Kfz- und Fahrradverkehr im innerörtlichen Verkehr mittlerweile vielfach nicht mehr als sicherheitsfördernd angesehen wird, auf Grundlage entsprechender Unfalluntersuchungen beispielsweise in Deutschland.[4]

UmsetzungBearbeiten

Seit 1997 verfolgt die schwedische Regierung das Ziel, bis 2015 alle schwedischen Straßen nach diesem Prinzip zu gestalten. Alle neu gebauten Strecken werden nur nach dem Prinzip der Vision Zero gebaut und die alten Straßennetze werden aufgerüstet.

In Deutschland beschloss 2007 der Deutsche Verkehrssicherheitsrat Vision Zero zur Grundlage seiner Verkehrssicherheitsarbeit zu machen.[5]

Die Schweiz arbeitet an einer eigenen Umsetzung der Vision Zero. Die Projekte „Vesipo“ (eingestellt) und „Via sicura“ (aktuell) versuchen, Vision-Zero-Konzepte bei Minimierung von Kosten und Behinderung des Verkehrs zu erreichen.

Die Europäische Kommission hat als Ziel das Jahr 2050 angesetzt, an dem „nahezu niemand“ auf europäischen Straßen sterben wird.[6]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V: DGUV - Prävention - Vision Zero. Abgerufen am 5. April 2019.
  2. Vision Zero Homepage | Vision Zero. Abgerufen am 5. April 2019.
  3. VISION ZERO – Strategie. Abgerufen am 5. April 2019.
  4. Alrutz, D. et al: Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen V 184, Bergisch Gladbach 2009., ISBN 978-3-86509-920-4.
  5. dvr.de Schriftenreihe 16, Vision Zero. (abgerufen am 12. Juni 2016)
  6. DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2014 S. 27