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Viernau ist ein Ortsteil der Stadt Steinbach-Hallenberg im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen.

Viernau
Wappen von Viernau
Koordinaten: 50° 39′ 59″ N, 10° 33′ 13″ O
Höhe: 400 m
Fläche: 15,9 km²
Einwohner: 1926 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 98547
Vorwahl: 036847

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Viernau liegt am Südhang des Thüringer Waldes.

GeschichteBearbeiten

Erstmals wurde der Ort im Jahr 1274 erwähnt.

Viernau war von 1629 bis 1711 von Hexenverfolgungen betroffen: Neun Frauen und ein Mann gerieten in Hexenprozesse. Zwei Angeklagte wurden verbrannt: 1657 wurde der Wirt Hans Furche zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Von den Prozessen gegen seine Frau und zwei Töchter ist der Ausgang unbekannt.[1]

Die Gemeinde Viernau wurde am 1. Januar 2019 in die Stadt Steinbach-Hallenberg eingegliedert. Zuvor gehörte die Gemeinde Viernau der Verwaltungsgemeinschaft Haselgrund an, deren Sitz sie war.

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 53,4 %
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40
30
20
10
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51,4 %
27,4 %
21,1 %

GemeinderatBearbeiten

  Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2014 nicht mehr aktuell zu sein: Wahlergebnisse der Kommunalwahl bitte erneuern
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Der Gemeinderat aus Viernau setzte sich aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

BürgermeisterBearbeiten

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Frau Monique Avemarg wurde im Juli 2016 gewählt.

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 28. April 1993 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold unter einem roten Schildhaupt, darin eine vierzähnige goldene Säge, ein schwarzer Rabe mit ausgebreiten Flügeln.“

Das Wappen wurde von den Heraldikern Frank Diemar und Frank Jung gestaltet.

 
Ortskern von Viernau

WirtschaftBearbeiten

Bei Viernau befindet sich ein 4,5 Hektar bedeckendes Solarkraftwerk. Dieser „Solarpark“ befindet sich nicht im Besitz der Gemeinde. Die zur Knipex Unternehmensgruppegehörende Rennsteig Werkzeuge GmbH hat ihren Firmensitz mit einer Fertigungsstätte in Viernau.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Charakteristisch für den Ortskern rund um die evangelische Johanniskirche sind Häuser in Fachwerk und mit Schieferbeschlag.

GeschichtsdenkmaleBearbeiten

 
Kriegerdenkmal 1914–18,
rechts daneben die Gedenktafel
für die Gefallenen von 1870/71

Mitte der 1920er Jahre ließ die Gemeinde Viernau an der Hauptstraße nach Schmalkalden das Kriegerdenkmal zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen „Helden“ errichten. Das Denkmal hat den Zweiten Weltkrieg und auch die DDR-Zeit überdauert und präsentiert sich in einem gepflegten Zustand.[2]

Im Juni 1989 stifteten die Angehörigen zweier 1943 bei der Zwangsarbeit ums Leben gekommenen jungen Italiener einen Gedenkstein auf dem Friedhof, auf dem sie den Dank an zwei einheimische Familien über die langjährige Pflege der Gräber ihrer Angehörigen zum Ausdruck brachten. Diese hatten als Militärinternierte im Sägewerk Menz gearbeitet. Auch Kriegsgefangene aus Polen und Frankreich (50 Personen) sowie Frauen und Männer aus der Sowjetunion mussten Zwangsarbeit verrichten: in der Werkzeugfabrik Richard Henkel, im Sägewerk Georg Ullmer sowie in verschiedenen Holzwerkstätten.[3]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Der Viernauer Gagen-Karneval findet jedes Jahr statt. Zu diesem Anlass wird ein „Dreigestirn“ gewählt, das aus Prinz, Prinzessin und Hofmarschall besteht. Am Rosenmontag findet die gleiche Prozedur mit Jugendlichen der Klassenstufe 8 statt. Hier wird zudem noch ein „Hofstaat“ gebildet. Jedes zweite Jahr sind die Notehobler aus Weil am Rhein zu Gast. 2010 gab es den 57. Viernauer Karneval, der wie jedes Jahr zuvor mit zwei Umzügen gekrönt wird. Der erste ist am Sonntag und der zweite am Rosenmontag. Der Schlachtruf hat sich im Wandel der Zeit verändert: Hieß es ursprünglich: „Alibaba Gag-Gag“, ruft man heute nur noch „Gag Helau“.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Alwin Günther (1906–1979), deutscher Politiker (KPD/SED), Gewerkschafter und Widerstandskämpfer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes. Über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wehry-Verlag, Untermaßfeld 2012, ISBN 978-3-9813902-8-5, S. 390 f.; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“. Bereich Viernau, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Bd. 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 253, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000); Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-10602-X, S. 518–522 und S. 617, (Zugleich: Chemnitz, Technische Universität, Habilitations-Schrift, 2002).
  2. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. Viernau, Kreis Schmalkalden-Meiningen, Thüringen.
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Viernau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien