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Verivox ist ein Unternehmen, das Tarife für Telekommunikation, Strom, Gas, Versicherungen, Finanzen, Fahrzeuge, provisionsfreie Immobilien und Reisen vergleicht und für diese Dienste Verträge vermittelt, die von diesen Dienstanbietern in der Regel mit Provisionen vergütet werden. Es gehört im Bereich der Tarifvergleiche zu den größten Anbietern.[4][5][6]

Verivox
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1998[1] durch Alexander Preston und Andrew Goodwin[2]
Sitz Heidelberg, Deutschland[3]
Leitung Klaus Hufnagel[3]
Mitarbeiter rund 300[1]
Umsatz 82 Mio. Euro (2014)[1]
Branche Preisvergleich und Vertragsvermittlung
Website www.verivox.de

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Verbraucherportal[7] wurde 1998 in Heidelberg von Andrew Goodwin und Nikolaus Starzacher gegründet und startete mit dem Schwerpunkt Telekommunikation[8]. 1999 stieg Goodwins Cousin Alexander Preston mit in das Unternehmen ein. Nach der Liberalisierung des Energiemarktes wurde im Jahr 2000 der Bereich Strom und 2005 der Bereich Gas hinzugefügt. Ende 2005 gab Starzacher den Geschäftsführerposten ab.[9]

2007 richtete sich das Unternehmen international aus.[1] Starzacher und zwei weitere Gesellschafter, Stefan und Robert Herr, verkauften für insgesamt 2,8 Millionen Euro ihre Anteile in Höhe von 71,4 Prozent an den irischen Medienkonzern Independent News & Media (INM). Preston und Goodwin verkauften ebenfalls an INM, erhielten dafür aber kein Geld, sondern einen Anteil von 25,5 % an der Käufergesellschaft.[10]

2008 wurde die i12 GmbH (Betreiber der Plattformen tarife.de, onlinekosten.de, strom-magazin.de und sphone) und die Maximilian Online Media GmbH (Betreiber der Plattformen stromseite.de, billiger-surfen.de und billiger-telefonieren.de) übernommen, beide Firmen haben ihren Sitz im hessischen Linden. Im Dezember 2009 erwarb die private britische Beteiligungsgesellschaft Oakley Capital von INM deren Mehrheitsanteil von 51 %, die beiden Unternehmensgründer hielten seither zusammen 49 % (jeweils 24,5 %) an Verivox.[2]

2010 wechselte Goodwin in den Aufsichtsrat, 2012 Preston. Im Mai 2012 wurde Chris Öhlund neuer CEO der Verivox-Gruppe (Verivox Holdings, London), Klaus Hufnagel ist Geschäftsführer der deutschen Verivox GmbH.[11]

2014 kaufte Verivox die Marken transparo und aspect-online sowie von Holtzbrinck Digital und Rocket Internet deren Anteile am Mitbewerber TopTarif. Am 25. Juni 2015 wurde Verivox von der ProSiebenSat.1 Media SE zu einem Anteil von 80 % des Kapitals übernommen, den Rest hält weiter Oakley Capital.[12]

OrganisationBearbeiten

Verivox ist in Deutschland vor allem mit dem Preisvergleichsportal Verivox.de präsent. Das Tochterunternehmen i12 GmbH in Linden betreibt unter anderem das Strom-Magazin, das DSL-Magazin, das Call-Magazin, onlinekosten.de und Tarife.de. Das ebenfalls in Linden ansässige Tochterunternehmen Maximillian Online Media GmbH betreibt die Portale billiger-telefonieren.de, billiger-surfen.de und stromseite.de. Im Mai 2014 wurde außerdem die Marke des von HUK-Coburg aufgegebenen KFZ-Versicherungsvergleichsportals transparo.de erworben. Im Juli 2014 erfolgte die Übernahme von Toptarif.de von der Holtzbrinck Digital GmbH [13].

AuszeichnungenBearbeiten

Verivox erhielt unter anderen folgende Auszeichnungen:

  • 2015: Testsieger der Studie Vergleichsportale Kfz-Versicherungen des Deutschen Instituts für Service-Qualität[14]
  • 2013: Testsieger beim Deutschen Institut für Service-Qualität in der Kategorie Energietarifrechner mit ersten Plätzen in den Teilbereichen Service und Preis[15][16]
  • 2013: Testsieger Stiftung Warentest (Gesamtnote 2,6 – befriedigend; siehe Abschnitt Kritik).[17]
  • 2010: Innovationspreis-IT 2010 der Initiative Mittelstand unter Schirmherrschaft des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie
  • 2008: Testsieger Stiftung Warentest mit sehr gut[18]
  • 2008: Öko-Test-Testsieger für den Stromtarifrechner

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben TÜV-geprüft.[19]

KritikBearbeiten

Seine Unabhängigkeit ist 2011 in Frage gestellt worden, weil es zum Teil Geld mit verdeckten Provisionen verdient haben soll, die es von vermittelten Anbietern erhält.[20][21] Verivox bestreitet dies. Die Transparenz sei durch seine Veröffentlichung und Erläuterung der Liste aller Partner im Bereich Energieversorgungsunternehmen[22] gegeben.[23]

Mitte 2011 wurde Verivox vom Handelsblatt vorgeworfen, es hätte schon vor der Pleite von Teldafax früh von dessen Zahlungsschwierigkeiten gewusst und Teldafax Preise von Konkurrenten weitergegeben, damit Teldafax seine Preise so gestalten konnte, dass es im Vergleich von Verivox fast immer am besten abschnitt. Verivox bestritt die Vorwürfe und witterte einen Racheakt teurer Anbieter.[24]

Ein in diesem Zusammenhang vom Anbieter Flexstrom angestrengtes Strafverfahren[25][26][27] wurde von der Staatsanwaltschaft Mannheim eingestellt.[28] Der Bund der Energieverbraucher erklärte die Kritik für überzogen.[29] Ende 2011 klagte Flexstrom gegen Verivox, weil dieses einen den Kunden versprochenen Bonus nicht in die Preise einrechnete. Das Unternehmen verteidigte sich damit, dass der Bonus nur versprochen, aber in mehreren Tausend Fällen Beschwerden vorlägen, dass er nicht gezahlt worden sei. Das Landgericht Heidelberg entschied im Juli 2013 zugunsten von Verivox und wies die Klage ab.[30] Im Zuge der Rechtsauseinandersetzung stellte Verivox die Partnerschaft mit Flexstrom ein, zeigte deren Tarife aber trotzdem weiter an,[31] wenn sich „Verbraucher bewusst dafür entscheiden, auch Tarife darstellen zu lassen, die nicht den Verivox-Richtlinien zum Verbraucherschutz entsprechen“.[23]

2012 wies das Landgericht Heidelberg eine Schadensersatzklage von fünf früheren Mitgesellschaftern ab, die ihre Anteile 2006 für 2,72 Millionen Euro verkauft hatten.[32] Sie behaupteten, das Unternehmen habe sie damals über die Zukunftserwartungen im Unklaren gelassen. Ihre Anteile seien 290 Millionen Euro wert gewesen.[33]

Die Stiftung Warentest hat im Februar 2013 die Voreinstellungen der Stromtarifvergleichsportale kritisiert. Auch wenn Verivox mit der Note 2,6 (befriedigend) noch am besten abschnitt, so wurden doch auch hier irreführende Vergleiche und mangelnde Unabhängigkeit kritisiert.[17] Inzwischen bietet Verivox auch einen Tarifvergleich nach den Empfehlungen der Stiftung Warentest an.[34][35]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Verivox: Über uns. Verivox.de, abgerufen am 6. Juli 2016.
  2. a b verivox.de
  3. a b Impressum. Verivox.de.
  4. Flexstrom klagt gegen Verivox – Verivox kappt Vertrag. derwesten.de, 20. Dezember 2011, abgerufen am 24. Februar 2013.
  5. Check24 drängelt in den Bankvertrieb. In: Financial Times Deutschland, 29. Mai 2012, abgerufen am 24. Februar 2013.
  6. Heinz-Roger Dohms, Anja Krüger: Was Vergleichsportale leisten – und was nicht. Stern.de, 31. Mai 2012, abgerufen am 24. Februar 2013.
  7. Stefan Schultz: Saison 2013: So entgehen Sie der Heizkostenfalle. Spiegel online, 3. April 2012, abgerufen am 24. Februar 2013.
  8. [1]
  9. [2]
  10. [3]
  11. : Chris Öhlund neuer CEO bei Verivox. Verivox, 4. Mai 2012.
  12. Übernahme - Pro Sieben kauft Verivox. In: SZ. Abgerufen am 25. Juni 2015.
  13. Verivox übernimmt Mehrheitsanteile an TopTarif. Verivox, abgerufen am 11. Juni 2016.
  14. Studie Kfz-Versicherungsportale – Große Unterschiede beim Tarifvergleich. In: Deutsches Institut für Service-Qualität, 15. Januar 2015.
  15. Test von Vergleichsportalen – Diese Rechner finden die besten Strom- und Gastarife. In: Focus Online, 24. September 2013.
  16. Bestes Vergleichsportal im Bereich Energie
  17. a b Stiftung Warentest: Stromtarifrechner: Kein Vergleichportal ist gut. In: test 3/2013, S. 60–65 und test.de vom 21. Februar 2013.
  18. Stiftung Warentest: Test von Stromtarifrechnern. In: test 9/2008, S. 65–69 und test.de vom 12. September 2008.
  19. Zertifizierungen von Verivox. Verivox, abgerufen am 19. April 2012.
  20. Intransparente Preise. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2011 (online).
  21. Sönke Iwersen, Jürgen Flauger: Kunden sind empört über Verivox. In: Handelsblatt, 19. September 2011. Abgerufen am 24. Februar 2013.
  22. Verivox: Unsere Geschäftspartner. Abgerufen am 5. Juli 2012.
  23. a b Verivox: Bitte um Korrektur des Wikipediaartikels vom 8. Mai 2012.
  24. Teldafax-Skandal: Verivox wehrt sich gegen Vorwurf unsauberer Geschäfte. Spiegel Online, 16. September 2011, abgerufen am 24. Februar 2013.
  25. Staatsanwaltschaft Heidelberg, 320 Js 28010/11.
  26. TelDaFax: Strafanzeige gegen verivox
  27. Im Zusammenhang mit TelDaFax: Strafanzeige gegen verivox. In: themenportal.de. 07/05/2012 14:53:09, archiviert vom Original am 5. Juli 2012, abgerufen am 5. Juli 2012.
  28. Staatsanwaltschaft Mannheim, AZ 628 Js 3889/12
  29. Bund der Energieverbraucher: Kritik an Verivox überzogen. vom 21. September 2011.
  30. Vergleichsportal Verivox durfte Flexstrom rote Karte zeigen – Gericht bestätigt Verbraucherschutz-Richtlinien. Die Welt online
  31. FlexStrom klagt gegen Verivox. In: Handelsblatt, 20. Dezember 2011, abgerufen am 24. Februar 2013.
  32. Gericht weist Schadenersatzklage gegen Verivox zurück. Die Welt
  33. spiegel.de
  34. Strompreisvergleich nach Stiftung Warentest.
  35. Stromtarifrechner: Verivox übernimmt Finanztest-Kriterien.