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Verfassungsgebung (auch Verfassunggebung) bezeichnet sowohl den Vorgang als auch das Ergebnis der Ausarbeitung und Inkraftsetzung einer Verfassung.[1] Durch eine Verfassungsgebung wird mit der zuvor bestehenden Verfassung und/oder Verfassungslage gebrochen[1] oder eine verfasste Staatsgewalt erst hervorgebracht.[2] Bestehende Verfassungen enthalten zumeist zwar Regeln zur Verfassungsänderung, jedoch keine zur Verfassungsgebung. Die Ablösung einer bestehenden durch eine neue Verfassung ist also in der Regel verfassungsrechtlich nicht vorgesehen und eine originäre Verfassungsgebung ist somit keine Frage des Verfassungsrechts. Als Handlungen des pouvoir constituant sind Verfassungsgebungen mithin nicht an die Vorgaben der vorherigen Verfassung gebunden. Neue Verfassungen entstehen zunächst zumeist entweder aufgrund revolutionärer Prozesse oder durch eine umfassende Revision („Totalrevision“) der zuvor bestehenden Verfassung.[3] Des Weiteren können (nach Alexander Proelß) verschiedene Formen der Verfassungsgebung unterschieden werden:[4]

Damit sind weitere Formen der Verfassungsgebung jedoch nicht ausgeschlossen. So sind die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1848 und die Verfassung der Vereinigten Staaten durch übereinstimmende Parlamentsbeschlüsse in den Gliedstaaten, die sich jeweils mit den Verfassungsgebungen zu Bundesstaaten zusammenschlossen, in Kraft gesetzt worden. Auch das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland bezieht seine Legitimität unter anderem aus der Ratifikation durch die Landesparlamente.[2]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Vgl. Manfred G. Schmidt: Verfassungsgebung. In: ders.: Wörterbuch zur Politik (= Kröners Taschenausgabe, Bd. 404). 2., vollständig überarbeitete u. erweiterte Auflage, Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-40402-8, S. 740.
  2. a b Verfassungsgebung. Auf: Rechtslexikon.net. Abgerufen am 10. Juli 2014.
  3. Vgl. Rainer Hofmann: Verfassungsrecht I, § 4. Verfassungsgebung, Wintersemester 2012/2013. Abgerufen am 31. Juli 2014.
  4. Alexander Proelß: Allgemeine Staatslehre, VI. Verfassungsgebung, Verfassungsänderung, Republik, Demokratie (Memento des Originals vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wsi.uni-kiel.de, Wintersemester 2010/2011. Abgerufen am 31. Juli 2014.