VW EA111

Ottomotoren-Baureihe der Volkswagen AG

Die Baureihe EA111 (EA = Entwicklungsauftrag) sind in Chemnitz und Salzgitter gebaute wassergekühlte Drei- und Vierzylinder-Reihenmotoren des Volkswagen-Konzerns.[1] Eingesetzt werden die Motoren der Baureihe EA111 unter anderem im Polo, im Golf, im Touran, Audi A2 und im Lupo.[2]

Volkswagen AG
EA111 Polo 6N.jpg
EA111
Produktionszeitraum: seit 1974
Hersteller: Volkswagen AG
Funktionsprinzip: Otto
Motorenbauform: Reihenmotor
Ventilsteuerung: OHC / DOHC
Hubraum: ab 999 cm3
Gemischaufbereitung: verschiedene
Motoraufladung: teilweise
Leistung: ab 25 kW
Vorgängermodell: VW EA801
Nachfolgemodell: VW EA211

BeschreibungBearbeiten

Die Baureihe EA111 ist vielfältig, von den verschiedenen Motoren wurden überwiegend solche mit 1,0, 1,4 und 1,6 Liter Hubraum gebaut.[3] Ein klassischer Motor der 111er-Baureihe, der überwiegend bei Volkswagen Slovakia gefertigt wurde,[3] ist ein Vierzylindermotor mit einer Bohrung von 76,5 mm und einem Hub von 75,6 mm und dementsprechend 1390 cm³ Hubraum.[4][2]

GeschichteBearbeiten

In den 1970er-Jahren entwickelte VW auf Basis des EA111 auch einen Dieselmotor für den Golf I.[5] 1984 baute VW versuchsweise einen 1,05 l-EA111-Motor längs in das Heck eines Käfer ein, um ihn technisch zu modernisieren. Zur Serienproduktion kam es jedoch nicht, das Fahrzeug ist heute im Automuseum Volkswagen ausgestellt. 2010 wurde bekannt, dass der EA111 in China ohne Lizenz nachgebaut wurde.[6]

Im Laufe der Zeit erfuhr der Motor erhebliche Überarbeitungen. Ab dem Jahr 2000 wurden einige Versionen des Motors mit Direkteinspritzung und Schichtladung ausgerüstet und von Volkswagen als FSI vermarktet. Ab 2003 erfolgte die Umstellung von Zahnriemen auf Steuerkette. Ab 2005 bekamen einige Versionen eine Aufladung und wurden fortan von Volkswagen als TSI bezeichnet. Diese Motoren hatten erhebliche Probleme mit der Standfestigkeit der Steuerkette[7].

EA111 in der DDRBearbeiten

1982 nahm Gerhard Beil, damaliger Staatssekretär im DDR-Außenhandelsministerium mit Carl H. Hahn, dem Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Verhandlungen über die Lizenz für den EA111 inklusive kompletter Fertigungseinrichtung auf. 1984 wurde der Vertrag abgeschlossen, 1988 wurde die Fertigungsanlage bei Chemnitz von VW an das IFA-Kombinat übergeben. Für die Pkw Wartburg 1.3 und Trabant 1.1 sowie den Kleintransporter Barkas B 1000-1 wurden ab 1988 komplette Vierzylindermotoren gefertigt, ab 1989 wurden zusätzlich Rumpfmotoren (Motoren ohne Zylinderkopf) für Volkswagen hergestellt, innerhalb von fünf Jahren sollten 500.000 EA111 für Volkswagen hergestellt werden.[8]

Nach der Wende wurde die Fertigung in Chemnitz fortgesetzt, 37 % aller VW-EA111 wurden dort hergestellt, 63 % liefen im Werk Salzgitter vom Band. Ab 1995 sollte dieses Verhältnis umgekehrt werden.[1]

EA111 heuteBearbeiten

 
VW EA111 CBZB im Golf V (105ps)

Der EA111 wurde bis 2011 in folgenden Fahrzeugen der Volkswagen AG mit 1.198 cm³ und 1.390 cm³ Hubraum eingebaut:

Die Leistung beträgt zwischen 63 und 77 kW.[10]

LiteraturBearbeiten

  • Andrea Eckardt: Qualifiziert diskutieren, weiter streiten, mehr mitgestalten!: 40 Jahre Kampf um Arbeit im Volkswagen-Werk Salzgitter, VSA-Verlag, 2010, ISBN 9783899654189.
  • Katrin Rohnstock: Mein letzter Arbeitstag: Abgewickelt nach 89/90. Ostdeutsche Lebensläufe, Edition Berolina, 2014, ISBN 9783867898256.
  • Mark C. Schneider: Volkswagen. Eine deutsche Geschichte. Berlin Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-8270-1322-4. (Mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis, Chronik und Personenregister)
  • Mark C. Schneider: Volkswagen: Eine deutsche Geschichte, eBook-Berlin-Verlag, 2016, ISBN 9783827079190.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Eckardt, Qualifiziert diskutieren, weiter streiten, mehr mitgestalten!: 40 Jahre Kampf um Arbeit im Volkswagen-Werk Salzgitter. S. 228
  2. a b Ulrich Speicher: Direkteinspritzung im Ottomotor IV: Forschungsergebnisse und aktueller Entwicklungsstand bei der Benzin-Direkteinspritzung expert verlag, 2003, ISBN 9783816922551, S. 158.
  3. a b Timo Ruppert: Modularisierung des Verbrennungsmotors als strategische Option in der Motorenindustrie. Kassel University Press, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3899582970, S. 78.
  4. Automotive Engineering International, Band 109, Automotive Engineering International, Automotive Engineering International, 2001, S. 64
  5. Brian Long: Zero Carbon Car: Green Technology and the Automotive Industry, Crowood, 2013, ISBN 9781847975140.
  6. Schneider: Volkswagen: Eine deutsche Geschichte
  7. Wunder Punkt beim TSI. 1. Juni 2018, abgerufen am 12. Januar 2019.
  8. Rohnstock: Mein letzter Arbeitstag: Abgewickelt nach 89/90. Ostdeutsche Lebensläufe
  9. a b c Peter Kirchberg: Die Implantation des VW-Motors in den DDR-Automobilbau. Ein Bericht zur Innovationsgeschichte der DDR. (PDF; 126 KB) In: Dresdener Beiträge zur Geschichte der Technikwissenschaften Nr. 28. 2003, S. 129, Fußnote 5, abgerufen am 14. Februar 2018.
  10. Motor1 com Team: VW Presents New 1.2 litre TSI and 1.6 litre TDI Engines for Golf and Polo. Abgerufen am 12. Oktober 2019 (englisch).

WeblinksBearbeiten

Commons: VW EA111 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien