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Urfahr

Stadtteil von Linz in Oberösterreich

Urfahr ist ein nördlich der Donau gelegener Stadtteil von Linz in Oberösterreich. Er grenzt an die Stadtteile Pöstlingberg und St. Magdalena sowie südlich der Donau an Froschberg, Innere Stadt und Kaplanhof. Urfahr war bis zu seiner Eingemeindung nach Linz im Jahr 1919 eine eigene Stadtgemeinde.[1] Umgangssprachlich werden oft alle nördlich der Donau gelegenen Stadtteile von Linz, also auch Pöstlingberg und St. Magdalena, zu Urfahr gezählt.

Linzer Stadtteil Urfahr
Statistische Bezirke des Linzer Stadtteils Urfahr
Basisdaten
Politischer Bezirk Linz (L)
Fläche 4,268 km²
Geografische Lage 48° 19′ N, 14° 17′ OKoordinaten: 48° 19′ N, 14° 17′ O
Höhe 266 m ü. A.
Einwohner 23.670 (Stand: 2017)
5546 Einwohner je km²
Postleitzahl 4040
Blick vom Schlossberg

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Blick auf Urfahr von der Linzer Burg. Ausschnitt aus einer Ansicht Wolf Hubers, 1511/13

Der Name Urfahr entwickelte sich aus dem Wort Überfahrt, die nötig war, um von Linz dorthin zu gelangen bzw. das Salz von den Linzer Ladestätten über die Donau zu schiffen, damit es über das Wegenetz des Linzer Steigs nach Freistadt, Leonfelden oder Schenkenfelden und weiter nach Böhmen transportiert werden konnte. Ab 1288 wird der Name Urfahr in Linzer Urkunden als Wohnortbestimmung von Linzer Bürgern verwendet, damals aber noch am rechten Donauufer, wo sich auch das 1318 erstmals erwähnte Urfahrtor befand.[2] Im Jahr 1360 erscheint Urfahr zum ersten Mal unzweifelhaft als Bezeichnung für die heutige Ortschaft am linken Donauufer, und zwar im Testament der Witwe des angesehenen Linzer Bürgers Otto Maywiser.[2]

Ein „Gnadenbrief“ Kaiser Friedrichs III. von 1492 erlaubte den Urfahranern, eine Kapelle zu errichten und Messen lesen zu lassen, durch Iren pfarrer unnd seine Caplain. Eine Ortsansicht von 1511/13 zeigt die heute nicht mehr bestehende Nikolaikirche als hohen gotischen Bau mit Dachreiter. Ein zugleich eingereichtes Ersuchen um Markterhebung wurde abgelehnt.[3] Im 15./16. Jahrhundert wird ein Edelsitz zu Harbach erwähnt.

Weil ein Eisstoß vier Joch der Donaubrücke fortgerissen hatte, hatten die Urfahrer und Linzer Schiffsleute alle Mühe, das berüchtigte Passauer Kriegsvolk im Jahr 1611 über die Donau zu schaffen.

Markt Urfahr (1808–1882)Bearbeiten

 
Urfahranermarkt Mai 2006

Das Marktrecht strebten die Urfahraner seit 1492 immer wieder an. 1635 versuchte die Herrschaft Steyregg, die Marktfreiheiten für Urfahr zu erlangen. 1709, 1717, 1753 und 1769 befürwortete die Herrschaft Wildberg wiederholt und vergeblich die Markterhebung, weil der Schutz der alten Linzer Stadtprivilegien von den Behörden stets für vorrangig bewertet wurde. Am 16. Dezember 1808 erhielt Urfahr endlich das Marktrecht, wogegen sich die Linzer Jahrhunderte lang gewehrt hatten.

Die Markterhebung war die Voraussetzung, dass Kaiser Franz I. am 20. März 1817 ein (halb)jährliches Volksfest in Urfahr genehmigte, den Urfahraner Markt oder Urfahrer Markt. Erst seit 1902 wird der Jahrmarkt an der Urfahraner Donaulände, dem Jahrmarkt-Gelände, abgehalten und lockt tausende Besucher an. Neben Vergnügungseinrichtungen gibt es auch große Messehallen. Das Jahrmarkt-Gelände wird auch für Konzerte verwendet.

Stadt Urfahr (1882–1919)Bearbeiten

Am 4. November 1882 wurde Urfahr zur Stadt erhoben. Von 1832 bis 1872 verband die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden Urfahr mit Böhmen und dem Salzkammergut. Seit 1888 verbindet die Mühlkreisbahn den Bahnhof Linz-Urfahr mit Aigen-Schlägl im oberen Mühlviertel. 1919 wurde zunächst die Gemeinde Pöstlingberg, in der sich die Wallfahrtsbasilika befindet, von Urfahr eingemeindet, kurz danach wurde Urfahr selbst von Linz eingemeindet. Zum Zeitpunkt der Eingemeindung zählte Urfahr rund 15.000 Einwohner und war damit die größte Stadt des Mühlviertels sowie Bezirksstadt des Bezirkes Urfahr.

Neuere ZeitBearbeiten

Von 1945 bis zum Ende der Besatzungszeit 1955 war Linz entlang der Donau geteilt. Der Norden (Urfahr) war sowjetisch besetzt, der Süden (Linz) von den US-Amerikanern. Zonengrenze war der Brückenkopf der Nibelungenbrücke auf Urfahraner Seite.[4]

Vor der Errichtung des Neuen Rathauses wurden 1975 umfangreiche Assanierungsarbeiten in Alt-Urfahr West durchgeführt und dabei auch das Gebäude der ehemaligen Nikolaikirche, das mittlerweile als Wohnhaus diente, abgerissen.[5] Die Eröffnung des fertiggestellten Neuen Rathauses war am 27. September 1985.[6]

1995 fand ein Amoklauf am Bezirksgericht Urfahr-Umgebung statt (siehe Amoklauf von Urfahr).

2007 wurde der mobile Hochwasserschutzdamm Alt-Urfahr West fertiggestellt[7]. Der Bau dieses Hochwasserschutzes wurde beschlossen, nachdem das Donauhochwasser 2002 diesen Stadtteil bis zu 1,7 Meter überflutet hatte. Als Vorbild diente dabei der mobile Hochwasserschutzdamm in Krems, der 2002 bei diesem Hochwasser seine Bewährungsprobe bestanden hatte.[8]

Mit der Neugliederung der Linzer statistischen Bezirke 2014 gingen die ehemaligen zu Urfahr gehörigen Bezirke Alt-Urfahr, Heilham, Hartmayrsiedlung, Harbachsiedlung, Karlhofsiedlung und Auberg in Urfahr, Pöstlingberg und St. Magdalena auf.[9]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Im blauen Schilde ein Stadtthor aus weißem Mauerwerk auf grünem, querverlaufendem Ufer des den Flußrand durchfließenden Donaustromes, bestehend aus einer beiderseits abgestuften Mittelmauer zwischen zwei Thürmen, mit einer schwarzen, ein goldenes Fallgitter enthaltenden Thoröffnung zwischen goldenen Thorflügeln und zwei Fenstern, aus welcher divergierend eine silberne Straße zum Wasser niedergeht und die von einer goldenen, mit F. J. I., schwarz bezeichneten Tafel überhöht ist. Jeder Thurm hat ein mit einem goldenen Wetterfähnchen versehenes Spitzdach über drei spitzbedachten Zinnen, dann oben ein Bogenfenster und unten eine Querlucke und steht auf einem abgeschrägten Quadersockel, alle Bedachung ist golden. Den Strom übersetzt quer ein von Gold und Schwarz schräg links gestreifter, im Stern mit einer Flagge mit weißen Querbalken besteckter Überführnachen, gerudert von einem Fährmann und eingenommen von einem im Schnabel rücklings sitzenden Fahrgaste, jeder gekleidet in ein rothes Wams, schwarzes Beinkleid und rothe Kniestrümpfe und bedeckt mit einem weißbefederten schwarzen Filzhute mit breiten Krempe. Ober dem Thordache schwebt ein längs getheiltes Schildlein, welches rechts einen goldenen, rothbezungten Adler im schwarzen Felde enthält und links von Silber und Roth vierfach gepfahlt ist. Den Schild umgibt eine architektonisch gehaltene Arabeske, welche eine fünfzinnige Mauerkrone trägt, beide sind bräunlicher Farbe.“

Das Wappen wurde anlässlich der Stadterhebung im Jahre 1882 durch Kaiser Franz Josef verliehen.[10] Es wurde in dieser Form, ohne F. J. I., bereits vor der Markterhebung 1808 geführt.[11]

GebäudeBearbeiten

Siehe auch Liste der denkmalgeschützten Objekte in Linz-Urfahr

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Anton Estermann (1890–1970), Architekt und Politiker, geboren in Urfahr
  • Alois Rodlauer (1897–1974), Kampfflieger des Ersten Weltkriegs mit 5 Luftsiegen, geboren in Urfahr
  • Franz Angel (1919–1974), Mineraloge, Petrograph und Hochschullehrer, geboren in Urfahr

Bürgermeister von UrfahrBearbeiten

Seit dem Gemeindegesetz vom 19. September 1949 gab es folgende Bürgermeister für die Verwaltungseinheit Urfahr:[12]

  • 1849–1856: Karl Wischer (1797–1856). Letzter Marktrichter und erster Bürgermeister von Urfahr[13]
  • 1856–1861: Josef Steinbauer (1796–1869)[14]
  • 1861–1867 und 1873–1875: Johann Michael Schwarz (1812–1875), Apotheker[15]
  • 1867–1873 und 1875–1886: Leopold Stadlbauer, Kreuzwirt
  • 1886–1894: Josef Kaar (1830–1894)[16]
  • 1894–1901: Andreas Ferihumer, Wirt und Weinhändler
  • 1901–1919: Heinrich Hinsenkamp (1862–1934)[17]
  • 1945–1955 (russische Besatzung): Ferdinand Markl (1898–1960)[18]

Linzer DonaubrückenBearbeiten

 
Die Nibelungenbrücke mit Blick von Urfahr nach Linz

Der Brückenbrief Maximilians I. vom 3. März 1497 gestattete erstmals eine Verbindung zwischen Linz und Urfahr. Diese Brücken blieben jahrhundertelang Holzkonstruktionen; erst 1872 wurde eine eiserne Brücke fertiggestellt.[19] Der Bau der heutigen Nibelungenbrücke wurde am 13. Mai 1938 von Adolf Hitler befohlen. Von 27. Juli 1945 bis 8. Juni 1953 stellte die Nibelungenbrücke den Grenzübergang zwischen amerikanischer (südlich der Donau) und russischer (nördlich der Donau) Besatzungszone dar.

Die am 14. November 1900 eröffnete Eisenbahnbrücke wurde im Sommer 2016 abgebrochen. Als Nachfolger wird seit Juli 2018 eine neue kombinierte Brücke errichtet, die als Donauübergang neben zwei Fahrspuren sowie Geh- und Radwegen auch Platz für eine neue Straßenbahnachse bietet.

Seit 16. Dezember 1972 existiert die nach der VÖEST benannte VÖEST-Brücke als Teil der A7 Mühlkreisautobahn.

Seit Jahrzehnten wird über eine vierte Donaubrücke zwischen Urfahrwänd und Oberer Donaulände diskutiert, die bereits 2015 eröffnet hätte werden sollen. Diese wird Teil der geplanten A26 Linzer Autobahn sein.

TriviaBearbeiten

Die Einwohner von Urfahr heißen Urfahraner. Im Vergleich zu anderen Linzer Stadtteilen besteht bei Teilen der älteren Generation in Urfahr ein – nach Roman Sandgruber historisch bedingter – besonders ausgeprägter Lokalpatriotismus.[20][21]

Der Linzer Stadtteil Urfahr fand auch in der Musik seine Würdigung; so schrieben Hans Lang und Erich Meder das bekannte Lied Aus Urfahr war mein Vorfahr,[22] das in der Folge auch mit anderen Texten interpretiert wurde, z. B. als Im Tröpferlbad oder In der Straßenbahn von Pirron und Knapp.

Werner Brüggemann komponierte das Urfahraner Lied.[23]

Die Band Attwenger begann ihre Karriere 1989 bei der Vorgänger-Band Urfahraner Durchbruch.

LiteraturBearbeiten

  • Anton Ziegler: Rückblick auf die Geschichte der Stadt Urfahr a. D. in Oberösterreich. Linz 1920, 208 Seiten, online auf digi.landesbibliothek.at.
  • Norbert Kriechbaum: Zur Vorgeschichte der Pfarre Urfahr. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 2001. Linz 2003, S. 379–385, online (PDF) im Forum OoeGeschichte.at.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Urfahr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eingemeindung; Land Oberösterreich 1919
  2. a b Ziegler 1920, S. 18f.
  3. Kriechbaum 2003, S. 380.
  4. Rudolf Lehr: Landeschronik Oberösterreich. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85498-331-6, S. 364.
  5. Kriechbaum 2003, S. 385.
  6. Rudolf Lehr: Landeschronik Oberösterreich. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85498-331-6, S. 483 (Eröffnung).
  7. Zeittafel 21. Jahrhundert auf stadtgeschichte.linz.at.
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 30. September 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.linz.at
  9. linz.at: Stadtgebiet – Statistische Bezirke (Neugliederung 2014), aufgerufen am 15. Februar 2017.
  10. Ziegler 1920, S. 92.
  11. Ziegler 1920, S. 91f.
  12. Ziegler 1920, S. 156.
  13. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=3113 Wischerstraße
  14. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=2953 Steinbauerstraße
  15. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=2934 Schwarzstraße
  16. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=1973 Kaarstraße
  17. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=1839 Hinsenkampplatz
  18. http://www.linz.gv.at/strassennamen/Default.asp?action=strassendetail&ID=1702 Ferdinand-Markl-Straße
  19. Geschichte der Stadt Linz und Zeittafel 1848–1900 In: linz.at, aufgerufen am 15. Februar 2017.
  20. Kerstin Scheller: Geteiltes Miteinander am Wasser. Der Standard vom 13. Oktober 2014, abgerufen am 2. Oktober 2018.
  21. Vgl. Liedtext Mir san Urfahraner. (PDF) von Florian Schön.
  22. Maria Andergast, Hans Lang: Aus Urfahr war mein Vorfahr. auf youtube.com.
  23. Werner Brüggemann – Urfahraner Lied. auf discogs.com.