Unterreichenbach (Schwabach)

Stadtteil von Schwabach, Bayern, Deutschland

Unterreichenbach ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Schwabach im bayerischen Mittelfranken.

Unterreichenbach
Stadt Schwabach
Koordinaten: 49° 19′ 45″ N, 10° 59′ 38″ O
Höhe: 340–355 m ü. NHN
Einwohner: 1349 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 20. Februar 1960
Postleitzahl: 91126
Vorwahl: 09122
Porträts von Wilhelm Friedrich, Markgraf von Brandenburg-Ansbach, und seiner Frau
St. Jakobus, Unterreichenbach

GeographieBearbeiten

Das Pfarrdorf bildet mit dem östlich gelegenen Schwabach eine geschlossene Siedlung. Die Schwabach fließt nördlich des Ortes vorbei. Die Volkach mündet dort als rechter Zufluss in die Schwabach. Ca. 0,5 km südlich liegt das Waldgebiet „Vogelherd“, ca. 0,5 km nördlich das Waldgebiet „Reut“.[2]

GeschichteBearbeiten

Unterreichenbach ist als kleiner, an einer Mühle angelegter Weiler am Unterlauf des Reichenbachs vermutlich im 9. Jahrhundert entstanden.

Im 13. Jahrhundert bestand der Ort aus 6 Ganzhöfen.[3] 1313 wird der Ort im Lehensverzeichnis des Ramung IV. von Kammerstein als „Nydernreichenbach“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Burggrafschaft Nürnberg hatte im Ort Ansprüche, in dessen Nachfolge die Markgrafschaft Ansbach. Im markgräflichen Salbuch von 1434 sind für „Nidernreichenbach“ als Besitz 2 Höfe, 3 Seldengüter und 1 Mühle verzeichnet. 1530 werden neben diesen Gütern 7 fremdherrische Anwesen aufgelistet: 3 Anwesen unterstanden der Reichsstadt Nürnberg, 2 dem Hochstift Eichstätt, 1 der Familie Linck zu Schwabach und 1 der Familie Kun aus Roth. Unterreichenbach hatte also 13 Haushalte. 1623 sind für den Ort nur noch 10 Haushalte verzeichnet: 5 Anwesen unterstanden dem Fürstentum Ansbach (Kastenamt Schwabach: 4, Schwabacher Rat: 1), 1 Anwesen dem eichstättischen Kastenamt Abenberg, 1 Anwesen der Familie Linck und 3 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg. 1732 gab es laut den Oberamtsbeschreibungen von Johann Georg Vetter in Unterreichenbach 17 Haushalte, von denen 13 Anwesen dem Kastenamt Schwabach unterstanden, 2 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Amt St. Klara: 1, Spitalamt Hl. Geist), 1 Anwesen dem Nürnberger Eigenherrn von Stromer und 1 Anwesen dem Kastenamt Abenberg.[4] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Unterreichenbach bereits 27 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 23 Anwesen dem Kastenamt Schwabach, 1 Anwesen dem eichstättischen Kastenamt Abenberg und 2 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Amt St. Klara und Pillenreuth: 1, Spitalamt Hl. Geist: 1) und 1 Anwesen dem Nürnberger Eigenherrn von Stromer. Neben den Haushalten gab es noch die Filialkirche und kommunale Gebäude (Hirtenhaus, Schule).[5] 1802 gab es im Ort 29 Haushalte, von denen 25 dem Oberamt Schwabach unterstanden und 4 Fremdherren.[6]

1806 kam Unterreichenbach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Unterreichenbach gebildet, zu dem die Orte Oberreichenbach, Putzenreuth, Volkersgau und Waikersreuth gehörten. 1818 wurde die Ruralgemeinde Unterreichenbach gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1920 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 wurde Unterreichenbach vom Bezirksamt Schwabach (1938 in Landkreis Schwabach umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Schwabach und kam ab 1880 zum Amtsgericht Schwabach.[7] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 13,387 km².[8]

Am 20. Februar 1960 wurde die Gemeinde Unterreichenbach aufgelöst. Der namengebende Ortsteil wurde auf eigenen Wunsch in die Stadt Schwabach eingegliedert. Die verbliebene Gemeinde, zu der die Orte Volkersgau, Oberreichenbach, Waikersreuth und Putzenreuth gehörten, behielt für einige Wochen den alten Gemeindenamen. Die Umbenennung in „Volkersgau“ erfolgte schließlich am 9. Juni 1960.[9] Am 1. Mai 1978 wurde Volkersgau im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Gemeinde Kammerstein eingegliedert.[10]

SchlossBearbeiten

Das Schloss wurde von Johann Matthias Händel von Gobelsburg erbaut und 1655 fertiggestellt. 1695 kaufte es der aus der österreichischen Exulantenfamilie stammende Johann Adam Permayr. Im September 1712 erwarb es der Markgraf (und Bruder der britischen Königin Caroline) Wilhelm Friedrich für den Preis von 5.000 Reichstalern. Er ließ es zum Jagdsitz umbauen. Später wurde es von seinem Sohn Carl Wilhelm Friedrich bewohnt. Es diente ihm bis zum Mai 1749 als Jagdsitz. Der Schwabacher Brunnen am Marktplatz zeigt heute noch die Porträts der markgräflichen Familie. Danach kam das Schloss in private Hände. 1914 wurde das Schloss abgerissen, 1967 folgte der Abriss des Hintergebäudes. Heute ist nur noch eine Gedenktafel übrig.

KircheBearbeiten

Das Patronat der Unterreichenbacher Kirche ist nicht gesichert. Der Kirchweihtermin am Sonntag vor dem 25. Juli, dem Gedenktag des Apostels Jakobus des Älteren, lässt darauf schließen, dass die Unterreichenbacher Kirche eine Jakobskirche ist. Die heutige Kirche wurde 1496 im gotischen Stil neu erbaut. Eine romanische Vorgängerkirche entstand bereits im 13. oder 14. Jahrhundert.

Auf dem Friedhof ist der Maler Alfred Kohler beerdigt.

Weitere BaudenkmälerBearbeiten

  • Ehemalige Bauernhöfe
  • Ehemaliges Schlossgärtnerhaus
  • Pfarrhaus
  • Ehemalige Mühle

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Unterreichenbach

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952
Einwohner 563 638 619 650 632 667 701 669 662 686 603 617 638 644 651 662 700 806 953 1343 1376 1364
Häuser[11] 85 75 122 117 128 131 182
Quelle [12] [13] [14] [14] [15] [14] [16] [14] [14] [17] [14] [14] [18] [14] [14] [14] [19] [14] [14] [14] [8] [14]

Ort Unterreichenbach

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 289 354 357 396 390 365 386 989 1207 1271 1349
Häuser[11] 39 39 66 67 73 123 199 352
Quelle [12] [13] [15] [16] [17] [18] [19] [8] [20] [21] [1]

SportBearbeiten

Der SV Unterreichenbach wurde am 8. Mai 1935 gegründet. Erfolg verzeichnet er v. a. in der Fußballabteilung:

VerkehrBearbeiten

Die Staatsstraße 2239 führt nach Schwabach bzw. an Gustenfelden vorbei nach Kottensdorf. Ein Gemeindeverbindungsstraße führt nach Oberreichenbach.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 324 (Digitalisat).
  2. Unterreichenbach im BayernAtlas
  3. F. Eigler, S. 246.
  4. F. Eigler, S. 240f.
  5. F. Eigler, S. 427f.
  6. J. K. Bundschuh, Bd. 5, Sp. 643.
  7. F. Eigler, S. 486.
  8. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1128 (Digitalisat).
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 568.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 733.
  11. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  12. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 96 (Digitalisat). Für die Gemeinde Unterreichenbach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Buzenreuth (S. 15), Oberreichenbach (S. 68), Volkersgau (S. 98), Waikersreuth (S. 99).
  13. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 239–240 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 637 Einwohner.
  14. a b c d e f g h i j k l m n Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 184, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  15. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1088, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  16. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1254, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1190 (Digitalisat).
  18. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1262 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1299–1300 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 750 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 167 (Digitalisat).