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Unterland (Liechtenstein)

Wahlkreis von Liechtenstein
Unterland (Liechtenstein) (Liechtenstein)
Eschen
Eschen
Gamprin
Gamprin
Mauren
Mauren
Ruggell
Ruggell
Schellenberg
Schellenberg
Gemeinden des Unterlands

Das Unterland ist eine Region und ein Verwaltungsgliederung in Liechtensteins. Das Unterland setzt sich zusammen aus dem am Eschnerberg liegenden Gemeinden Eschen, Gamprin, Mauren und Ruggell sowie der Gemeinde Schellenberg auf dem Eschnerberg. Ende 2017 hatte das Unterland 13 793 Einwohner (36 % der liechtensteinischen Bevölkerung) und eine Fläche von 35,0 km² (22 % der liechtensteinischen Landesfläche).[1]

GeschichteBearbeiten

 
Eschnerberg, unmittelbar davor Gamprin-Bendern und rechts Eschen, hinter dem Eschnerberg Österreich

Das Unterland ist der nördliche Landesteil Liechtensteins und umfasst das Territorium der ehemaligen Herrschaft Schellenberg. Die Begriffe Unterland und Oberland sind offenbar erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich geworden. Vorläufer waren spätestens ab dem frühen 18. Jahrhundert die Bezeichnungen Untere und Obere Landschaft. 1848 hatten Karl Schädler und Landvogt Johann Michael Menzinger erwogen, die Gemeinden Schaan und Planken dem kleineren Unterland zuzuschlagen.

Nachdem der Wert des Österreichischen Guldens, der seit 1859 gesetzliches Zahlungsmittel in Liechtenstein war, gesunken war, kam es zu Nachteilen im Handel mit der Schweiz und zu einer politischen Krise. Im Oberland wurde die Einführung der stabileren Goldwährung wie in der Schweiz gefordert. Die Unterländer trieben vor allem Handel mit Vorarlberg und sprachen sich grösstenteils für den Beibehalt des bisherigen Systems aus. Sie setzten ihre Interessen gegen das grössere Oberland durch, worauf 1878 zwei eigenständige Wahlbezirke geschaffen wurden.[2] Seither sichert eine garantierte Zahl von Landtagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern dem Unterland seine Minderheitenrechte.

Grenze zum OberlandBearbeiten

 
Blick von Planken auf die Grenze zwischen Oberland (links) und Unterland (rechts)[3]
Blau: Scheidgraben
Gelb: Grenze zwischen Ober- und Unterland westlich und östlich des Scheidgrabens
Rot: Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz

Die Grenze zwischen Unter- und Oberland bildet hauptsächlich der Scheidgraben. Er entspringt im Naturschutzgebiet Schwabbrünnen-Äscher, verläuft in Ost-West-Richtung durch das grosse Riet zwischen Eschen und Schaan und mündet in den Liechtensteiner Binnenkanal.[4] Der Scheidgraben fällt jedoch heute im Landschaftsbild kaum mehr auf, anders als die Siedlungen der zwischen den beiden durch das Riet räumlich deutlich getrennten beiden Landesteile.

KulturellesBearbeiten

Für die kollektive Identität war neben der Zugehörigkeit zum Land Liechtenstein auch jene zu einem der beiden Landesteile – wie auch zu einer einzelnen Gemeinde – zumindest früher von Bedeutung. Unterland und Oberland unterscheiden sich im Dialekt (Liechtensteinische Mundarten). Die im Oberland für die Unterländer verwendete abwertende Bezeichnung «Tschügger» deutet auf eine mentale Abgrenzung hin.

Siehe auchBearbeiten

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Liechtenstein in Zahlen 2019. Amt für Statistik Fürstentum Liechtenstein, Januar 2019 (PDF; 1,6 MB)
  2. Donat Büchel: Münzwirren. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011.
  3. Karte des Bundesamts für Landestopografie swisstopo (online), abgerufen am 9. Juli 2019.
  4. Jürgen Schindler: Scheidgraben. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011.