Hauptmenü öffnen

Unterkochen

Stadtteil von Aalen, Baden-Württemberg, Deutschland

GeografieBearbeiten

Unterkochen liegt im Kochertal am Rande der Schwäbischen Alb. Der Ort ist westlich von den Hängen des Albuchs sowie östlich vom Härtsfeld umgeben.

Die Gemarkung des Stadtbezirks Aalen-Unterkochen hat eine Fläche von 2145 ha, wovon allerdings nur etwa 6 % bebaut sind. Der Rest unterteilt sich in Waldflächen (ca. 74 %), Landwirtschaftsfläche (ca. 14 %) und sonstige Gebiete (ca. 6 %).

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind in südlicher Richtung entlang der B 19 Oberkochen, nördlich Aalen. Außerdem liegt im Osten auf der Hochfläche des Härtsfelds der Aalener Stadtbezirk Ebnat. Das Bezirksgebiet Unterkochens grenzt außerdem an zwei weitere Stadtbezirke, im Nordosten an Waldhausen und im Norden an Hofen.

StadtbezirksgliederungBearbeiten

Zum Stadtbezirk gehören die Stadtteile Unterkochen, Birkhöfe, Glashütte, Neukochen, Neuziegelhütte, Pulvermühle sowie Stefansweiler Mühle.

RaumplanungBearbeiten

Unterkochen ist als Stadtbezirk in das Mittelzentrum Aalen innerhalb der Region Ostwürttemberg eingebettet.

GeschichteBearbeiten

Unterkochen wurde um 1136 als „Cochon“ erstmals erwähnt. Die Siedlung entstand um ein Schloss („Kocherburg“), das bereits 1300 erwähnt, 1627 aber neu erbaut und bereits 1645 von den Schweden zerstört wurde. Heute sind davon nur noch Mauerreste erhalten. Besitzer waren ursprünglich die Herren von Kochenburg, denen die von Ahelfingen und 1317 die von Öttingen folgten, bevor der Ort an Ellwangen gelangte. Die Kocherburg wurde dann Sitz des Obervogts des ellwangischen Oberamtes Kocherburg. Nach der Zerstörung des Schlosses residierten sie in einem neu erbauten Amtshaus. Weiteren Besitz im Dorf hatten bis 1465 die Familie Malse, deren Besitz ebenfalls an Ellwangen fiel. Im Ort wurde ab 1518 ebenso wie im benachbarten Oberkochen Erzabbau betrieben. Das Erz wurde ab 1557 von Württemberg verhüttet. 1614 musste Württemberg seine Werke jedoch an Ellwangen verkaufen. Nach dem Übergang an Württemberg 1802 wurde das Werk geschlossen und nach Wasseralfingen verlegt. Im ehemaligen Amtshaus war bis 1877 das württembergische Kameralamt untergebracht. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg gehörte Unterkochen zum Oberamt Aalen, welches 1934 in Kreis Aalen umbenannt und 1938 in den erweiterten Landkreis Aalen überführt wurde. Am 1. Januar 1973 wurde Unterkochen in die Stadt Aalen eingemeindet.[1]

ReligionenBearbeiten

Die katholische Wallfahrtskirche St. Maria Unterkochen wurde 1248 erstmals erwähnt und die Pfarrei war lange Zeit auch für die Katholiken in Aalen zuständig. Auch heute noch gehört die Mehrzahl der Menschen von Unterkochen dem römisch-katholischen Glauben an (ca. 56 %), weitere 21 % sind evangelisch. Die restlichen 23 % bestehen vor allem aus Angehörigen des Islam sowie aus Menschen, die dazu keine Angaben machen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1871 1672
1880 1884
1890 2103
1900 2601
1910 2526
1933 3050
1950 4870
1954 5220
1961 5843
1970 6228
Jahr Einwohner
1975 6281
1980 6105
1985 5696
1990 5526
1995 5337
2000 5075
2005 5080
2010 4927
2015 4936

PolitikBearbeiten

OrtschaftsratBearbeiten

Ortschaftsratswahl 2019
Wahlbeteiligung: 52,8 %
 %
30
20
10
0
29,3 %
28,1 %
23,2 %
19,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,7 %p
-8,8 %p
-1,9 %p
+19,5 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d GRÜNE trat 2014 nicht zur Wahl an

Der Ortschaftsrat des Stadtbezirks Unterkochen hat derzeit 14 Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt. Die letzte Wahl fand bei den baden-württembergischen Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 statt. Diese ergab folgende Zusammensetzung (die Veränderungen der Fraktionsstärke beziehen sich auf die vorletzte Wahl im Jahr 2014):

Ortschaftsrat seit 2014[2]
Fraktion Anzahl Sitze Veränderung
SPD 4 Sitze −1
CDU 4 Sitze −1
FW Unterkochen 3 Sitze −1
GRÜNE 3 Sitze +3

OrtsvorsteherinBearbeiten

 
Rathaus Unterkochen

Ortsvorsteherin des Stadtbezirks Unterkochen ist seit 2014 Heidemarie Matzik von der SPD.

WappenBearbeiten

Das Wappen von Unterkochen zeigt drei weiße, fünfspeichige, Räder in rotem Schild. Davon lassen sich auch die Farben des Stadtbezirks, rot-weiß, ableiten. Es geht auf die Herren von Kochen zurück, die 1136 erstmals erwähnt wurden und dieses Wappen bis 1475, als sie ausstarben, führten. Jedoch wurde das Wappen bis heute beibehalten.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Bahn
Der Stadtbezirk Unterkochen liegt an der Brenzbahn Ulm–Aalen. Pro Stunde fährt je ein Zug nach Ulm über Oberkochen, Heidenheim/Brenz und Giengen/Brenz sowie nach Aalen. Gleisanschlüsse besitzen zum Stand 2014 die Unternehmen Papierfabrik Palm und Munksjö Paper.[3]
Straße
Über den Anschluss Aalen-Süd/Oberkochen gelangt man auf die A 7 (WürzburgFüssen). Außerdem ist Unterkochen an das Bundesstraßennetz angeschlossen. Über die Bundesstraße 19 besteht eine Nord-Süd-Verbindung.
Luftverkehr
Der internationale Flughafen Stuttgart in Leinfelden-Echterdingen ist in 90 Minuten mit dem PKW oder mit der Bahn (direkter S-Bahn-Anschluss vom Stuttgarter Hauptbahnhof) zu erreichen. Die Stadt Aalen hat jedoch auch selbst einen kleinen Flugplatz, den Flugplatz Aalen-Heidenheim nahe Elchingen.
Bus
Der Stadtbezirk wird durch mehrere Linien verschiedener Busunternehmen an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

In Unterkochen dominiert die Papierverarbeitung (Papierfabrik Palm). Neben dieser sind die Industriezweige Metallverarbeitung und Textil wichtige Träger der Wirtschaftsstruktur.

MedienBearbeiten

Unterkochen liegt Verbreitungsgebiet zweier Tageszeitungen. Diese sind die „Schwäbische Post“, eine Lokalausgabe der Südwestpresse sowie die „Aalener Nachrichten“, eine Lokalausgabe der Schwäbischen Zeitung. Außerdem erscheint wöchentlich eine Ausgabe des „Kocherburgbote“, dem Mitteilungsblatt des Stadtbezirks Aalen-Unterkochen.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Unterkochen ist Sitz eines Bezirksamts, das Ansprechpartner rund um die kommunalen Dienstleistungen des Stadtbezirks ist.

BildungBearbeiten

SchulenBearbeiten

 
GHS Unterkochen
  • Friedensschule
  • Kocherburgschule

KindergärtenBearbeiten

  • Katholischer Kindergarten St. Josef
  • Katholischer Kindergarten Maria-Fatima
  • Evangelischer Kindergarten Schatzkiste

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Georg Kollmann (1820–1903), Dekan
  • Hans Meinzinger (1895–1970), Direktor
  • Adolf Palm (1846–1925), Papierfabrikant
  • Otto Palm (1882–1961), Papierfabrikant
  • Bruno Arthur Tugendhat (1870–1957), Generaldirektor
  • Philipp Wöhr (1877–1961), Fabrikant

Söhne und Töchter des StadtbezirksBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Wallfahrtskirche St. MariaBearbeiten

 
Wallfahrtskirche St. Maria Unterkochen

Aus allen Richtungen wird der Blick eingefangen von der beherrschenden Lage des Kirchbergs und seinem harmonisch sich einfügenden Gebäudeensemble, das von der im Glanz erstrahlenden Wallfahrtskirche gekrönt wird. Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahre 1465. Stilgeschichtlich stammt die Kirche aus verschiedenen Epochen, denn der Turm ist aus der Romanik, der Chor aus der Gotik und das Schiff von Johann Michael Keller aus der Barockzeit. Der symbolische Gehalt sämtlicher Gemälde der Kirche gipfelt im Hochaltar mit der lebensgroßen Marienstatue, einem Meisterwerk der Ulmer Schule, entstanden um 1496. Es ist das Unterkochener Gnadenbild, zu dem die Menschen seit Jahrhunderten mit ihren Anliegen pilgern.

 
Standbild von Bischof Hefele

Links vorne im Kirchenschiff das Standbild des dritten Bischofs von Rottenburg Karl Joseph von Hefele errichtet am 30. Mai 1897. Hefele wurde am 15. März 1809 in der Hochmühle bei Unterkochen geboren, war Professor für Kirchengeschichte (Konzilien) an der Universität Tübingen und von 1869 bis 1893 Bischof von Rottenburg.

KocherursprungBearbeiten

In Unterkochen entspringt der „Weiße Kocher“. In der Ortsmitte vereinigt er sich mit dem aus Oberkochen kommenden „Schwarzen Kocher“ zum Kocher.

Ruine KocherburgBearbeiten

Die Burg Kocherburg, auf einem Sporn der Hochfläche über dem Ortsrand gelegen, ist mit ihren Befestigungsanlagen ein bedeutendes archäologisches Kulturdenkmal. Ausgrabungen erbrachten Erkenntnisse über eine schon prähistorische Besiedlung. Im Jahr 1645 wurde die „Kochenburg“ dann von den Schweden zusammengeschossen und danach nicht mehr wiederaufgebaut, vielmehr ließ man die Trümmer liegen bzw. verwendete die Steine zum Bau von Gebäuden im Ort. Heute führt ein archäologischer Rundgang durch und um die Ruine.

Hohler SteinBearbeiten

Vom Ortsteil Glashütte steigt ein Hang steil an. Auf seiner Höhe befindet sich ein Felsen, der sich zu einer Höhlung wölbt. Der Hohle Stein ist die bekannteste und sagenträchtigste Unterkochener Höhle gleich neben dem „Schlossbaufeld“, auf dem einst die Kocherburg stand. Der Hohle Stein stellt eine großräumige Felshohlkehle dar, diese wird durch zwei Höhlenschlote nach oben und einem langen, sehr flachen Höhlengang ergänzt.

ViaduktBearbeiten

 
Viadukt Unterkochen

Das historische Bauwerk stammt aus dem Jahre 1901. Es wurde für die ebenfalls neu gebaute Trasse der Härtsfeldbahn, der sogenannten „Schättere“, erbaut. Das Viadukt weist eine Länge von über 70 Metern und eine Höhe von 25 Metern auf. Im Jahre 1972 wurde der Eisenbahnbetrieb nach über 70 Jahren eingestellt. Heute erfreuen sich Spaziergänger und Jogger auf dem ausgebauten Wanderweg über das in den Jahren 2003 und 2004 komplett renovierte Viadukt.

Sport und VereineBearbeiten

In Unterkochen gibt es zahlreiche Orte für Sportveranstaltungen. Zum Beispiel das „Häselbachstadion“ mit einem Rasen- und einem Kunstrasenplatz, wo der FV 08 Unterkochen (Saison 2019/2020 Bezirksliga Ostwürttemberg) seine Heimspiele austrägt. Auch gibt es noch den Sportplatz am Kocherursprung als Trainingsplatz mit der benachbarten Tennisanlage (SV Unterkochen). Weiterhin ist eine Mehrzweck-Sporthalle, die für Veranstaltungen und Sportarten aller Art genutzt wird, die angrenzende neue Festhalle, eine Gymnastikhalle sowie eine Petanque-Anlage, vorhanden.

Die Vereinslandschaft in Unterkochen ist sehr vielfältig. Es gibt sieben Sportvereine und weitere 13 aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Kirche sowie Soziales. Eine komplette Liste finden Sie auf der Website des Stadtbezirks (siehe unten).

LiteraturBearbeiten

  • Karlheinz Bauer: Unterkochen – Das Heimatbuch des Stadtbezirks Unterkochen, Aalen 1989.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Jedes Jahr im Juni finden die über die Stadtgrenzen hinaus bekannten „Unterkochener Bärentage“ auf dem Rathausplatz statt, die 2012 die „Unterkochener Sommertage“ am Kocherursprung abgelöst haben.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 445.
  2. Wahlergebnis AA_OR Unterkochen 2014, aalen.de, abgerufen am 11. Juli 2014.
  3. Lokführer lassen Mugele-Container stehen, Gmünder Tagespost, Artikel vom 7. November 2014

WeblinksBearbeiten

  Commons: Unterkochen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien