Umweltauswirkungen der COVID-19-Pandemie

Vergleich der Bilder vom NASA Earth Observatory zeigen einen starken Rückgang der CO2-Luftverschmutzung in Wuhan im Jahr 2020 (Bilder unten) gegenüber dem Vorjahr (Bilder oben).[1]

Die COVID-19-Pandemie im Jahre 2019/2020 machte sich auch durch zahlreiche Folgen für die Umwelt bemerkbar.

Durch Einschränkung der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten und der individuellen Mobilität gingen die Luftverschmutzung, Gewässerverschmutzung und der Kohlendioxid-Ausstoß in den betroffenen Weltregionen massiv zurück.

Bildliche Darstellung der Daten der Tropomi, die einen deutlichen Rückgang der CO2-Werte in China im Februar 2020 gegenüber dem Januar 2020 feststellen.[1]

Rückgang der LuftverschmutzungBearbeiten

In der Ursprungsregion in Wuhan ging die durch Stickstoffdioxid (NO2) verursachte Luftverschmutzung über der Stadt zurück. Auch in weiteren Regionen, in Nordchina mit Peking sowie über Hongkong, Shanghai und in der Provinz Shandong ging die NO2-Konzentration in der Luft signifikant zurück, was Satellitenbilder belegen.[2][3] Im März 2020 wurde der Effekt auch in Italien registriert.[4] Vergleichbare Effekte waren weltweit zu beobachten. In vielen Großstädten nahmen die Zahl der Verkehrsstaus und der Gesamtverkehr nach Schätzungen Mitte März 2020, z. B. in Mailand um 64 %, in Rom um 67 %, in Seattle um 36 % und in New York City um 35 %, drastisch ab.[5]

Es wird zudem diskutiert, ob der Rückgang der Luftverschmutzung zu einer höheren UV-Belastung, die im April 2020 in Europa gemessen wurde, geführt hat. Durch die verminderten Abgase in der Luft würden die Strahlen weniger stark abgehalten.[6]

Rückgang der GewässerverschmutzungBearbeiten

In Venedig kam es zur Aufklarung des normalerweise schlammigen, aufgewühlten Wassers in den Kanälen, da der dort üblicherweise herrschende intensive Bootsverkehr aussetzte. Es wurden Fische gesichtet, was normalerweise nicht der Fall ist.[7]

COVID-19-Pandemie und KlimakriseBearbeiten

Die Corana-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Bekämpfung der Klimakrise. Einerseits entzieht sie finanzielle Mittel und mediale Aufmerksamkeit und andererseits sorgt sie für sinkende Treibhausgasemissionen und könnte gleichzeitig Vorbild für Handlungsoptionen sein.[8][9][10][11] Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die Kohlendioxidemissionen durch die Pandemie im Jahr 2020 um ca. 8 % fallen könnten verglichen mit dem Vorjahr. Damit lägen die Emissionen auf dem Niveau des Jahres 2010. Gleichzeitig würde dieser Emissionsrückgang dazu führen, dass die Kohlendioxidmenge in der Atmosphäre 2020 statt um ca. 3 ppm nur noch um ca. 2,75 ppm steigt. Da die Erderwärmung aber maßgeblich von der Gesamtmenge an Kohlendioxid in der Atmosphäre abhängig ist, und diese trotz des leichten Rückgangs in absoluten Zahlen weiter ansteigt, führt der temporäre Emissionsrückgang nicht zu einer Abkühlung der Erde, sondern nur zu einer etwas weniger schnellen Erwärmung.[12]

Die Verschiebung der ursprünglich für Ende Dezember 2020 vorgesehenen UN-Klimakonferenz 2020 auf das Jahr 2021 wurde als ein als „herber Rückschlag für den Klimaschutz“ bewertet. Insbesondere sollten dort die auf der UN-Klimakonferenz 2015 vereinbarten Emissionsziele des Übereinkommens von Paris nachjustiert werden.[13] Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) sagte mehrere Treffen zur Reduzierung der Emissionen ab.[14]

Kritiker weisen darauf hin, dass die Coronavirus-Krise nicht so interpretiert werden dürfe, als würde sie das Klima retten.[15]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Airborne Nitrogen Dioxide Plummets Over China. 28. Februar 2020, abgerufen am 28. Mai 2020 (englisch).
  2. Der Spiegel: Coronavirus führt in China zu Rückgang der Luftverschmutzung. Abgerufen am 1. März 2020.
  3. NASA Earth Observatory: Airborne Nitrogen Dioxide Plummets Over China. Abgerufen am 4. März 2020.
  4. WetterOnline: Koronavirus: Emissionen auch in Italien reduziert. Abgerufen am 4. März 2020.
  5. Brian Pascus: City traffic levels plummet 35 % following new executive orders. Crains New York Business, 16. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  6. Hamburger Abendblatt- Hamburg: Wetter in Hamburg: Meteorologen warnen vor Sonnenbrand wegen Corona. 15. April 2020, abgerufen am 19. April 2020 (deutsch).
  7. Coronavirus: Venice canals clearer after lockdown. BBC News, 18. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  8. Susanne Götze, DER SPIEGEL: Die Krise nach der Krise: Wie die Corona-Krise die Klimapolitik ausbremsen könnte - DER SPIEGEL - Wissenschaft. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  9. DER SPIEGEL: Coronakrise führt zu historischem CO2-Rückgang - DER SPIEGEL - Wirtschaft. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  10. Michael Bauchmüller, Marlene Weiß: Wie Corona den Klimaschutz in Gefahr bringt. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  11. Philippe Descamps und Thierry Lebel: CORONA-SCHOCK UND KLIMAPOLITIK. In: Le Monde diplomatique. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  12. Christopher Schrader: Müsste wegen der Coronakrise jetzt nicht auch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre sinken? (Kurze Antwort: Nein). In: Riffreporter, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  13. Wegen Corona-Krise: Uno-Klimagipfel in Glasgow aus 2021 verschoben. In: spiegel.de. 1. April 2020, abgerufen am 21. Mai 2020.
  14. Susanne Götze: Green Deal bedroht: Wie das Coronavirus die Klimapolitik ausbremst. In: spiegel.de. 20. März 2020, abgerufen am 22. Mai 2020.
  15. Emily Atkin: Coronavirus won't save the planet. In: Heated (heated.world). 16. April 2020, abgerufen am 22. Mai 2020 (englisch).