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Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat) (ukrainisch Українська православна церква (Московський патріархат))[1] ist eine autonome Kirche innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche in der Ukraine mit dem Zentrum in Kiew. Oberhaupt ist Metropolit Onufrij (Beresowskyj). 2016 zählten sich 13,3 % der ukrainischen Staatsangehörigen zu dieser Kirche.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

988 wurde in der Kiewer Rus die orthodoxe Kirche als Teil des Ökumenisches Patriarchates von Konstantinopel gebildet. 1596 trennte sich in den zu Polen-Litauen gehörenden Gebieten die griechisch-katholische Kirche ab. Seit 1795 gehörte der nördliche Teil der Ukraine zum russischen Kaiserreich und zur russisch-orthodoxen Kirche.

Autonomiebestrebungen führten in den 1920er Jahren zur Abspaltung der bis heute bestehenden Ukrainischen Autonomen Orthodoxen Kirche (den sogenannten „Autonomisten“). Unter der Sowjetherrschaft wurden alle Kirchen griechisch-orthodoxen Ritus auf dem Staatsgebiet der Ukrainischen SSR, darunter auch die katholisch unierte ukrainische Kirche der Russisch-Orthodoxen Kirche beziehungsweise ihrem ukrainischen Exarchat unterstellt: Im März 1946 hatte eine „inszenierte Synode“ die Union von Brest von 1596 aufgehoben. „Damit waren alle Ukrainer mit Zwang in der Russisch-Orthodoxen Kirche vereinigt worden“, schreibt Kappeler. Repression sollte die Unierte Kirche zum Schweigen bringen.[3]

Nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 spaltete sich ein Teil des ukrainischen Klerus von der Moskauer Führung ab und verlegte sein Zentrum nach Kiew und nannte sich Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats. Die beim Moskauer Patriarchen verbliebene Kirche erhielt den Status einer „autonomen Kirche“. Sie ist damit weitgehend selbstständig und wird nur bei Personalentscheidungen vom Patriarchat in Moskau beraten. Sie konnte sich vor allem im russisch geprägten Osten des Landes behaupten.

Faktisch bestanden bis 2018 in der Ukraine drei größere orthodoxe Kirchen (Moskauer Patriarchat, Kiewer Patriarchat, Autonomisten), die um den Status der Nationalkirche konkurrieren. Es ging dabei auch um die kanonische Legitimität und um die Frage des rechtmäßigen Besitzes von Immobilien. Hinzu kam der Streit mit der unierten Ukrainisch-katholischen Kirche, die dem Byzantinischen Ritus folgt, aber dem Papst in Rom untersteht. Dieser Streit war auch ein Hauptgrund, weswegen sich der Patriarch von Moskau stets weigerte, Papst Johannes Paul II. zu treffen. 2018 wurden die beiden konkurrierenden Kirchen gegen den Widerstand des Moskauer Patriarchats dem ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel/Istanbul unterstellt, mit dem Ziel, sie miteinander zu vereinigen. Nur ein Bruchteil der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats nahm an der Synode in Kiew vom 15. Dezember 2018 teil, an welcher der neue Metropolit Epiphanius für die ganze Ukraine gewählt wurde. Die Abholung des dazu benötigten kirchlichen Erlasses (Tomos) in Istanbul erfolgte am 6. Januar 2019.[4]

OrganisationBearbeiten

 
Die Eparchien der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats.

EparchienBearbeiten

Die Kirche ist in 59 Eparchien (2012) gegliedert, denen jeweils ein Erzbischof oder Bischof vorsteht.

Eparchien und Vikariate

  • Kiew und die ganze Ukraine,
    • Bilhorod
    • Boryspil
    • Borodjanka
    • Browary
    • Fastiw
    • Horodnyj
    • Irin
    • Jahotin
    • Makariw
    • Obuchiw
    • Pocejey
    • Perejaslaw-Chmelnyzkyj
    • Putywl
    • Wassylkiw
    • Wyschhorod
  • Alexandria und Switlowodsk
  • Balta und Ananjey
  • Berdjansk und Primorje,
  • Bila Zerkwa und Bohuslaw
  • Charkiw und Bohodutschiw
  • Cherson und Tawritschesk
  • Chmelnyzkyj und Starokostjantyniw
  • Dniprodscherschynsk und Odessa
  • Dnipropetrowsk und Tscharykansk
  • Dnipropetrowsk und Pawlohrad
    • Nowomoskwa
  • Donezk und Mariupol,
    • Swjatohirsk
    • Makijiw
    • Nowoasowsk
  • Dschankoj und Rischdolninsk
  • Feodossija und Kertsch,
  • Horliwka und Slawjansk
  • Iwano-Frankiwsk und Kolomyja
  • Isjum und Kupjan,
  • Just und Winohradiw
  • Kamenez-Podilskyj und Horodok
  • Kirowohrad und Nowomyrhorod
  • Konotop und Hluchiw,
  • Krementschuk und Lubny
  • Krywyj Rih und Nikopol,
  • Luhansk und Altschewsk
  • Lwiw und Halytsch
  • Mohiljiw und Podolsk
  • Mukatschewo und Uschhorod
  • Nein und Priluki
  • Mykolajiw und Otschakiw
  • Nowa Kachiwka und Heniza
  • Odessa und Ismajil,
    • Ovidiupol
    • Juane
  • Owrutsch und Korosten,
  • Poltawa und Myrhorod
  • Romny und Burynsk,
  • Riwen und Swerdlowsk
  • Riwne und Ostrich
    • Dubno
  • Sarny und Polissja
  • Schytomyr und Nowohrad
  • Sepetiwka und Slawutsch
  • Sewerodonezk und Starobilsk,
  • Simferopol und Krim
  • Sumy und Ahtyrka,
  • Ternopil und Kremenez
  • Tulcjcin und Brazlaw
  • Tscherkassy und Kanin,
    • Solotonoscha
  • Tschernihiw und Nowhorod-Sewerskyj
  • Tscherniwzy und Bukowina,
    • Chotyn
    • Bantschenyj
  • Uman und Swenyhorod
  • Wolodymyr-Wolynskyj und Kowel
  • Wosnessensk und Perwomajsk
  • Wolhynien und Luzk
  • Winnyzja und Bar
  • Saporischja und Melitopol,

AusbildungsstättenBearbeiten

Die Kirche unterhält eine Geistliche Akademie, eine Theologische Akademie in Uschhorod, eine Theologische Universität in Luhansk, ein Theologisches Institut in Tschernowzy, 7 geistliche Seminare, u. a. in Odessa, Potschajiw, Poltawa und 8 geistliche Fachschulen.[5]

Klöster und KirchenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ukrainisch-orthodoxe Kirche vor Unabhängigkeit. In: religion.orf.at. 12. Oktober 2018, abgerufen am 3. Januar 2019.
  2. Релігійна самоідентичність і молитва в Україні Tabelle7, Repräsentative Befragung des Instituts für Soziologie in Kiew an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften. Nicht nachvollziehbar ist die Behauptung von Названа самая многочисленная конфессия в Украине, Korrespondent.net, 23. November 2016, wonach 36 % der Gläubigen zu ihr gehören würden
  3. Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine. 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-67019-0, Seite 225
  4. Kirche der Ukraine spaltet sich von Russland ab, NZZ, 17. Dezember 2018, Seite 5
  5. Bericht von Metropolit Wolldymyr 2013