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U 711 war ein U-Boot vom Typ VII C, das durch die deutsche Kriegsmarine während des Zweiten Weltkrieges im Nordatlantik und im Arktischen Ozean eingesetzt wurde.

U 711
(vorheriges/nächstesalle U-Boote)
Typ: VII C
Feldpostnummer: 50 659
Werft: H. C. Stülcken Sohn, Hamburg
Bauauftrag: 7. Dezember 1940
Baunummer: 777
Kiellegung: 21. Juli 1941
Stapellauf: 25. Juni 1942
Indienststellung: 26. September 1942
Kommandanten:

Hans-Günther Lange

Flottillen:

5. U-Flottille Ausbildungsboot
26. September 1942 bis 31. März 1943
11. U-Flottille Frontboot
1. April 1943 bis 31. Mai 1943
13. U-Flottille Frontboot
1. Juni 1943 bis 4. Mai 1945

Einsätze: 13 Unternehmungen
Versenkungen:

ein Handelsschiff mit 7.176 BRT und ein Kriegsschiff mit 925 t versenkt

Verbleib: am 4. Mai 1945 am Liegeplatz durch Flugzeugangriff versenkt

Bau und IndienststellungBearbeiten

Das Boot gehörte zu einem Bauauftrag, der an die Hamburger Stülcken-Werft erging und insgesamt 22 Boote des Typs VII C umfasste.[1] Ein solches Boot hatte eine Länge von 67 m und eine Verdrängung von 865 m³ unter Wasser. Es verfügte über zwei Dieselmotoren, die über Wasser eine Geschwindigkeit von 17 kn ermöglichten. Bei der Unterwasserfahrt trieben zwei Elektromotoren das Boot zu einer Geschwindigkeit von 7 kn an. Die Artilleriebewaffnung der VII C-Boote war uneinheitlich, aber alle verfügten über vier Bugtorpedorohre und ein Hecktorpedorohr. Üblicherweise führte ein VII C-Boot 14 Torpedos mit sich.

U 711 wurde am 26. September 1942 in Hamburg durch Oberleutnant zur See Hans-Günther Lange, ab August 1944 Kapitänleutnant, in Dienst gestellt. Wie die meisten deutschen U-Boote seiner Zeit, trug auch U 711 ein bootsspezifisches Zeichen am Turm, das gemeinschaftlich von der Besatzung ausgewählt wurde. Es handelte sich um eine weiße Ente mit einem roten Band am Hals, in das zwei Disteln eingebunden waren.[2]

Einsatz und GeschichteBearbeiten

Das Boot gehörte zunächst zur 5. U-Flottille, die in Kiel stationiert war. Kommandant Lange unternahm in dieser Zeit Ausbildungsfahrten in der Ostsee zum Einfahren des Bootes und zum Training der Besatzung. Am 1. April 1943 wurde das Boot der 11. U-Flottille als Frontboot zugeteilt.

Einsatz im NordmeerBearbeiten

Bis zum Spätsommer desselben Jahres absolvierte U 711 vier Unternehmungen im Arktischen Ozean. Dabei patrouillierte das Boot vor Jan Mayen, in der Nähe der Bäreninsel, in der Matotschkin Schar, die die beiden Hauptinseln von Nowaja Semlja trennt und aufgrund eines gemeldeten, aber nicht aufgefundenen Nordmeergeleitzug bei Hammerfest. Anfang Oktober verlegte das Boot zu einem längeren Werftaufenthalt nach Trondheim. Im Dezember verlegte U 711 nach Narvik von wo aus Kommandant Lange am 18. Dezember zu seiner fünften Unternehmung auslief, wobei das Boot während des Auslaufens durch eine Kollision so stark beschädigt wurde, dass es für eine erneute Werftliegezeit nach Trondheim zurückkehren musste.

GeleitzügeBearbeiten

Im Frühling 1944 verlegte U 711 zunächst nach Narvik, von wo aus es am 22. März zu seiner fünften Unternehmung auslief. Auf dieser und den folgenden zwei Patrouillen im Nordmeer war das Boot den U-Bootgruppen „Blitz“, „Donner“, „Donner und Keil“, „Grimm“ und „Trutz“ zugeteilt, die nach Maßgabe der von Karl Dönitz entwickelten Rudeltaktik das Gefecht mit alliierten Geleitzügen suchten. Im Rahmen dieser Einsätze meldete Kommandant Lange die Beschädigung und Versenkung mehrerer Schiffe, darunter fünf Zerstörer. Es konnte allerdings nur eine Versenkung bestätigt werden:

  • 30. April 1944 US-amerikanischer Dampfer „William S. Thayer“ mit 7.176 BRT versenkt

RitterkreuzBearbeiten

 
Die Bluebell wurde von Lange als „Zerstörer“ identifiziert und mit Torpedo versenkt

Auf seiner elften Unternehmung mit U 711 versenkte Kommandant Lange ein weiteres Schiff. Das Boot gehörte bei diesem Einsatz zur U-Bootgruppe „Rasmus“ und war am 9. Februar von Narvik ausgelaufen.

  • 17. Februar 1945 britische Korvette Bluebell mit 925 t versenkt

Die Bluebell war das neunte gegnerische Kriegsschiff, das Kommandant Lange als torpediert meldete, und das erste, dessen tatsächliche Versenkung nachgewiesen werden konnte. Zuvor hatte er beispielsweise die Ashanti und die HMS Keppel als versenkt gemeldet.[3] Bei den fraglichen Angriffen auf die genannten Zerstörer am 2. April und am 25. August blieben die beiden Schiffe jedoch unbeschädigt und auch weitere von Lange gemeldete erfolgreiche Angriffe auf gegnerische Zerstörer bestätigten sich nicht.

Dennoch wurde ihm am 29. April per Funk das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.[4]

VersenkungBearbeiten

 
Die Black Watch

Am 2. Mai 1945 kehrte U 711 von der dreizehnten Unternehmung zurück und lief den Marinestützpunkt in Kilbotn an. Das Boot machte am dort ankernden, ehemals norwegischen, Passagierschiff Black Watch fest, das der Kriegsmarine als Wohn- und Versorgungsschiff diente. Am 4. Mai wurde der Stützpunkt im Rahmen der Operation Judgement durch britische Flugzeuge angegriffen, die von den Geleitträgern HMS Searcher, HMS Trumpeter und HMS Queen gestartet waren.

Der Großteil der Besatzung von U 711 befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der Black Watch, die von den Jagdbombern schwer getroffen wurde, sofort in Brand geriet und daraufhin rasch sank. Dabei kamen 32 Besatzungsmitglieder von U 711 ums Leben, die auf dem Passagierschiff Quartier bezogen hatten. Auch das U-Boot wurde schwer getroffen und ging unter.[5]

Elf Mann der Besatzung, unter ihnen Kommandant Lange, die zum Zeitpunkt des Angriffs an Bord von U 711 waren, konnten sich retten.

LiteraturBearbeiten

  • Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0513-4.
  • Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966, Karl Müller Verlag, Erlangen 1996, ISBN 3-86070-036-7, Seite 196
  2. Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, Seite 139.
  3. Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 2001, Seite 289–290
  4. Clay Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16059-2, Seite 790
  5. Axel Niéstle: German U-Boot-Losses during World War II Details of Destruction, Frontline Books, Barsley 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, Seite 82