Tullnerfelder Bahn

Eisenbahnstrecke in Niederösterreich
Tullnerfelder Bahn
(Tulln–St. Pölten Hbf)
Streckennummer (ÖBB):110 01
Kursbuchstrecke (ÖBB):112
820
Streckenlänge:47 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Netzkategorie:B1
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung:
Minimaler Radius:228 m
Höchstgeschwindigkeit:120 km/h
Strecke – geradeaus
Franz-Josefs-Bahn von Wien
Bahnhof, Station
0,000 Tulln a.d. Donau 181 m ü. A.
Gleisdreieck – geradeaus, nach rechts, von rechts
Franz-Josefs-Bahn nach Gmünd N.Ö.
Haltepunkt, Haltestelle
0,866 Tulln Stadt
   
1,221 AB (Awanst) Agrana
   
1,708 AB (Awanst) Unterwerk
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Tullnerfelder Ostschleife zur neuen Westbahn
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neue Westbahn – von Wien
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6,576 Judenau-Sieghartskirchen Ladestelle
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7,046 Tullnerfeld
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8,816 Pixendorf
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11,665 Michelhausen
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11,981 Michelhausen
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neue Westbahn – nach St. Pölten
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Haltepunkt, Haltestelle
12,998 Atzenbrugg
Bahnhof, Station
14,980 Moosbierbaum-Heiligeneich
   
Betriebsgleis zu Kraftwerk Dürnrohr & Donau Chemie
Haltepunkt, Haltestelle
16,879 Trasdorf
   
17,488 Betriebsgleis zu Umspannwerk Dürnrohr
Haltepunkt, Haltestelle
21,797 Sitzenberg-Reidling (Ladestelle)
Haltepunkt, Haltestelle
22,959 Gemeinlebarn
Bahnhof, Station
27,557 Traismauer 197 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
31,362 Getzersdorf
Haltepunkt, Haltestelle
35,929 Herzogenburg Stadt
   
von Krems an der Donau
Bahnhof, Station
36,877 Herzogenburg 231 m ü. A.
Bahnhof ohne Personenverkehr
37,950 Herzogenburg-Süd
Haltepunkt, Haltestelle
39,383 Unterradlberg (Ladestelle)
Haltepunkt, Haltestelle
41,427 Oberradlberg
Bahnhof, Station
43,110 Viehofen 251 m ü. A.
Haltepunkt, Haltestelle
44,585 St. Pölten Traisenpark
   
44,763 Anschlussbahn (Awanst) Glanzstoff
   
Westbahn von Wien
Bahnhof, Station
46,755 St. Pölten Hbf 273 m ü. A.
Strecke – geradeaus
Westbahn nach Salzburg

Die Tullnerfelder Bahn ist eine eingleisige Eisenbahnstrecke in Niederösterreich. Sie verbindet Tulln, den zentralen Ort des Tullnerfeldes, mit der Landeshauptstadt St. Pölten.

GeschichteBearbeiten

 
Wiener Ortsverkehrs-Karte Oktober 1926, in der linken oberen Bildhälfte als Strecke 35a die Tullnerfelderbahn

Bereits 1871 wurde Eduard Ritter von Raab (1837–1888), Gutsbesitzer in Czechowitz (Czechowice) sowie (auch) in Gresten, die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten zur Errichtung einer 6,28 Meilen (47,64 km) langen Locomotiv-Eisenbahn von Tulln über Traismauer nach St. Pölten erteilt.[1] Vorgesehen waren acht Stationen: Tulln, Langenrohr, Rust, Gemein-Lebarn, Traismauer, Inzersdorf, Herzogenburg, Ober-Radelberg, St. Pölten.[2]

1885 wurde die Bahnlinie, auf Grundlage der Concessionsurkunde vom 12. Mai 1884, für die Locomotiveisenbahn von St. Pölten nach Tulln nebst Abzweigungen,[Anm. 1] als eingleisige Strecke erbaut (Konzessionäre: k.k. priv. Oesterreichische Länderbank in Wien[Anm. 2] sowie Österreichische Localeisenbahngesellschaft in Prag).[3]

Im Frühjahr des Jahres 1900 erteilte das k. k. Eisenbahnministerium dem Secretär der Wiener Tramway-Gesellschaft i. P. Dr. Ludwig Mandl in Wien auf die Dauer von sechs Monaten die Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine normalspurige Localbahn von Neu-Lengbach über Inbruck, Asperhofen und Loibersdorf nach Judenau oder eventuell nach Michelhausen.[4] — Dieses unverwirklicht gebliebene Vorhaben zielte offenbar auf die Schaffung einer Verbindungslinie zwischen West- und Franz-Josefs-Bahn, die der Strecke Tulln – St. Pölten in Distanz wie allenfalls Fahrzeit überlegen gewesen wäre.

Erst im Jahr 1981 wurde die Strecke elektrifiziert.

StreckeBearbeiten

 
Ein Güterzug fährt durch den Bahnhof Michelhausen.
 
Das Streckenende im Bahnhof Michelhausen
 
Bahnhof Judenau-Sieghartskirchen

Die Strecke zweigt nach dem Bahnhof Tulln von der Franz-Josefs-Bahn ab, erreicht noch im Stadtgebiet den Bahnhof Tulln-Stadt (wo in der Gegenrichtung eine Schleife eine direkte Verbindung zur Franz-Josefs-Bahn nach Norden ermöglicht) und wendet sich dann in südwestlicher Richtung in das Tullnerfeld, um bei Judenau gegen Westen einzuschwenken. Nach Michelhausen, wo die Perschling überquert wird, ändert sich die Richtung gegen Westnordwest, bis das Tal der Traisen erreicht wird. Nach Überquerung des Flusses schwenkt die Trasse in annähernd südlicher bis südwestlicher Richtung parallel zum Fluss ein und verläuft über Herzogenburg, wo eine andere Strecke nach Krems an der Donau abzweigt, bis zum St. Pöltner Hauptbahnhof an der Westbahn.

Die Bahnstrecke gehörte bis 5. Juli 2016 zum Verkehrsverbund Niederösterreich-Burgenland (VVNB) und zwischen Tulln und Traismauer auch zum Verkehrsverbund Ost-Region (VOR). Seither liegt die gesamte Strecke im VOR.

Seit dem Fahrplan 2006 wird die Strecke von der S-Bahnlinie S40 bedient.

Der Bau des neuen Hauptbahnhofs in Wien hat weitreichende Auswirkungen auf den Schienenverkehr im Großraum Wien. Um den Bahnhof Wien Meidling, der seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 den Wiener Südbahnhof teilweise ersetzt, vom Güterverkehr zu entlasten, wurden Güterzüge von St. Pölten kommend über die Tullnerfelder-, Franz-Josefs- und die Donauländebahn um Wien herumgeführt. Bis zum Fahrplanwechsel 2012/13 wurde deshalb der Personenverkehr auf der Tullnerfelderbahn tagsüber mit Ersatzbussen durchgeführt.[5] Seither verkehrt auf dieser Strecke, abgesehen vom Regionalexpresszug „Radtramper Donau“, die S-Bahnlinie S40 im Stundentakt. Während der REX die Strecke ohne längere Stationsaufenthalte befährt, haben die Züge der Linie S40 in den Bahnhöfen Tulln bis zu 7 und Tullnerfeld bis zu 16 Minuten Aufenthaltszeit, um die Anschlüsse aus Richtung Waldviertel/Wien Franz-Josefs-Bahnhof im Bahnhof Tulln und die Anschlüsse aus Richtung St. Pölten/Wien Westbahnhof beziehungsweise Wien Meidling abzuwarten. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 verkehrte die Schnellbahnlinie 40 am Wochenende nur im Zweistundentakt auf der Relation Tullnerfeld – St. Pölten. Die Hälfte der S-Bahnen endete im neu erbauten Fernverkehrsbahnhof, welcher praktisch auf offenem Feld errichtet wurde und eigentlich nur die Rolle eines Pendlerbahnhofes spielt. Mit Fahrplanänderung am 13. Dezember 2020 wurden die verbleibenden Schnellbahnkurse bis in die niederösterreichische Landeshauptstadt verlängert, was somit nun an jedem Tag der Woche einen Stundentakt auf der ganzen Strecke bildet.

Die Zugkreuzungen sind für gewöhnlich in Herzogenburg und Moosbierbaum-Heiligeneich, in den Morgenstunden sind auch solche in Traismauer und Tullnerfeld planmäßig vorgesehen. Für gewöhnlich warten die S-Bahn Züge in Herzogenburg rund 8 Minuten auf den Gegenzug aus St. Pölten kommend, während in Moosbierbaum die Wartezeit rund 6 Minuten beträgt. An den restlichen Haltestellen ist keine Zugkreuzung möglich, da sie nur einen Bahnsteig auf der eingleisigen Strecke besitzen und somit eine Begegnung zweier Züge nicht möglich ist.

Umtrassierung ab 2012Bearbeiten

Im Zuge des Baus der neuen Westbahn zwischen Wien und St. Pölten wurde die Tullnerfelder Bahn zwischen Tulln und Atzenbrugg mit den Gleisen der neu entstandenen Schnellfahrstrecke zusammengelegt und verläuft dort heute rund einen halben Kilometer nördlich der bisherigen Trasse. Der Bahnhof Michelhausen wurde durch eine gleichnamige Station auf der neuen Trasse ersetzt, weiters entstand zwischen Judenau und Pixendorf der Bahnhof Tullnerfeld, der auch von Zügen der Westbahn angefahren wird und als großer Regionalbahnhof für das gesamte Einzugsgebiet dienen soll. Außerdem wurde eine Gleisschleife in den Fahrtrichtungen Tulln – Wienerwaldtunnel errichtet. Durch diese Schleife ist es möglich, dass Züge von der nördlichen Franz-Josefs-Bahn über die Tullnerfelderbahn, den Wienerwald- und den Lainzer Tunnel bis zum Hauptbahnhof Wien und darüber hinaus geführt werden können. Im Fahrplan 2013 bis 2015 wurde montags bis freitags ein REX-Zugpaar zwischen Krems an der Donau und Wien Westbahnhof über diese Schleife geleitet.

FahrzeugeBearbeiten

Bevor die Strecke elektrifiziert wurde, fuhren die Lokomotiven der ÖBB-Baureihen 154, 54, 266 und 3071 (BBÖ DT 1) mit Abteilwagen, später kam die Reihe 2050 dazu. Seitdem der Fahrdraht die Dieselloks abgelöst hat, fahren die Lokomotivtypen ÖBB 1042 und etwas später ÖBB 1044 und Taurus. Im Personenverkehr kommen meist Einfachgarnituren der Reihe 4020 als Schnellbahnen zum Einsatz.

WeblinksBearbeiten

Commons: Tullnerfelder Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eisenbahn-Nachrichten. (…) Eduard Ritter von Raab (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 2562/1871, 12. Oktober 1871, S. 12, Mitte links. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Handel, Industrie und Verkehr. (…) Eisenbahnlinie St. Pölten über Traismauer nach Tulln. In: Wiener Zeitung, Nr. 19/1872, 25. Jänner 1872, S. 332, unten links. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  3. RGBl. 1884/104. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1884, S. 257–262. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rgb.
  4. Handel, Industrie, Verkehr und Landwirthschaft. (…) Vorconcession. In: Wiener Zeitung, Nr. 51/1900, 4. März 1900, S. 9, unten rechts. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  5. ÖBB Fahrgastinfo, S.3 rechts oben, PDF abgerufen am 16. Dezember 2009

AnmerkungenBearbeiten

  1. Eventuelle Abzweigungslinien:
    1. Eine Abzweigung aus der Hauptlinie nächst Judenau nach St. Andrä – Wördern zum Anschlusse an die Kaiser-Franz-Josephbahn;
    2. eine Abzweigung, ausgehend nächst Traismauer nach Mautern, und
    3. von da oder einem anderen Punkte der vorerwähnten Abzweigung mittelst stabiler Ueberbrückung der Donau nach Krems, sowie
    4. eine Fortsetzung von Krems oder einem geeigneten Punkte des Absdorf-Kremser Flügels der Kaiser-Franz-Josephbahn über Langenlois durch das Kampthal nach Horn und bis zur Station Siegmundsherberg;
    5. eine Fortsetzung von Tulln oder St. Andrä – Wördern mittelst eines and den Bahnkörper der Kaiser-Franz-Josephbahn anzuschließenden zweiten Geleises nach Wien, sowie
    6. eine als Dampf-Tramway herzustellende Localbahn von Klosterneuburg durch das Kierlingbachthal zum Anschlusse an einen geeigneten Punkt der Linie St. Pölten – Tulln.

    Siehe: Der Economist. (…) Localbahn St.Pölten–Tulln. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 7105/1884, 8. Juni 1884, S. 9, oben rechts. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Hauptsitz 1884 von Löwelstraße 18 nach Hohenstaufengasse 3 übersiedelt. – Siehe: Oesterreichische Länderbank, Kaiserlich-Königliche privilegirte. In: Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, Wien 1884, S. 1134, unten rechts.