Trooping the Colour

Königin Elisabeth II. beim Abnehmen der Paradeaufstellung (2007)
Die Queen's Colour der Grenadier Guards. Auf den goldfarbenen Bändern an der Fahne sind die wichtigsten Schlachten vermerkt, an denen das Regiment in seiner Geschichte teilgenommen hat.

Trooping the Colour (deutsch sinngemäß: „Die Farben der Fahne den Truppen zeigen“) ist die alljährliche Militärparade im Juni zu Ehren des Geburtstages des jeweiligen britischen Monarchen.

Die Parade findet in der Regel am zweiten Samstag im Juni auf dem Horse Guards Parade, dem größten offenen Platz in London, statt und wird von Soldaten der Household Division durchgeführt, in der alle britischen Infanterie- und Kavallerieregimenter mit Garderang zusammengefasst sind. Sie wird vom Monarchen abgenommen, der von weiteren Mitgliedern der Königlichen Familie begleitet wird. Zahlreiche nationale und internationale Ehrengäste sowie ein großes öffentliches Publikum nehmen daran teil.

GeschichteBearbeiten

Der Ursprung der Zeremonie liegt im Brauch des täglichen Vorführens der Truppenfahnen vor den Soldaten, damit sie diese sehen und später im Kampf wiedererkennen konnten. Diese enge Bindung an die Fahne war nötig, um im Durcheinander historischer Schlachtfelder einen festen Orientierungspunkt zu besitzen, der – ohne moderne Kommunikationsmittel – die Führung der Truppen sowie deren Verortung auf dem Schlachtfeld überhaupt erst ermöglichte. Trooping the Colour, das erstmals unter Karl II. von England durchgeführt wurde, übertrug diese Symbolik auf die Person des Monarchen: Das Vorführen der Fahnen vor den Garderegimentern in Gegenwart des Herrschers sollte diese an ihre besondere Pflicht ihm gegenüber erinnern. Seit 1805 wurde die Zeremonie öffentlich vollzogen und findet seither – bis auf einige Ausnahmen wie in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, 1948 wegen außergewöhnlich schlechten Wetters, 1955 wegen eines Eisenbahnerstreiks und 2020 wegen der Corona-Pandemie – jährlich statt. Eigentlich nimmt der Monarch die Parade zu Pferde ab; aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Königin Elisabeth II. nutzt diese dazu jedoch mittlerweile eine Kutsche und eine kleine Tribüne auf dem Paradeplatz.

AblaufBearbeiten

 
Paradeaufstellung der Welsh Guards bei Trooping the Colour (2007)

Vor Beginn der Parade nehmen die teilnehmenden Einheiten am Horse Guards Parade in L-Formation Aufstellung, wobei die vereinigten Musikkorps der Garderegimenter sowie die Truppenteile der Infanterie unmittelbar auf dem Exerzierplatz und die der Artillerie dahinter auf der westlich gelegenen Horse Guards Road vor dem Guards Memorial antreten. Die Einheiten der Kavallerie treffen erst später zusammen mit der Königin ein und formieren sich dann neben der Artillerie. Abseits der Formation steht das Fahnenkommando, das die sogenannte Queen's Colour führt, die später im Rahmen der Parade in den Mittelpunkt rücken wird. Diese spezielle Truppenfahne, die bei den britischen Garderegimentern purpurrot gefärbt ist, wird nur bei solchen Anlässen geführt, an denen die Monarchin selbst teilnimmt. Jedes Jahr stellt ein anderer Verband der insgesamt fünf Garderegimenter seine jeweilige Queen's Colour für Trooping the Colour zur Verfügung und rückt somit in den Mittelpunkt des Zeremoniells.

Die Angehörigen der königlichen Familie, die an Trooping the Colour teilnehmen, verlassen den Buckingham Palace in Kutschen und erreichen Horse Guards Parade etwa eine Viertelstunde später. Sie begeben sich dann in das Horse-Guards-Gebäude, von wo aus sie die Parade verfolgen. Als letzte verlässt die Königin selbst den Palast, wobei sie von einer umfangreichen Kavallerieeskorte begleitet wird, und erreicht traditionell möglichst pünktlich um 11 Uhr den Paradeplatz. Dort wird sie mit einem Royal Salute begrüßt, während ihre Eskorte aus Angehörigen der Life Guards und der Blues and Royals ihre Paradeposition im Hintergrund einnimmt.

Im Anschluss inspiziert die Königin von ihrer Kutsche aus die angetretenen Truppenteile. Begleitet wird sie dabei von verschiedenen nahen Verwandten in Uniform zu Pferd, die Ehrenränge in der britischen Armee bekleiden, sowie von verschiedenen hochrangigen Militärs, die truppendienstliche Vorgesetzte der teilnehmenden Einheiten sind. Dabei werden zunächst die angetretenen Truppenteile der Infanterie, dann die Kavallerie und am Ende die Artillerie abgenommen. Letztere, die King's Troop, Royal Horse Artillery, nimmt erst seit 1998 an der Parade teil.

Nach der Inspektion begibt sich die Königin von der Kutsche auf ihre Tribüne vor dem Horse-Guards-Gebäude und nimmt von dort aus zunächst den Auftritt der vereinigten Musikkorps ab, die zuerst in langsamem, dann in schnellem Tempo über den Paradeplatz marschieren. Traditionell ist dabei das erste gespielte Musikstück der langsame Marsch aus Meyerbeers Oper Die Hugenotten. Beim Marsch der Musikkorps zu ihrer neuen Position zwischen Königin und Gardeinfanterie löst sich ein einzelner Trommler aus der Formation und stellt sich an den Flügel der angetretenen Garderegimenter. Von dort schlägt er ein kurzes Signal, das den Auftakt zum nächsten Element der Parade bildet.

Hierzu marschiert die am äußersten rechten Flügel aufmarschierte Gardeformation, deren Queen's Colour jeweils im Mittelpunkt steht, zu den Klängen des britischen Traditionsmarsches The British Grenadiers zunächst geradeaus vor und schwenkt dann quer über den Platz auf das abgesetzt stehende Fahnenkommando zu. Hier übernimmt dann ein junger Offizier aus der Formation, der Ensign[1], die Truppenfahne nach einem komplizierten Reglement, dessen korrekte Umsetzung traditionell in den britischen Medien besonders genau beobachtet und kommentiert wird. Nach der Übernahme wendet sich der Ensign mit der Fahne seiner Abteilung zu, die vor ihr das Gewehr präsentiert, wobei erneut die britische Nationalhymne erklingt. Die Formation, die nun die Fahne übernommen hat, ist nun nicht mehr – wie zuvor – „Escort for the Colour“ (deutsch sinngemäß: Für die Fahne bereitstehende Eskorte), sondern „Escort to the Colour“ (deutsch sinngemäß: Eskorte der Fahne). Im Anschluss wird die Queen’s Colour durch die Reihen der übrigen Garderegimenter getragen, bis die Escort to the Colour wieder ihre Ausgangsposition am Flügel der Aufstellung erreicht hat.

Im Anschluss formiert sich die Infanterie zum Vorbeimarsch an der Königin. Er erfolgt erst im langsamen, dann im schnellen Tempo. Entsprechend werden die langsamen bzw. schnellen Parademärsche der beteiligten Garden gespielt: Scipio und The British Grenadiers (Grenadier Guards), Figaro und Milanollo (Coldstream Guards), The Garb of Old Gaul und Hielan Laddie (Scots Guards), Let Erin remember und St. Patrick's Day (Irish Guards), Men of Harlech und Rising of the Lark (Welsh Guards). Beim schnellen Vorbeimarsch werden allerdings regelmäßig auch andere Werke der militärischen Marschmusik aus aller Welt gespielt (siehe unten: Sonstiges). Beim Vorbeimarsch in langsamem Tempo senkt der Ensign die Fahne vor der Königin, die sich vor ihr verbeugt, Zivilpersonen haben sich von ihren Plätzen zu erheben und Angehörige des Militärs den militärischen Gruß zu erweisen, um die Fahne zu ehren. Beim Vorbeimarsch in schnellem Tempo wird die Fahne wird dann nicht mehr gesenkt.

 
Vorbeiritt der Massed Mounted Band (vereinigte Trompeterkorps) vor Elisabeth II. (2007)

Nach Abschluss des Vorbeimarsches formiert sich die Infanterie wieder in der ursprünglichen L-Formation und überlässt das Paradefeld den reitenden Truppen, der Artillerie und der Kavallerie. Auch dieser Vorbeiritt findet in langsamem und schnellem Tempo statt. Bei ersterem spielen die vereinigten Kapellen der Kavallerie die Märsche The Royal Horse Artillery's Slow Marsch, The Life Guards, The Blues and Royals und The Royals. Genau wie bei der Infanterie wird die Standarte der Kavallerie nur beim langsamen Vorbeiritt (im Schritt) gesenkt. Da die Artillerie keine Truppenfahne führt, wird stellvertretend das erste der mitgeführten historischen Geschütze gegrüßt. Der anschließende schnelle Vorbeiritt (im Trab) erfolgt für alle Einheiten unter den Klängen von The Keel Row. Ist dieser abgeschlossen, reiten die Life Guards und die Blues and Royals sofort zum Buckingham-Palast weiter, während die King's Troop, Royal Horse Artillery im Green Park 41 Salutschüsse abfeuert. Nach einem weiteren Royal Salute formiert sich die Infanterie zum Abmarsch und kehrt mit der Königin an der Spitze zum Palast zurück, wo die Monarchin noch einmal einen Vorbeimarsch der Truppen abnimmt und eines der beteiligten Garderegimenter unmittelbar den Wachdienst am Buckingham Palace übernimmt.

Im Anschluss an das Ereignis versammelt sich die Königliche Familie auf dem Balkon des Buckingham Palastes, um den Überflug von Flugzeugen der Royal Air Force zu beobachten.

RezeptionBearbeiten

Die Parade ist auch im Ausland beliebt. Sie wird seit Jahrzehnten auch vom deutschen Fernsehen übertragen und in den meisten Nachrichtensendungen wenigstens mit einer Meldung gewürdigt sowie meist mit einem Bericht im heute-journal und in den Tagesthemen. Die Liveübertragung im Ersten kommentiert seit 1977, dem silbernen Thronjubiläum Elisabeths II., alljährlich Rolf Seelmann-Eggebert.[2]

SonstigesBearbeiten

  • An den beiden Samstagen vor dem Paradetermin finden jeweils öffentliche Generalproben von Trooping the Colour statt, die von den beiden zuständigen Kommandeuren abgenommen werden: Zwei Wochen vor dem Termin ist dies der Major General der Household Division (Major General's Review), eine Woche vorher der Regimentskommandeur des im Mittelpunkt stehenden Garderegiments (Colonel's Review). Da Trooping the Colour stets großes öffentliches Interesse hervorruft und das Kontingent frei verfügbarer Eintrittskarten meist schon Jahre im Voraus vergeben ist, sind diese – abgesehen von der Anwesenheit der Königin – im Ablauf identischen Veranstaltungen bei Zuschauern sehr beliebt.
  • Die intensive Übungsphase der teilnehmenden Truppenteile vor der Parade beginnt üblicherweise im April. Aufgrund der zahlreichen komplizierten Schwenkungen und Wendungen auf relativ engem Raum, die eine äußerst exakte zeitliche und räumliche Planung benötigen, gilt Trooping the Colour als eines der anspruchsvollsten militärischen Zeremonielle der Welt.
  • Bereits kurz nach dem Ende der Parade erfolgt eine erste Manöverkritik durch die Königin, die bei den Verantwortlichen aufgrund des Blicks der Monarchin für Details sowie ihrer langjährigen Erfahrung mit dem Ablauf gefürchtet ist.
  • Seit einigen Jahren werden zum schnellen Vorbeimarsch der Fußtruppen häufig deutsche bzw. österreichische Militärmärsche gespielt. Beispiele dafür sind In Treue fest von Carl Teike, Die Regimentskinder von Julius Fučík, Gottfried Piefkes Margaretenmarsch, der Kaiser Friedrich-Marsch von Carl Friedemann, der Parademarsch Nr. 1 von Julius Möllendorf und der Coburger Josias von Michael Haydn. Zur Formierung der Fußgarden zum Abmarsch Richtung Buckingham Palace schlagen die Spielleute (Trommler und Pfeifer) mittlerweile bereits traditionell Preußens Gloria von Gottfried Piefke.

WeblinksBearbeiten

Commons: Trooping the Colour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ensign (deutsch wörtlich: Fähnrich) ist anders als in Deutschland kein militärischer Dienstgrad, sondern meint die Funktion als Fahnenträger. Die Ensigns bei Trooping the Colour sind traditionell 2nd Lieutenant (deutsch: Leutnant).
  2. Eigenaussage Seelmann-Eggebert während der Trooping-the Colour-Übertragung 2017, veröffentlicht auf Youtube am 18. Juni 2017 (Videozeit 0:06:23 - 0:06:39), abgerufen am 10. Juni 2018