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Triticale

Gattung der Familie Süßgräser (Poaceae)
Triticale
Triticale auf einem Feld

Triticale auf einem Feld

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Triticale
Wissenschaftlicher Name
Triticale
Tscherm.-Seys. ex Müntzing
Körner von Weizen (links), Roggen (Mitte) und Triticale (rechts)
Triticale-Ähren

Triticale (der oder die,[1] auch: ×Triticosecale oder Triticosecale Wittmack) ist ein Getreide. Es ist eine Kreuzung aus Weizen (Triticum aestivum L.) als weiblichem und Roggen (Secale cereale L.) als männlichem Partner. Der Name ist aus TRITIcum und seCALE, jeweils Neutrum, zusammengesetzt. Die umgekehrte Kreuzung ergibt Secalotricum. Geschmack und Inhaltsstoffe der Triticale liegen zwischen denen von Weizen und Roggen. Seine Grannen sind ca. 3–5 cm lang und vierkantig.

Inhaltsverzeichnis

UrsprungBearbeiten

Bei der Kreuzung entsteht eine Hybride. Die Kreuzungsnachkommen sind hochgradig steril. Deshalb müssen die Chromosomensätze durch Behandlung der Keimlinge mit Colchicin, dem Alkaloid der Herbstzeitlosen, künstlich verdoppelt werden, um fertile Pflanzen zu erhalten (sogenannte „primäre“ Triticale). Zugelassene marktübliche Sorten gehen heutzutage immer auf Kreuzungen Triticale x Triticale (so genannte „sekundäre“ Triticale) zurück.

Triticale wurde gezüchtet, um die Anspruchslosigkeit des Roggens mit der Qualität des Weizens zu verbinden. Erste fertile Triticale wurden im 19. Jahrhundert gefunden. Erstmalig wurde im Jahr 1875 über eine gelungene Bestäubung von Weizen mit Roggenpollen durch den schottischen Botaniker A. Stephen Wilson berichtet. Im Jahr 1883 konnte der amerikanische Pflanzenzüchter Elbert S. Carman eine echte Hybridpflanze aus der Kreuzung aus Weizen und Roggen erzeugen. Dem deutschen Pflanzenzüchter Wilhelm Rimpau gelang im Jahr 1888 ebenfalls eine fertile Kreuzung. Er produzierte eine F1-Hybride, welche 12 fertile Nachkommen hatte. Diese Sorte wird auch heute noch in der Genbank in Gatersleben als Triticale Rimpau mit der Akzessionsnummer TCA 26 instand gehalten. Triticale erhielt den wissenschaftlichen Namen „Triticosecale rimpaui“ von Ludewig Wittmack im Jahr 1899. Ab 1935 wurde dann der bis heute gebräuchliche Name Triticale (x Triticosecale Wittmack).[2] Die gezielte Züchtung wurde erst nach der Entdeckung des Colchicins in den 1930er Jahren möglich, z. B. in Schweden, Schottland und der UdSSR. Die ersten Triticalesorten mit weiter Verbreitung wurden in Polen gezüchtet.

Vom Weizen stammen die Vorteile der guten Backfähigkeit, der hohen Erträge und das kurze Stroh, vom Roggen stammen die Vorteile der geringen Ansprüche an das Klima und an die Bodenqualität.

Man kann zwischen Sommertriticale (welche keine Winterruhe benötigt und deshalb im Frühjahr ausgesät wird) und Wintertriticale unterscheiden (welche im Herbst ausgesät wird). Sommertriticale ist in Europa fast ohne Bedeutung und wird eher in den Tropen und Subtropen angebaut.

Seit dem Jahr 2009 stehen die ersten Triticale-Hybriden in den offiziellen Sortenprüfungen. In Frankreich befindet sich die erste Hybridtriticale-Sorte vor der Markteinführung.

Anbau (in Deutschland)Bearbeiten

Anbauen kann man Triticale auf allen Böden innerhalb Deutschlands. Allerdings ist auf guten Standorten der Weizen im Ertrag überlegen und auf nährstoffarmen Sandböden bringt Roggen höhere Erträge. Der Anbau konzentriert sich auf klimatisch weniger günstige Lagen beispielsweise in den Mittelgebirgen. Die Aussaat erfolgt Anfang September bis Ende Oktober mit 120–140 kg pro ha (rund 300 Körner pro bei einem durchschnittlichen Tausendkorngewicht von 45 g).[3][4] Auch eine sehr späte Aussaat ist aufgrund der guten Winterhärte von Triticale möglich. Des Weiteren hilft eine späte Saat eine starke Düngung zu verhindern und vermindert erheblich den Unkrautdruck. Bei Beginn des landwirtschaftlichen Anbaus von Triticale war die Art wenig anfällig gegenüber Pilzkrankheiten und die Beratung empfahl es als extensiv anzubauende Art mit wenigen oder keinen Behandlungen gegen deren Erreger. Mit dem verstärkten Anbau seit den 1980er Jahren relativierte sich dieser Vorteil und spätestens seit den 2010er Jahren wird von der offiziellen Beratung ein ähnlich hoher Fungizideinsatz wie im Roggen- oder sogar Weizenanbau empfohlen. Ein Beispiel für eine Pilzkrankheit ist Mutterkorn, welches eine hohe Toxizität besitzt und daher besonders beachtet werden sollte. Der Einsatz von Wachstumsregulatoren gehört in der konventionellen Landwirtschaft zu den Standardanwendungen. Der optimale Zeitpunkt der Ernte liegt bei Vollreife sortenabhängig meist zwischen der Roggen- und Weizenernte. Unter optimalen Bedingungen sind Erträge bis zu 120 dt pro ha möglich. Unter weniger günstigen Bedingungen auf typischen Anbaustandorten liegen die Erträge bis zu 25 % über den Weizenerträgen.

Wirtschaftliche BedeutungBearbeiten

In Deutschland lag die Anbaufläche 2017 bei rund 389.100 ha. Der Durchschnittsertrag lag im gleichen Jahr bei ca. 59,6 dt/ha. Es wurden in Deutschland etwa 2.317.000 Tonnen Triticale geerntet. Im Jahr 2017 wurden laut FAO weltweit 15,6 Mio. t Triticale geerntet.

Größte Triticaleproduzenten (2017)[5]
Rang Land Menge
(in t)
1 Polen  Polen 5.312.061
2 Deutschland  Deutschland 2.317.000
3 Weissrussland  Weißrussland 1.607.045
4 Frankreich  Frankreich 1.586.970
5 China Volksrepublik  Volksrepublik China 986.382
6 Russland  Russland 500.659
7 Ungarn  Ungarn 365.026
8 Spanien  Spanien 355.840
9 Rumänien  Rumänien 331.570
10 Osterreich  Österreich 289.131
Welt 15.563.415

NutzungBearbeiten

Neben der überwiegenden Anwendung (> 50 %) als Futtergetreide kann es auch für die menschliche Ernährung (Backwaren, Bier etc.) genutzt werden. Brot wird allerdings wegen der teilweise ungünstigen Backeigenschaften (zu hohe Amylaseaktivität und damit verbunden schlechte Verkleisterungseigenschaften der Stärke) in der Regel aus Gemischen mit Weizen bzw. Roggen erzeugt. Die einzelnen Triticale-Sorten sind unterschiedlich geeignet.

Eine Nutzung als Energiegetreide ist derzeit noch relativ selten und wird erforscht. Für die Bioethanolproduktion ist Triticalekorn geeignet, aufgrund der hohen Stärkegehalte von Triticale zahlen Produzenten von Bioethanol beim Ankauf höhere Preise als für Roggen.[6] Zudem wurden von den Universitäten Gießen und Kassel Triticalesorten identifiziert, die hohe Biomasseerträge pro Fläche liefern und somit auch für die Gewinnung anderer Kraftstoffe und Biogas nutzbar sind.[7]

ErscheinungsbildBearbeiten

Das Erscheinungsbild von Triticale ist je nach Sorte sehr unterschiedlich. So gibt es Typen, die eher Weizen ähnlich sind, und andere, die dem Roggen ähneln. Sorten mit langem oder kurzem Stroh oder überlangen Ähren kommen ebenfalls vor. Auch das Korn ist in Form, Aussehen und Inhaltsstoffen, je nach Sorte, sehr verschieden.

TriviaBearbeiten

In der Science-Fiction-Fernsehserie Raumschiff Enterprise spielt in einer der populärsten Folgen „The Trouble with Tribbles“ („Kennen Sie Tribbles?“) ein fiktives „Quadrotriticale“ eine größere Rolle, dessen Ursprung auf Triticale zurückgeführt wird.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Combining ability and heterosis among eight complete spring hexaploid triticale lines. In: Barker, T.C. und G.Varughese (Hrsg.): Crop Sci. Nr. 32, 1992, S. 340–344.
  • Hybrid triticale -prospects for research and breeding Part I: Why hybrids? In: Weissmann S., E. A. Weissmann (Hrsg.): Proc 5th Int Triticale Symp. Nr. 1. Radzikov 2002, S. 187–191.
  • Hybrid triticale -prospects for research and breeding Part II. In: Warzecha, R. (Hrsg.): ITC. Poznań 2002.
  • Leistungsvergleich von Liniensorten und F1-Hybriden bei Wintertriticale in amtlichen Prüfungen der Jahre 1998–2000. In: Weissmann E.A., A.K. Werner und S.Weissmann (Hrsg.): Vortrag Pflanzenzüchtung. Nr. 49, 2000, S. 39–48.
  • Wolfgang Schuchert: Triticale, Verbreitung, Erträge, Verwendung. Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, Köln.
  • G. Röbbelen, S. Smutkupt: Reciprocal intergeneric hybridizations between wheat and rye. In: Wheat Information Service. Nr. 27. Kyoto 1968, S. 10.
  • G. Oettler: The fortune of a botanical curiosity – Triticale: past, present and future. In: The Journal of Agricultural Science. Nr. 143. Cambridge 2005, S. 329–346.
  • B. Rodemann, H. Mielke: Zum Anbau und Pflanzenschutz des Triticale. In: bba-Mitteilungen. Nr. 409. Berlin/Braunschweig 2007, ISBN 978-3-930037-31-5 (online).
  • Wilfried Seibel (Hrsg.): Warenkunde Getreide – Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung, Verarbeitung. Agrimedia, 2005, ISBN 3-86037-257-2.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Triticale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eintrag im Duden, abgerufen am 7. August 2014
  2. Phänotypische und molekulare Analyse von Kreuzungsnachkommen auf Resistenz gegen Ährenfusariosen bei Triticale (x Triticosecale Wittmack). Dissertation Maren Swentje Großmann, 2010.
  3. Anbauinformationen zu Triticale Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 24. März 2019.
  4. Bestandsführung und Anbautechnik für Triticale Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, abgerufen am 24. März 2019.
  5. Crops > Triticale. In: Produktionsstatistik der FAO 2019. fao.org, abgerufen am 21. Januar 2019 (englisch).
  6. Bioethanolhersteller wollen Triticale einsetzen. In: Agrarzeitung Online. 5. Juli 2007, abgerufen am 22. Juni 2017.
  7. „Biomasse für SunFuel®“ – Hessische Forschungsergebnisse auf Hannover Messe vorgestellt. (Memento des Originals vom 12. April 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hmulv.hessen.de Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 24. April 2008.
  8. „Quadrotriticale“ in Memory Alpha