Hauptmenü öffnen

Ein Trend ist eine systematische Zunahme oder systematische Abnahme in einer Zeitreihe, die außerdem Fluktuation oder periodische Schwankungen aufweist. Ein Trend in einer kurzen Zeitreihe kann fundamental sein oder eine vorübergehende Tendenz.

Inhaltsverzeichnis

AllgemeinesBearbeiten

Trends gibt es überall dort, wo ein Bezugswert sich verändern kann und aus dieser Veränderung eine Entwicklungsrichtung entsteht. Insbesondere Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft befassen sich mit Trends in Form von Zeitreihen. Trends sollen dem Analysten Auskunft über Entwicklungen eines Bezugswerts innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und/oder Ortes geben, um hieraus Erkenntnisse über bestimmte Vorgänge gewinnen zu können. Ausgangspunkt ist zunächst eine trendfreie Beobachtung innerhalb eines Zeitraumes/Ortes. Dann bleiben Mittelwert und Varianz einer Zeitreihe über einen gesamten Beobachtungszeitraum konstant, man spricht von Stationarität. Nur nicht-stationäre Zeitreihen unterliegen einer Trendentwicklung und besitzen deshalb keinen festen Mittelwert.[1] Hierbei wird zwischen trendstationären Zeitreihen mit deterministischem Trend und differenzstationären Zeitreihen mit rein zufälligen stochastischen Trends unterschieden.

Die einfachste Art, in einer Messreihe einen Trend festzustellen, ist ihre grafische Darstellung über der Zeit bzw. dem Messort. Je genauer die Linie horizontal (oder bei großer Streuung die Punktwolke rund) ist, desto geringer ist ein auffälliger Trend. Eine lineare Regression ist meist der nächste Schritt zur Analyse.

Bei deterministischen Trends unterscheidet man folgende Trendmodelle:[2]

  • Linearer Trend:
 
Darin bezeichnen   den Bezugswert des Trends,   den Achsenabschnitt des Trends und   die Steigerung der Trendfunktion in der Zeitreihe  .
  • Parabolischer Trend:
Für   ist dabei die allgemeine Funktion einer Parabel einzusetzen:
 
  • Exponentialtrend:
 .
  • Logistischer Trend:
 
  ist hierin der Sättigungsgrad des Bezugswerts eines Trends (siehe Logistische Funktion).

Trends können Diskontinuitäten ausgesetzt sein, wobei unvorhersehbare Ereignisse einen Strukturbruch, eine Unterbrechung oder eine Richtungsänderung des Trends (Trendumkehr) bewirken können. Dann bleiben die Regressionsparameter nicht über die gesamte Zeitreihe hinweg konstant.

PhysikBearbeiten

In der Physik ist der Trend ein linearer Regressionskoeffizient in der zeitlichen Entwicklung der diagonal angeordneten Rekurrenzpunkte weg von der identischen Rekurrenzdiagonalen und damit ein Maß über die Stationaritat der Zeitreihe.[3] Gestörte Messreihen können durch Trendanalysen korrigiert (trendbereinigt) werden oder durch genauere Modellierung der physikalischen Umwelt, durch Ausweitung der Messreihen auf weitere Parameter oder durch Beseitigung der systematischen Fehlerquellen verbessert werden.

Ein Trend entsteht häufig durch Änderungen der äußeren Umstände – etwa in der Physik durch Anstieg der Temperatur, oder bei GPS-Vermessung durch Sonnenaktivität und Ionosphäre.

Säkulare Trends in der AstronomieBearbeiten

In der Astronomie wird ein langfristiger Trend als säkular (von lat. saeculum für Jahrhundert, Menschenalter) bezeichnet. Solche Effekte sind z. B.

Verursacht werden diese Veränderungen großteils durch Abweichungen vom kugelsymmetrischen Schwerefeld der Sonne (durch die Existenz der Planeten, siehe Dreikörperproblem) und der Planeten (durch deren Abplattung). Kleinere Effekte verursacht die Allgemeine Relativitätstheorie und der Lichtdruck der Sonne.

WirtschaftswissenschaftenBearbeiten

Im Hinblick auf die Wirkungsdauer und den Geltungsbereich kann zwischen Modetrends, Konsumententrends, soziokulturellen Trends, Megatrends und Metatrends unterschieden werden. Modetrends halten sich maximal 5 Jahre, befriedigen das Bedürfnis nach modischer Abwechslung und besitzen regional-kurzfristige Auswirkungen. Konsumententrends spielen sich zwischen 5 und 8 Jahren ab und betreffen das Konsumverhalten. Soziokulturelle Trends wirken zwischen 5 und 10 Jahren und betreffen bedeutsame nationale Veränderungen in den Einstellungen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen, die den Lebensstil beeinflussen. Megatrends überspannen Zeiträume ab 25 Jahre und ziehen tiefgreifende, global-langfristige Auswirkungen nach sich.[4] Der Begriff Megatrend wurde 1982 durch den Trendforscher John Naisbitt geprägt. Metatrends schließlich sind tiefgreifende Entwicklungen mit Dauercharakter wie das römische Reich, das Christentum oder die Kolonialisierung.[5]

Während Konjunkturtrends die gesamte Volkswirtschaft betreffen, sind Markttrends auf einen bestimmten Markt begrenzt. Hier kann die Marktentwicklung mit Hilfe der Marktanalyse von Marktdaten ermittelt werden. Trends können das Marktverhalten der Marktteilnehmer verändern wie etwa bei der Commoditisierung.

WirtschaftBearbeiten

 
Trends beim Produktlebenszyklus

Trends gibt es insbesondere in der Wirtschaft. Alle Preise, Börsenkurse, Renditen oder Indices (Preisindex, Aktienindex) sowie das Preisniveau und das Zinsniveau bilden Zeitreihen und verändern sich ständig, so dass Finanzanalysten diese Zeitreihen zur Trendanalyse nutzen können. Der Produktlebenszyklus ist von charakteristischen Trendphasen gekennzeichnet. Nach der Marktreife beginnt ein progressiver Wachstumstrend mit steigendem Umsatz und Grenzgewinn, es folgt eine Sättigungsphase ohne Wachstumsrate und schließlich setzt eine Degenerationsphase ein, in der sogar Verluste entstehen können. Auch volkswirtschaftliche Kennzahlen, betriebswirtschaftliche Kennzahlen oder Unternehmensdaten von einem einzelnen Unternehmen können zu Trends zusammengefasst und analysiert werden.

In der Wirtschaft spricht man von einem ungebrochenen Trend, wenn sich die Bewegungsrichtung der Oszillatoren konvergent zum Preis- oder Kursverlauf verhält. Dabei gilt der Grundsatz: „Die Charttechnik definiert den Trend, die Markttechnik beurteilt seine Qualität“.[6]

Über Trends wird in den Massenmedien und insbesondere in den Fachmedien häufig berichtet. Die Wirtschaftssubjekte nutzen ermittelte Trends bei ihren Entscheidungen und in ihren Planungen, um künftige Entwicklungen einschätzen und Entscheidungen darauf aufbauen zu können. Trends fungieren dann oft als Indikatoren künftiger Entwicklungen, obwohl Ungewissheit darüber besteht, ob sich ein – stets vergangenheitsbezogener – Trend auch künftig fortsetzen wird. Dazu eignet sich das Instrument der Trendextrapolation, mit deren Hilfe im Rahmen einer Zeitreihenanalyse zukünftige Trendentwicklungen mit einer bestimmten Eintrittswahrscheinlichkeit vorhergesagt werden können.

Unterliegen Trends saisonalen Effekten (etwa der Winter bei der Arbeitslosigkeit), so müssen diese Effekte zur besseren Vergleichsmöglichkeit im Rahmen der Saisonbereinigung eliminiert werden, um den Trend ohne Saisoneinflüsse darstellen zu können.

Abgrenzung zur TendenzBearbeiten

Die Bezeichnung einer aktuellen deutlichen Änderung als „Tendenz“ drückt die Erwartung aus, dass es sich als eine kurzfristige Fluktuation erweisen wird, keine Änderung des längerfristigen Trends.[7]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Manfred Schneider: Himmelsmechanik, Band 4, Theorie der Satellitenbewegung, Bahnbestimmung. Spektrum-Verlag Heidelberg 1999, ISBN 3-8274-0484-3
  • Karl Stumpff, H.-H. Vogt: Das Fischer-Lexikon Astronomie. Neubearbeitete 8. Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 1972

EinzelnachweiseBearbeiten