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Treis an der Lumda

Stadtteil von Staufenberg im Landkreis Gießen in Mittelhessen

Treis an der Lumda ist ein Stadtteil von Staufenberg im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Treis an der Lumda
Wappen von Treis an der Lumda
Koordinaten: 50° 40′ 7″ N, 8° 47′ 3″ O
Höhe: 190 m ü. NHN
Fläche: 13,63 km²[1]
Einwohner: 2126 (Jun. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35460
Vorwahl: 06406
Ansicht von Osten
Ansicht von Osten

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Treis an der Lumda liegt an beiden Ufern der Lumda am Hang des Totenberges und bildet topographisch im Lumdatal die Talenge. In West-Ost-Richtung verläuft die Landesstraße 3146 durch den Ort.

GeschichteBearbeiten

Der Bereich um Treis war schon sehr früh besiedelt. Das beweisen die überhängenden grottenartigen Quarzitfelsen, die Menschen in der älteren Steinzeit als Wohnplätze dienten.


Burg Treis (l.) und Burg Ellhaus (r.)

Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Ortes stammt von 1237. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert mit einem südlichen Flankenturm errichtet und vereint romanische mit gotischen Elementen.

Am linken Flussufer befindet sich die Burg Ellhaus (Burg Milchling), die 1679 erweitert wurde. Am rechten Ufer steht ein burgartig befestigter Hof, die Burg Treis, genannt „Burg am Wasser“, mit Ringmauer, Eckturm und Rundturm. Der Bau war später Amthaus und Sitz des bis 1866 bestehenden Justizamtes Treis des Kurfürstentums Hessen.

 
Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof

Die alte Försterei war vormals das Verwaltungsgebäude der Adelsfamilie Schutzbar genannt Milchling.

In Treis an der Lumda werden im 17. Jahrhundert erstmals Juden erwähnt. 1861 lebten im Ort 72 jüdische Einwohner, die eine eigenständige jüdische Gemeinde mit eigener Begräbnisstätte bildeten. Deren Synagoge wurde 1829 erbaut und nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.[2] Der Jüdische Friedhof   ist erhalten.

Das Kurfürstentum Hessen unterlag als Verbündeter Österreichs 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg dem Königreich Preußen und wurde daraufhin von Preußen annektiert. Treis wurde dann allerdings im Friedensvertrag vom 3. September 1866 von Preußen an das Großherzogtum Hessen(-Darmstadt) abgetreten.[3]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Treis an der Lumda kraft Landesgesetz am 1. Juli 1974 mit der Stadt Staufenberg und den Gemeinden Mainzlar und Daubringen zur neuen Stadt Staufenberg zusammengeschlossen.[4][5]

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Treis an der Lumda unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[6]

  • Treyse (1237) (?) [Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe 2, Nr. 271 = Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 1 S. 544]
  • Treyse juxta Lunam, in (1267) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Nr. 240]
  • Treysa prope Nordeckin, in (um 1300) [XV Jh. Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3 S. 286]
  • Treysse uff der Lomme, zcu (1478) [Klosterarchive 3: Oberhessische Klöster, Band 1, Nr. 1001]
  • Treis an der Lumbde [Niveaukarte Kurfürstentum Hessen 1840–1861]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Treis an der Lumda lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Treis zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10] In Treis wurde ein Assistenzamt eingerichtet, das 1833 als eigenständiges Justizamt Treis ausgegliedert wurde und für Nordeck zuständig war.

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde durch einen Gebietstausch Treis an das Großherzogtum Hessen abgetreten, Treis kam zum Landgericht Gießen. Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 führte zu einer einheitlichen Gerichtsorganisation im ganzen Reich. Das „Hofgericht Gießen“ wurde nun als „Landgericht Gießen“ zur übergeordneten „Zweiten Instanz“ in der Provinz Oberhessen, während die Gerichte erster Instanz in Amtsgericht umbenannt wurden.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Treis an der Lumda: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
1.171
1840
  
1.201
1846
  
1.252
1852
  
1.266
1858
  
1.218
1864
  
1.245
1871
  
1.085
1875
  
1.073
1885
  
1.052
1895
  
1.086
1905
  
1.168
1910
  
1.179
1925
  
1.209
1939
  
1.327
1946
  
1.906
1950
  
1.924
1956
  
1.779
1961
  
1.871
1967
  
1.948
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1961: 1486 evangelische, 372 römisch-katholische Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1961: Erwerbspersonen: 238 Land- und Forstwirtschaft, 488 Prod. Gewerbe, 106 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 122 Dienstleistungen und Sonstiges.

WappenBearbeiten

Am 26. August 1970 wurde der Gemeinde Treis an der Lumda ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Silber unter einem roten Schildhaupt ein mit einem silbernen Kirchturm belegter roter Pfahl, beseitet von je drei schwarzen in der Spitze einander zugeordneten Herzen.[11]

KulturdenkmälerBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Ehem. Bahnhof

Der Ort hatte einen Bahnhof an der Lumdatalbahn (Lollar-Grünberg), die 1902 erbaut und im Personennahverkehr am 30. Mai 1981 stillgelegt wurde. Busbedienung besteht seit den 1970er Jahren über Lollar (Main-Weser-Bahn) nach Bahnhof Gießen (Bahnhofskategorie 2); heute (Stand 2014) hält die Buslinie 371 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Durch Treis verläuft der Radwanderweg Lumda-Wieseck, der in Lollar Anschluss an den Lahntalradweg hat.[12]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Treis an der Lumda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b „Zahlen Daten Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Staufenberg, abgerufen im Januar 2017.
  2. Treis an der Lumda (Stadt Staufenberg/Hessen, Kreis Gießen) – Jüdische Geschichte / Synagoge auf www.alemannia-judaica.de
  3. Art. 15, Nr. 4 des Friedensvertrages, abgedruckt bei: Ernst Rudolf Huber: Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte 2 = Deutsche Verfassungsdokumente 1851–1900. 3. Aufl., Stuttgart 1986. ISBN 3-17-001845-0, Nr. 192, S. 260ff.
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 365.
  6. a b c d e Treis an der Lumda, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 3. Januar 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 121–123 (online bei Google Books).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Treis an der Lumda, Landkreis Gießen vom 26. August 1970. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 37, S. 1785, Punkt 1671 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,9 MB]).
  12. Radwanderweg Lumda-Wieseck bei www.giessener-land.de
  13. Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 10. Juni 2016.