Traditionalismus (Philosophie)

Traditionalismus (Integraler Traditionalismus; Traditionalistische Schule) ist eine Weltanschauung, die Philosophie/Metaphysik, Religion und Mystik/Esoterik verbindet, dezidiert anti-modern ausgerichtet ist und von einer Philosophia perennis ausgeht und diese erneuern will. Gründer und bekanntester Traditionalist ist René Guénon. Weitere bekannte Vertreter sind Frithjof Schuon („islamischer Traditionalismus“, Sufismus), Mircea Eliade („weicher“ oder „akademischer Traditionalismus“), Julius Evola („politischer Traditionalismus“), Leopold Ziegler („christlich-katholischer Traditionalismus“), Ananda Kentish Coomaraswamy, Titus Burckhardt und Hossein Nasr.

GeschichteBearbeiten

Der Traditionalismus wurde in Frankreich von Joseph de Maistre und Louis-Gabriel-Ambroise de Bonald begründet und vom jungen Félicité de Lamennais maßgeblich weiterentwickelt. Weitere Vertreter waren Augustin Barruel, Pierre-Simon Ballanche und Augustin Bonnetty. Sie lehnten die individuelle Vernunft als alleinige Entscheidungsgrundlage politischen Handels ab. Der subjektive Einzelwille habe sich vielmehr der Offenbarung unterzuordnen. Die Ablehnung der Autonomie, der Selbstgesetzgebung und des liberalen Freiheitsbegriffes war antiaufklärerisch motiviert. Obgleich die Gleichsetzung von christlicher Orthodoxie und Wahrheit von späteren Traditionalisten teilweise aufgegeben wurde, insofern das Christentum nur eine temporale Wirklichkeit der Wahrheit sei, entstammen zahlreiche Ideologeme wie die Deutung der Moderne als Irrweg und die daran anschließende Forderung nach einer radikalen Umkehr wie der Antimaterialismus der katholischen Reaktion.

Neben der Reaktion sind der Neuplatonismus der Renaissance und die bereits auf de Maistre wirkende Theosophie eines Louis Claude de Saint-Martin sowie die Lehren Antoine Fabre d’Olivet die wichtigsten ideengeschichtlichen Quellen des integralen Traditionalismus.

KritikBearbeiten

Umberto Eco gebraucht den Begriff Traditionalismus[1] als Bezeichnung für eine ideologische Ablehnung der Moderne bei Beibehaltung der von ihr sozial vorbereiteten oder ermöglichten technologischen Entwicklungen und bestimmt diesen als eines von 14 Merkmalen des Urfaschismus. Im Gegensatz zu Karl Mannheims Traditionalismus-Begriff, demnach gesellschaftliche Erneuerungen per se abgelehnt werden, wird hier nicht die Beibehaltung eines vormodernen Zustandes gefordert, sondern eine in der Moderne entstandene Ideologie wie die Blut-und-Boden-Ideologie als Grundlage für das politische Handeln genommen. Ecos Begriff ähnelt daher vielmehr den der Erfundenen Traditionen und des Mythos.

LiteraturBearbeiten

  • Sedgwick, Mark (Übers. Miller, Nadine): Gegen Die Moderne Welt : Die Geheime Geistesgeschichte Des 20. Jahrhunderts. Erste Auflage ed. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. ISBN 978-3-95757-520-3

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Umberto, Eco: Urfaschismus zeit.de vom 7. Juni 1995 (Nr. 1), siehe weitergehend auch The Spiritual Fascism of Rene Guenon and His Followers (Definitions and Comparative History)