Hauptmenü öffnen

Das Tote Gebirge ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen. Es ist ein Plateaugebirge im Bereich der nördlichen Steiermark und des südlichen Oberösterreich, zwischen Trauntal im Westen und Stodertal im Osten.

Totes Gebirge
Die Südostseite über dem Stodertal

Die Südostseite über dem Stodertal

Höchster Gipfel Großer Priel (2515 m ü. A.)
Lage Steiermark, Oberösterreich
Teil der Westliche Salzkammergutalpen (Trimmel), Nördliche Kalkalpen
Einteilung nach AVE 15, Trimmel 1620 (Totes Gebirge und Vorberge)
Totes Gebirge (Alpen)
Totes Gebirge
Koordinaten 47° 43′ N, 14° 4′ OKoordinaten: 47° 43′ N, 14° 4′ O
Typ Kalkkarststock, Plateaugebirge
Gestein Dachsteinkalk
Fläche 1.130 km²

Inhaltsverzeichnis

Lage und LandschaftBearbeiten

Das Tote Gebirge wird den Kalkhochalpen der Nordalpen zugerechnet.

Der Name leitet sich vermutlich von der stark verkarsteten und großteils vegetationslosen Hochfläche ab. Das Tote Gebirge ist im Westen niedriger, hier gibt es in Hochtälern zwischen 1400 und 1600 m Seehöhe durch Kiefern, Lärchen und Zirben geprägten Bergwald. Teilweise sind noch große Almwiesen vorhanden (Augstwiesen Alm, Wildensee). Nach Osten zu werden die Berge höher und vegetationslos. Die Wassermassen durch Regen und Schnee versickern rasch im Karstsystem, sodass das Gebirge, besonders der Ostteil, als wasserarm gilt.

Politisch gesehen teilt sich das 1130 km² Gebiet auf die Bezirke Gmunden, Kirchdorf an der Krems und Liezen auf.

Benachbarte GebirgsgruppenBearbeiten

Das Tote Gebirge grenzt nach der Alpenvereinseinteilung (AVE) an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

Gliederung und BergeBearbeiten

 
Plateau des Toten Gebirges
 
Henarwald im Toten Gebirge

Die Hauptmasse des Gebirges wird in Schönberggruppe und Zentralplateau, die durch die Wildenseelinie getrennt sind, eingeteilt. Die Warscheneckgruppe, durch die Salzsteiglinie getrennt, wird teils zum Toten Gebirge (AVE), teils eigenständig gerechnet.

Zentralplateau
Nebengruppen
Vorberge

Mit 2515 m ist der Große Priel auf oberösterreichischer, bzw. mit 2389 m der Große Hochkasten auf steirischer Seite die höchste Erhebung. Weitere bekannte Gipfel sind Spitzmauer (2446 m), Schermberg (2396 m), Rotgschirr (2261 m), Elm (2128 m) und Schönberg/Wildenkogel (2093 m).

UmgrenzungBearbeiten

Umgrenzung im Uhrzeigersinn[1]: Offenseebach – Grießeneckbach – Moosau – Habernau – Hetzau – Ödseen – Bernerau – Weißenbach bis Einmündung in die Steyr – Steyr bis Einmündung Teichl – Teichl – Pyhrnpaß – Enns von Liezen bis Trautenfels – Klachau – Bad Mitterndorf – Kainisch-Traun – Bad Aussee – Pötschenhöhe – Bad Goisern – Traun bis Einmündung Offenseebach

SeenBearbeiten

Eingebettet in dieses Kalkmassiv sind zahlreiche Bergseen wie

GeologieBearbeiten

 
Karstformationen im Toten Gebirge

Kalke und Dolomite bilden den Großteil der Hauptmasse des Gebirges. Diese entstanden in den Meeren des Mesozoikums, insbesondere der Trias und Jura vor ungefähr 210 bis 135 Millionen Jahre.

Mit der Verkarstung entstanden viele Dolinen, Schächte, Karren und Höhlen, wie die Gasselhöhle (Tropfstein- und Schauhöhle), die Salzofenhöhle, die T-Höhle (Megalodonten) oder die kleine Eishöhle am Schönberg. Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem bei Altaussee ist über 120 km lang, 1104 m tief und teilweise vereist.[2] Insgesamt gibt es im Toten Gebirge mehr als 600 bekannte Höhlen und Schächte. Die längste Höhle ist das Schönberg-Höhlensystem im westlichen Teil des Toten Gebirges mit einer vermessenen Länge von 147 km bei einer Tiefe von 1061 m.[3][2]

BiologieBearbeiten

Trotz der Kargheit ist dieses Gebiet für seine Kalkflora (mit dem endemischen Erzherzog-Johann-Kohlröschen) und Bestände an Schwarz- und Rotwild bekannt. Im Bereich des Albert-Appel-Hauses gibt es einen größeren Waldbestand, den Henarwald.

NaturschutzgebieteBearbeiten

Große Teile des Toten Gebirges stehen unter strengem Naturschutz. Die flächenmäßig größten Schutzgebiete liegen in der Steiermark: Totes Gebirge West[4] und Totes Gebirge Ost[5]. Die beiden Schutzgebiete decken einen Großteil des Hochplateaus auf steirischer Seite ab (auf den Gemeindegebieten von Altaussee, Grundlsee, Tauplitz, Stainach-Pürgg, Wörschach und Liezen). In Oberösterreich befinden sich vier kleinere Naturschutzgebiete: Warscheneck Nord, Warscheneck Süd-Purgstall-Brunnsteiner Kar, Warscheneck-Süd-Stubwies, Warscheneck-Süd-Wurzeralm.[6]

Sport, Tourismus und ErschließungBearbeiten

Skigebiete finden sich im steirischen Teil im Bereich der Tauplitzalm (Südwesten) und im kleineren Umfang auch am Loser (Westen) sowie in Oberösterreich bei Hinterstoder (Nordosten) und auf der Wurzeralm. Aktuell ist eine Skischaukel zwischen den Skigebieten Wurzeralm und Hinterstoder im Gespräch. Diese würde jedoch durch das 2008 ins Leben gerufene Naturschutzgebiet verlaufen, und wird deshalb von Alpinvereinen und Naturschutzorganisationen heftig kritisiert.[7] Im Sommer ist das Tote Gebirge recht beliebt bei Bergwanderern und Kletterern, bekannt sind etwa die Überschreitungen von Hinterstoder nach Bad Ischl oder Ebensee am Traunsee und die Besteigung des Großen Priels von Norden oder Südosten. Bei der Liezener Hütte findet seit 1925 jährlich am ersten Sonntag im August das Bergturnfest Liezener Hütte mit leichtathletischen Wettbewerben statt.

Von Altaussee aus führt die 9 km lange Loser-Panoramastraße (Mautstraße) bis auf 1600 m Höhe in die Nähe des Augstsees.

HüttenBearbeiten

Die folgende Auflistung bietet einen Überblick über alle wichtigen Berghütten im Toten Gebirge, darunter befinden sind größtenteils Alpenvereinshütten, aber auch Hütten anderer alpiner Vereine sowie von Privatpersonen.

Fern-/WeitwanderwegeBearbeiten

Die Via Alpina, ein grenzüberschreitender Weitwanderweg mit fünf Teilwegen durch die ganzen Alpen, verläuft auch durch das Tote Gebirge.

Der Violette Weg der Via Alpina verläuft mit 6 Etappen durch das Tote Gebirge:

  • Etappe A26 verläuft von Spital am Pyhrn zur Zellerhütte.
  • Etappe A27 verläuft von der Zellerhütte nach Hinterstoder.
  • Etappe A28 verläuft von Hinterstoder zum Prielschutzhaus.
  • Etappe A29 verläuft vom Prielschutzhaus zur Pühringerhütte.
  • Etappe A30 verläuft von der Pühringerhütte zur Loserhütte.
  • Etappe A31 verläuft von der Loserhütte nach Bad Goisern.

KartenBearbeiten

  • Alpenvereinskarte Bl. 15/1 (Totes Gebirge – West), 1:25.000; Österreichischer Alpenverein 2014; ISBN 978-3-928777-29-2.
  • Alpenvereinskarte Bl. 15/2 (Totes Gebirge – Mitte), 1:25.000; Österreichischer Alpenverein 2008; ISBN 978-3-928777-31-5.
  • Alpenvereinskarte Bl. 15/3 (Totes Gebirge – Ost), 1:25.000; Österreichischer Alpenverein 2010; ISBN 978-3-928777-33-9.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Totes Gebirge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alpenvereinseinteilung der Ostalpen. Abgerufen am 5. März 2018.
  2. a b Verband Österreichischer Höhlenforscher: Die längsten Höhlen Österreichs, Stand: Oktober 2017
  3. Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich: Schönberg Höhlensystem, Stand Juni 2018
  4. Naturschutzgebiet Totes Gebirge West (Karte, Verordnungstext, Gebietsbeschreibung). (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 29. Juni 2008; abgerufen am 18. Juli 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.verwaltung.steiermark.at
  5. Naturschutzgebiet Totes Gebirge Ost (Karte, Verordnungstext, Gebietsbeschreibung). (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 30. April 2008; abgerufen am 18. Juli 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.verwaltung.steiermark.at
  6. Naturschutzgebiete in Oberösterreich (Karten). Abgerufen am 18. Juli 2012.
  7. Protest gegen Warscheneck-Skischaukel. 25. November 2010, abgerufen am 26. November 2010.