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Torsten Koplin

deutscher Politiker, MdL, inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit
Torsten Koplin

Torsten Koplin (* 26. Juli 1962 in Neubrandenburg) ist ein deutscher Politiker (PDS, Die Linke). Er ist seit 1998 Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern und war dort von November 2011 bis 2016 Vorsitzender des Finanzausschusses. Er war inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Ausbildung und BerufBearbeiten

1979 erwarb Koplin seinen Schulabschluss auf einer Polytechnischen Oberschule (POS). Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Schlosser im VEB Kraftverkehr Neubrandenburg. Anschließend verpflichtete er sich für drei Jahre Dienst beim Wachregiment Feliks Dzierzynski. Nach Aktenlage diente Koplin vom 1. Oktober 1981 bis 27. September 1984.[1] Das Wachregiment war eine Struktureinheit des Ministeriums für Staatssicherheit, die Einstellung erfolgte auf freiwilliger Basis. Laut Dienstlaufbahnordnung des MfS waren Soldaten und Unteroffiziere, die „Dienst auf Zeit“ leisteten, Angehörige des MfS und standen zu diesem in einem hauptamtlichen Dienstverhältnis. Gemäß § 6 Abs. 4 Nr. 1 Stasi-Unterlagen-Gesetz gelten sie dementsprechend während der Ableistung dieses „Dienstes auf Zeit“ als hauptamtliche Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes.[1]

Von 1984 bis 1988 war er Sekretär für Kultur und Sport in der FDJ-Kreisleitung Neubrandenburg. Infolge der Wende schloss er Ende Juni 1990 nach drei von insgesamt sechs Semestern sein Studium an der damaligen SED-Parteihochschule mit einem „Zeugnis über den Hochschulabschluss“ ab, das nicht als akademischer Titel anerkannt ist. Dennoch stellte er diese bis November 2008 irreführend als Universitätsabschlüsse („Staatswissenschaftler“ bzw. „Politikwissenschaftler“) dar.[2] Nachdem er von 1990 bis 1992 Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens gewesen war, ging er in die Selbstständigkeit. Von 1996 bis 1998 war er Gruppenleiter eines Großhandelsunternehmens. 2010 erwarb er den akademischen Grad eines Diplom-Kaufmannes (FH) und 2014 den eines Masters im Gesundheitsmanagement.[3]

PolitikBearbeiten

Koplin war ab 1981 Mitglied der SED, und später der PDS und der Linken. Von 1994 bis 1998 saß Koplin für die PDS als Abgeordneter in der Neubrandenburger Stadtvertretung.

Seit 1998 ist Koplin für die PDS bzw. die Linke Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde immer über die Landesliste gewählt. Ein Direktmandat in seinem Landtagswahlkreis Mecklenburg-Strelitz I konnte er nicht erringen. Er war von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender und von 2002 bis 2006 Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Soziales, Familie, Frauen, Senioren, Jugend und Sport. Er ist Sprecher der Fraktion „Die Linke“ für Kulturpolitik. Von November 2006 bis September 2011 war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Am Rande eines „Die Linke“-Landesparteitags im Oktober 2008 sorgte er durch die Aussage, dass es in der DDR zwar Unrecht gegeben habe, diese aber kein Unrechtsstaat gewesen sei,[4] für Kritik auch in der eigenen Partei.[5]

Bei der Bundestagswahl 2009 scheiterte seine Kandidatur im Bundestagswahlkreis Neubrandenburg – Mecklenburg-Strelitz – Uecker-Randow äußerst knapp. Koplin erreichte 32,8 % der Stimmen und unterlag damit Christoph Poland (CDU), der 33 % bekommen hatte.

Als einziges Mitglied der Antikapitalistischen Linken wurde Torsten Koplin für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2011 auf einen aussichtsreichen Listenplatz (Platz sechs) gewählt[6] und zog über diesen erneut ins Landesparlament ein.

Bei der Bundestagswahl 2013 trat er im Bundestagswahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II an und unterlag mit 23,9 % Matthias Lietz von der CDU, der 45,9 % erreichte.

Im März 2014 war er wie drei andere Funktionäre der Linken als Beobachter des Referendums während der Krimkrise am 16. März auf der Krim, ohne dies mit seiner Partei abgestimmt zu haben. In gleicher Funktion reisten auf Vermittlung der Allianz der Europäischen nationalen Bewegungen Funktionäre bzw. Abgeordnete von Lega Nord, Front National und anderen rechtsgerichteten Parteien auf die Krim. Die OSZE hatte die Beobachtung des später von der UN-Vollversammlung für ungültig erklärten Referendums abgelehnt. Koplins Beobachterreise wurde auch von Parteifreunden heftig kritisiert.[7][8]

Im März 2015 unterlag Koplin als Kandidat bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Neubrandenburg in der Stichwahl dem parteilosen Bewerber Silvio Witt. Im ersten Wahlgang wurde Koplin Zweitplatzierter mit 26,8 Prozent, während Witt 43 Prozent der Stimmen erreichte.[9]; bei der Stichwahl am 15. März erreichte Witt laut vorläufigem Endergebnis 69,7 Prozent der Stimmen; Torsten Koplin kam auf 30,3 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 42,1 Prozent.[10]

Inoffizieller Mitarbeiter der StaatssicherheitBearbeiten

Eine Verpflichtung als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Staatssicherheit unterschrieb Koplin nach eigenen Angaben am 21. Januar 1987. Anlass sei damals sein Plan gewesen, ein Parkkonzert zu veranstalten, und die Genehmigung sei von seiner MfS-Mitarbeit abhängig gemacht worden. Nach Aussage der Stasi-Unterlagen verfolgte die Anwerbung Koplins das Ziel, mit seiner Hilfe den hauptamtlichen FDJ-Apparat zu durchdringen, Einschätzungen zur Führungs- und Leitungstätigkeit zu erlangen und Informationen zu Stimmungen und Meinungen von Jugendlichen zu gewinnen.[1] Bis Zum Herbst 1988, als Koplin sein Studium an der SED-Parteihochschule aufnahm, lieferte er als „IM Martin“ sechs handschriftliche Berichte an die Neubrandenburger Staatssicherheit. In den Unterlagen finden sich daruber hinaus 18 Berichte der Führungsoffiziere mit mündlichen Informationen Koplins und 22 Treffberichte der Führungsoffiziere, zweimal erhielt Koplin 100 Mark als Geldgeschenk. Koplin erarbeitete für das MfS auch Informationen zu mehreren Personen, die vom Staatssicherheitsdienst in Operativen Personenkontrollen (OPK) bearbeitet wurden.[1] Nach Koplins Angaben habe er auf einer Veranstaltung seines Jugendclubs im Dezember 1989 seine Stasi-Mitarbeit offenbart.[11] Mit Beginn des Studiums im Herbst 1988 war die Zusammenarbeit „wegen vorübergehender Nichteignung“ beendet; es bestand jedoch der Plan, Koplin nach Abschluss seines Studiums weiter inoffiziell zu nutzen; die Zusammenarbeit mit ihm sei effektiv.[1]

FamilieBearbeiten

Koplin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Abschlussbericht der Kommission des Landtages gemäß § 48 Abgeordnetengesetz Mecklenburg-Vorpommern, abgerufen am 19. Dezember 2017
  2. Frank Wilhelm: Neuer Ärger für Torsten Koplin. (Nicht mehr online verfügbar.) In: neubrandenblog. 19. November 2008, archiviert vom Original am 21. April 2009; abgerufen am 14. April 2015.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/neubrandenblog.blog.de
  3. Kurzbiografie auf der Internetseite des Landtages
  4. Frank Wilhelm: Wer hat hier Unrecht? (Nicht mehr online verfügbar.) In: neubrandenblog. 27. Oktober 2008, archiviert vom Original am 1. Dezember 2008; abgerufen am 14. April 2015.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/neubrandenblog.blog.de
  5. Frank Pergande, Schwerin: Der Versuchsballon ist abgestürzt. In: FAZ.net. 24. März 2009, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  6. ostsee-zeitung.de: Top-Ten der MV-Linken mit Realo-Mehrheit (Memento vom 8. März 2012 im Internet Archive) (10. April 2011).
  7. Linke, die Krim und ein ausgeladener Gysi. In: tagesspiegel.de. 17. März 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  8. Konflikte: Linke-Abgeordnete als Wahlbeobachter bei Krim-Referendum - Kritik. In: Focus Online. 17. März 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  9. Silvio Witt - von Null auf 43 Prozent, NDR, 2. März 2015
  10. Oberbürgermeister-Wahl: Silvio Witt regiert im Rathaus, Nordkurier vom 16. März 2015
  11. PDS-Abgeordneter will Mandat trotz Stasi-Mitarbeit behalten. In: welt.de. 29. Dezember 1998, abgerufen am 16. Dezember 2014.