Tom Buhrow

deutscher Journalist

Thomas „Tom“ Buhrow (* 29. September 1958 in Troisdorf[1]) ist ein deutscher Journalist und Rundfunk-Funktionär. Er ist seit 1. Juli 2013 Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und war von 4. August bis 31. Dezember 2022[2] Interimsvorsitzender der ARD, nachdem rbb-Intendantin Patricia Schlesinger den Posten abgegeben hatte.[3] Zuvor war er bereits von 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2021 Vorsitzender der ARD.

Tom Buhrow, 2019

BiografieBearbeiten

Tom Buhrow wuchs in Siegburg auf und besuchte das dortige Anno-Gymnasium. Von 1974 bis 1976 war er Austauschschüler an einer High School im US-Bundesstaat Wisconsin. Nach dem Abitur 1978 arbeitete er für die Lokalredaktion Siegburg des Bonner General-Anzeigers und studierte an der Universität Bonn Geschichte, Politikwissenschaften und Rheinische Landeskunde. Nach dem Examen 1984 (M.A.) begann er 1985 ein Volontariat beim WDR. Ab 1986 war er Redakteur, Reporter und Chef vom Dienst bei der Aktuellen Stunde und West 3 Aktuell sowie ab 1992 Redakteur und Reporter bei der Tagesschau.[4]

Von 1994 bis 1999 war Buhrow Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Washington. Von 2000 bis 2002 arbeitete er als Korrespondent im ARD-Studio Paris.[5] Seine Nachfolgerin war ab dem 1. Februar 2002 Marion von Haaren.

Ab dem 1. Juli 2002 war er Leiter und Korrespondent des ARD-Studios Washington. Am 1. September 2006 trat er die Nachfolge von Ulrich Wickert als Moderator bei den Tagesthemen an und moderierte diese im Wechsel u. a. mit Anne Will.[5] Er beendete die Sendung häufig mit den Worten: „Das waren die Tagesthemen von heute. Morgen ist ein neuer Tag.“

Für den Radiosender SWR3 war er in der Reihe Tim fragt Tom zu hören. Dort erklärt er am Telefon dem „kleinen Tim“ in einfachen Worten komplexe Sachverhalte aus den Tagesthemen.[6]

In einem Gastauftritt im Kieler Tatort Borowski und der freie Fall (Folge 846, Erstausstrahlung am 14. Oktober 2012) spielte Buhrow sich selbst als Tagesthemen-Moderator.

Am 29. Mai 2013 wurde Buhrow zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks gewählt. Er erhielt 41 der 47 Stimmen des Rundfunkrates und trat zum 1. Juli 2013[7] die Nachfolge der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Monika Piel an.[8] Mit einem Jahresgehalt von 367.232 Euro im Jahr 2013 bzw. 399.000 Euro brutto im Jahr 2016 war er der Spitzenverdiener unter den Intendanten.[9][10] Auch im Jahr 2021 war Buhrow mit einem Jahresgrundgehalt von 413.000 Euro der höchstbezahlte ARD-Intendant.[11]

Seine letzte Ausgabe der Tagesthemen moderierte er am 16. Juni 2013.[12] Nachfolger bei den Tagesthemen war der Fernsehjournalist Thomas Roth.

Vom 4. August bis 31. Dezember 2022 war Buhrow Interim-Vorsitzender der ARD da rbb-Intendantin Patricia Schlesinger den Posten abgegeben hatte.[3] Am 2. November 2022 rief Buhrow in einer Rede im Hamburger Übersee Club zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf, bei der auch die Zusammenlegung von ARD und ZDF kein Tabu sein dürfe.[13]

Mitgliedschaften und FunktionenBearbeiten

Buhrow ist Vorstandsmitglied und seit 1. Februar 2015 Aufsichtsratsvorsitzender der Bavaria Film GmbH.[14] Er ist außerdem Aufsichtsrat der ARD-Filmtochter Degeto, der WDR Mediagroup und der ARD-Rechteagentur SportA und gehört dem Verwaltungsrat des Deutschlandradios als stellvertretender Vorsitzender an. Er ist Kurator der Civis-Medienstiftung und Gesellschafter bei Arte Deutschland und hat einen Sitz in der Mitgliederversammlung der Arte G.E.I.E.[15] Im Jahresbericht 2013/2014 von Atlantik-Brücke wird er als Festredner für den scheidenden US-Botschafter Murphy erwähnt.[16]

KontroversenBearbeiten

2015 stand Buhrow wegen des geplanten Verkaufs von Teilen der WDR-Kunstsammlung in der Kritik.[17][18]

Im Juni 2009 berichtete das NDR-Medienmagazin „Zapp“ über die Nebenverdienste von Fernsehmoderatoren. Auch Buhrows umfangreiche Nebentätigkeit als Vortragsredner wurde thematisiert. Das Magazin warf die Frage auf, ob im öffentlichen Fernsehen beschäftigte Journalisten unabhängig berichten können, wenn sie ihre Dienste als bezahlte Redner vermarkten.[19] Der Spiegel berichtete am 10. Juni 2009, dass leitende Redakteure der ARD-aktuell-Redaktion in einem Brief den Nachrichtenmann aufforderten, künftige Nebenerwerbsengagements besser darauf zu prüfen, ob sie dem Ansehen der „Tagesthemen“ und ARD-aktuell schaden könnten.[20]

Anfang 2020 geriet Buhrow aufgrund einer Entschuldigung zu einem vom WDR produzierten Satirevideo und der Billigung von dessen Löschung in die Kritik.[21] Ein Kinderchor sang das bekannte Kinderlied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, bei welchem der Text umgeändert wurde und Zeilen wie: „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ beinhaltete. Nach einem „Shitstorm“ im Netz veranlassten Programmverantwortliche die Löschung des Videos, die Buhrow billigte. Buhrow entschuldigte sich öffentlich für die Satire, nachdem sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet der Kritik am Satirevideo angeschlossen hatte. Die WDR-Redakteursvertretung kritisierte Anfang Januar 2020 die Löschung des Satirevideos als „eklatante Verletzung der Rundfunkfreiheit“.[22] Dieser Kritik schlossen sich TV-Autoren mehrerer Sender an.[23] Buhrow nahm dazu in einer außerordentlichen Redakteursversammlung des WDR am 7. Januar 2020 Stellung.[24] Er erklärte, dass er auf den Protest des WDR-Stammpublikums reagieren musste. Es gab auch viel Zustimmung zu Buhrows Entschuldigung, beispielsweise von Andreas Meyer-Lauber, dem Vorsitzenden des Rundfunkrats.[25]

2018 fragte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, ob Buhrow´s Gehalt nicht gekürzt werden könnte, da es mit rund 399.000 Euro 100.000 Euro über dem Gehalt der damaligen Bundeskanzlerin Merkel liege.[26] 2020 kritisierte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff das Gehalt von Buhrow als zu hoch und forderte, es an die Bezüge des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier von etwa 214.000 Euro anzupassen, wobei dieser anders als ein Intendant diesen Betrag auch nach seiner Amtszeit als Ehrensold bis an sein Lebensende bekommt.[27] Tagesspiegel merkte dies auch im Zusammenhang mit der angestrebten Erhöhung des Rundfunkbeitrags 2021 an.[28]

Preise und AuszeichnungenBearbeiten

  • 1998: 1. Fernsehpreis der RIAS Kommission für Pioneer Square (gemeinsam mit Claus Kleber und Sabine Reifenberg)[29]
  • 1999: 1. Fernsehpreis der RIAS Kommission für Oh Gott Amerika (Co-Autor)[30]
  • 1999: Herbert Quandt Medien-Preis
  • 2009: Medienpreis der Steuben-Schurz-Gesellschaft[31]
  • 2010: Preis der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e.V. für Gute Sprache
  • 2011: Lachender Amtsschimmel des DBB Beamtenbund und Tarifunion

PrivatesBearbeiten

 
Buhrow mit seiner damaligen Frau Sabine Stamer bei der 1LIVE Krone 2014

Der gebürtige Rheinländer war mit der Kollegin Sabine Stamer verheiratet, mit der er zwei Töchter hat. Nach Medienberichten trennte sich das Paar im April 2016.[32] Buhrow wohnt in Hamburg-Othmarschen.[33]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bush kann seine Amerika-Liebe nicht dämpfen. In: General-Anzeiger Bonn, 30. November 2005.
  2. SWR Aktuell vom 1. Januar 2023: Reformen, Transformation und neue Wege. Neuer ARD-Vorsitzender Gniffke: "Mehr Kooperation ist das Gebot der Stunde", abgerufen am 1. Januar 2023
  3. a b ARD-Vorsitzender Tom Buhrow: "Es ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe". Abgerufen am 24. September 2022.
  4. Tom Buhrow im Munzinger-Archiv.
  5. a b Thomas Lückerath: Jetzt offiziell: Tom Buhrow wird Wickert-Nachfolger bei „Tagesthemen“. In: DWDL.de. 1. Juli 2002, abgerufen am 1. November 2022.
  6. Tim fragt Tom (Memento vom 24. Mai 2013 im Internet Archive). Podcast beim SWR3.
  7. Tom Buhrow tritt am 1. Juli als WDR-Intendant an. DWDL.de, 16. Juni 2013.
  8. Tom Buhrow will Brücken nach innen und außen bauen. In: Tagesspiegel. 29. Mai 2013, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  9. Buhrow bekommt 367.232 Euro im Jahr. In: Spiegel Online. 4. August 2013, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  10. So viel verdienen Deutschlands Intendanten. In: FAZ.net. 27. Mai 2017, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  11. Gehälter und Vergütungen in der ARD. In: ard.de. Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, 15. September 2022, abgerufen am 8. November 2022.
  12. Tom Buhrow verabschiedet sich von den „Tagesthemen“. In: Tagesspiegel. 14. Juni 2013, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  13. mdr.de: Das Altpapier am 04. November: Tag 1 nach Buhrows Revolutionsaufruf | MDR.DE. Abgerufen am 5. November 2022.
  14. Bavaria Film GmbH: Tom Buhrow übernimmt am 1. Februar 2015 den Aufsichtsratsvorsitz der Bavaria Film. Pressemitteilung der Bavaria auf dem Presseportal, 3. Dezember 2014.
  15. Bavaria Film: Tom Buhrow neuer Aufsichtsratsvorsitzender (Memento vom 24. Juni 2015 im Webarchiv archive.today). MedienKorrespondenz, 20. Februar 2015.
  16. Farewell-Dinner für S.E. Philip D. Murphy (Memento vom 25. Januar 2015 im Internet Archive). Jahresbericht 2013/14 der Atlantik-Brücke, S. 028–033 (PDF, 30MB).
  17. WDR hat Ärger mit seiner Kunstsammlung. In: Süddeutsche Zeitung, 10. September 2015.
  18. Kunstsammlung zu versteigern. In: FAZ, 24. Juni 2015.
  19. Nebenverdienste: Wie Fernsehmoderatoren ihre Prominenz vermarkten (Memento vom 24. April 2014 im Internet Archive). NDR, 17. Juni 2009.
  20. „Tagesthemen“-Sprecher Tom Buhrow unter Druck. In: Spiegel Online. 20. Juni 2009, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  21. Debatte über "Umweltsau"-Video: WDR-Redakteursvertretung kritisiert Intendant Buhrow, spiegel.de, 4. Januar 2020
  22. Stefan Niggemeier: „Eklatante Verletzung der Rundfunkfreiheit“: WDR-Redakteure kritisieren Buhrow, uebermedien.de, 3. Januar 2020
  23. Debatte über "Umweltsau"-Lied: TV-Autoren stellen sich gegen WDR-Chef Buhrow, spiegel.de, 6. Januar 2020
  24. Wie eine Entschuldigung WDR-Chef Buhrow in Bedrängnis brachte, welt.de, 7. Januar 2020
  25. dpa: ZEIT ONLINE | WDR-Intendant verteidigt Reaktion auf "Umweltsau"-Lied. In: www.zeit.de. Zeit Online GmbH, 24. Januar 2020, abgerufen am 2. April 2020.
  26. Entlassener Korrespondent verklagt WDR Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 23. August 2018, abgerufen am 1. Februar 2020
  27. Haseloff ruft WDR-Intendant Buhrow zu Gehaltsverzicht aufTagesspiegel, 29. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020
  28. Markus Ehrenberg, Andreas Busche: Wofür brauchen ARD und ZDF immer mehr Geld? In: tagesspiegel.de. 2. Dezember 2020, abgerufen am 22. April 2021.
  29. 1998 – RIAS Berlin Kommission. Abgerufen am 31. Dezember 2021 (deutsch).
  30. 1999 – RIAS Berlin Kommission. Abgerufen am 31. Dezember 2021 (deutsch).
  31. Steuben-Schurz-Medienpreis – Liste der bisherigen PreisträgerInnen. Steuben-Schurz-Gesellschaft.
  32. WDR-Chef und seine Frau Sabine | Ehe-Aus bei Tom Buhrow! In: BILD.de. (bild.de [abgerufen am 11. Oktober 2016]).
  33. hamburgerallgemeinerundschau: Hamburger Allgemeine Rundschau. In: Hamburger Allgemeine Rundschau. 12. März 2021, abgerufen am 9. Juni 2022 (deutsch).

WeblinksBearbeiten

Commons: Tom Buhrow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien