Tohuwabohu

geflügeltes Wort biblischen Ursprungs

Tohuwabohu (hebräisch תהו ובהו tōhū wā-bōhū (aramäisch: ܬܘܗ ܘܒܘܗ[1]) meist übersetzt mit ‚wüst und leer‘) bezeichnet ein heilloses Durcheinander und wird modernisiert mit „Chaos“ übersetzt.

EtymologieBearbeiten

Im 1. Buch Mose (Moses 1:1-2) beginnt die Bibel mit dem Satz: „1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2. Und die Erde war tohu wa-bohu.“ Der hebräische Begriff bedeutet nach Luther „wüst und leer“. Dabei bezeichnet tohu die „Öde“ oder „Leere“, wa bedeutet „und“ und bohu drückt die Bedeutung von „ungeordnet sein“ aus.[2] Die Einheitsübersetzung gibt die Stelle mit „wüst und wirr“ wieder (Genesis 1,2 EU). In der Neuen evangelistischen Übersetzung wird die Stelle mit „Die Erde war formlos und leer“ wiedergegeben (1 Mos 1,2 NeÜ).

Die hebräische Wendung tohu wa-bohu bildet ein Homoioteleuton. Die „Verdeutschung“ Martin Bubers und Franz Rosenzweigs (Die Schrift), die den sprachlichen Charakter des Urtextes ins Deutsche überträgt, gibt nicht die wörtliche Bedeutung wieder, sondern überträgt das Stilmittel: „Irrsal und Wirrsal“. Dort sei „Finsternis über Urwirbels Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.“[3]

DeutungenBearbeiten

In Jer 4,23 EU findet sich der Satz: „Ich sah die Erde an und siehe, sie war Tohuwabohu.“ In Vers 26 steht unter anderem: „Und siehe, das Fruchtland war zur Wüste geworden und alle Städte waren zerstört.“ Die Passagen in Kapitel 4 beschreiben demnach einen Zustand heillosen Durcheinanders nach einem Krieg. Ob die Jeremiaspassage Bezug auf die Schöpfungsgeschichte nimmt, oder umgekehrt, muss dabei offenbleiben. Tohu drückt aber auch „geistliche Leere“ (also eine Art Führungslosigkeit) aus – bohu dagegen bedeutet eventuell „geistige Leere“ (also Mangel an denkenden Wesen).

ModerneBearbeiten

Heute wird die Bezeichnung „Tohuwabohu“ allgemein für ein heilloses Durcheinander verwendet.

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage (durchgesehene und erweiterte Auflage). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, Seite 919.
  • Martin Hann: Die Bibel (= UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher, Band 2591.). Schöningh, 2005, ISBN 3-8252-2591-7, S. 48.
  • Andreas Schüle: Die Urgeschichte: (Gen 1 – 11) (= Züricher Bibelkommentare. Altes Testament, Band 1.). Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2009, ISBN 3-290-17527-8, S. 34.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Tohuwabohu – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.lectionary.eu/thales-database/?lg=FR&u=reading&id=8492
  2. Dr. Karl Feyerabend, Langenscheidts Wörterbuch Althebräisch-Deutsch zum Alten Testament, S. 25 u. 285
  3. Im Anfang. Auszug aus den Büchern der Weisung, „Verdeutschung“ nach Buber/Rosenzweig