Tobel TG

Ortschaft der Gemeinde Tobel-Tägerschen, Schweiz
Tobel
Wappen von Tobel
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Münchwilen
Politische Gemeinde: Tobel-Tägerscheni2w1
Postleitzahl: 9555
Koordinaten: 720140 / 264094Koordinaten: 47° 31′ 0″ N, 9° 2′ 1″ O; CH1903: 720140 / 264094
Höhe: 523 m ü. M.
Kirche und Komturei Tobel

Kirche und Komturei Tobel

Karte
Tobel TG (Schweiz)
Tobel TG
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Tobel ist eine Ortschaft der Gemeinde Tobel-Tägerschen im Bezirks Münchwilen des Schweizer Kantons Thurgau.

Bis 1998 war Tobel eine Ortsgemeinde und eine Munizipalgemeinde, gebildet aus den drei Ortsgemeinden Tobel, Tägerschen und Braunau. Am 1. Januar 1999 fusionierten die Ortsgemeinden Tobel und Tägerschen zur Politischen Gemeinde Tobel-Tägerschen. Gleichzeitig trennte sich die Ortsgemeinde Braunau von der Munizipalgemeinde Tobel ab und bildet seither eine eigene politische Gemeinde.[1]

GeographieBearbeiten

Tobel liegt leicht erhöht am Rand des Lauchetals an der Hauptstrasse MärstettenWil SG. Gemeinsam mit dem Nachbardorf hat Tobel den Bahnhof Tobel-Affeltrangen an der Bahnlinie Weinfelden–Wil.

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde 1228 erstmals als Tobel erwähnt.

Herrschaft TobelBearbeiten

 
Komturei Tobel im 18. Jahrhundert

Zwischen 1226 und 1228 gründeten die Toggenburger Grafen Diethelm II. und Diethelm III. die am Jakobsweg gelegene und mit Gütern reichlich dotierte Johanniterkomturei Tobel, die als Bollwerk gegen das politisch expandierende Kloster St. Gallen entstand. An der neuen Begräbnisstätte der Toggenburger sind für 1263 ein Magister, ein Priester und zwei Brüder, für 1266 ein Konvent und für 1270 ein Komtur belegt; das früheste Kapitel­siegel stammt von 1279.[2]

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts baute die Komturei durch systematischen Erwerb von Gütern, Zehnt- und Gerichtsrechten die Herrschaft Tobel auf. Diese umfasste die niederen Gerichte Tobel mit Affeltrangen, Braunau, Buch, Märwil, Tägerschen, Tobel und Zezikon sowie Herten bei Frauenfeld. 1228 erwarb die Komturei die Vogtei über Tobel, 1258 Güter in Tägerschen, 1275 bis 1286 Rechte an den Pfarrkirchen Affeltrangen und Märwil, 1348 Twing und Bann über halb Zezikon und 1380 Besitz in Herten. Hinzu kam die Expansion ins untere Lauchetal und ins Gebiet der Herren von Bussnang: 1396 erlangte sie den Kirchensatz von Wuppenau, 1401 jenen von Wängi (1402 Inkorporation), 1464 den Kirchensatz und Zehntrechte zu Bussnang sowie Zehntrechte in Ober- und Niederbussnang und die Pfründe von Schönholzerswilen. Die Herrschaft Tobel bestand bis 1798.[2]

Nach dem Zusammenbruch des Malteserordens deutscher Zunge übernahm der Kanton Thurgau 1807 die Komturei und richtete 1811 im landwirtschaftlichen Gutsbetrieb eine Zucht- und Arbeitsanstalt für Männer und Frauen ein. 1973 wurde die kantonale Strafanstalt in der ehemaligen Komturei Tobel aufgelöst und 1992 der landwirtschaftliche Gutsbetrieb ausgesiedelt. 2006 gingen die leerstehenden Gebäude der Komturei an die neu gegründeten Stiftung Komturei Tobel über.[2]

PfarreiBearbeiten

 
Katholische Kirche St. Johann
 
Gemeindestand vor der Fusion im Jahr 1999

Kirchlich gehörte Tobel im Mittelalter zur Pfarrei Affeltrangen. Mit der Gründung der Komturei entstand in den Grenzen des Niedergerichts Tobel die neue Pfarrei Tobel, die Affeltrangen, Braunau, einen Teil von Buch bei Märwil sowie Märwil, Tägerschen, Tobel und Zezikon umfasste. Die Kirche St. Johann Baptista stand im Spätmittelalter neben der Komturei im Tal und wurde 1706 bis 1707 auf der Höhe neu errichtet.

Die ganze Pfarrei Tobel trat 1529 zum neuen Glauben über. 1532 leitete die Komturei die Rekatholisierung ein. Nach der Errichtung eines Hochaltars in der Kirche St. Johann 1535 hörte der reformierte Gottesdienst in Tobel noch vor 1560 auf. In Wuppenau wurde 1560, in Bussnang 1596 die Messe wieder eingeführt. Die reformierte Bevölkerung von Tobel war ab 1569 faktisch nach Affeltrangen kirchgenössig, obwohl dort ab 1664 auch die Messe wieder zugelassen war. 1569 wurde Märwil eine Filiale der reformierten Kirche Affeltrangen, das mehrheitlich reformierte Wängi 1602 eine Filiale von Aadorf. Auch wenn die Gegenreformation mit der Weihe der Pfarrkirche Tobel 1642 ihren Abschluss fand, gab es bis ins 18. Jahrhundert zahlreiche Spannungen zwischen den reformierten Kirchgemeinden und dem katholischen Kollator der Pfarrei Tobel.[2]

Bevölkerung und WirtschaftBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1990
Munizipalgemeinde[3] 1298 1176 1377 1639
Ortsgemeinde[2] 385 412 558 739

Die Gemeinde erhielt 1441 und 1486 eine Offnung.[2] Das Dorf entwickelte sich um die Komturei und war von 1798 bis 1871 Hauptort des Bezirkes Tobel.[4] Im 19. Jahrhundert gingen die Tobler Bauern vom Ackerbau zur Vieh- und Milchwirtschaft und zum Obstbau über. 1885 entstand eine Käserei. Im 18. Jahrhundert fasste die Kattun- und Leinwandweberei in Tobel Fuss; sie wurde nach der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Handstickerei abgelöst. Um 1900 kam die Schifflistickerei auf, die bis in die 1920er Jahre mit der kleinbäuerliche Landwirtschaft die dörfliche Erwerbsstruktur prägte. 1911 erhielt Tobel Anschluss an die Mittelthurgaubahn.[2]

Mit dem nach 1960 einsetzenden Bevölkerungswachstum und dem Bau zahlreicher Einfamilienhäuser wurde Tobel zur ländliche Wohngemeinde.[2]

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Rot mit weissem Kreuz.[5]

Das weisse Kreuz in Rot war das Wappen der ehemaligen Komturei Tobel.[5]

WirtschaftBearbeiten

Grösster Arbeitgeber im Ort ist die 1982 gegründete Santex-Group.[2] Die Firma stellt für Textilbetriebe, die Webwaren oder technische Textilien verarbeiten, Maschinen her.[6]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Nebst der Komturei sind folgende Gebäude aus Tobel sind in der Liste der Kulturgüter aufgeführt:

WeblinksBearbeiten

 Commons: Tobel TG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019. Fussnote 42
  2. a b c d e f g h i Verena Rothenbühler: Tobel TG. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  3. 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx. und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  4. Geschichte. Auf der Webseite der Gemeinde Tobel-Tägerschen, abgerufen am 30. November 2019
  5. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  6. Santex AG. Auf der Webseite der Gemeinde Tobel-Tägerschen, abgerufen am 30. November 2019
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