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Tino Chrupalla

deutscher Politiker (AfD), MdB
Tino Chrupalla, 2019

Tino Chrupalla [kruˈpala] (* 14. April 1975 in Weißwasser) ist ein deutscher Politiker (AfD). Er wurde 2017 als Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz in den Deutschen Bundestag und am 30. November 2019 neben Jörg Meuthen zu einem der beiden AfD-Bundessprecher (Parteivorsitzenden) gewählt.

Leben und BerufBearbeiten

Der Sohn eines Malermeisters wuchs in Krauschwitz auf.[1] Nach der Mittleren Reife 1991 machte Chrupalla bis 1994 eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer. Danach leistete er seinen Zivildienst in Weißwasser ab. Von 2000 bis 2003 besuchte er die Malerschule in Görlitz und Dresden. 2003 legte er vor der Handwerkskammer Dresden die Meisterprüfung zum Maler- und Lackierermeister ab und gründete ein eigenes Unternehmen im Maler- und Lackiererhandwerk.

Chrupalla ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt in Gablenz.

Politische TätigkeitBearbeiten

Chrupalla war von 1990 bis 1992 Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben noch lange danach CDU-Wähler.[2]

Aufgrund seiner Unzufriedenheit mit Euro- und Flüchtlingskrise und der steigenden Bürokratie für Selbstständige[1] trat er 2015 er in die AfD ein, zuvor hatte er bereits an Pegida-Demonstrationen teilgenommen.[3] Im März 2016 übernahm Chrupalla die Leitung der AfD-Regionalgruppe im Altkreis Weißwasser. Im April 2016 wurde er in den AfD-Kreisvorstand Görlitz gewählt und zum Mitglied des AfD-Mittelstandsforums Sachsen. Im Februar 2017 übernahm Chrupalla den Vorsitz im Kreisverband Görlitz seiner Partei.[4]

Im November 2016 wurde er zum Direktkandidaten der AfD im Bundestagswahlkreis Görlitz gewählt. Außerdem wurde er von seiner Partei auf Platz 5 der Landesliste nominiert. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Chrupalla mit 32,4 % das Direktmandat seines Wahlkreises und setzte sich damit gegen den sächsischen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer durch.[5] Die Sächsische Zeitung kürte ihn daraufhin als „Der Eroberer“ neben Kretschmer zu einem von 15 „Menschen des Jahres 2017“.[6][7]

Am 5. Oktober 2017 wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt.[8]

Das Bundesamt für Verfassungsschutz nannte ihn namentlich in seinem Gutachten, das die Einstufung der AfD als Prüffall begründet. Grund dafür ist ein bei YouTube veröffentlichtes Interview, das er dem rechtsextremen „Volkslehrer“ Nikolai Nerling im Juni 2018 gegeben hatte.[9]

Auf dem Bundesparteitag der AfD 2019 in Braunschweig wurde Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Parteivorsitzenden gewählt. In einer Abstimmung setzte er sich mit 44,37 % gegen Gottfried Curio (33,1 %) und Dana Guth (22,01 %) durch,[10] in der Stichwahl mit 54,51 % gegen Curio (41,23 %).[11]

PositionenBearbeiten

Chrupalla beklagte im Wahlkampf 2017, dass die Einbruchskriminalität in seiner grenznahen Region zum Alltag geworden sei. Laut der Zeit, die ihn als gemäßigten Vertreter seiner Partei einordnet, war eines seiner Hauptthemen im Bundestagswahlkampf die Grenzsicherung.[12] So forderte er die Wiedereinführung von Kontrollen zur „Eindämmung der Grenzkriminalität“. Flüchtlingen warf er im Wahlkampf vor, „uns auszunehmen wie eine Weihnachtsgans“. Willkommenskultur forderte er stattdessen für einheimische Kinder.[7] Außenpolitisch forderte Chrupalla ein Ende der Russland-Sanktionen, weil die Wirtschaft seines Landkreises darunter leide.[13]

Nach Angaben der Lausitzer Rundschau kündigte Chrupalla 2017 an, sich dafür einzusetzen, „die Zeitungsredaktionen in die Schranken [weisen]“, wofür er auch Änderungen von Gesetzen und Grundgesetz nicht ausschließe.[14] Gegenüber der taz erklärte Chrupalla, diese Aussage sei so nicht gefallen, die Redakteurin der Lausitzer Rundschau habe sie erfunden.[7] Allerdings forderte Chrupalla im Januar 2019 Parteikollegen auf, „schwarze Listen“ über Journalisten zu führen und „Hintergrundinformationen über als Journalisten getarnte Zersetzungsagenten“ zusammenzutragen.[15][16]

In einer Bundestagsdebatte zum Thema 30 Jahre Mauerfall am 8. November 2019 warf er Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sie habe „damals bei der FDJ“ „Herrschafts- und Zersetzungsstrategien (…) gelernt“ und „wie man ein Volk mit Propaganda und Agitation in Schach hält“, was Abgeordnete der anderen Fraktionen mit „Pfui“-Rufen quittierten.[17]

In einem ZDF-Interview nach seiner Wahl zu einem der beiden Bundesvorsitzenden Ende 2019 wurde Chrupalla wegen seines Aufrufs zu gemäßigter Sprache zu seinen eigenen Aussagen befragt. Chrupalla bestritt daraufhin, den Begriff „Umvolkung“ verwendet zu haben, obwohl Videoaufzeichnungen davon vorliegen. Chrupalla erwiderte dann, er halte den Begriff nicht für rechtsextrem und er habe ihn „nicht bewusst gesetzt“. Auch Behauptungen eines Teilnehmers der gleichen Veranstaltung, der Migration mit einem Genozid, bei dem die Deutschen durch ein „Mischvolk“ ersetzt würden, verglichen hatte und verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs als „Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind“, bezeichnete, gab Chrupalla damals „zum Teil Recht“, was er im Interview dann bestritt.[18][19]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Exakt vom 4. Dezember 2019
  2. Anna-Sophia Lang: AfD-Erfolg in Görlitz: „Auch ein Besenstiel wäre gewählt worden“, Spiegel online, 9. Dezember 2017.
  3. Die glücklichen Rechten. taz.de, 26. September 2017, abgerufen am 5. Dezember 201p.
  4. Sebastian Beutler: Malermeister erobert die AfD. Sächsische Zeitung, 28. Februar 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  5. AfD gewinnt an der Neiße. (Memento vom 25. September 2017 im Internet Archive) SZ-Online, 24. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  6. Menschen des Jahres 2017, Sächsische Zeitung, 29. Dezember 2017.
  7. a b c Anne Fromm: „Da gehört er hin“, taz, 2. Januar 2018.
  8. Beatrix von Storch wird Fraktionsvize | Tagesspiegel. 5. Oktober 2017 (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. Oktober 2017]).
  9. Wir veröffentlichen das Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD. netzpolitik.org, 28. Januar 2019, abgerufen am 1. Dezember 2019.
  10. AfD-Parteitag in Braunschweig: Aufruhr und Applaus – Flügel-Mann darf im Parteivorstand bleiben news38.de vom 1. Dezember 2019
  11. AfD-Parteitag in Braunschweig Chrupalla wird Gaulands Nachfolger tagesschau.de vom 30. November 2019
  12. Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. In: Die Zeit. 26. September 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 5. Oktober 2017]).
  13. Konrad Litschko: Die glücklichen Rechten. In: taz.de. 26. September 2017, abgerufen am 26. Januar 2018.
  14. AfD-Chefin wirbt um Zurückhaltung im Streit um Björn Höcke. Lausitzer Rundschau, 5. April 2017, abgerufen am 15. November 2017.
  15. Sebastian Beutler: AfD-Politiker plant schwarze Listen von Journalisten. In: Sächsische Zeitung. 31. Januar 2019, abgerufen am 30. November 2019.
  16. AfD-Bundestagsabgeordneter wirft Presse Zersetzungsstrategien vor. In: Der Tagesspiegel. 1. Februar 2019, abgerufen am 30. November 2019.
  17. Die wüste Gegenwart. Spiegel Online vom 8. November 2019.
  18. Tino Chrupalla entlarvt sich im Interview mit einem ZDF-Journalisten selbst www.stern.de, 2. Dezember 2019
  19. Neuer AfD-Chef Chrupalla im ZDF-Interview: Erst gerät er ins Stocken - dann es kommt noch schlimmer, merkur.de, 7. Dezember 2019