Tigray (Region)

Region von Äthiopien

Tigray (äthiopische Schrift: ትግራይ Təgray) ist eine Verwaltungsregion Äthiopiens. Sie liegt im Norden des Landes und ist Teil des Hochlandes von Abessinien.

ትግራይ Təgray
Tigray
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Symbole
Flagge
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Basisdaten
Staat Äthiopien
Hauptstadt Mek’ele
Fläche 50.078,6 km²
Einwohner 4.314.456 (2007)
Dichte 86 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 ET-TI
Politik
Regierungschef Debretsion Gebremichael (interim)
Partei Volksbefreiungsfront von Tigray
Koordinaten: 13° 31′ N, 39° 25′ O

Die Hauptstadt der Region ist Mek’ele. Die Region wurde 1991 im Rahmen der neuen Verwaltungsgliederung Äthiopiens als eine von neun ethnisch definierten Regionen gebildet. Sie stimmt nur zum Teil mit dem Gebiet der früheren Provinz Tigray überein.

Tigrinya ist die Arbeitssprache der Region.[1]

Topographie und KlimaBearbeiten

Durch jahrhundertelange Waldrodung und extensive Viehwirtschaft sowie darauf folgende Erosion sind weite Teile Tigrays heute trockene, baumlose Ebenen, Hügel und Plateaus. Die 3200 bis 3500 Meter hohen Bergketten bilden einen landschaftlichen Anziehungspunkt. Die Landschaft kann in das westliche Flachland, ein zentrales Hochland und die östlichen Steilwände eingeteilt werden. Der Jahresniederschlag liegt durchschnittlich bei 450–980 mm und das Klima wird zu 39 % als Kolla (halbtrocken), zu 49 % als Woina dega (gemäßigt warm) und zu 12 % als Dega (gemäßigt) charakterisiert. Die beiden größten Flüsse sind der Tekeze und der Mereb, die ihre Quellen in den amharischen bzw. eritreischen Bergen haben.[2]

BevölkerungBearbeiten

Titularnation und größte Bevölkerungsgruppe sind die Tigray, die die äthio-semitische Sprache Tigrinya sprechen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Tigrinya-Sprecher, die sich traditionell als Bewohner der jeweiligen geographischen Region, beispielsweise Agame, sowie als Habescha identifizieren, hat sich erst in jüngerer Zeit herausgebildet; die Schaffung der ethnisch definierten Region Tigray hat diese Tendenz verstärkt.[3]

Laut Volkszählung 2007 sind von den 4.314.456 Einwohnern der Region 96,55 % (4.165.749) Tigray, 1,63 % (70.334) Amharen, 0,71 % (30.517) Irob und 0,29 % (12.309) Afar.[4] Zahlenmäßig kleinere Minderheiten sind die Rayya und Azebo, die als nördlichste Untergruppen der Oromo im Südosten von Tigray leben.

Laut Volkszählung 1994 sprachen 95,44 % der Bevölkerung Tigrinya als Muttersprache, 2,97 % Amharisch und 0,72 % Saho. 9,41 % sprachen eine Zweitsprache: 7,14 % sprachen zusätzlich Amharisch, 1,51 % Tigrinya.[5]

95,6 % der Einwohner Tigrays sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 4 % sind Muslime. 19,5 % leben in Städten.[4]

2005 besuchten 50,6 % der Kinder in Tigray (48,6 % der Jungen, 52,7 % der Mädchen) eine Primarschule, was über dem landesweiten Durchschnitt liegt. 18,6 % (19,6 % Jungen, 17,6 % Mädchen) besuchen eine Schule auf Sekundarstufe.[6]

PolitikBearbeiten

 
Landschaft bei Yeha, Tigray

Nachdem die aus Tigray stammende Rebellenbewegung Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) 1991 die marxistische Derg-Militärregierung gestürzt hatte, wuchs die politische Bedeutung der Region erheblich, während früher traditionell die Amharen eine dominierende Rolle eingenommen hatten. Die von der TPLF geführte Parteienkoalition EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) regierte seither das Land. Der von 1995 bis 2012 amtierende Premierminister Äthiopiens, Meles Zenawi, und sein von 1991 bis 2010 amtierender Außenminister Seyoum Mesfin stammen beide aus Tigray. Nachdem Premierminister Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam, sank der Einfluss der TPLF auf die äthiopische Regierung jedoch immer mehr. An der von Ahmed initiierten Gründung der Wohlstandspartei Ende 2019 war die TPLF als einzige EPRDF-Partei nicht beteiligt. Der politische Aktionsradius der TPLF beschränkt sich seitdem auf die Region Tigray.

Das Yirga-Dreieck ist ein umstrittenes Grenzgebiet zwischen Tigray und dem nördlich angrenzenden Eritrea. Seit 2004 betreibt das UNHCR in Shimelba ein Lager für Flüchtlinge aus Eritrea, hauptsächlich Tigrinya-Sprachige (die in Eritrea Tigrinya genannt werden) und Kunama[7].

Bei den Parlamentswahlen von 2000,[8] 2005,[9] 2010[10] und 2015[11] gingen sämtliche 152 Sitze im regionalen Parlament von Tigray an die TPLF. Arena-Tigray ist die wichtigste Oppositionspartei, jedoch ohne wesentlichen Einfluss. Oppositionelle werfen der TPLF und der von ihr dominierten Verwaltung umfassende Kontrolle und Unterdrückung vor.[12]

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte bis 1991 wird hauptsächlich im Artikel zur Provinz Tigray behandelt.

Zwei der wichtigsten historischen Städte Äthiopiens liegen in Tigray: Aksum, das für seine Stelen bekannt ist, war Hauptstadt des aksumitischen Reiches in der Spätantike, und Adwa, wo die äthiopische Armee 1896 die Italiener besiegte und damit die Kolonialisierung Äthiopiens verhinderte. Des Weiteren findet sich hier das Kloster Debre Damo. Größte Stadt ist die Hauptstadt Mek’ele, eine weitere Stadt ist Adigrat.

Die Region Tigray in ihrer heutigen Form wurde nach der Machtübernahme der TPLF/EPRDF 1991 im Rahmen der neuen Verwaltungsgliederung Äthiopiens gebildet. Sie hieß zunächst Region 1. Der zur Afar-Tiefebene gehörende Ostteil der ehemaligen Provinz Tigray (der bereits 1987 als Teil der Autonomen Region Assab abgetrennt worden war[13]) wurde hierbei Teil der Afar-Region. Gegen Süden und Westen wurde die Region um die Tigrinya-sprachigen Gebiete Tsellemti und Wolqayt (Wolkait) erweitert, die die TPLF beanspruchte und die bislang zu den Provinzen Wollo und Begemder (Gondar) gehört hatten[3][14].

1998–2000 war Tigray vom Eritrea-Äthiopien-Krieg betroffen.

Konflikt mit der äthiopischen Zentralregierung seit 2020Bearbeiten

WirtschaftBearbeiten

 
Dreschen mit Ochsen

Die Region Tigray, die traditionell neben Wollo zu den ärmeren Gebieten Äthiopiens gehörte,[15] erfährt seit der Machtübernahme der Volksbefreiungsfront von Tigray einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Wichtigster Erwerbszweig ist die Landwirtschaft, deren Hauptanbauprodukte Teff, Weizen und Hafer sind.[1] Weil die Region im Niederschlagsschatten des Hochlandes liegt, gehört sie zu den allgemein regenärmeren und stärker von Dürre bedrohten Gebieten Äthiopiens.[16]

Administrative GliederungBearbeiten

Tigray ist in die Zonen M’irabawi (West), Misraqawi (Ost), Mehakelegnaw (Zentral) und Debubawi (Süd) eingeteilt.

WeblinksBearbeiten

Commons: Tigray (Region) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Basisinformationen zur Region Tigray (Memento des Originals vom 7. Oktober 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ethiopar.net (englisch)
  2. State Tigray. Ethiopian Government Portal, archiviert vom Original am 8. Dezember 2015; abgerufen am 8. November 2020 (englisch).
  3. a b Wolbert G.C. Smidt: In: Abdulkader Saleh, Nicole Hirt, Wolbert G.C. Smidt, Rainer Tetzlaff (Hrsg.): Friedensräume in Eritrea und Tigray unter Druck: Identitätskonstruktion, soziale Kohäsion und politische Stabilität, LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1858-6, S. 230
  4. a b Zentrale Statistikagentur: Summary and Statistical Report of the 2007 Population and Housing Census Results (Memento vom 5. März 2009 im Internet Archive) (PDF; 4,7 MB), S. 19, 86–88, 111
  5. Zentrale Statistikagentur: 1994 Population and Housing Census of Ethiopia: Results for Tigray Region, Vol. 1 (PDF; 87,4 MB), 1995, S. 79, 91
  6. Zentrale Statistikagentur: Ethiopia Demographic and Health Survey, 2005, S. 20
  7. International Rescue Committee: Young Refugees Use Their Talents and Energy to Help Others, 22. Januar 2007. Abgerufen am 3. April 2010.
  8. 14 May & 31 August 2000 Regional State Council Elections in Ethiopia. African Elections Database, abgerufen am 8. November 2020 (englisch).
  9. 15 May & 21 August 2005 Regional State Council Elections in Ethiopia. African Elections Database, abgerufen am 8. November 2020 (englisch).
  10. 23 May 2010 Regional State Council Elections in Ethiopia. African Elections Database, abgerufen am 8. November 2020 (englisch).
  11. Tom Lansford (Hrsg.): Political Handbook of the World 2016-2017. Band 1. SAGE Publications, 2017, ISBN 978-1-5063-2718-1, S. 492 (englisch).
  12. Human Rights Watch: „One Hundred Ways of Putting Pressure“, 24. März 2010
  13. Gebru Tareke: Ethiopia: Power and Protest. Peasant Revolts in the Twentieth Century, Red Sea Press 1996, ISBN 978-1-56902-019-7, S. 90f.
  14. zu den Gebietsansprüchen der TPLF vgl. Alex de Waal, Africa Watch: Evil Days. 30 Years of War and Famine in Ethiopia, 1991, S. 33
  15. Tareke 1996, S. 215
  16. de Waal 1991, S. 30, 57