Tiefgreifende Entwicklungsstörung

psychische Erkrankung

Die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen sind eine nach DSM-IV und ICD-10 klassifizierte Gruppe von psychischen Störungen. Sie sind gekennzeichnet durch eine Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen Beziehungen sowie durch ein beschränktes Repertoire an Aktivitäten. Diese Störungen sind angeboren oder im frühesten Kindesalter erworben, und die ersten Symptome zeigen sich meist bereits vor dem dritten Lebensjahr. Die Entwicklung ist zu keinem Zeitpunkt dem Alter entsprechend. Diese Störungen werden von den umschriebenen bzw. spezifischen Entwicklungsstörungen abgegrenzt.[1]

Alle tiefgreifenden Entwicklungsstörungen haben einige Symptome gemeinsam:

  • Schwierigkeiten mit Verwendung und Verständnis von Sprache
  • Schwierigkeiten mit der Beziehung zu anderen Menschen
  • Schwierigkeiten mit Veränderungen der Umgebung und des Tagesablaufs
  • repetitive Körperbewegungen und andere stereotype Verhaltensweisen

Im DSM-5 (2013) und im ICD-11 (ab 2022 gültig) wurden die Kategorie für tiefgreifende Entwicklungsstörungen aufgelöst und durch die Gruppe der Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung ersetzt, welche auch die Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) umfasst.[2][3]

EinteilungBearbeiten

Frühere Fassungen der beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten kategorisierten die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie folgt:

DSMBearbeiten

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (alte Fassung DSM-IV von 1994) benennt fünf tiefgreifende Entwicklungsstörungen:

ICDBearbeiten

In der noch bis 2022 gültigen Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) von 1992 sind die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen in acht Kategorien eingeteilt:[4]

  • F84.0: frühkindlicher Autismus (Kanner-Autismus, Kanner-Syndrom)
  • F84.1: atypischer Autismus
  • F84.2: Rett-Syndrom
  • F84.3: andere desintegrative Störung des Kindesalters - (z. B. Hellersche Demenz)
  • F84.4: überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien
  • F84.5: Asperger-Syndrom (früher als autistische Psychopathie bezeichnet)
  • F84.8: andere tiefgreifende Entwicklungsstörung
  • F84.9: nicht näher bezeichnete tiefgreifende Entwicklungsstörung

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franz Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. 6. vollständig überarbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen u. a. 2008, ISBN 978-3-8017-2157-2, S. 173 ff.
  2. DSM-5: Beschreibungstext und Kriterien zu Autismus-Spektrum-Störung (Schlüssel 299). 2015, ISBN 978-3-8017-2599-0, Kapitel zu Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung, S. 64 f.
  3. ICD-11, Kapitel "Neurodevelopmental Disorders" - who.int, abgerufen im März 2020.
  4. DIMDI-Eintrag: Einleitung zu den Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (F.84) (Memento des Originals vom 7. Mai 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dimdi.de

WeblinksBearbeiten