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Tiefer Elbstolln

Stollen in Freital und Dresden
Das Mundloch des Elbstollns in Briesnitz (1837)
Tiefer Elbstolln ca. 5800 m vom Mundloch an der Elbe entfernt, nahe dem Durchschlag zum Wismut-Stolln
Der Tiefe Elbstolln steht nahezu komplett in Sandsteinmauerung. Hier schon mit den neuen gelben Gitterrosten.
Tiefer Elbstolln, Grubenriss von Ernst Wilhelm Lindig (1831)

Der Tiefe Elbstolln[1] ist ein 5685,5 Meter[2] langer Stolln auf dem Gebiet der Städte Freital und Dresden in Sachsen. Er wurde zwischen 1817 und 1837 als Hauptentwässerungsstolln für die Steinkohlengruben im Döhlener Becken aufgefahren.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

PlanungBearbeiten

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm der Steinkohlenbergbau im Döhlener Becken durch das Abteufen der ersten Tiefbauschächte, die Gründung der Königlichen Steinkohlenwerke Zauckerode (1806) und erfolgreiche Verkokungsversuche (1806) einen ersten Aufschwung. Zur Wasserhaltung diente der seit 1800 vorgetriebene Tiefe Weißeritzstolln, der bis 1842 eine Gesamtlänge von 6,6 km (einschließlich Flügelorte) erreichte.

Bereits 1802 wurden Planungen über den Vortrieb eines Tiefen Elbstollns erörtert, der gegenüber dem Tiefen Weißeritzstolln 50 m Teufe einbringen und so eine dauerhafte und sichere Wasserlösung für die unterhalb von 110 m ü. NN liegenden Grubenbaue der Königlichen Steinkohlenwerke ermöglichen sollte. Hier waren bei zwei Wassereinbrüchen 1807 und 1808 insgesamt neun Bergleute ums Leben gekommen. Dazu sollte vom Zauckeroder Kunstschacht in gerader Linie ein Stolln aufgefahren werden, der das Grubenwasser bei Cotta in die Elbe leitet. Er sollte gleichzeitig als Schiffstunnel dem Transport der geförderten Steinkohle mit hölzernen Lastkähnen dienen, weswegen er auf 3 m Höhe ausgehauen wurde.[2]

Die Höhe der Stollnsohle wurde nach dem Elbehochwasser von 1784 projektiert, allerdings drangen das höhere Hochwasser von 1845 und das Jahrhunderthochwasser 2002 durch das Mundloch in den Stolln ein und überfluteten ihn bis zum Oppelschacht. Der 5989,90 m lange Stolln hat vom Oppelschacht bis zum Mundloch ein Gefälle von 3,6 m.[2]

Auffahrung von 1817 bis 1837Bearbeiten

Der Ausbruch der Befreiungskriege verzögerte die Umsetzung der Pläne, so dass mit dem Vortrieb des Stollns erst am 5. September 1817 begonnen werden konnte.[3] Die Oberaufsicht der Arbeiten unterlag dem Bergrat und Direktor des Steinkohlenwerks Zauckerode, Carl Wilhelm von Oppel. Die technische Ausführung des Projekts leitete der Bergfaktor Ernst Friedrich Wilhelm Lindig (1779–1852). Die Auffahrung wurde nach 19 Jahren, 4 Monaten und 30 Tagen am 4. Februar 1837 abgeschlossen.

Der Vortrieb erfolgte im Gegenortbetrieb in Bohr-und-Schieß- sowie Schlägel-und-Eisen-Technik von insgesamt neun Lichtlöchern sowie dem Mundloch aus.

Der Ausbau des Stollns wurde in Gewölbemauerung aus sächsischem Sandstein hergestellt.

An den Lichtlöchern 6, 7 und 8 stellte man zur Förderung, Wasserhaltung und Bewetterung Dampfmaschinen auf.

Der Tiefe Elbstolln war die letzte große Stollnauffahrung in Sachsen, deren Richtung mit der klassischen Zieh-Markscheidekunst (mittels Hängekompass und Gradbogen) festgelegt wurde. Beim Rothschönberger Stolln wurde schon die Weisbachsche Visier-Markscheidekunst angewandt.

Die Gesamtlänge des neuen Stollns belief sich bis zum Oppelschacht auf 6 km, mit Flügelorten wurde eine Länge von 11 km erreicht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 523745 Taler.[2]

Lindig wurde 1852 auf dem Friedhof der St.-Jakobus-Kirche in Pesterwitz beerdigt. Sein Grab befand sich genau über dem Tiefen Elbstolln. Die Grabanlage ist nicht erhalten, die Stelle wird durch einen Gedenkstein markiert.

Obwohl die Lichtlöcher nach der Fertigstellung verfüllt wurden, kam es zu einigen Bergschäden. So tat sich 1941 am 7. Lichtloch ein Tagesbruch auf, der verfüllt werden musste.[2]

Nicht realisierte PlanungenBearbeiten

Neben der Entwässerung sollte der Tiefe Elbstolln auch dem Kohletransport dienen. Die abgebaute Steinkohle sollte mit speziellen Kähnen durch den Stolln zur Elbe transportiert und dort auf Elbkähne umgeladen werden. Dies wurde jedoch durch die rasante Entwicklung der Eisenbahn in jener Zeit rasch obsolet.

Bei der Planung eines tiefen Entwässerungsstollns für das Freiberger Revier wurde von Oberberghauptmann August von Herder unter anderem eine Verlängerung des Tiefen Elbstollns in westliche Richtung erwogen, diese Variante jedoch zugunstens des Rothschönberger Stollns verworfen.

NutzungBearbeiten

 
Trägerwerk mit Schienen der Grubenbahn und Laufgitterrost, darunter ca. 40–50 cm ablaufendes Wasser

Der Tiefe Elbstolln dient bis heute der Entwässerung des Döhlener Beckens. Nach der Schließung der meisten Bergbaubetriebe übernahm 1968 die damalige SDAG Wismut den Stolln.

Bei Untersuchungen nach Einstellung des Wismutbergbaus wurde starke Verschlammung und teilweise Verbruch festgestellt. Deshalb wurde 1994 beim alten Oppelschacht ein etwa 85 m tiefes Gesenk niedergebracht und mit dem Stolln verbunden. Nach der Schaffung eines Wetterweges wurde er ab Januar 1997 bis 30. Juni 2006 durch die Wismut GmbH saniert. Dabei wurde eine maschinelle Entschlammung durchgeführt. Der Stolln ist auf der ganzen befahrbaren Länge mit Gleisen für die Grubenbahn und Tragwerk versehen. Etwa 2650 m vom Mundloch entfernt befindet sich ein Lokbahnhof mit Abstellgleis.[2]

Im Zuge der Sanierung des Wismut-Standortes Dresden-Gittersee fuhr die Wismut vom 3. April 2007 bis zum 30. September 2014 ein ca. 3 km langes Flügelort (intern WISMUT‑Stolln genannt) zwischen Schacht 3 und dem Tiefen Elbstolln mit dem Beginn am Oppelschacht auf, um eine dauerhafte Ableitung der Grubenwässer zu ermöglichen.[4]

Am 9. August 2012 erfolgte der Durchschlag vom „Wismut-Stolln“ zum Tiefen Elbstolln in Freital-Zauckerode. Am 14. Juni 2014 erreichte der „Wismut-Stolln“ das Grubengebäude des Schachtes 3 in Freital-Burgk. Die Wasserwegsamkeit wurde durch Bohrlöcher in die Grubenbaue des Schachtes 3 hergestellt. Seit dem 7. Oktober 2014 wird das Grubenfeld Gittersee/Bannewitz auf einer Höhe von 120,69 m NN entwässert. Der Wasserzulauf beträgt im Durchschnitt 70 m³/h.[5]

Im Juli 2015 wurde das Holztragwerk durch Gitterroste aus GFK ersetzt. Hierfür wurde übertage ca. 10 Meter Schienen vor dem Mundloch in Cotta verlegt, um das Be- und Entladen der Grubenbahn zu vereinfachen.

VerlaufBearbeiten

Der Stolln führt von den ehemaligen Bergwerken in Freital-Zauckerode in gerader Strecke über Pesterwitz, Gorbitz, Omsewitz und Leutewitz an die Elbe nach Dresden-Cotta. Das Flügelort, Wismutstolln, führt vom Oppelschacht über den Osterberg zum Schacht 3 in Freital-Burgk.

Landmarke Ort Jahr Position Notiz
Mundloch Dresden-Cotta 51° 3′ 46,2″ N, 13° 40′ 57,2″ O
1. Lichtloch Dresden-Cotta 51° 3′ 44,73″ N, 13° 40′ 53,99″ O Im Keller des Hofbrauhauses
4. Lichtloch Dresden-Cotta 51° 3′ 29,78″ N, 13° 40′ 42,64″ O Heute Garten der Gottfried-Keller-Straße 35, Dresden[6]
Halde des 5. Lichtlochs Leutewitz 1839 51° 3′ 12,92″ N, 13° 40′ 25,62″ O Leutewitzer Windmühle
8. Lichtloch Pesterwitz 51° 1′ 32,55″ N, 13° 38′ 54,22″ O Hunt als Denkmal am Ortseingang
9. Lichtloch Freital 51° 1′ 15,7″ N, 13° 38′ 39,07″ O bewaldete Halde
Oppelschacht Freital-Zauckerode 51° 0′ 58,6″ N, 13° 38′ 24,24″ O Fördergerüst des ehemaligen Schachtes II (Gittersee)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. In Sachsen ist statt Stollen die Schreibweise Stolln gebräuchlich. „Tiefer Elbstolln“ als Eigenname ist also korrekt geschrieben.
  2. a b c d e f Die bergbauliche Ausstellung im Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ im Schloss Burgk, 2013
  3. Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen. Jahrgang 1906.(Statistik vom Jahre 1905.) Auf Anordnung des Königlichen Finanzministeriums herausgegeben von C.Menzel, K.S.Geh. Bergrat, PDF (25 MB)
  4. Wismut fährt neuen Stolln auf. Ring Deutscher Bergingenieure, 3. April 2007, abgerufen am 25. April 2011 (PDF-Datei; 55 kB, Pressemitteilung der Wismut GmbH).
  5. Wismut GmbH (Hrsg.): Dialog. Nr. 84, Januar 2015 (Werkszeitschrift).
  6. Stadtteil Cotta auf www.dresden-und-sachsen.de, abgerufen 4. September 2014

LiteraturBearbeiten

  • Martin Dressel, Jan-Peter Domschke: Zur Geschichte des Baus des „Tiefen Elbstollns“ zwischen Zauckerode und Briesnitz-Cotta (1817–1837). in: Sächsische Heimatblätter 59 (2013)2, S. 116–125
  • Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie/Sächsisches Oberbergamt (Hrsg.): Das Döhlener Becken bei Dresden. Geologie und Bergbau. Dresden 2007, ISBN 3-9811421-0-1. Digitalisat

WeblinksBearbeiten

  Commons: Tiefer Elbstolln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien