Hauptmenü öffnen

Thomas R. P. Mielke

deutscher Science-Fiction-Schriftsteller
Thomas R.P. Mielke in Südfrankreich bei den Recherchen zur Avignon-Trilogie

Thomas Rudolf Peter Mielke (* 12. März 1940 in Detmold) ist ein deutscher Schriftsteller auf dem Gebiet der Science-Fiction und des historischen Romans.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Mielke war hauptberuflich Texter, Konzeptioner und drei Jahrzehnte lang Kreativdirektor in internationalen Werbeagenturen. Er war für Slogans wie „Berlin tut gut“ oder „Mach's mit“ der ersten Anti-AIDS-Kampagne zuständig und gilt aus seinen Jahren in der Generaldirektion von Ferrero in Pino Torinese/Italien als Miterfinder des Kinder-Überraschungseis.

1960er JahreBearbeiten

Als Ausgleich zu seinem Job als Werbemanager schrieb er nebenbei Krimis, Science Fiction und historische Romane. Sein erster SF-Roman Unternehmen Dämmerung erschien 1960 unter dem Pseudonym Mike Parnell. Es folgten einige Dutzend weitere unter den Pseudonymen Michael C. Chester, Bert Floorman, Henry Ghost, Roy Marcus, Marc McMan, Marcus T. Orban, John Taylor u. a.

BundeswehrzeitBearbeiten

In der Dokumentation "Gesteuerte Demokratie?"[1] spricht Mielke über seine Zeit bei der Bundeswehr, die zunächst mit einer Ausbildung zum Fluglotsen in Hannover begann. Auch in der Dokumentation "Land unter Kontrolle - Die Geschichte der Überwachung der BRD"[2][3] beschreibt Mielke, wie er in einer Hannoveraner Kaserne an der massenhaften Öffnung von privater Briefpost aus der DDR beteiligt war.[4][5]

"Die [Briefe] kamen nie an. Die waren weg. Die Briefe erreichten ihre Empfänger nie", sagt Mielke. Nach einem Antrag auf schriftstellerische Nebentätigkeit kam es zur Versetzung in die Truppe für Psychologischen Kampf.[6] Dort fand nach Beschreibung von Mielke die Beobachtung von militärkritischen und kommunistischen Gruppen statt. "Wir haben uns damals immer für beide Seiten interessiert. Vordringlich natürlich für die linke Seite", beschreibt Mielke seine Tätigkeit.[7]

1970er JahreBearbeiten

Zusammen mit Rolf W. Liersch entwickelte Mielke Mitte der 1970er Jahre das Konzept der alternativen Science-Fiction-Serie Die Terranauten.

1980er JahreBearbeiten

1985 erhielt er den Literaturpreis des Science Fiction Club Deutschland e.V. für die Politvision Der Tag an dem die Mauer brach über einen unerwarteten friedlichen Mauerfall und die Wiedervereinigung. Der Stern schrieb dem Autor dazu: „Die Berliner Mauer ist kein Thema – und wird es in den nächsten 25 Jahren auch nicht werden.“

2000er JahreBearbeiten

2010 erschien sein vom Goethe-Institut-Preisträger Dr. Nabil Haffar, ins Arabische übersetzter Roman Gilgamesch, König von Uruk in Syrien und anderen arabischen Ländern und kehrte damit zu seinem Ursprung zurück.

Die Initialen seines 2. und 3. Vornamens R. P. stehen der Legende nach (und ausdrücklich ohne Leerstelle dazwischen) für Reine Phantasie. Der Autor lebt nach jeweils mehrjährigen Stationen in Husum, Hamburg und Turin seit Jahrzehnten in Berlin. Er ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.[8]

AuszeichnungenBearbeiten

  • 1980: 2. Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis für den Roman Grand Orientale 3301
  • 1983: Robert-Sheckley-Preis für die Kurzgeschichte Lizenzverlängerung
  • 1984: Kurd-Laßwitz-Preis für Das Sakriversum als bester deutscher Science Fiction-Roman des Jahres 1983.
  • 1985: Deutscher Science Fiction Preis für die Kurzgeschichte Ein Mord im Weltall
  • 1985: Deutscher Science Fiction Preis für den Roman Der Tag, an dem die Mauer brach
  • 1985: Penthouse Creative Cup für die Kurzgeschichte Verschmähte Göttin
  • 2016: Deutscher Fantasy Preis mit Astrid Ann Jabusch für die deutsche Prosaversion von Orlando furioso

BibliografieBearbeiten

Science-FictionBearbeiten

Buchveröffentlichungen
  • als Roy Marcus: Achtung Sperrzone. Balowa / Gebrüder Zimmermann (Balowa Spionage), 1961.
  • als Mike Parnell: Unternehmen Dämmerung. Widukind / Gebrüder Zimmermann (Widukind Utopia-Spitzenklasse), 1961.
  • als Roy Marcus: Verrat war seine letzte Chance. Balowa / Gebrüder Zimmermann (Balowa Spionage), 1962.
  • Grand Orientale 3301. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-30674-0.
  • Der Pflanzen Heiland. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-30771-2.
  • Das Sakriversum. Roman einer Kathedrale. Heyne, München 1983, ISBN 3-453-30933-2.
  • Der Tag, an dem die Mauer brach. Polit-Thriller. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, ISBN 3-404-13024-3.
  • Die Entführung des Serails. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 3-404-28138-1.
  • Mythen der Zukunft. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1992, ISBN 3-404-24154-1.
  • Von Menschen gejagt. Das Beste (Unterwegs in die Welt von Morgen #133), 1992, ISBN 3-87070-443-8.
  • Die Stadt in den Sternen. Das Beste (Unterwegs in die Welt von Morgen #137), 1993, ISBN 3-87070-480-2.
  • Befehl aus dem Jenseits. Schneekluth, München 1994, ISBN 3-7951-1358-X.
  • Das Geheimnis des ersten Planeten. Schneekluth, München 1995, ISBN 3-7951-1401-2.
  • mit Jürgen Grasmück: Die Hyänen des Alls. Mohlberg (Ad Astra #3), 2007, ISBN 978-3-940181-14-5.
Heftromane
  • Reporter unter fremder Sonne. Moewig (Terra Nova #166), 1971.
  • als Marc McMan: Unternehmen Barnavaal. Andromeda Science Fiction #14, 1972.
Zauberkreis Science Fiction (Heftromane)

Wenn nicht anders vermerkt, stets als Marcus T. Orban.

  • 2: Die Psychotechniker (1966, als Thomas R. P. Mielke)
  • 3: Irrtum vorbehalten (1966, als Thomas R. P. Mielke)
  • 9: Ihre Heimat ist das Nichts (1966, als Michael C. Chester)
  • 10: Laportes Planet (1966. als Michael C. Chester)
  • 13: Galaxisagent Omega 8 (1966)
  • 16: Die Zeitfalle (1966)
  • 19: Gehetzt von Stern zu Stern (1966)
  • 24: Die Totenburgen von Capelia (1967)
  • 25: Flucht von der Dunkelwelt (1967)
  • 28: Die Nacht der Sonnenwölfe (1967)
  • 33: Rallye zum Höllenstern (1967)
  • 43: Die Gravonauten (1967)
  • 44: Der Letzte der Gravonauten (1967)
  • 50: Im Hyperraum verschollen (1967)
  • 58: Extremwelt (1967)
  • 63: Der galaktische Faustkeil (1967)
  • 67: Entscheidung auf Katabor (1968)
  • 73: Rekruten für Terra (1968)
  • 77: Das Zwölfeinhalb-Mann-Gesetz (1968)
  • 102: Von Menschen gejagt (1970, als Thomas R. P. Mielke)
  • 105: Befehl aus dem Jenseits (1970)
  • 108: Mit den Waffen des Friedens (1971, auch als Medoc I antwortet nicht)
  • 109: Die Stadt in den Sternen (1971)
  • 114: Zeichen der Zukunft (1971)
  • 118: Der Tausend-Jahre-Irrtum (1971)
  • 125: Schatten der Parawelt (1972, auch als Das Geheimnis von Zoe)
  • 127: Sternwärts, ho! (1972)
  • 130: Rebellion der Verdammten (1972)
  • 132: Kinder des Regenbogens (1973)
  • 137: Wer Axxon wirklich war (1973)
  • 141: Terror der schwarzen Sonne (1973)
  • 150: Das Ende der Logenmeister (1974)
  • 157: Brain X-90, Android (1975)
  • 167: Cosmoral ruft Echo-Mann (1975)
  • 174: Kurier ins Jenseits (1976)
  • 183: Die anonymen Mystiker (1977)
  • 200: Treffpunkt Think 3000 (1978)
  • 214: Die Stadt der Vertikalls (1979)
  • 265: Die von der Überwelt (1983)
Rex Corda – Der Retter der Erde (Heftromane, 1966/1967)
  • 5: Die Bomben des Verräters
  • 10: Flucht in den Hyperraum
  • 14: Gestrandet in der Hölle
  • 18: Todestrip nach Teckan
  • 21: Der Unbesiegbare
  • 25: Die Brudermörder von Kalta
  • 29: Amoklauf der Nokis
  • 32: Vorstoß zu den Zeitlosen
  • 37: Triumph über den Titanen
Ad Astra (Heftromane, 1967/1968)
  • 560: Die gnadenlose Jagd
  • 570: Terra soll sterben!
  • 586: Eiswelt soll brennen!

Historische RomaneBearbeiten

ÜbersetzungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ΛΞЯ-: Gesteuerte Demokratie? Dokumentarfilm (GER 2006). 22. September 2012, abgerufen am 28. Februar 2019.
  2. 3sat.online: Land unter Kontrolle - Die Geschichte der Überwachung der BRD. Abgerufen am 28. Februar 2019 (deutsch).
  3. ΛΞЯ-: Gesteuerte Demokratie? Dokumentarfilm (GER 2006). 22. September 2012, abgerufen am 28. Februar 2019.
  4. ab Filmminute 06:08 wird in "Land unter Kontrolle - Die Geschichte der Überwachung der BRD" die Briefzensur durch dargestellt. Mielke spricht von mehreren tausend Briefen, die er auf Befehl von Vorgesetzten öffnete und nach staatsgefährdenden Inhalten zu durchsuchen hatte.
  5. Ab Minute 06:52 beschreibt Mielke in "Gesteuerte Demokratie?" die Briefzensur.
  6. Truppe für Operative Kommunikation. In: Wikipedia. 16. Januar 2019 (wikipedia.org [abgerufen am 28. Februar 2019]).
  7. Ab Minute 10:44 in "Gesteuerte Demokratie?" beschreibt Mielke die Tätigkeiten der damaligen Truppe für Psychologischen Kampf, die später in Psychologische Verteidigung umbenannt wurde.
  8. Autobiografisches von ihm selbst