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Thomas Großbölting 2015 in Hannover;
während der Studientagung „Um Gottes Willen – Religion in säkularer Gesellschaft“ des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR)

Thomas Großbölting (* 30. März 1969 in Dingden) ist ein deutscher Historiker und seit 2009 Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Großbölting legte am St.-Josef-Gymnasium Bocholt 1988 das Abitur ab. Das Studium der Fächer Geschichte, katholische Theologie und Germanistik schloss er nach Aufenthalten an den Universitäten Köln/Bonn, der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom sowie der dortigen staatlichen Hochschule La Sapienza 1994/1995 mit dem 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ab. Während seines Studiums wurde er von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert.[1] Zu seinen wichtigsten Lehrern zählt er den Münsteraner Historiker Hans-Ulrich Thamer sowie den Theologen und Kirchenhistoriker Arnold Angenendt.[2]

Im Februar 1998 wurde er mit einer Studie zu Bürgertum, Bürgerlichkeit und Entbürgerlichung in Magdeburg und Halle zum Dr. phil. promoviert. Die Venia legendi für Neuere und Neueste Geschichte erhielt er im Februar 2004.[1] In seiner Habilitationsschrift „analysierte er die Industrie- und Gewerbeausstellungen des langen 19. Jahrhunderts als Medien der Diskussion und Popularisierung von Konsummöglichkeiten in der sich industrialisierenden deutschen Gesellschaft“.[3] Die Antrittsvorlesung im Juli 2004 trug den Titel: „Le memorie della Repubblica. Erinnerungspolitik in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg“.[1] Nach einer Vertretungsprofessur am Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Sommersemester 2005 folgte von 2005 bis 2007 eine Anstellung als Leiter der Abteilung für Bildung und Forschung bei der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Berlin.[3] 2007 wechselte er als Professor für Geschichte der Neuzeit an die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Das akademische Jahr 2008/2009 verbrachte er als ‘Distinguished Visiting Professor’ am ‚Munk Centre for International Studies‘ der University of Toronto in Toronto, Kanada.[3] Seit 2009 ist Großbölting Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Münster. Im Jahr 2013 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen gewählt. Im akademischen Jahr 2015/16 war er Fellow am Käte Hamburger Kolleg der Ruhr-Universität Bochum, das unter dem Leitthema "Religion und die Sinne im intra- und interreligiösen Kontakt" stand.[4] Seit 2017 ist er Dekan des Fachbereichs Geschichte und Philosophie.[5]

Seine Forschungsschwerpunkte sind verschiedene Bereiche der deutschen und europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.[3] Aktuell befasst Thomas Großbölting sich mit der Geschichte des religiösen Wandels im Nachkriegsdeutschland,[6] mit den Verflechtungen von sozialen und religiösen Bewegungen im deutsch-amerikanischen Vergleich und mit den Ausprägungen der DDR-Erinnerung im wiedervereinigten Deutschland.

Schriften in AuswahlBearbeiten

  • Der verlorene Himmel. Glaube in Deutschland seit 1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2013. ISBN 978-3-525-30040-4. Ebenfalls aufgenommen in die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung.
    • englische Übersetzung: Losing Heaven. Faith in Germany since 1945. Berghahn, Oxford/New York 2016.
  • Herausgegeben zusammen mit Rüdiger Schmidt: Der Tod des Diktators. Ereignis und Erinnerung im 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, 1. Aufl., Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-30009-1.
  • (Hg. mit Klaus Große Kracht und Jan-Holger Kirsch) Zeithistorische Forschungen 7 (2010), Heft 3: Religion in der Bundesrepublik Deutschland.
  • (Hg.): Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-543-0 (Anm.: Aufgenommen in die Programme der Landeszentralen für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Hessen und Berlin); 2. Auflage 2010 (Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung).
  • Im Reich der Arbeit. Die Repräsentation gesellschaftlicher Ordnung in Industrie- und Gewerbeausstellungen 1790–1913. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58128-7 (Ordnungssysteme. Bd. 21 (Habilitation)).
  • (Hg. mit Frank Becker, Armin Owzar, Rudolf Schlögl): Politische Gewalt in der Moderne. Festschrift für Hans-Ulrich Thamer. Aschendorff, Münster 2003, ISBN 3-402-06612-2.
  • SED-Diktatur und Gesellschaft: Bürgertum, Bürgerlichkeit und Entbürgerlichung in Magdeburg und Halle. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2001, ISBN 3-89812-121-6 (Studien zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalt. Bd. 7 (Promotion)).
  • „Wie ist Christsein heute möglich?“ – Suchbewegungen des nachkonziliaren Katholizismus im Spiegel des Freckenhorster Kreises, Altenberge 1997, ISBN 978-3-89375-146-4 (Münsteraner Theologische Abhandlungen, Bd. 47).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Tabellarischer Lebenslauf Thomas Großbölting Website der Universität Münster; abgerufen am 25. März 2011 (PDF; 37 kB)
  2. Thomas Großbölting: Der verlorene Himmel, S. 315–316.
  3. a b c d Lebenslauf Thomas Großbölting Website der Universität Münster. Abgerufen am 25. März 2011
  4. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Religion and Politics – Cluster of Excellence: WWU Münster > Religion & Politik > Aktuelles > News Fellowship Thomas Großbölting. Abgerufen am 18. Juli 2017.
  5. WWU Dekanate. Abgerufen am 3. März 2017.
  6. Transzendente Sinnstiftung und religiöse Vergemeinschaftung im nachmodernen Europa Exzellenzclusterprojekt C22 auf den Seiten der Universität Münster, Exzellenzcluster Religion & Politik