Theodoret von Kola

orthodoxer Heiliger

Theodoretos, Theodorit(es) bzw. Theodoret von Kola (* 1489[1] in Rostow, Großfürstentum Moskau; † 17. Augustjul./30. Augustgreg. 1571 im Solowezki-Kloster, Russland), russisch Feodorit[2] Kolski (Феодорит Кольский) war ein russischer Missionar des Solowezki-Klosters, weshalb er gelegentlich auch als Theodoret (von) Solowezki bezeichnet wird. Er gilt als Apostel der Lappen (Samen) und wird in Teilen der Russisch-Orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt (Gedenktag 17. August).[1]

Großfürst Iwan IV. entsandte Theodoret nach Konstantinopel

Im Alter von 13 Jahren zog er nach Nordrussland an die Küste des Weißen Meeres und trat in das Solowezki-Kloster ein, wo er die nächsten 15 Jahre als Mönch lebte. Danach verbrachte er einige Jahre in Nowgorod und im Kirillo-Beloserski-Kloster. Irgendwann zwischen 1526 und 1542 lebte er einige Jahre in Nordfinnland, der nordnorwegischen Finnmark und auf der Halbinsel Kola und versuchte zusammen mit seinem Glaubensbruder Mitrofan (Tryphon von Petschenga), die Samen zu bekehren.[1][3] Während Mitrofan v. a. in den skoltsamischen Siedlungsgebieten missionierte, ließ sich Theodoret zunächst im Gebiet der heutigen Stadt Kandalakscha nieder. Später zug er in das Gebiet der heutigen Stadt Kola, die am Ort des von ihm gegründeten Kloster entstand.[4]

Er soll einige Tausend Samen getauft und auch die Heilige Schrift ins Samische übersetzt haben. Ob er dafür tatsächlich eigens ein samisches Alphabet entwickelt hat, ist umstritten.[5][6] Dann kehrte er zunächst wieder nach Nowgorod zurück, ehe er 1551 vom Zaren Iwan IV. zum Archimandrit des St.-Euthymius-Klosters in Susdal berufen wurde. Er geriet jedoch in Konflikt mit dem Bischof von Susdal und wurde auch in die Konflikte der Moskauer Kirchenfürsten sowie in die Machtkämpfe am Hof verwickelt[7], woraufhin er ab 1554 wieder in das Solowezki-Kloster und dann in das Kirillo-Beloserski-Kloster verbannt wurde. Nach einigen Jahren wurde er begnadigt bzw. rehabilitiert und 1557 vom Zaren auf eine diplomatische Mission zum Patriarchen nach Konstantinopel geschickt.[1][8]

Nach dem Tod seines langjährigen Förderers und Beschützers, des Metropoliten Makarij (Makarios, Macarius, † 1563), zog sich Theodoret wieder in das Solowezki-Kloster zurück und widmete seine letzten Lebensjahre erneut der Bekehrung der Samen.[1] Seit 2008 trägt eine Kirche in Murmansk seinen Namen.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Jukka Korpela (Joensuu): Feodorit (Theodorit) Kol'skii: Missionary and Princely Agent. In: Ludwig Steindorff (Hrsg.): Religion und Integration im Moskauer Russland - Konzepte und Praktiken, Potentiale und Grenzen 14.-17. Jahrhundert. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2010, Seiten 201–226.
  2. Nicht zu verwechseln mit dem Heiligen Feodor von Rostow, einem Erzbischof des 14. Jahrhunderts
  3. Geoffrey Parker (Hrsg.): Weltbild Atlas zur Weltgeschichte. Bechtermünz, Augsburg 1998, Seite 41.
  4. Neil Kent, 2014. The Sámi peoples of the North. S. 95–96
  5. Jukka Korpela (Joensuu): Feodorit (Theodorit) Kol'skii: Missionary and Princely Agent. In: Ludwig Steindorff (Hrsg.): Religion und Integration im Moskauer Russland - Konzepte und Praktiken, Potentiale und Grenzen 14.-17. Jahrhundert. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2010, Seiten 217/218.
  6. Jukka Korpela: The World of Ladoga – Society, Trade, Transformation and State Building in the Eastern Fennoscandian Boreal Forest Zone C. 1000-1555. LIT Verlag, Münster 2008, Seite 145.
  7. Günter Schulz: Die theologiegeschichtliche Stellung des Starzen Artemij innerhalb der Bewegung der Besitzlosen im Rußland der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des Christlichen Orients, Erlangen 1980, Seiten 40 und 283.
  8. J. L. I. Fennell: Prince A. M. Kurbsky's History of Ivan IV. Cambridge University Press, Cambridge 2008, Seiten 252–285.
  9. Voice of Russia: New Orthodox church was consecrated in Murmansk (Memento vom 25. März 2016 im Internet Archive)