Theodor von Cramer-Klett junior

deutscher Industrieller und Mäzen
Theodor von Cramer-Klett
Theodor von Cramer-Klett, 1896

Theodor Freiherr von Cramer-Klett jun. (* 18. August 1874; † 30. Mai 1938 auf Schloss Hohenaschau), auch Theodor II. von Cramer-Klett, war ein deutscher Unternehmer, Mäzen und Reichsrat der Krone Bayerns. Nach seinem Übertritt zum römisch-katholischen Bekenntnis wurde er zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt.

LebenBearbeiten

Theodor von Cramer-Klett jun. war ein Sohn des Unternehmensgründers Theodor von Cramer-Klett und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Curtze, Tochter einer Wormser Apothekerfamilie. Einer seiner Erzieher war Theodor von Bomhard, Artillerie-Offizier und Divisions-Kommandant in Würzburg und Vater seines gleichnamigen Mitabiturienten.[1]

Er besuchte ab 1887 das Münchner Maximiliansgymnasium und legte hier 1892 die Abiturprüfungen ab, unter anderem mit Alfred von Bary, Maximilian von Bodman und Hugo Reichenberger.[2] Anschließend studierte er Jura in München und Berlin und legte 1896 das 1. Staatsexamen in München ab. 1896/1897 gehörte er der Gesandtschaft Bayerns am Heiligen Stuhl an. Nach dem Tod des Vaters für volljährig erklärt, übernahm er 1895 das Unternehmen. 1898 fusionierten die von seinem Vater maßgeblich erweiterte Maschinenbau-AG Nürnberg und die Maschinenfabrik Augsburg AG zur Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg AG, der späteren Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN). An der Führung des neuen Unternehmens war Cramer-Klett jun. jedoch nicht mehr maßgeblich beteiligt.

Cramer-Klett war in einem romantischen Sinne national-konservativ eingestellt. Dass er sich als Mäzen in besonderer Weise verdient machte, ist wesentlich auf diese Grundhaltung zurückzuführen. Durch Spenden von Theodor von Cramer-Klett jun. wurde u. a. die Wiederbegründungen von Kloster Ettal, Kloster Plankstetten und Kloster Wessobrunn finanziell ermöglicht. 1918 gründete er in Hohenaschau ein „Krüppelheim“. Als Schlossherr von Schloss Hohenaschau nahm er von 1905 bis 1908 umfangreiche bauliche Veränderungen vor.

Anfang der 1920er Jahre trat er als Präsident der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung hervor, einer deutsch-russischen Organisation, die die Verbindung zwischen national-konservativen deutschen und monarchistischen russischen Emigranten in Bayern aufrechterhielt. Sie wurde zeitweise von Max Erwin von Scheubner-Richter auch zur Finanzierung der NSDAP missbraucht.

In der Hyperinflation der Jahre 1922 und 1923 verlor Theodor von Cramer-Klett junior einen großen Teil seines Vermögens. Das führte letztlich dazu, dass sein Sohn Ludwig Benedikt 1942 aus finanziellen Gründen gezwungen war, Schloss Hohenaschau an das Deutsche Reich zu verkaufen.

Cramer-Klett war Mitglied in zahlreichen Vorständen, unter anderem 1900 bis 1918 in der „Bewegung zur Erhaltung der Volkstracht in Bayern“, sowie in mehreren Orden. Seit 1903 war er mit Anna Chariklia, geb. Freiin von Würtzburg, der Erbin des Wasserschlosses und des Oberen Schlosses in Mitwitz bei Coburg, verheiratet. Das Paar hatte vier Kinder:

  • Elisabeth (* 17. August 1904)
  • Ludwig Benedikt (* 21. März 1906; † 15. August 1985), Jagdschriftsteller, dessen Tochter Margarethe von Cramer-Klett mit dem Schauspieler Hans Clarin verheiratet war
  • Regina (* 4. September 1907)
  • Anne-Marie (* 5. März 1910)

SchriftenBearbeiten

  • Abt-Primas Fidelis von Strotzingen. In: Münchner Neueste Nachrichten vom 29. November 1925.
  • Die Politik des Hl. Stuhles während der letzten vier Pontifikate und Zum Bayerischen Konkordat. In: Gelbe Hefte, 1. Jahrgang 1925.
  • Die Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland während des 19. Jahrhunderts. Verlag Bayerischer Kurier, München 1926.
  • Die Angelegenheit des Common Prayer Books in England und ihre Beziehung zur katholischen Kirche. In: Allgemeine Rundschau, 25. Jahrgang 1928.
  • Aus dem Leben der Kirche. In: Wissen und Glauben, 25. Jahrgang 1928.

MedienBearbeiten

  • Klosterpioniere – Der romantische Stahlbaron – Dokumentation, 45 Minuten, Regie: Juri Köster

LiteraturBearbeiten

  • Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, DNB 948663294.
  • Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1 (A–K), Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.
  • Wilhelm Kosch (Hrsg.): Das katholische Deutschland. Biographisch-Bibliographisches Lexikon. Literarisches Institut von Haas & Grabherr, Augsburg 1933 (mit Foto).
  • Hermann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's? 10. Ausgabe, Leipzig 1935.
  • German Killinger: Georg Zacharias Platner in Nürnberg und die Freiherrn Theodor von Cramer-Klett. Familiengeschichtliche Studie. hektografiertes Typoskript, Augsburg um 1949. (im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek in München)
  • Ludwig-Benedict Freiherr von Cramer-Klett (Aschau). In: Lebensläufe aus Franken. Band 6, 1960.
  • Sr. Georgia Otto OSB: Theodor Freiherr von Cramer-Klett und sein Einsatz für den Benediktinerorden. In: Gemeinde Wessobrunn (Hrsg.): 1250 Jahre Wessobrunn. Festschrift. Fink Verlag, 2003, ISBN 978-3-89870-128-0, S. 112–116.
  • Marc Siegl: Die Cramer-Klett, eine Industriellen-Familie und ihre Bedeutung für das Priental. Das Bürgertum als Nachfolger des Adels im 19. und 20. Jahrhundert. 2. Aufl., Aschau i. Ch. 2008.

WeblinksBearbeiten

Commons: Theodor II. von Cramer-Klett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Offizier; * 20. Februar 1874 in Germersheim/Pfalz; † 15. Juni 1938
  2. Jahresbericht über das K. Maximilians-Gymnasium in München für das Schuljahr 1891/92