Thematisierung

Vergnügungspark

Mit Thematisierung (oder englisch Theming) wird die thematische Gestaltung einzelner Fahrgeschäfte oder ganzer Bereiche eines Freizeitparks oder anderer Geschäfte bezeichnet. Als Themen können reale Orte der Gegenwart und Vergangenheit oder auch fiktive Welten und Geschichten dienen. Thematisiert wird meist durch optisch wahrnehmbare Elemente und passende Klänge oder Melodien, teilweise werden auch gezielt Riechstoffe eingesetzt.

Detail des chinesischen Parkteils China Town im Phantasialand

Behandelt ein Freizeitpark ein oder mehrere Themen, so zählt er zu den Themenparks. Häufig finden sich hier Themenbereiche, in denen möglichst alle Attraktionen – auch Shows, Hotels, Imbissstände, Restaurants und deren Angebot – dem gleichen Thema folgen.

Inszenierungstechniken Bearbeiten

Es wird das Ziel verfolgt, Besucher temporär in eine illusionäre Gegenwelt zu versetzen. Um den Zustand einer perfekten Illusion zu erreichen, werden alle menschlichen Sinnesrichtungen zielgerichtet und aufeinander abgestimmt beeinflusst. Um dies zu erreichen, kann die Thematisierung auf folgende Techniken zurückgreifen[1]:

Architektur

  • Nachbau berühmter Gebäude (z. B. Venetian Resort Hotel)
  •  
    Excalibur Las Vegas
    Narrative Architektur – simple Gestaltungselemente unter Verwendung des Larger-than-life-Prinzips (z. B. überdimensionierte Türme und Mauern des Excalibur Las Vegas, Kopf eines Riesen in den Swarovski-Kristallwelten)
  • Illusionäre Architektur – Verwendung von Theater- und Filmkulissen (z. B. Obere Stockwerke der Main Street im Disneyland Anaheim als Kulissen)
  • Ikonenarchitektur – reduzierte, moderne Formensprache sowie spektakuläre und symbolische Bauten (z. B. BMW-Welt München, Wynn Las Vegas)

Gartenarchitektur

  • Räumliche Dramaturgie und Besucherlenkung – Spektakuläre Eingangssituation, zentrale Erschließungsachse und seitliche Wege und Gassen (z. B. Disney-Themenparks)
  • Visuelle Abgrenzung – Verdeckung von Gehegezäunen durch Hecken- und Buschbepflanzungen, Lenkung der Besucherblicke durch Gehegefenster (z. B. Erlebniszoo Hannover)

Interieur/Dekoration

  • Thematische Details und optimierte Räume – Thema wird in den Bereichen aufgenommen und detailliert umgesetzt (z. B. Twilight Zone Tower of Terror – detaillierte Gestaltung als Hotel)
  • Authentische Materialien und Objekte (z. B. Hotel Ling Bao – speziell gebrannte Dachziegel und Hölzer aus China)

Musik/Geräusche

Lichteffekte

Animation

  • Auftritt von Schauspielern und Charakteren (z. B. Meet and Greet mit Mickey Maus und anderen Charakteren in den Disney-Themenparks)
  • Einbeziehung der Besucher in Shows

Technik/Simulation

  • Spektakuläre artifizielle Attraktionen – Beherrschung und Reproduktion der Natur (z. B. großflächige Wasserorgeln vor dem Hotel Bellagio am Las Vegas Strip)
  • Audio-Animatronics – Lebensechte bewegliche Figuren (z. B. Na'vi River Journey im Disney’s Animal Kingdom)
  • Künstliche Wetterereignisse sowie Regelung von Temperaturen (z. B. Rainforest Café mit inszeniertem Gewitter)
  • Virtuelle Attraktionen (z. B. VR-Brillen auf Achterbahnen)

Themed Entertainment Bearbeiten

 
Disney Dream der Disney Cruise Line
 
BMW-Welt

Themed Entertainment (Thematisierte Unterhaltung) deckt ein weites Feld von Attraktionstypen ab. Dies kann ein simples Horrorkabinett im Garten einer Person sein bis zu Multi-Gate-Themenpark-Resort. Multi-Gate bezieht sich hierbei auf die Anzahl der Themenparks im Resort. Ein Themenpark ist hier die ultimative Ausprägung von Themed Entertainment, da alle Formen von Thematisierung und Inszenierungstechniken in einem solchen Park benutzt werden können.

Wie folgt zu sehen, kann Thematisierung bei allen möglichen Arten von Attraktionen und Geschäften verwendet werden[2]:

Aufgabe Bearbeiten

Thematisierung eignet sich, um die Besucher einer Attraktion vor und während der Fahrt emotional zu beeinflussen. Vor einer Fahrt kann die Geduld in der Warteschlange erhöht werden, da die Besucher die Umgebung begutachten können. Während einer Fahrt lässt sich das Fahrterlebnis stark intensivieren.[3] Im Falle der Dark Rides wird auf eine aufregende Streckenführung sogar ganz verzichtet und stattdessen das Erleben der Thematisierung zum Mittelpunkt der Fahrt erhoben. Die durch Thematisierung erzeugten Scheinwelten in Freizeitparks lassen darüber hinaus Alltag und Sorgen vergessen, sodass der Besucher seinen Aufenthalt unbeschwert genießen kann.[3]

Weiterhin führen thematisierte Landschaften, Geschäfte und Restaurants auch dazu, dass Besucher auch außerhalb von Fahrgeschäften unterhalten werden. So wird die nachgefragte Kapazität an Fahrgeschäften gesenkt ohne das Erlebnis der Besucher zu beeinträchtigen.[2]

Wirtschaftlichkeit Bearbeiten

Die Betreiber von Freizeitparks, Fahrgeschäften und anderen thematisierten Geschäften verwenden Thematisierung vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Für sie stehen die Abhebung von der Konkurrenz und die Einzigartigkeit und Qualität ihres Angebots im Vordergrund.[3] Sie erhoffen sich außerdem, dass thematisierte Attraktionen für die Besucher länger interessant bleiben, sodass der Wiederbesuchswert steigt.[3] Weiterhin hoffen die Betreiber, dass durch anziehende Themen weitere Besuchergruppen angezogen werden, die sonst die Attraktion nicht besuchen würden.[2] Zudem können thematisierte Merchandise Artikel sowie Speisen angeboten und mit in die Thematisierung einbezogen werden.

Siehe auch Bearbeiten

Quellen Bearbeiten

  1. Albrecht Steinecke: Themenwelten im Tourismus. Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-58558-2, S. 13.
  2. a b c David Younger: Theme Park Design. Inklingwood Press, ISBN 978-0-9935789-1-5, S. 2–5.
  3. a b c d Frederic Goronzy: Spiel und Geschichten in Erlebniswelten – Ein theoriegeleiteter Ansatz und eine empirische Untersuchung zur Angebotsgestaltung von Freizeitparks, Lit Verlag, ISBN 3-8258-9678-1