The Time (Band)

US-amerikanische Band

The Time, auch als Morris Day and the Time oder The Original 7ven bekannt, ist eine US-amerikanische Funk-Band, die im Jahr 1981 von Prince gegründet wurde. Abgesehen von dem Leadsänger Morris Day gehörten zu den Gründungsmitgliedern Jimmy Jam und Terry Lewis. Im Jahr 2011 änderte The Time ihren Namen vorübergehend in The Original 7ven, doch seit Prince’ Tod im April 2016 tritt die Band wieder unter The Time oder Morris Day and The Time auf.

The Time

Morris Day and the Time, 2013
Allgemeine Informationen
Genre(s) Funk, New Wave, Popmusik, R&B, Soul
Gründung 1981 als The Time, 1995
Auflösung 1990
Gründungsmitglieder
Lead-Gesang
Morris Day
Jesse Johnson (bis 2011)
Terry Lewis
Jellybean Johnson
Monte Moir
Keyboard
Jimmy Jam
Aktuelle Besetzung
Lead-Gesang
Morris Day
Bass
Ricky Freeze Smith
Schlagzeug
Jellybean Johnson
Keyboard
Monte Moir
Keyboard
Andre ‘Padre’ Holmes
Gitarre
Torrell ‘Tori’ Ruffin
Gitarre
Christian Crooks
Ehemalige Mitglieder
Keyboard
St. Paul Peterson (1983–1984)
Bass
Jerry Hubbard (1983–1984)
Keyboard
Stanley ‘Chance’ Howard (1996–2007)

GeschichteBearbeiten

GründungBearbeiten

Im April 1981 gründete Prince die Band The Time aus Teilen der Besetzung von Flyte Tyme, einer Funk-Band aus Minneapolis in Minnesota um die Highschool-Freunde Terry Lewis und Jimmy Harris, die bereits seit 1973 zusammen musizierten. Inspiriert durch den Film Alle meine Stars wollte Prince durch dieses Nebenprojekt seine musikalischen Grundintentionen im Funk und R&B wahren, um gleichzeitig in seiner Solo-Karriere mit Elementen aus anderen Genres experimentieren zu können.[1] Dank seiner vorangegangenen ersten kommerziellen Erfolge konnte er eine vertragliche Vereinbarung mit seiner Plattenfirma Warner Bros. Records aushandeln, die es ihm erlaubte, diverse Nebenprojekte (teilweise unter anderen Namen) zu veröffentlichen.

Musikalische AnfängeBearbeiten

Ursprünglich hatte Prince neben Jimmy Harris und Terry Lewis noch das weitere ehemalige Flyte-Tyme-Mitglied Alexander O’Neal für die Band vorgesehen. Dieser lehnte das Angebot, Sänger der Band zu werden, jedoch mit der Begründung ab, „nur mit Aussicht auf ein bisschen Geld“ Teil der Gruppierung sein zu wollen.[2] Daraufhin entschloss sich Prince, seinen Schulfreund Morris Day als Sänger zu engagieren und komplettierte die Besetzung mit Jellybean Johnson, Jerome Benton und Jesse Johnson.

Prince übernahm für die Band die Aufgaben eines Songwriters und Produzenten, dessen inhaltliche Ausrichtungen meistens Themen wie Sex, Party und Geld umschlossen. Dies war eine deutliche Abkehr von den mitunter spirituellen und sozialkritischen Inhalten, die er auf seinen Solo-Platten aus dieser Zeit behandelte.

Daher war Prince alleinverantwortlich für das musikalische und textliche Geschehen auf dem Debüt-Album The Time , was bei der Veröffentlichung jedoch nicht in den Linernotes vermerkt wurde. Die Gesangsparts wurden von Morris Day übernommen, der sie unter Anweisung von Prince einsang. Als Produzent wird Jamie Starr genannt, was vielerseits für ein Pseudonym von Prince gehalten wurde, was laut Prince selbst jedoch nicht stimmt.[3]

Obgleich die Band demnach nie zusammengespielt hatte, nahm Prince sie 1981 mit auf seine Tournee zu seinem Solo-Album Controversy, wo The Time als Vorgruppe agierte und einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.[4]

Ausschluss von Jimmy Jam und Terry Lewis (1983)Bearbeiten

Während der 1999-Tour im Jahr 1983 pendelten die aufstrebenden Bandmitglieder Terry Lewis und Jimmy Harris zwischen den Konzerten mit Prince und The Time und der Produktion des Albums On the Rise von der S.O.S. Band. Es heißt, dass Terry Lewis und Jimmy Harris wegen Verkehrsbehinderungen aufgrund eines Schneesturmes einen Konzerttermin ihrer eigenen Band in San Antonio verpassten. Deswegen soll Prince angeblich die Bandmitglieder Harris und Lewis mit einer vergleichsweise niedrigen Gagenauszahlung von 3.000 US-Dollar aus der Gruppe geworfen haben. In einem Interview mit dem Musikmagazin Rolling Stone dementierte Prince diesen Vorwurf jedoch und schrieb diesen Entschluss dem Bandleader Morris Day zu.[5]

Die Phase während des zweiten Albums What Time Is It? war die vorläufig letzte unter der Mitwirkung von Harris, Lewis und auch Monte Moir, der sich im Zuge des Rauswurfs entschloss, ebenfalls die Band zu verlassen. Auch dieses zweite Album wurde unter Prince’ alleiniger Verantwortung produziert.

Hochphase und Trennung (1984–1988)Bearbeiten

Das dritte Album Ice Cream Castle brachte zwei entscheidende Wendepunkte in der Bandgeschichte. Drei Mitglieder waren durch Mark Cardenas, Paul Peterson und Jerry Hubbard ersetzt worden und erstmals involvierte Prince Bandmitglieder in die Albumproduktion. Das Album enthält auch den weitaus bekanntesten Song The Bird und bescherte der Band den bis dato kommerziell größten Erfolg. Ein Umstand, der nicht zuletzt dem Auftritt der Band im Prince-Film Purple Rain zuzuschreiben ist.[6] Dennoch ist The Time nie über den Status von Achtungserfolgen hinausgekommen.

Durch den kommerziellen Erfolg von Purple Rain widmete sich Prince wieder intensiver seinen Solo-Projekten. Das veranlasste die restlichen Bandmitglieder – teils gewollt, teils notgedrungen – dazu, ebenfalls anderen Projekten nachzugehen, so etwa in der Band The Family oder Jesse Johnsons Solokarriere. Eine offizielle Trennung hat es daher nie gegeben.

Morris Day veröffentlichte bereits 1985 sein erstes Soloalbum Color of Success.[7] Der größte Hit daraus hieß The Oak Tree. 1988 schaffte Day einen Nummer-eins-Hit in den R&B-Charts mit Fishnet, auf Platz 23 auch sein einziger Top-40-Hit in den Billboard Hot 100.[8]

Die Jahre 1989–2008Bearbeiten

Auf Drängen seines Labels Warner involvierte Prince bei der Produktion zum Soundtrack seines vierten Films Graffiti Bridge die ursprüngliche Besetzung von The Time, laut Plattenfirma auch, um am Erfolgsrezept von Purple Rain festzuhalten. Obwohl Graffiti Bridge als Solo-Album von Prince erschien, basiert es zu großen Teilen auf dem nie veröffentlichten The Time-Album Corporate World. Prince hatte im Juni 1989[9] begonnen, an einem neuen Album für The Time zu arbeiten und holte sich Unterstützung im Songwriting von den Gründungsmitgliedern Jerome Benton und Morris Day. Auch die Ex-Mitglieder Terry Lewis und Jimmy Harris, inzwischen mit einem Grammy Award geehrte Janet-Jackson-Produzenten, wurden von Prince für die Band und das folgende Album Pandemonium reaktiviert. Pandemonium bestand größtenteils aus übriggebliebenem Sessionmaterial der Vorgängeralben und wurde von der Band allenfalls grobschlächtig überarbeitet. Mit der Singleveröffentlichung Jerk Out hatte The Time jedoch auf diesem Album ihren bisher größten Hit. Dieser Umstand konnte jedoch nicht die erneute abrupte Trennung der Band verhindern. Verschiedene kreative Ansprüche und Bestrebungen in den unterschiedlich entwickelten Künstlern hatten immer wieder zu Streitigkeiten geführt, zuletzt während des Videodrehs der bis heute letzten Single Chocolate.

Am 10. Februar 2008 spielte The Time erstmals seit dem Rauswurf von Lewis und Harris wieder gemeinsam auf einer Bühne. Die ursprüngliche Besetzung begleite den Auftritt der Künstlerin Rihanna anlässlich der 50. Verleihung der Grammy Awards.

The Original 7ven (2011–2016)Bearbeiten

Im September 2011 gab die Band bekannt, sich fortan The Original 7ven zu nennen, da Prince das Namensrecht an „The Time“ besaß.[10] Im Dezember 2011 verließ Gitarrist Jesse Johnson die Band.[11] Letztendlich war der Name The Original 7ven nur vorübergehend, denn seit Prince’ Tod im April 2016 tritt die Band wieder als The Time oder als Morris Day and The Time auf.

Aktuelle Schaffensphase (seit 2016)Bearbeiten

Anlässlich Prince’ Tod im April 2016 fand am 13. Oktober 2016 im Xcel Energy Center in Saint Paul in Minnesota ein Tribut-Abend zu Ehren des Musikers statt, an dem unter anderem auch Morris Day and The Time auftraten.[12]

Am 28. Januar 2020 fand im Los Angeles Convention Center in Los Angeles abermals ein Tribut-Konzert für Prince statt. Das Motto lautete „Let’s Go Crazy: The Grammy Salute to Prince“ und The Time spielten die Songs Cool, Jungle Love und The Bird. Das Konzert wurde am 21. April 2020, dem vierten Todestag von Prince, im US-Fernsehen ausgestrahlt.[13][14]

DiskografieBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[15][16]
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US   R&B
1981 The Time
Warner Bros. Records
US50
 
Gold

(32 Wo.)US
R&B7
(44 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 29. Juli 1981
Verkäufe: + 500.000
1982 What Time Is It?
Warner Bros. Records
US26
 
Gold

(33 Wo.)US
R&B2
(38 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 25. August 1982
Verkäufe: + 500.000
1984 Ice Cream Castle
Warner Bros. Records
US24
 
Platin

(57 Wo.)US
R&B3
(46 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 9. Juli 1984
Verkäufe: + 1.000.000
1990 Pandemonium
Warner Bros. Records / Paisley Park Records
UK66
(1 Wo.)UK
US18
 
Gold

(16 Wo.)US
R&B9
(22 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 10. Juli 1990
Verkäufe: + 500.000
2011 Condensate
Saguaro Road Records
US58
(1 Wo.)US
R&B10
(3 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 18. Oktober 2011
als The Original 7ven

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[15]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US   R&B
1981 Get It Up
The Time
R&B6
(19 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 26. Juni 1981
Cool
The Time
US90
(7 Wo.)US
R&B7
(18 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: November 1981
1982 Girl
The Time
R&B49
(9 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: April 1982
777-9311
What Time Is It?
US88
(3 Wo.)US
R&B2
(20 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 28. Juli 1982
The Walk
What Time Is It?
R&B24
(11 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: November 1982
1983 Gigolos Get Lonely Too
What Time Is It?
R&B77
(4 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 9. März 1983
1984 Ice Cream Castles
Ice Cream Castle
R&B11
(15 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 8. Juni 1984
Jungle Love
Ice Cream Castle
US20
(25 Wo.)US
R&B6
(17 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 11. Oktober 1984
The Bird
Ice Cream Castle
US36
(13 Wo.)US
R&B33
(11 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 12. Dezember 1984
1990 Jerk Out
Pandemonium
US9
 
Gold

(15 Wo.)US
R&B1 (1)
(15 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 28. Juni 1990
Verkäufe: + 500.000
Chocolate
Pandemonium
R&B44
(7 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 1990
2011 #Trendin
Condensate
R&B77
(8 Wo.)R&B
Erstveröffentlichung: 27. September 2011
als The Original 7ven

LiteraturBearbeiten

  • Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince: Nilsen Publishing 2004, ISBN 91-631-5482-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.allmusic.com/artist/mn0000919812
  2. http://www.purplemusic.mynetcologne.de/the_time.html?line-up.html Siehe Textzeile 18
  3. Interview mit Prince in der Los Angeles Times, 21. November 1982
  4. Artikel über die Bandanfänge (Memento des Originals vom 21. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.citypages.com
  5. Rolling Stone-Interview mit Prince von 1990
  6. [1]
  7. Morris Day. Abgerufen am 11. März 2021.
  8. Morris Day Songs ••• Top Songs / Chart Singles Discography ••• Music VF, US & UK hits charts. Abgerufen am 11. März 2021.
  9. http://www.purplemusic.mynetcologne.de/the_time.html
  10. http://www.drfunkenberry.com/2011/09/14/the-band-formerly-known-as-the-time-returns-with-new-music-listen-no/
  11. http://www.drfunkenberry.com/2011/12/15/jesse-johnson-announces-he-is-leaving-the-original-7eventhe-time/
  12. Jon Bream: Prince tribute shows why he is missed. In: StarTribune.com. 14. Oktober 2016, abgerufen am 14. Oktober 2016 (englisch).
  13. Chuck Arnold: Grammy salute ‘Let’s Go Crazy’ proves nothing compares 2 Prince. In: nypost.com. 21. April 2020, abgerufen am 24. April 2020 (englisch).
  14. admin: The Best Moments From ‘Let’s Go Crazy: The Grammy Salute To Prince’ [Videos]. In: liveforlivemusic.com. 21. April 2020, abgerufen am 24. April 2020 (englisch).
  15. a b Chartquellen: US
  16. The Time in den Official UK Charts (englisch)