Teamviewer (Unternehmen)

deutsches Softwareunternehmen

Teamviewer (Eigenschreibweise TeamViewer) ist ein börsennotiertes Softwareunternehmen mit Hauptsitz in Göppingen.[2] Es ist nach der Fernwartungssoftware Teamviewer benannt.[3] Diese ist heute Teil einer Plattform zur Vernetzung, Überwachung und Steuerung von Computern, Maschinen und Anlagen sowie anderen Geräten.[4]

TeamViewer AG

Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A2YN900
Gründung 2019 (2005 als GmbH)
Sitz Göppingen, Deutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 1.477 (2021)[1]
Umsatz 501 Mio. Euro (2021)[1]
Branche Software
Website www.teamviewer.com
Stand: 31. Dezember 2021

GeschichteBearbeiten

Gründung und WachstumsphaseBearbeiten

Die Gründung von Teamviewer geht auf die Veröffentlichung der ersten Version der Teamviewer-Software im Jahr 2005 zurück. Um Reisen zu Kunden zu reduzieren, wurde die Teamviewer-Software entwickelt.[5] Diese wurde zum Kernprodukt des Unternehmens, das sich heute Teamviewer Germany nennt.[6] Das Geschäftsmodell erlaubt privaten Anwendern eine kostenlose Nutzung der Software, während Firmen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben müssen. Dieses Modell wird bis heute fortgeführt.[7]

2010 wurde Teamviewer von GFI Software gekauft. 2014 übernahm die britische Private-Equity-Investor Permira Teamviewer und unterstützte das Unternehmen bei der Entwicklung der internationalen Kundenbasis und der Erweiterung des Anwendungsbereichs der Produkte.[8] Mit einem Kaufpreis von rund einer Milliarde US-Dollar wurde das Unternehmen als sogenanntes „Einhorn“ eingestuft.[9][10]

Erstnotierung an der BörseBearbeiten

Ab Anfang 2018 stellte das Unternehmen sein Geschäftsmodell vom Lizenzverkauf auf Abonnements um.[11] Damit folgte man einem allgemeinen Trend der IT-Branche und verhalf dem Unternehmen zu weiterem Wachstum.[12] Zur Vorbereitung des Börsengangs etablierte man 2019 eine neue Unternehmensstruktur mit einer neuen AG als Eigentümerin der dann umbenannten Firma Teamviewer Germany.[13]

Die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse im September 2019 stieß auf starkes Interesse der Anleger.[14] Mit einem Emissionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro war es der größte Börsengang eines deutschen Technologieunternehmens seit dem Jahr 2000 und der größte Börsengang Europas im Jahr 2019.[15] Ende 2019 wurde die Aktie der Teamviewer in den MDAX[16] und den TecDAX aufgenommen.[17]

Ausbau des PortfoliosBearbeiten

Zuletzt investierte Teamviewer verstärkt in den Ausbau von Lösungen für die Industrie 4.0.[18] Das Unternehmen konzentriert sich auf die Digitalisierung kompletter Wertschöpfungsketten, einschließlich der Interaktion mit Kunden beispielsweise im Vertrieb und Kundendienst. Größere Aufmerksamkeit erfuhr die Übernahme von Ubimax im Jahr 2020, einen Spezialisten für Augmented-Reality-Software. Es handelte sich um den ersten größeren Zukauf in der Firmengeschichte.[19] Später wurde das Portfolio von Teamviewer durch weitere Übernahmen ergänzt.[20]

Im September 2021 startete Teamviewer die digitale Unterrichtsplattform Classroom. Das Produkt umfasst unter anderem Funktionen zur digitalen Zusammenarbeit, separate Räume für Gruppenarbeiten, Echtzeitumfragen sowie die Anbindung an andere Lernplattformen.[21] Classroom wird auf Servern in Deutschland betrieben, verzichtet auf die Nutzung von Drittanbietern und erfüllt die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung.[22][23]

UnternehmensstrukturBearbeiten

BörsennotierungBearbeiten

Teamviewer ist eine deutsche Aktiengesellschaft. Ihre Aktien werden im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Das Unternehmen ist Bestandteil des MDAX,[24] TecDAX und STOXX Europe.[25][26]

Rund 75 % der Aktien der Teamviewer AG befinden sich im Streubesitz. Wichtige Aktionäre (Stand: Oktober 2022) sind institutionelle Investoren, darunter Permira (20,10 %), die Norges Bank (3,19 %) und BlackRock (3,13 %). Das Management hält (Stand: November 2022) ebenfalls Aktien (1,39 %).

ManagementBearbeiten

Der Vorstand von Teamviewer besteht aus Oliver Steil (Chief Executive Officer, CEO), Michael Wilkens (Chief Financial Officer, CFO) und Peter Turner (Chief Commercial Officer, CCO).[27] Die erweiterte Geschäftsführung (Senior Leadership Team) besteht aus neun Personen. Der Aufsichtsrat von Teamviewer hat sechs Mitglieder. Sein Vorsitzender ist Abraham Peled.[28]

StandorteBearbeiten

Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in Göppingen. Dort sind unter anderem die Entwicklung und der Vertrieb für den Europäischen Wirtschaftsraum angesiedelt. Das Gebäude war von der Stadt errichtet worden und sollte ursprünglich als Erweiterung des Rathauses genutzt werden, bevor es dem stark wachsenden Unternehmen angeboten wurde, um es in Göppingen zu halten.[29][30]

Teamviewer ist an 17 Standorten in zehn Ländern vertreten (Stand: Juni 2021). Das Geschäft in Nord- und Südamerika wird von Largo, Florida aus koordiniert. Der Standort Adelaide ist für den asiatisch-pazifischen Raum zuständig. Dazu kommen Zentren für Forschung und Entwicklung in Ioannina,[31] Jerewan und Porto,[32] sowie weitere Standorte in Mumbai, Shanghai, Singapur und Tokio.

ProdukteBearbeiten

SoftwareBearbeiten

Bekannt wurde Teamviewer vor allem mit einer Lösung für den Fernzugriff auf sowie die Fernsteuerung und die Fernwartung von Computern und mobilen Endgeräten.[33] Die Software unterstützt alle gängigen Desktop-, Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme, einschließlich Windows, macOS, Android und iOS.[34] Für die private, nicht-kommerzielle Nutzung ist sie kostenlos.[35]

PlattformBearbeiten

Die Teamviewer-Plattform ermöglicht die Vernetzung einer Vielzahl von Geräten in Unternehmen.[36] Zudem bietet Teamviewer Augmented-Reality-Anwendungen, um Arbeitsprozesse in der Industrie zu erleichtern, etwa bei der Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen.[37] Es gibt Schnittstellen zu Software und Diensten wie beispielsweise Microsoft Teams.[38]

SponsoringBearbeiten

2020 wurde Teamviewer Hauptsponsor von zwei Handballbundesligamannschaften[39]

Ab der Saison 2021/2022 wird das Unternehmen Trikotsponsor eines Fußballuntenehmens der britischen Premier League.[40]

Ebenfalls 2021 schloss Teamviewer eine Partnerschaft mit einem Formel-1-Team und einem Formel-E-Team.[41][42]

KritikBearbeiten

2019 berichtete Der Spiegel über eine Cyberattacke auf das Teamviewer-Netzwerk.[43] Das Unternehmen stellte klar, man habe keine Belege für die Entwendung von Kundendaten oder die Infektion von Kundensystemen gefunden. Auch der Quelltext der Teamviewer-Software sei nicht manipuliert worden.[44]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Geschäftsbericht 2021. (PDF) Teamviewer, abgerufen am 21. März 2022.
  2. Michael Kroker: Das Ding versteht Schwäbisch. In: WirtschaftsWoche. 5. Mai 2017, abgerufen am 4. Februar 2020.
  3. Lisa Hegemann: Ein schwäbisches Digitalwunder. In: Zeit Online. 25. September 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  4. Jens Tönnesmann: Die Weltvernetzer. In: Die Zeit. 8. Dezember 2016, S. 34 (Online [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  5. Software-Riese Teamviewer: Weltmarktführer aus der Provinz. In: Stern. 5. Januar 2017, abgerufen am 4. Februar 2021.
  6. Larissa Holzki, Christof Kerkmann, Effy Zhang: Per Mausklick in die Firma. In: Handelsblatt. 6. Juni 2020, abgerufen am 27. Juni 2021.
  7. Hannah Scherkamp:: Teamviewer: So läuft’s beim schwäbischen Hidden Champion. In: Gründerszene. 30. Oktober 2015, abgerufen am 4. Februar 2020.
  8. Klaus Max Smolka: Teamviewer geht an Permira. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Juli 2014, abgerufen am 4. Februar 2020.
  9. Michael Rasch: Reiter eines deutschen Einhorns. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. November 2016, S. 21.
  10. Das Einhorn von Göppingen. In: Handelsblatt. 7. Januar 2017, abgerufen am 4. Februar 2020.
  11. Robert Landgraf: Reifeprüfung Börsengang. In: Handelsblatt. 13. September 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  12. „Permira steht für Wachstum.“ In: Börsen-Zeitung. 22. Dezember 2015, S. 11.
  13. Larissa Holzki, Peter Köhler, Robert Landgraf: Teamviewer strebt an die Börse. In: Handelsblatt. 23. August 2019, S. 21.
  14. Heidi Rohde: Teamviewer stößt auf hohes Interesse. In: Börsen-Zeitung. 13. September 2019, S. 9.
  15. Thorsten Mumme: Superlative ohne Ende. In: Der Tagesspiegel. 21. September 2019, S. 17.
  16. Andreas Cünnen: Überraschender MDAX-Aufsteiger. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2019, S. 39.
  17. Andreas Cünnen: Indexwechsel: Das sind die neuen Aktien im DAX, SDAX und TecDAX. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  18. Anja Ringel: Industrie 4.0: Teamviewer übernimmt Ubimax. In: Produktion. 17. Juli 2020, abgerufen am 13. April 2021.
  19. Ubimax-Übernahme: Teamviewer legt zu und kauft zu. In: Handelsblatt. 15. Juli 2020, abgerufen am 12. April 2021.
  20. Sebastian Schmid: Teamviewer behält Übernahmen im Blick. In: Börsen-Zeitung. 23. Februar 2019, S. 11.
  21. Patrick Beuth: Schule im Coronamodus: TeamViewer will »erste datenschutzkonforme« Unterrichtssoftware anbieten. In: Spiegel Online. 28. September 2021, abgerufen am 24. November 2021.
  22. Marie-Claire Koch: TeamViewer verspricht mit „TeamViewer Classroom“ mehr Datenschutz in Schulen. In: heise online. 28. September 2021, abgerufen am 24. November 2021.
  23. Michael Kroker: Teamviewer-CEO Steil: „Die DSGVO ist für uns ein Wettbewerbsvorteil.“ In: WirtschaftsWoche. 31. Oktober 2018, abgerufen am 4. Februar 2020.
  24. MDAX Werte. finanzen.net, abgerufen am 10. Juli 2021.
  25. TecDAX Werte. finanzen.net, abgerufen am 10. Juli 2021.
  26. STOXX Europe 600 Werte. finanzen.net, abgerufen am 10. Juli 2021.
  27. TeamViewer / Executives. In: Bloomberg. Abgerufen am 2. September 2022 (englisch).
  28. Abraham Peled / Executive Profile. In: The Wall Street Journal. Abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  29. Teamviewer darf ins Rathaus. In: Neue Württembergische Zeitung. 15. Februar 2019.
  30. Stadt plant für Unternehmen um. In: Neue Württembergische Zeitung. 6. Dezember 2019, S. 19.
  31. Zusätzlicher Standort: Teamviewer will weiter wachsen. In: Südwest Presse. 24. Januar 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  32. Aus der Wirtschaft: Teamviewer ist weiter auf Einkaufstour. In: Neue Württembergische Zeitung. 29. Mai 2021, S. 19.
  33. Wie geht das? Teamviewer ermöglicht Hilfe aus der Ferne. In: Berliner Zeitung. 29. Dezember 2007, S. 8.
  34. Franz Công Bùi: Teamviewer-App ermöglicht Zugriff auf Computer aus der Ferne. In: Börsen-Zeitung. 1. August 2012, S. 19.
  35. Georg Drabner: Hilfe aus der Ferne. In: Saarbrücker Zeitung. 24. April 2009.
  36. Armin Mahler: Herr der Dinge. In: Der Spiegel. 25. Juni 2016, S. 70 (Online [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  37. Teamviewer Buy Augmented Reality Firm Ubimax. Reuters, 15. Juli 2020, abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  38. Jörn Brien: Microsoft Teams erhält Teamviewer-Integration. In: t3n. yeebase media, 5. September 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  39. Helge Thiele: Teamviewer will Frisch Auf in Champions League führen. In: Neue Württembergische Zeitung. 29. September 2020, S. 15.
  40. Teamviewer wird neuer Trikotsponsor von Manchester United. In: Kicker. 19. März 2021, abgerufen am 22. März 2021.
  41. Marion Schlegel: Teamviewer: Jetzt ist die Katze aus dem Sack – Deal mit Formel-1-Team. In: Der Aktionär. 30. März 2021, abgerufen am 12. April 2021.
  42. Timon Pape: Formel-E-Team Mercedes-EQ partnert mit Teamviewer. In: e-formel.de. 30. März 2021, abgerufen am 12. April 2021.
  43. Marcel Rosenbach: Zugriff aus Fernost. In: Der Spiegel. 18. Mai 2019, S. 74.
  44. Stefan Beiersmann: Teamviewer wehrt Angriff mutmaßlicher chinesischer Hacker ab. In: ZDNet. 20. Mai 2019, abgerufen am 29. Oktober 2020.