Tatort: Schlaraffenland

Episode der Fernsehserie Tatort

Schlaraffenland ist ein Fernsehfilm aus der Kriminalreihe Tatort. Der erste Tatort mit Eva Mattes als Kriminalhauptkommissarin Klara Blum wurde vom SWR unter der Regie von Nina Grosse produziert und in Deutschland am 28. April 2002 zum ersten Mal ausgestrahlt. Es ist die 499. Tatortfolge.

Episode der Reihe Tatort
OriginaltitelSchlaraffenland
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
SWR
Länge84 Minuten
EinordnungEpisoden 499 (Liste)
Erstausstrahlung28. April 2002 auf Das Erste
Stab
RegieNina Grosse
DrehbuchStefan Dähnert
ProduktionUlrich Herrmann
MusikMoritz Freise
Biber Gullatz
KameraHans-Jörg Allgeier
SchnittGudrun Böhl
Besetzung

HandlungBearbeiten

Die Konstanzer Polizei ist mitten bei ihrem alljährlichen Sommerfest, als sie die Nachricht eines Leichenfundes erhält. Auf der anderen Seite des Sees wurde der zehnjährige Butz Peters tot aufgefunden. Kommissarin Klara Blum begibt sich gemeinsam mit ihrem Mann zum Ort des Geschehens, wo sie von dem Streifenbeamten Bülent Îsi empfangen wird. Er kann ihr auch schon den vermeintlichen Täter präsentieren. Der geistig zurückgebliebene Wolfi Osburg wurde neben der Leiche sitzend vorgefunden und festgehalten. Sein Vater will ihn sogleich maßregeln und schlägt mit einem Stock auf ihn ein. Blum geht dazwischen, doch Wolfi wird verletzt und soll in eine Klinik gebracht werden. Auf dem Weg dorthin überwältigt Wolfi die ihn begleitenden Personen und flieht. Dabei gelangt auch eine Polizeipistole in seinen Besitz.

Blum und ihre Kollegen gehen sofort auf die Suche nach dem Flüchtigen. Wolfis Bruder, Hanno Osburg, begleitet die Beamten, damit eine vertraute Person dabei ist. An sich gilt Wolfi nicht als gefährlich, aber zeitweise ist er dennoch unberechenbar. In seiner Not überwältigt er an einer Tankstelle eine Autofahrerin und nimmt sich ihren Wagen. Er weiß nicht, dass auf der Rückbank ein Kind schläft. Damit verschärft sich die Suche nach Wolfi und es wird Verstärkung angefordert. Das macht ihm aber solche Angst, dass er noch unberechenbarer wird. Blum lässt die Verfolgung abbrechen, um das Mädchen im Auto nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Zwischen Klara Blum und ihrem Mann gibt es dabei Differenzen. Der seit den letzten Jahren nur noch Innendienst gewöhnte Martin hatte sich von Wolfi überwältigen und auch die Pistole abnehmen lassen. Demzufolge zweifelt er selber an seinen Fähigkeiten als Polizist.

Dem Fluchtwagen geht mittlerweile das Benzin aus und Wolfi flieht mit dem Kind zu Fuß weiter. So langsam wird es dunkel und die Feuer der Obstbauern, die seit Tagen ihre vom Feuerbrand infizierten Bäume verbrennen müssen, machen Wolfi Angst. Sein Bruder nutzt dies und lockt Wolfi zu sich. Er versteckt ihn vor der Polizei, die derweil das Mädchen unversehrt an einem der Feuer findet.

Martin Blum war schon am Nachmittag ins Revier zurückgekehrt und hatte dort erfahren, dass die Obstbauern Wolfis Vater angezeigt hatten. Sie beschuldigen ihn, ihre Obstbäume mit Feuerbranderregern infiziert zu haben, um seinen Umsatz durch den Verkauf seiner Pflanzenschutzmittel zu sichern. Die zuständige Behörde hatte eine Untersuchung bei Heinz Osburg angemeldet. Kurzentschlossen begibt sich Martin Blum zu Osborns Hof, sichert die Erregerkulturen, versiegelt den Hof und lässt Osburg festnehmen. Er vermutet, dass der kleine Butz Osburg bei seinen illegalen Tätigkeiten beobachtet und dieser ihn daraufhin zum Schweigen gebracht hatte. Auf dem Rückweg zum Revier trifft Martin Blum auf Hanno Osburg, der Wolfi die Pistole abgenommen hat und nun damit Blum erschießt, als er von ihm erfährt, dass sein Vater festgenommen wurde.

Klara Blum, die inzwischen auf der Suche nach ihrem Mann ist, wird von Hanno Osburg aufgehalten. Er behauptet, sein Bruder würde wild um sich schießen und sie sollte unbedingt mitkommen. So bringt er sie in seine Gewalt. Zusammen mit Wolfi will er sie umbringen und in den Bodensee werfen. Dem rechtzeitigen Eintreffen von Bülent Îsi verdankt Blum ihr Leben. Der ambitionierte Streifenpolizist hatte eine versteckte Botschaft an ihn rechtzeitig verstanden und die Wasserschutzpolizei alarmiert.

HintergrundBearbeiten

In Schlaraffenland klärt Blum erstmals im Tatort einen Fall auf. Blum und Bülent Îsi ermitteln hier an ihrer Seite, bevor sie 2004 in Kai Perlmann ihren durchgehenden Ermittler gefunden hat. Die Rolle einer Kommissarin war für Eva Mattes „ein Sprung ins kalte Wasser“. Sie hatte zugegeben, bis vor kurzem keinen einzigen Tatort gesehen zu haben.

RezeptionBearbeiten

EinschaltquotenBearbeiten

Die Erstausstrahlung von Schlaraffenland am 28. April 2002 wurde in Deutschland von 9,26 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 26,60 Prozent für Das Erste.[1]

KritikenBearbeiten

Rainer Tittelbach von tittelbach.tv nennt diesen Tatort „harmlos“. „Ein toter Junge unter einem Apfelbaum. Dazu der phänomenalste Sonnenaufgang, den ein Fernsehkrimi je gesehen hat. Ein stimmiger Beginn für einen Film, der auch in der Folgezeit immer wieder versucht, das Grässliche mit dem Poetischen kurzzuschließen. Klara Blum ist zum einen eine Frau, die fest mit beiden Beinen auf dem schwäbischen Boden steht; zum anderen ist sie ein Mensch der Intuition, der Psychologie, eine Frau, die lieber nicht den ganzen Polizeiapparat auffährt. Eine Urmutter, die alles Männliche überstrahlt.“[2]

Die Kritiker der Zeitschrift Der Wahlberliner sahen das ähnlich und schrieben: „Einer starke Einführung für Klara Blum als Ermittlerfigur steht eine in wichtigen Teilen konstruiert wirkende und in bezüglich einiger Figurenmotive nicht überzeugende Handlung gegenüber. Stilistisch ist der Film gut gemacht, mit starken Bildern, die alle Emotionen gut transportieren. Die ruhige Hand späterer Bodensee-Tatorte ist hier nicht zu spüren, dafür aber darf Klara Blum einmal und nur dieses eine Mal ganz aus sich herausgehen“.[3]

Beim Wie war der Tatort? hält Lars Christian Daniels den Film dagegen für komplett „misslungen“. Er schreibt: „Zumindest teilweise aufgefangen wird dies durch den glänzend aufgelegten Alexander Beyer, der nicht nur […] Hauptdarstellerin Eva Mattes […], sondern auch die Nebendarstellerriege […] nach allen Regeln der Kunst an die Wand spielt. Auch die Gesangseinlage von Annika ‚Beckchen‘ Beck (Justine Hauer), die hemmungslos den Madonna-Karaoketitel Like a virgin schmettert, zählt zu den unfreiwilligen Höhepunkten im 499. Tatort, der erst nach einer guten Stunde in Fahrt kommt.“[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tatort: Schlaraffenland Einschaltquote bei fundus de, abgerufen am 19. Februar 2016.
  2. Rainer Tittelbach: Gelungen: Nina Grosses sinnlich-mythischer „Tatort“-Einstieg für Eva Mattes Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen am 19. Februar 2016.
  3. Schlaraffenland – Tatort 499 / TatortAnthologie 51 bei derwahlberliner.wordpress.com, abgerufen am 19. Februar 2016.
  4. Lars Christian Daniels:So war der Tatort: bei wiewardertatort.blogspot.de, abgerufen am 19. Februar 2016.