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Tasuku Honjo (2013)

Tasuku Honjo (jap. 本庶 佑, Honjo Tasuku; * 27. Januar 1942 in Kyōto, Präfektur Kyōto) ist ein japanischer Immunologe, der für Forschungen über die molekularbiologischen Ursachen der Antikörper-Diversität bekannt ist und neue immunologische Ansätze in der Krebstherapie. 2018 wurde ihm zusammen mit James P. Allison der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zuerkannt.

LebenBearbeiten

Honjo studierte ab 1960 Medizin an der Universität Kyōto, wo er sowohl seine medizinische Promotion (M.D., 1966) erwarb als auch seinen Ph.D. in Medizinischer Chemie (1975). Dazwischen absolvierte er 1966/67 eine Facharztausbildung am Universitätsklinikum in Kyoto und war von 1971 bis 1973 an den National Institutes of Health und Fellow der Carnegie Institution in Washington D.C. Ab 1974 war er Assistenzprofessor an der Medizinischen Fakultät der Universität Tokio und ab 1979 Professor für Genetik an der Medizinischen Fakultät der Universität von Osaka. Er ist seit 1984 Professor an der Universität Kyoto, seit 2005 in der Fakultät für Immunologie und Genomische Medizin. In Kyoto war er von 1988 bis 1997 Direktor des Instituts für Molekularbiologie und Genetik und von 1996 bis 2000 sowie von 2002 bis 2004 Dekan der Medizinischen Fakultät. Von 2004 bis 2006 war er Direktor des Research Center for Science Systems der Japan Society for the Promotion of Science.

WerkBearbeiten

Innerhalb der großen Zahl der Antikörper erzeugenden B-Lymphozyten, jede spezifisch auf bestimmte Antigene reagierend und vor der Geburt durch zufällige Rekombination von Genen für Sub-Abschnitte der V-Region erzeugt (siehe V(D)J-Rekombination), findet nach der Geburt eine genetische Reifung statt, die das Immunsystem besser zur Abwehr rüstet. Dabei wirken vor allem zwei Mechanismen: somatische Hypermutation (Punktmutationen der DNA für die hochvariable V-Region der Antikörper) und Class Switching Recombination in der C-Region (die konstante Region der schweren Kette der Antikörper), die zu verschiedenen Subtypen führt wie IgG, IgE, IgA. Honjo gelang die Aufklärung der dahinterstehenden Mechanismen und die Entdeckung eines dabei beteiligten Enzyms, AID (Activation Induced Cytidine Deaminase). Vermutet wird auch eine Rolle des AID in der nachtranskriptionalen RNA-Prozessierung, was dann als weiterer Mechanismus hinzukommt.

 
Krebstherapie durch Blockade von inhibierenden Immunregulatoren (CTLA4, PD-1)

Außerdem entdeckte Honjo einen Mechanismus des Immunsystems, der dämpfend auf die Immunantwort wirkt über das PD-1-Protein (Programmed cell death protein 1)[1]. Dies bietet einen Ansatz zur Krebstherapie, da bei Blockade des PD-1-Rezeptors das Immunsystem stark aktiviert wird. Einige Krebszellen bilden einen Liganden (PD-L1 oder 2) für PD-1 und aktivieren damit PD-1 und unterdrücken somit das Immunsystem. Das wird durch die Blockade von PD-1 mit spezifischen monoklonalen Antikörpern als Medikament in der Krebstherapie verhindert. Hier waren 2012 bereits klinische Studien (an Hautkrebs und großzelligem Lungenkrebs) in Japan (Ono Pharmaceuticals) und bei Bristol-Myers Squibb in den USA in Arbeit.[2] 2014 wurden auf dieser Grundlage zwei Checkpoint-Inhibitoren genannte Medikamente zugelassen (Nivolumab von Bristol-Myers-Squibb und Pembrolizumab von Merck). Nivolumab wirkt bei einigen Formen von Haut-, Lungen- und Nierenkrebs. Die Hemmung des Immunsystems durch Aktivierung von PD-1 hat aber auch positive Wirkungen im Körper wie der Unterdrückung von Autoimmunkrankheiten, was auch zu unerwünschten Nebenwirkungen beim Einsatz von Checkpoint-Hemmern in der Krebstherapie führen kann.

Preise und MitgliedschaftenBearbeiten

2001 wurde er Mitglied der National Academy of Sciences und 2003 der Leopoldina.[4] Er ist Ehrenmitglied der American Association of Immunologists und war 1999 bis 2000 Präsident der Japanischen Gesellschaft für Immunologie.

1991 bis 1996 war er Fogarty Scholar an den National Institutes of Health. Seit 2016 zählt ihn Thomson Reuters aufgrund der Zahl seiner Zitierungen zu den Favoriten auf einen Nobelpreis (Thomson Reuters Citation Laureates).[5]

LiteraturBearbeiten

  • Sonja Kastilan: Der Körper hilft sich selbst. Der Immunologe Tasuku Honjo ist der Vater einer neuen Krebstherapie. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22. Januar 2017, S. 59

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Es wirkt über die Förderung von Apoptose bei Antigen-spezifischen T-Zellen in den Lymphknoten und Unterdrückung von Apoptose bei T-Suppressozellen
  2. Handelsblatt, 2. Juni 2012 zum Robert Koch Preis für Honjo
  3. Kyoto Prize 2016
  4. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Tasuku Honjo (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 15. Juli 2016.
  5. Web of Science Predicts 2016 Nobel Prize Winners. In: ipscience.thomsonreuters.com. 21. September 2016, archiviert vom Original am 21. September 2016; abgerufen am 21. September 2016 (englisch).