Tarkasnawa

König von Mira

Tarkasnawa (luw. „Esel“) – auch bekannt unter der falschen Lesung Tarkondemos – war ein König des hethitischen Vasallenstaats Mira im Westen der heutigen Türkei. Er regierte vermutlich in der Zeit des Großkönigs Tudḫaliya IV. im 13. Jahrhundert v. Chr.

Tarkasnawa auf dem Relief von Karabel
Silbernes Siegel Tarkasnawas, auch als „Tarkondemos-Siegel“ bekannt

Tarkasnawa ist abgebildet auf dem Felsrelief von Karabel. Sein Name wurde 1998 von John David Hawkins gelesen, der die dortige Inschrift entzifferte. Demnach ist er der Sohn Alantallis, ebenfalls König von Mira, und Enkel eines weiteren Königs, dessen Name nicht erhalten ist. Vermutlich handelt es sich um Kupanta-dKAL (Kupantakurunta).[1] Es wird von der derzeit vorherrschenden Forschungsmeinung für am wahrscheinlichsten[2] gehalten, dass Tarkasnawa der Adressat des sogenannten Milawata-Briefs (CTH 182; KUB 19.55 + KUB 48.90) war, der sehr wahrscheinlich von Tudḫaliya IV. verfasst wurde[3] und an einen westanatolischen Herrscher gerichtet war. Aus dem Brief geht hervor, dass seinerzeit der Herrscher von Wiluša nicht nur kulawaniš-Vasall des hethitischen Großkönigs, sondern auch des Empfängers war, wobei die Bedeutung von „kulawaniš“, das in keinem anderen hethitischen Text vorkommt, unsicher ist'.[4] Falls der Brief an Tarkanaswa gerichtet war, ergäbe sich daraus, dass dieser eine herausragende Stellung unter den Vasallen Westanatoliens erlangt hatte, er zum Hauptansprechpartner des Großkönigs aufgestiegen war und ihm womöglich auch die anderen Herrscher der Arzawa-Nachfolgestaaten, z. B. der König von Šeḫa, untergeordnet waren.[5] Zudem ergäbe sich dann aus dem Text, dass die Grenzen Milawatas/Millawandas nach dessen Eroberung in gemeinsamen Einvernehmen neu gezogen, das Gebiet eventuell zwischen Tudḫaliya IV. und Tarkasnawa von Mira aufgeteilt wurde oder, wie Bryce vermutet, Tarkanaswa womöglich auch die Vorherrschaft über Milawata erlangte.[6] Auch wäre Tarkanaswa dann vom hethitischen Großkönig als Herrscher von Mira eingesetzt worden, nachdem sein Vorgänger und Vater – wahrscheinlich Alantalli, s. o. – gegen das Hethiterreich rebelliert, u. a. die Städte Atrija und Utima angegriffen und Geiseln genommen hatte, bis er letztlich von Tudḫaliya abgesetzt worden war.

Der Name Tarkasnawas taucht auch auf einem Silbersiegel, genannt Tarkondemos-Siegel, und Abdrücken von anderen Siegeln auf, die in Ḫattuša, der Hauptstadt des hethitischen Großreichs, gefunden wurden. Dort wurde sein Name zunächst fälschlich als Tarkondemos gelesen.[7]

LiteraturBearbeiten

  • J. David Hawkins: Tarkasnawa King of Mira. ‚Tarkondemos‘, Boğazköy sealings and Karabel. In: Anatolian Studies. 48, 1998, S. 1–31, JSTOR 3643046.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. J. David Hawkins: Tarkasnawa King of Mira. ‚Tarkondemos‘, Boğazköy sealings and Karabel. In: Anatolian Studies. 48, 1998, S. 1–31.
  2. Gary M. Beckman, Trevor R. Bryce, Eric H. Cline: The Ahhiyawa Texts (= Writings from the Ancient World 28). SBL, Atlanta 2011, S. 131: „...among various candidates (...), the most likely is Tarkasnawa,...
  3. Tayfun Bilgin: Officials and Administration in the Hittite World. De Gruyter, Berlin–Boston 2018, S. 164: „There is little doubt that the sender of the letter is Tudhaliya“
  4. Von denjenigen, die Tarkasnawa als Empfänger ansehen, wird Kulawanis-Vasall teilweise als „militärischer Vasall“ übersetzt, so etwa Gary M. Beckman, Trevor R. Bryce, Eric H. Cline: The Ahhiyawa Texts (= Writings from the Ancient World 28). Society of Biblical Literature, Atlanta 2011, S. 129; 132. Aber auch Schürr, der einen König von Mira als Empfänger ablehnen gegenübersteht, favorisiert diese Übersetzung: Dieter Schürr: Zur Vorgeschichte Lykiens. Städtenamen in hethitischen Quellen. In: KLIO 92, 2010, S. 12. Dabei bezieht sich etwa John David Hawkins: Tarkasnawa, King of Mira: 'Tarkondemos', Boğazköy sealings and Karabel. Anatolian Studies 48, 1998, S. 19, Anm. 88. auf die haplologische Herleitung aus „*kulanawan(n)i“, Luwisch: ku(wa)lana = „Armee“, die in Bezug auf die Passage im Milawata-Brief von Puhvel vertreten wurde. (Jaan Puhvel: Hittite Etymological Dictornary, Band 4. Words beginning with K. De Gruyter, Berlin – New York 1997, S. 239, s. v. „kulawan(n)i-“ (abgerufen über De Gruyter Online)). Gerd Steiner dagegen übersetzt kulawanis als „neutraler (Vasall)“: Gerd Steiner: The Case of Wiluša and Ahhiyawa. Bibliotheca Orientalis 64 Nr. 5–6, 2007, S. 590–611 Sp. 603, mit Begründung in Anm. 92 und 93. Ferdinand Sommer: Die Aḫḫijava-Urkunden. Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Abt. N.F.6, München 1932, S. 203, 225, übersetzte „kulawanis-Vasall“ mit „Untervasall“, allerdings mit zwei Fragezeichen zwischen „Unter“ und „Vasall“.
  5. Gary M. Beckman, Trevor R. Bryce Eric H. Cline: The Ahhiyawa Texts (= Writings from the Ancient World 28). SBL, Atlanta 2011, S. 131f.
  6. Trevor R. Bryce: The Kingdom of the Hittites. Oxford University Press (1998), Überarbeitete Neuauflage 2005, S. 308. Bryce hatte allerindgs zuvor lange vertreten, auch noch in der Erstauflage dieses Werks 1999, dass der Empfänger des Briefs in Milawata saß (s. Trevor R. Bryce: A Reinterpretation of the Milawata Letter in the Light of the New Join Piece. Anatolian Studies 35, 1985, S. 13–23).
  7. Joachim Latacz: Troy and Homer. Towards a Solution of an Old Mystery. Oxford University Press, New York NY 2004, ISBN 0-19-926308-6, S. 88, (bei GoogleBooks).