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Als Tailings (englisch) bezeichnet man im Bergbau feinkörnige Rückstände aus der Aufbereitung von Erzen, die zumeist in Form von Schlämmen vorliegen. Sie werden in der Nähe der Bergwerke oder Aufbereitungsanlagen gelagert, meist in großen, mit Dämmen abgetrennten Absetzbecken oder Schlammteichen.[1]

Wortherkunft und WortgebrauchBearbeiten

Im amerikanischen Englisch sind tailings Rückstände, die bei Verarbeitungsprozessen wie Zermahlen oder Destillieren anfallen können.[2] Es handelt sich um eine Wortbildung zu englisch tail („Schwanz“),[2] wobei hier das „hintere Ende“ der Verarbeitung gemeint ist, an dem die Rückstände anfallen. Der Begriff wird vor allem im Kontext der Aufbereitung von Erzen verwendet.[3] So beispielsweise für Rotschlamm (englisch bauxite tailings oder red sludge), der bei der Gewinnung von Bauxit als Rückstand anfällt.

Im Deutschen wird das englische Fremdwort Tailings für Rückstände bei der Erzaufbereitung verwendet. Aufgrund der starken Umweltbelastung taucht es häufig im Zusammenhang mit der Yellowcakeherstellung im Rahmen der Uranerzaufbereitung auf.

Wie im Englischen ist Tailings auch im Deutschen ein Pluralwort. Innerhalb von Wortzusammensetzungen kann das Plural-s allerdings entfallen. Beispielsweise wird neben Tailingsbecken auch die Wortform Tailingbecken mit etwa gleicher Häufigkeit verwendet. Ebenso wird im Englischen neben tailings pond (deutsch „Tailingsbecken“) auch die Wortform tailing pond verwendet.

UmweltgefährdungBearbeiten

Chemikalien und RessourcenverbrauchBearbeiten

Die Lagerung von Tailings in Absetzbecken ist mit einer hohen Umweltbelastung verbunden, da die Schlämme meist auch giftige Stoffe wie Quecksilber und Arsen enthalten, die bei der Erzaufbereitung verwendet werden oder als Nebenprodukte anfallen. Ein Teil der giftigen Substanzen gelangt durch Wind und Wetter aus den Absetzbecken in die Umwelt. Insbesondere im Zusammenhang mit Säurebildung besteht die Gefahr, dass die belastete Flüssigkeit in den Boden versickert (siehe Acid Mine Drainage).[4] Vögel und andere Tiere können schwere Gesundheitsschäden erleiden, wenn sie aus Absetzbecken trinken und bringen die Schadstoffe in die Nahrungskette ein.

Außerdem werden durch die Lagerung in Absetzbecken, die teilweise viele Quadratkilometer einnehmen, natürliche Flächen und große Mengen von Wasser verbraucht. Moderne Aufbereitungstechniken bieten die Möglichkeit, die festen Partikel aus den Schlämmen abzutrennen und sie trocken an der Erdoberfläche zu lagern. Durch die damit verbundene Zurückgewinnung des Prozesswassers wird der Wasser- und Platzbedarf enorm reduziert und die Umweltgefährdung reduziert.[1]

DammbrücheBearbeiten

Katastrophale Schäden können entstehen, wenn die Eindämmung eines Absetzbeckens versagt. Beispiele für Dammbrüche aus jüngerer Zeit:[5]

Aufgrund der bisher aufgetretenen Dammbrüche werden heute hohe Anforderungen an die Auslegung, den Bau und den Betrieb der Absetzbecken gestellt.

Tailings im UranbergbauBearbeiten

Auch bei der Aufbereitung von Uranerz entstehen schlammartige Rückstände, die Tailings genannt werden. Ihre Menge korreliert direkt mit der Masse des verarbeiteten Erzes, daher fallen weltweit jährlich viele Millionen Tonnen dieser schwach radioaktiven Tailings an.

Trotz der Abtrennung des Urans enthalten die Tailings immer noch den größten Teil der ursprünglich im Gestein vorhandenen Aktivität. Es handelt sich vor allem um die Nuklide Radium-226, Radon-222 und Blei-210. Die auf eine Masseneinheit bezogene spezifische Aktivität ist jedoch im Vergleich zu vielen anderen schwachradioaktiven Abfallprodukten gering. Unmittelbare Gesundheitsschäden sind bei sachgemäßer Lagerung daher nicht zu erwarten.

Die Schwierigkeit bei der Lagerung der Tailings besteht darin, dass die zuvor unter der Erde im Gestein gebundenen Schadstoffe nun zerkleinert sind und sich an der Erdoberfläche befinden. Damit sind sie wesentlich mobiler und gelangen leichter in die Umwelt.[7][8]

Eine Endlagerung der Inhalte der Absetzbecken kann aufgrund deren Ausmaße nur vor Ort erfolgen. Am Beispiel der Sanierung der ehemaligen Betriebsstätten der SDAG Wismut in Thüringen und Sachsen zeigt sich, wie das vonstatten geht. Durch Trockenlegung, Abdeckung und Renaturierung der Tailings wurde das Risiko der Wettererosion ausgeschlossen. Da eine Abdichtung unterhalb der Tailings nicht erfolgen konnte, bleibt das Risiko des Versickerns radioaktiver Stoffe in den Untergrund. Daher werden engmaschige Umweltkontrollen und Grundwasseraufbereitung durchgeführt.[9][10]

LiteraturBearbeiten

  • Nils Engelke, Robert Klug (Flottweg Separation Technology): Immer oben auf, trotz „unter Tage“ – Dekanter im Bergbau. In: AT Mineral Processing Europe. 07–08/2018, ISSN 2198-3429 (online).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Artikel über Tailings at-minerals.com, 2018
  2. a b tailing bei collinsdictionary.com. Siehe unter Amerikanisches Englisch Bedeutung 1 zum Pluralwort tailings.
  3. tailing bei thefreedictionary.com. Siehe die Angaben zum Pluralwort tailings: Hier ist nur von der Verarbeitung von Erz und von Bergbau die Rede.
  4. What are tailings? Their nature and production tailings.info
  5. Zu weiteren Beispielen siehe die Liste in der englischen Wikipedia: List of tailings dam failures.
  6. Polícia Civil registra 237 mortos identificados após tragédia em Brumadinho Estado de Minas, 7. Mai 2019.
  7. Jonas Houben: Uranabbau und Anreicherung. Greenpeace Aachen, 25. November 2015, abgerufen am 18. März 2019.
  8. Uranium Mining in Eastern Germany (engl.) [1]
  9. Landesdirektion Sachsen [2]
  10. Das Erbe der Wismut [3]