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Tagebau Jänschwalde

Braunkohleabbau in Brandenburg

p0p2p3Vorlage:Infobox Bergwerk/Wartung/MÄCHTIGKEIT

Tagebau Jänschwalde
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Tagebau-Kraftwerk-Jaenschwalde.jpg
Abbautechnik Tagebau auf 60,15 km²
Abraum (2008) 143 Mio. t
Förderung/Jahr (2008) 13 Mio. t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft LEAG
Betriebsbeginn 1971
Betriebsende 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren
Nachfolgenutzung Teilweise Auffüllung zum Restsee

(siehe auch Klinger See, Taubendorfer See)

Geförderte Rohstoffe
Abbau von Braunkohle
Braunkohle

Flözname

2. Lausitzer Flöz
Mächtigkeit 8–12 m
Größte Teufe 95 m
Geographische Lage
Koordinaten 51° 47′ 31″ N, 14° 32′ 23″ OKoordinaten: 51° 47′ 31″ N, 14° 32′ 23″ O
Tagebau Jänschwalde (Brandenburg)
Tagebau Jänschwalde
Lage Tagebau Jänschwalde
Standort Peitz
Gemeinde Teichland, Forst, Peitz
Landkreis (NUTS3) Landkreis Spree-Neiße
Land Land Brandenburg
Staat Deutschland
Revier Lausitzer Braunkohlerevier

Der Tagebau Jänschwalde ist ein Braunkohletagebau der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) im Lausitzer Braunkohlerevier in Brandenburg und wurde nach der Gemeinde Jänschwalde im Landkreis Spree-Neiße benannt. Der Heizwert der Braunkohle liegt bei 8.400 kJ/kg; sie enthält etwa 51 % Wasser, 1 % Schwefel und 12 % Asche.[1] Das naheliegende Kraftwerk Jänschwalde wird zum Großteil mit Braunkohle aus diesem Tagebau versorgt. Der Tagebau Jänschwalde liegt nordöstlich der kreisfreien Stadt Cottbus. Der flächenmäßig größte Teil befindet sich im Landkreis Spree-Neiße, ein geringerer Teil berührt das Gebiet der Stadt Cottbus. Er wurde im Zeitraum 1974 bis 1976 südlich des Ortes Grötsch (bei Heinersbrück) aufgeschlossen und entwickelte sich aus dem Raum Grötsch zunächst in südliche Richtung, um sich bei Klinge nach Nordosten zu wenden.

Am 1. September 2019 wurde der Tagebau vorerst stillgelegt, da keine bestätigte FFH-Verträglichkeitsprüfung vorliegt.

Der TagebauBearbeiten

Der Abbau des acht bis zwölf Meter mächtigen und mit einem Abraum-Kohle-Verhältnis von 9,3 : 1 vorhandenen Kohleflözes erfolgt durch die Lausitz Energie Bergbau AG. Der geplante Abbauzeitraum des genehmigten Feldes reicht bis etwa 2021.Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren Die Braunkohleförderung im Förderraum Cottbus beschäftigt etwa 2500 Menschen bezogen auf die Tagebaue Cottbus-Nord und Jänschwalde einschließlich der Anteile aus den Bedienbereichen Transport/Entwässerung/Werkstätten und der Hauptverwaltung, die man diesen rechnerisch zuordnen kann.

TechnikBearbeiten

Die im Tagebau Jänschwalde eingesetzten Abbaugeräte und -techniken zur Freilegung und Gewinnung der Rohbraunkohle umfassen:[2]

Geräte im VorschnittbetriebBearbeiten

Geräte im BrückenbetriebBearbeiten

Geräte im GrubenbetriebBearbeiten

  • Eimerkettenbagger 343 ERs 710
  • Eimerkettenbagger 344 ERs 710
  • Bandwagen 707 BRs 1400
  • Bandwagen 730 BRs 1400
  • Bandwagen 738 BRs 1400
  • Schaufelradbagger 1504 SRs 1300
  • Schaufelradbagger 1506 SRs 1300
  • Schaufelradbagger 1523 SRs 1300

Sonstige GeräteBearbeiten

  • Absetzer 1038 As 1120.68 (Asche-Depot) (z. Zt. abgestellt)
  • Absetzer 1071 As 1600.70 (Asche-Depot)

UmsiedlungenBearbeiten

Der Braunkohlentagebau führt zu starken Veränderungen der Landschaft, der Verkehrs-, Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen im Abbaugebiet. Neben diesen ersichtlichen Auswirkungen finden auch Eingriffe in soziale Beziehungsnetze statt. Die bergbaubedingte Umsiedlung stellt einen Eingriff in gewachsene Sozialstrukturen und Lebensbereiche der betroffenen Bevölkerung dar.

Umgesiedelte OrtschaftenBearbeiten

WasserhaushaltBearbeiten

 
Brunnenreihe zur Entwässerung des Tagebaus

Braunkohle kann nur trocken gefördert werden. Das Grundwasser rund um den Tagebau muss deshalb bis unter die tiefste Abbaustufe gesenkt werden. Hunderte Pumpen bilden mehrere Ringe um die Gruben. Je näher sie am Bagger stehen, desto tiefer müssen sie saugen. Folge des Abpumpens ist ein Sümpfungstrichter, der weit über den Tagebau hinaus das Grundwasser beeinflusst.[3]

Der Tagebau befindet sich in den Einzugsbereichen der Spree und der Lausitzer Neiße. Der Grundwasserabfluss erfolgte vor Beginn des Bergbaus generell von den nördlich und südlich gelegenen Hochflächen in Richtung Baruther Urstromtal, um sich dann in westlicher Richtung dem Spreewald bzw. in östlicher Richtung der Lausitzer Neiße zuzuwenden. Der natürliche Flusslauf der Malxe wurde während des Abbaus vollständig unterbrochen. Mit der bergbaubedingten Grundwasserabsenkung erfolgt lokal eine Umkehrung der Fließrichtung in Richtung des aktiven Tagebaus. Die Gewinnung von Braunkohle im Tagebau ist ohne die Absenkung des anstehenden Grundwassers nicht möglich.[4]

RestlochBearbeiten

Seit November 2000 wird ein Teil des noch zu hebenden Sümpfungswassers in den Südrandschlauch Jänschwalde eingeleitet. Diese Maßnahme wird vorrangig aus geotechnischen Gründen (Vermeidung von Auskolkungen im Bereich der gewachsenen Böschung) bis zu einem Wasserstand von +34 m ü. NN fortgeführt. Danach wird die Wasserhebung im Bereich des Südrandschlauches eingestellt. Zukünftig soll die Flutung des Restsees durch die Überleitung von Spreewasser aus der Talsperre Spremberg über das Tranitzfließ unterstützt werden. Vorgesehen ist eine durchschnittliche Überleitung von 16,8 m³/min bis max. 30 m³/min. Das hierfür nach den Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes erforderliche Planfeststellungsverfahren ist noch durchzuführen. Um entsprechende Regulierungsmöglichkeiten zu schaffen und den zukünftigen See in das vorhandene wasserwirtschaftliche System einzubinden, ist die Herstellung eines Zu- und eines Ableiters von bzw. zur Tranitz vorgesehen. Mit der vorgesehenen Fremdflutung wird der Endwasserstand von 71,5 m ü. NN im Klinger See im Jahre 2030Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren erreicht. Bei ausschließlich natürlichem Grundwasseraufgang wären weitere 20 Jahre bis zum Erreichen des prognostizierten Endwasserstandes erforderlich. Die Fremdwasserzufuhr dient vorrangig dem schnelleren Erreichen des gewollten Endwasserstandes. Nach den Aussagen des Gutachtens zur Entwicklung der Wasserbeschaffenheit im Klinger See (BTU Cottbus, November 1998) wäre aufgrund der günstigen Lage des Restsees eine der Nutzung entsprechende Wasserbeschaffenheit auch ohne eine zusätzliche Fremdwasserzuführung erreichbar. Die Fremdwasserzuführung stellt jedoch eine zusätzliche Sicherheit für die dauerhafte Gewährleistung stabiler pH-neutraler Verhältnisse dar. Der zukünftige Taubendorfer See sollte im Abstrom der Kippe Jänschwalde liegen. Im Zuge des Verzichts auf die Tagebauerweiterung Jänschwalde-Nord wurde auch die Folgelandschaft umgeplant. Statt eines großen Sees, der erhebliche Auswirkungen auf die Hydrologie des Gebietes gehabt hätte, sind nun drei kleinere Seen geplant, jeweils in der Nähe der Ortschaften Heinersbrück, Taubendorf und Jänschwalde-Ost.[5]

Tagebau Jänschwalde mit dem zukünftigen Klinger See (2005)

Jänschwalde-NordBearbeiten

 
Luftbild des aktiven Abschnitts des Tagebaus mit Guben im Hintergrund

Im Jahr 2007 wurden Pläne bekannt, nach denen Vattenfall den 2019 auslaufenden Tagebau nach Norden erweitern wollte. Die Orte Kerkwitz, Grabko und Atterwasch mit zusammen ca. 900 Einwohnern wären von der Umsiedlung betroffen gewesen. Als Tagebaurandgemeinden wären auch Taubendorf und Groß Gastrose unmittelbar betroffen. Auch die Stadt Guben (insbesondere deren Ortsteile Deulowitz, Kaltenborn und Schlagsdorf) sowie Bärenklau und Jänschwalde-Ost würden beeinträchtigt. Die heutige Bahnstrecke Cottbus–Guben hätte verlegt werden müssen, ebenso die erst vor wenigen Jahren wegen des Tagebaus Jänschwalde verlegte Bundesstraße 97. Drei als FFH-GebietPastlingsee Ergänzung“ ausgewiesene Moorgebiete wären abgebaggert worden. Durch den genehmigten Tagebau Jänschwalde ist der Tagebaubetreiber bisher zur wissenschaftlichen Beobachtung und zu umfangreichen Schutzmaßnahmen für diese Gebiete verpflichtet. Die Grabkoer Seewiesen sind unter anderem als Kranichbrutplatz bekannt. Mit dem Deulowitzer See hätte Guben eines seiner beliebtesten Naherholungsziele verloren. Die Wasserschutzgebiete Atterwasch und Taubendorf wären ebenfalls zerstört worden. Im Norden hätte das Tagebaufeld direkt an das FFH-Schutzgebiet „Feuchtwiesen Atterwasch“ gegrenzt, im Westen an den Pastlingsee (ebenfalls FFH). Der Tagebau hätte zudem bei Grabko direkt an den Naturpark Schlaubetal gegrenzt. Eine große Anzahl Gewerbebetriebe des Gubener Raums ist in den drei direkt betroffenen Ortschaften ansässig. In Atterwasch und Kerkwitz existieren Kirchen, die letztere wurde erst 2007 von regionalen Firmen renoviert. In beiden Dörfern existieren zudem Kriegsgräberstätten. Vattenfall stellte Ende 2008 den Antrag auf Einleitung eines Braunkohlenplanverfahrens.

Auf Grund der befürchteten Auswirkungen der Erweiterung des Tagebaus auf Mensch und Umwelt haben im Jahr 2007 direkt vom Abbau Betroffene, Heimat- und Umweltvereine wie der NABU, Bauern, Die Linke und Bündnis90/Die Grünen eine Volksinitiative unter dem Motto „Keine neuen Tagebaue – für eine zukunftsfähige Energiepolitik“ gestartet und 26.574 Unterschriften gesammelt. Da eine darauf erfolgte Behandlung des Themas im Brandenburger Landtag keine Änderung der Politik zur Folge hatte, startete das Bündnis im Herbst 2008 ein Volksbegehren, das im Februar 2009 wegen zu weniger Unterschriften scheiterte.[6]

Am 30. März 2017 gab der neue Eigentümer LEAG schließlich bekannt, auf die Erweiterung von Jänschwalde zu verzichten.[7]

Abraumförderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde

Gerichtliche StilllegungBearbeiten

Am 27. Juni 2019 verfügte das Verwaltungsgericht Cottbus, dass aufgrund der Nichtvorlage einer bestätigten FFH-Verträglichkeitsprüfung Vorbereitungen zu treffen sind, mit dem Tagebau Jänschwalde ab dem 1. September 2019 in einen Sicherheitsbetrieb zu gehen. Dies bedeutet, dass alle in Betrieb befindlichen Filterbrunnen des Tagebaus über den 1. September 2019 weiter betrieben werden, alle weiteren Aktivitäten im Tagebau aber eingestellt und Tagebaugroßgeräte in eine sichere Ausgangsposition gefahren werden. Anlass für die Entscheidung des Gerichtes war eine Klage der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga gegen die Zulassung des aktuellen Hauptbetriebsplanes für den Tagebau Jänschwalde.[8] Der Betreiber LEAG reichte fristgerecht alle geforderten Unterlagen zur FFH-Verträglichkeitsprüfung ein.[9] Diese würden vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe geprüft. Das Vorbereiten dieser vorsorglichen Sicherheitsbereitschaft wurde für den Fall angeordnet, dass bis zum 31. August 2019 noch keine Entscheidung getroffen worden oder es zu keinem positiven Ergebnis gekommen sei.[10]

Mit der Klage und dem Teilerfolg der Klägerin vor dem Verwaltungsgericht Cottbus ging gleichzeitig eine Fristverkürzung für die einzureichende Umweltverträglichkeitsanalyse und deren Prüfung einher. Die Untersuchungsunterlagen hätten demnach bis zum 30. August 2019 eingereicht und die Prüfung bis zum Ende des Jahres 2019 durchgeführt werden müssen. Die Frist zur Prüfung durch das LBGR und das Landesamt für Umwelt wurde auf den 31. August 2019 verkürzt.[11] Am 28. August 2019 stellte die LEAG beim Verwaltungsgericht Cottbus einen Antrag auf Fristverlängerung bis Mitte/Ende November 2019 für die geforderte FFH-Verträglichkeitsprüfung. Als Begründung wurde angegeben: „Angesichts des erheblichen Untersuchungs- und Prüfumfanges, den das Gericht zudem unter Erweiterung des zu betrachtenden Wirkungszeitraums (Beginn 1995) aufgestellt hat, haben LBGR und LEAG festgestellt, dass die Zeit für eine sachgerechte und sorgfältige Untersuchung und Prüfung zu knapp ist.“[12][13]

Am 29. August 2019 bestätigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Verfügung des Verwaltungsgerichtes vom 27. Juni zur vorübergehenden Stilllegung ohne gültige FFH-Verträglichkeitsprüfung. Der Beschluss ist unanfechtbar.[14] Am 30. August 2019 entschied das Verwaltungsgericht Cottbus, den Antrag der LEAG auf Fristverlängerung zum Einreichen der FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht stattzugeben. Damit ist ein Weiterbetrieb bzw. Kohleabbau im Tagebau Jänschwalde seit dem 1. September 2019 nicht möglich.[15] Die im Tagebau beschäftigten und nicht zwingend benötigten Mitarbeiter werden größtenteils an den Tagebaustandorten Welzow-Süd und Nochten/Reichwalde eingesetzt.[16]

Am 6. September 2019 ordnete das Landesbergamt die Wiederaufnahme des Vorschnitts und des Absetzerbetriebs zur Verkippung des Randschlauchs Heinersbrück als notwendige geotechnische Sicherheitsmaßnahme an. Am 12. September 2019 wurde durch das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe außerdem die Wiederaufnahme der Rekultivierungsmaßnahmen im Tagebau Jänschwalde bestätigt.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Braunkohlentagebau Jänschwalde/Cottbus Nord (PDF; 7,2 MB) Vattenfall Europe Mining AG, 2012
  2. Übersicht der Geräte auf www.ostkohle.de
  3. Das Umweltministerium des Landes Brandenburg ließ eine Studie anfertigen; diese wurde am 24. November 2011 vorgelegt (Betrachtung der Auswirkungen auf die Umwelt): Abschlussbericht (PDF; 1,0 MB)
  4. Verordnung über den Braunkohlenplan Tagebau Jänschwalde
  5. Anna Ringle/Alexander Fröhlich: Rückzug aus der Braunkohle auf Raten. Potsdamer Neuste Nachrichten, 17. Mai 2017, abgerufen am 18. Mai 2017.
  6. Grüne Liga: Der geplante Tagebau Jänschwalde-Nord
  7. u. a. Blumenthal, Redaktion Brandenburg aktuell: Braunkohle-Tagebau Jänschwalde wird nicht erweitert. RBB, 30. März 2017, abgerufen am 30. März 2017.
  8. Vorsorgliche Maßnahme zur geotechnischen Sicherheit des Tagebau Jänschwalde
  9. Jan Siegel: DUH-Klage: Landesbergamt prüft Genehmigung für Tagebau Jänschwalde. Abgerufen am 3. September 2019.
  10. Die LEAG wappnet sich für Stopp des Tagebaus Jänschwalde. In: Lausitzer Rundschau 13. August 2019.
  11. Redaktion: LEAG beantragt Fristverlängerung. Tagebau Jänschwalde könnte stillstehen - Niederlausitz Aktuell. Abgerufen am 4. September 2019 (deutsch).
  12. LEAG beantragt Fristverlängerung – Tagebau Jänschwalde könnte stillstehen. In: Niederlausitz Aktuell 28. August 2019.
  13. Juristischer Ping Pong um den Kohleabbau im Tagebau Jänschwalde. In: Lausitzer Rundschau 29. August 2019.
  14. Gericht bestätigt Stopp des Tagebaus Jänschwalde. In: Tagesspiegel, 29. August 2019. Abgerufen am 29. August 2019.
  15. Tagebau Jänschwalde muss angehalten werden. In: Lausitzer Rundschau 30. August 2019.
  16. Ab Sonntag stehen Bagger im Tagebau Jänschwalde vorerst still. In: mdr.de. Abgerufen am 3. September 2019.