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Türkenstraße (München)

Innerortsstraße im Münchner Stadtteil Maxvorstadt

Die Türkenstraße ist eine Innerortsstraße im Münchner Stadtteil Maxvorstadt. Sie ist nach dem Türkengraben benannt, auf den sie zulief. In der Liste der Baudenkmäler in München sind mehr als 30 Objekte in der Türkenstraße verzeichnet.[1]

Türkenstraße
Wappen
Straße in München
Türkenstraße
Türkenstraße
Basisdaten
Ort München
Ortsteil Maxvorstadt
Querstraßen Brienner Straße, Prinz-Ludwig-Straße, Gabelsbergerstraße, Theresienstraße, Schellingstraße, Blütenstraße, Adalbertstraße, Akademiestraße, Rambergstraße, Georgenstraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Individualverkehr

LageBearbeiten

Die 1,3 km lange Türkenstraße verläuft von der Brienner Straße kommend in nordöstlicher Richtung und mündet an der Grenze zum Stadtteil Schwabing in die Georgenstraße.

GeschichteBearbeiten

Die Genehmigung des Straßennamens 1812 durch königliches Rescript von Max I. ist die erste Nennung als Türkenstraße.[2]

1823 entstand auf dem Areal zwischen Barer-, Gabelsberger-, Türken- und Theresienstraße die Türkenkaserne. Waren hier zunächst Infanterie-Regimenter stationiert, so wurde die Kaserne nach dem Ersten Weltkrieg von der Bayerischen Landespolizei genutzt, welche während des Dritten Reiches der Wehrmacht wich. Nach ziviler Nutzung in der Nachkriegszeit wurde die Kaserne in den 1960er Jahren abgerissen. Übrig blieb nur das heute denkmalgeschützte Türkentor. Auf dem Gelände befinden sich heute verschiedene Museen, unter anderem die Pinakothek der Moderne,[3] und Universitätsinstitute.

Ab 1848 stand an der Ecke zur Brienner Straße das Wittelsbacher Palais. Ursprünglich errichtet als Kronprinzenpalais für Max I. wurde es jedoch gleich nach seiner Fertigstellung Alterssitz von Ludwig I. und später Residenz von Ludwig III. Nach einer wechselvollen Geschichte als Tagungsort für die Räterepublik und Gestapo-Hauptquartier, wurde es 1944 von Bombentreffern zerstört. 1964 wurden die Reste abgetragen und an dieser Stelle die Bayerische Landesbank errichtet.[2]

August von Voit errichtete 1874 eine Simultanschule, an der Jungen und Mädchen unterschiedlicher Glaubensrichtungen gleichermaßen aufgenommen wurden. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule mehrfach saniert und erhielt in den 1950er Jahren ihr heutiges äußeres Erscheinungsbild. Heute befinden sich in dem Gebäude mit der Hausnummer 68 eine Grundschule mit Schülerhort und Mittagsbetreuung, sowie ein städtischer Kindergarten.[4] Der Platz neben der Schule wurde nach Georg Elser benannt.[5]

1903 eröffnete Kathi Kobus in den Räumlichkeiten des ehemaligen Kronprinz Rudolf das Kabarettlokal Simplicissimus. Karl Valentin trat 1907 regelmäßig auf, u. a. Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Thomas Theodor Heine, Julius Beck waren dort regelmäßige Gäste.[6] Erich Mühsam und Joachim Ringelnatz waren hier sogenannte Hausdichter und bis zur Zerstörung im Jahre 1944 war das Simplicissimus ein zentraler Anlaufpunkt für die Münchener, insbesondere Schwabinger Kulturszene.[7]

Von 1961 bis 2001 befand sich in der Türkenstraße 74 das Programmkino „Türkendolch“.[8]

Heute befinden sich in der Türkenstraße neben vielen Gastronomiebetrieben unter anderem das Museum Brandhorst sowie eine Polizeiinspektion.

Baudenkmäler an der TürkenstraßeBearbeiten

Historisch bedeutende Baudenkmäler an der Türkenstraße sind z. B. das Palais Dürckheim (ein ehemaliges Adelspalais und spätere Preußische Gesandtschaft), das Türkentor (Portal der ehemaligen Türkenkaserne) oder der Alte Simpl. Daneben befinden sich hier zahlreiche Mietshäuser aus dem 19. Jahrhundert, die im Stil des Neubarock oder der Neurenaissance gestaltet wurden.

Da sich die Türkenstraße durch Abriss und Neubau immer stärker verändert, verlangte der Bezirksausschuss, sie insgesamt unter Ensembleschutz zu stellen.[9] Dies lehnte das Landesamt für Denkmalpflege im März 2019 ab; man sei der Auffassung, es werde ein Milieuschutz gefordert, der aber über das Denkmalschutzgesetz nicht abgedeckt sei.[10]

LiteraturBearbeiten

  • Hugo Müller: Ein Münchner erinnert sich – Türkenstraße 26. Hugendubel, München 1989, ISBN 3-88034-453-1.
  • Hella Schlumberger: Türkenstraße – Vorstadt und Hinterhof – Eine Chronik erzählt. Buchendorfer, München 1998, ISBN 3-927984-79-5 / Schmelcher, München 2003, ISBN 3-00-012735-6.
  • Sepp Hödl: Die Türkenstraße – gestern und heute. München 1990.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Türkenstraße (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Listenauszug für München (Stadt) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  2. a b Münchner Straßen: Türkenstraße – Wo die Bohème Bohème sein darf. Süddeutsche.de, 9. November 2011. Abgerufen am 8. November 2015.
  3. Der Kulturgeschichtspfad (PDF). muenchen.de, S. 67.
  4. Die Geschichte unserer Schule. tuerkenschule.de.
  5. Georg-Elser-Platz. In: Landeshauptstadt München. Landeshauptstadt München - Kulturreferat, abgerufen am 9. November 2015.
  6. Thomas Steierer: Simplicissimus: Künstlerkneipe! Künstlerleben! In: Literaturportal Bayern, abgerufen am 8. November 2015.
  7. Alan Lareau: Kabarett (Weimarer Republik) – Künstlerkneipen. In: Historisches Lexikon Bayerns, 24. März 2011. Abgerufen am 8. November 2015.
  8. https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.schwere-zeiten-fuer-die-grosse-leinwand-das-grosse-muenchner-kinosterben-ein-historischer-blick.0a539c11-e95b-46df-800f-49c4aade72b1.html
  9. Stefan Mühleisen: Der Mythos einer Meile. In: www.sueddeutsche.de. 12. Dezember 2018, abgerufen am 24. März 2019.
  10. Stefan Mühleisen: "Der falsche Ansatz". In: www.sueddeutsche.de. 22. März 2019, abgerufen am 24. März 2019.

Koordinaten: 48° 9′ 1″ N, 11° 34′ 33,4″ O