Szabadság tér

Parkähnlicher Platz in Budapest

Der Szabadság tér (deutsch: Freiheitsplatz) ist ein parkähnlicher Platz im zentral gelegenen V. Bezirk (Belváros-Lipótváros) der ungarischen Hauptstadt Budapest. Seine Anlage mit einer Vielzahl von Denkmälern und einer repräsentativen Randbebauung erfolgte ab ca. 1900 auf einem ehemaligen Kasernengelände. Er wurde mehrfach umgestaltet, zuletzt 2003.

Szabadság tér
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Platz in Budapest
Szabadság tér
Luftbild des Szabadság tér, Blick auf den ehemaligen Börsenpalast
Basisdaten
Ort Budapest
Ortsteil Belváros-Lipótváros
Angelegt um 1900
Neugestaltet 2003
Einmündende Straßen (von Ost nach West)
Aulich u., Perczel Mór u., Sas u., Zoltán u.,
Kiss Ernő u., Vécsey u., Honvéd u.
Bauwerke Ungarische Nationalbank, Schwab-Haus, Adria-Palast, Botschaft der USA
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Straßenverkehr

Neugebäude (Újépület)Bearbeiten

   
Stich des „Neugebäudes“ um 1800 und Ansicht um 1880
 
Stadtplan mit dem Neugebäude (Baedeker 1896)

Auf dem Gelände des heutigen Szabadság tér stand bis ins Jahr 1898 das „Neugebäude“ (ungarisch Újépület), ein großer, quadratisch angelegter Kasernenkomplex mit 4 zusätzlichen Gebäuden an den Ecken des Quadrats, die jeweils einen Innenhof umschlossen. Der Bau war ab 1786 im Auftrag des österreichischen Kaisers Joseph II. errichtet worden und wurde im Volksmund als Ungarische Bastille bezeichnet. Von 1793 bis 1796 diente es als Gefängnis für französische Offiziere aus den Kämpfen des Ersten Koalitionskriegs. Ein halbes Jahrhundert später wurden viele Ungarn nach der ungarischen Revolution von 1848 im dortigen Gefängnistrakt eingesperrt oder sogar hingerichtet, wie Lajos Batthyány im Jahre 1849.[1]

Der gesamte Gebäudekomplex, der eine Fläche von 22.725,40 Quadratklafter (7,6 ha) umfasste,[2] behinderte zunehmend die weitere städtebauliche Entwicklung der damaligen Leopoldstadt. Um die mit seinem Abriss verbundenen Probleme lösen und die weitere Gestaltung des „Neugebäude-Terrains“, die durchaus kontrovers diskutiert wurde, koordinieren zu können, wurde Ende 1891 eine gemischte Kommission gebildet, der Vertreter des städtischen Ingenieur-Amtes und des Baurates angehörten. Während erstere vor allem aus finanziellen Erwägungen heraus – für die Überlassung der Kaserne forderte die Regierung anderweitige Ersatzbauten auf Kosten Budapests – eine vollständige Einbeziehung des frei werdenden Baugrunds in das vorhandene Straßennetz forderten, favorisierten letztere die Einrichtung eines weiteren Stadtplatzes.[2] Anfang Februar 1892 verabschiedete die Kommission unter Leitung ihres Präsidenten Baron Friedrich Podmaniczky[3] – weitere Mitglieder waren u. a. der Vizebürgermeister Gerlóczy,[3] der Baudirektor Lech sowie die Bauräte Graf Ludwig Tißa und Josef Pucher – eine Kompromissvariante. Danach war für den zentralen Teil des „Neugebäude-Terrains“ eine parkähnliche Platzanlage vorgesehen. Einige Parzellen sollten öffentlichen Zwecken vorbehalten bleiben, und die parzellierte Restfläche stand zum Erwerb durch Investoren bereit, womit die Finanzierung der Ersatzkasernen gesichert werden sollte.[4] Im Ergebnis der weiteren Verhandlungen zwischen der Stadtbehörde, dem Baurat sowie den Ministerien des Innern und der Finanzen kam es am 22. Oktober 1897 zum Erwerb des Neugebäudes durch die Stadt Budapest.[5] Es wurde danach innerhalb von ca. sechs Monaten abgerissen. Einen großen Teil der freiwerdenden Fläche nahm nun der geplante neue, parkähnliche Platz ein, an dessen Rand repräsentative Gebäude errichtet wurden.

Bebauung ab 1900Bearbeiten

 
Szabadság tér (Postkarte um 1900)
 
Nordteil des Szabadság tér mit den Statuen für die verlorenen ungarischen Gebiete (Postkarte um 1940)

Der Szabadság tér weist heute eine Mischung aus Geschäfts- und Wohnbebauung mit weit überwiegend älterer Bausubstanz aus der Zeit der ursprünglichen Bebauung um und kurz nach 1900 auf. Neben dem Hauptsitz der Ungarischen Nationalbank befindet sich hier die Botschaft der USA, die seit 1935 in dem 1900 für die ungarische Handelskammer errichteten Gebäude residiert. Mehrere Gebäude sind im Stil des Historismus gestaltet worden. Hier sind zunächst die Nationalbank (1902–1905, Nr. 8–9) und der ehemalige, neoklassizistische, mit Jugendstil-Dekorationen verzierte Börsenpalast (1902–1905), der von 1957 bis 2009 den Sitz des Ungarischen Fernsehens beherbergte, zu nennen. Bei beiden Bauten hatte sich Ignác Alpár in Architekturwettbewerben mit seinen historisierenden Entwürfen gegen Ödön Lechner, den Initiator der modernen ungarischen Architektur im Jugendstil in Verbindung mit Motiven der Volkskunst, durchgesetzt, dessen Postsparkassen-Gebäude 1899 bis 1901 in der Hold utca 4, einer Parallelstraße des Szabadság tér, realisiert worden war.[6] Zwei weitere neobarocke Gebäude stammen von Arthur Meinig: der von 1900 bis 1902 errichtete Palast der ehemaligen ungarischen Seereederei Adria (Nr. 16) und der Lázár-Dungyerszky-Palast (1903, Nr. 14), heute ein Geschäftshaus, das 2010 von La Générale Société Immobilière Magyarország erneuert wurde. Andere Gebäude am Freiheitsplatz zählen zum Jugendstil, wie das von Imre Sváb entworfene Sváb-ház (Nr. 13, 1900–1901) oder die schon erwähnte US-Botschaft.

Auf dem Platz befinden sich Statuen für den US-Präsidenten Ronald Reagan von István Máté und den US-General Harry Hill Bandholtz[7] von Miklós Ligeti. Unweit der US-amerikanischen Botschaft befindet sich im Nordteil des Platzes auch eine repräsentative Denkmalanlage für die Befreiung Ungarns von der nationalsozialistischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg durch die Rote Armee, die beim Ungarischen Volksaufstand der Staatssymbole der UdSSR beraubt wurde und für die in jüngerer Zeit wiederholt Abrisspläne – allerdings ergebnislos – diskutiert worden waren. Vor dem Zweiten Weltkrieg standen in diesem Bereich vier 1921 aufgestellte Statuen. Diese versinnbildlichten die Himmelsrichtungen, in denen die Gebiete liegen, die Ungarn im Ergebnis des Ersten Weltkriegs nach dem Vertrag von Trianon 1920 an die übrigen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie verloren hatte; sie waren entworfen worden von János Pásztor (Osten), István Szentgyörgyi (Süden), Ferenc Sídlo (Westen) und Zsigmond Kisfaludi Strobl (Norden) – siehe die Postkarte.

Schließlich wurde an der Südseite des Platzes 2014 ein Denkmal für die Opfer der 1944 erfolgten NS-Besetzung Ungarns von Péter Párkányi[8] eingeweiht, das in der ungarischen Öffentlichkeit und der Opposition umstritten ist. Kritiker werfen der ungarischen Regierung, insbesondere Viktor Orbán, Geschichtsfälschung vor, da Ungarn als Opfer dargestellt werde, obwohl es als Verbündeter Deutschlands im Zweiten Weltkrieg kämpfte.[9] Bereits vor dem Bau demonstrierten Menschen gegen die Errichtung des Denkmals.[10] Die Budapester Bürger errichteten aus Protest ein eigenes Denkmal in Form eines Zauns mit Gegenständen, Bildern und Informationen zur Rolle Ungarns im Zweiten Weltkrieg.[11]

GalerieBearbeiten

StraßenanbindungBearbeiten

In den Platz, dessen Grünanlage die umlaufende Straße Szabadság tér vollständig umfasst, münden folgende Straßen:

Vécsey[3] utca Honvéd utca Aulich utca
Zoltán utca   Perczel Mór utca, Kiss Ernő utca
Sas utca
(ehem.: Adlergasse)

Öffentlicher PersonennahverkehrBearbeiten

 
Straßenbahnverkehr auf dem Szabadság tér (Postkarte um 1912)

Die Trasse der Metrólinie M2 (rote Linie) verläuft unter dem Szabadság tér, der südöstlich ihrer Station Kossuth Lajos tér liegt, etwa gleich weit entfernt wie vom Metro-Halt Arany János utca der Metrolinie M3 (blaue Linie). Von 1911 bis 1941 wurde der Szabadság tér an der Südseite von einer Straßenbahnlinie berührt, die vom Ostbahnhof (Keleti pu.) zur Dózsa György út führte. Heute befindet sich die nächste Straßenbahnhaltestelle (Donauufer-Linie 2: Közvágohíd – Jászai Mari tér) nordwestlich des Platzes am Kossuth Lajos tér, gegenüber dem Parlamentsgebäude. Aufgrund seiner zentralen Lage befindet sich in den Straßen rund um den Platz jedoch eine Vielzahl von Busstationen (megállók), der selbst nicht direkt von öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren wird.[12] Die nächstgelegenen sind nordöstlich in der Hold utca (Linien 5, 15), südöstlich in der Arany János utca (Trolleybus 72, 73), südlich in der Arany János utca (Hercegprímás utca megálló: 15, 115), westlich in der Nádor utca (Széchenyi utca megálló: 15, 115), nordwestlich am Kossuth Lajos tér (15, 115) sowie nördlich in der Báthory utca (Trolleybus 70, 78) und in der Szemere utca (Batthyány-örökmécses megálló: 15, 115) zu finden.

 
Zugangsgebäude zur Lipót-Tiefgarage

Lipót-TiefgarageBearbeiten

Nordwestlich vom Platz, über die Vécsey utca, und an seiner Südseite sind unter diesem auf 4 Ebenen belegene Tiefgaragenstellplätze der Lipót Mélygarázs anfahrbar.

Rákosi-BunkerBearbeiten

 
Ventilationsöffnung und Notausgang des Rákosi-Bunkers

Parallel zur Budapester Metrolinie 2 wurde ab 1952 ca. 40 m unter der Erde ein Bunker errichtet, der sich von nordwestlicher in südöstliche Richtung zwischen der Zoltán utca und dem Szabadság tér ausdehnt. Der nach dem stalinistischen Diktator Ungarns, Mátyás Rákosi, benannte und noch heute baulich und technisch, wenn auch in schlechtem Zustand, intakte Bunker verfügt im Südosten über einen unterirdischen Bahnhof und einen 1966 errichteten Anschluss zur Metrolinie 2 und damit auch eine direkte Verbindung an die Fernbahnstrecken über den Ostbahnhof (Keleti pu.). Der Haupteingang zum unterirdischen Tunnelsystem befand sich im Hinterhof der Steindl Imre utca 12 (hinter dem ehemaligen Börsengebäude), der jedoch 2009 abgerissen wurde. Auf dem Szabadság tér ist noch eine abgedeckte Ventilationsöffnung als Notausgang zu sehen.[13]

WeblinksBearbeiten

Commons: Szabadság tér – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Barbara Olszańska, Tadeusz Olszański, Craig Turp: Hungary. DK Pub., New York / London 2010, ISBN 978-0-7566-7425-0 (englisch, Nachgedruckt mit Revisionen.).
  2. a b Die Entfernung des Neugebäudes. in: Beilage zum „Pester Lloyd“ vom 29. November 1891 (Anno Digitalisat)
  3. a b c Vergleiche die Biografien von Podmaniczky Frigyes, Gerlóczy Károly und Károly Vécsey auf der ungarischen Wikipedia.
  4. „Pester Lloyd“ vom 14. Februar 1892, S. 10 (Anno Digitalisat)
  5. „Pester Lloyd“ vom 23. Oktober 1897, S. 5 (Anno Digitalisat)
  6. Seit dem Bau der Szent-László-Kirche in Kőbánya (1894–1899), dem Geologischen Institut in der Stefánia út 14 (XIV.) und der Postsparkasse hatte sich die Regierung offiziell gegen die ungarische Sezession ausgesprochen, wodurch Lechner in der Folge keine öffentlichen Aufträge mehr erhielt.
  7. Mit dieser Statue wird der Einsatz des amerikanischen Generals bei der Verteidigung des Ungarischen Nationalmuseums gegen eine Plünderung durch rumänische Truppen im Jahr 1919 gewürdigt.
  8. Nähere Informationen zu dem Bildhauer Péter Párkányi und dem Denkmal selbst sind auf der Ungarischen Wikipedia zu finden.
  9. Deutscher Reichsadler greift an. Ungarn stellt umstrittenes Denkmal auf. N-TV. 20. Juli 2014, abgerufen am 11. März 2019.
  10. Streit um Nazi-Besatzungsdenkmal in Budapest. Salzburger Nachrichten. 13. April 2014, abgerufen am 11. März 2019.
  11. Bild des Protest-Denkmals auf depositphotos.com. 6. November 2015, abgerufen am 11. März 2019.
  12. Vergleiche die ungarische Webseite BKV-Stationen um den Szabadság tér.
  13. Geheime Orte in Budapest: Der Rákosi-Bunker auf der Webseite: Hungarian Voice – Ungarn News.

Koordinaten: 47° 30′ 13,2″ N, 19° 3′ 3″ O