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System

Gesamtheit von wechselwirkenden Elementen einer Einheit
(Weitergeleitet von Systematisch)
Jegliches System ist allgemein ein abgrenzbares Ganzes, dass aus verschiedenen Teilen besteht, die irgendwie geordnet miteinander vernetzt sind. Konkret gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme mit weiteren Merkmalen.

Als System (altgriechisch σύστημα sýstēma: ‚aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes‘) wird im Allgemeinen ein abgrenzbares, natürliches oder künstliches „Gebilde“ bezeichnet, das aus verschiedenen Komponenten besteht, die aufgrund bestimmter geordneter Beziehungen untereinander als gemeinsames Ganzes betrachtet werden (können). 

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffes, da die Auslegung je nach Fachgebiet sehr unterschiedlich ist. Demnach ist der vorangehende Satz eine Abstraktion im Sinne eines größten gemeinsamen Nenners. Folgende Konkretisierungen der einzelnen Parameter sind möglich:[1][2][3][4][5]

In unterschiedlichen Fachgebieten werden spezifische Begriffsverwendungen vorgeschlagen, diskutiert und angewendet.

Sofern keine Beziehungen zwischen den Teilen eines Ganzen besteht, handelt es sich nicht um ein System, sondern um bloße Mengen, Haufen oder Stoffgemische; auch wenn die konstruierte Anordnung der Teile einer bestimmten Systematik unterliegt und als „System“ bezeichnet wird (Beispiele: biologische Systematik, Periodensystem der Elemente).

Begriffs- und IdeengeschichteBearbeiten

AntikeBearbeiten

Die griechischen Ausdrücke σύστημα, σύσταμα, σύστεμα fanden Gebrauch als „Oberbegriff für alle verbandlichen Organisationen, die öffentlichen Gemeinwesen mit eingeschlossen“.[6]

Darüber hinaus wird σύστημα gebraucht

  • im Bereich der Medizin, z. B. für ein „System“ von Pulsschlägen
  • im Bereich der Musiktheorie, z. B. für ein „System“ von Intervallen
  • im Bereich der Literaturtheorie, z. B. in der Bedeutung einer „Komposition“[7]

An den musiktheoretischen Gebrauch knüpft Platon in seinem späten Dialog Philebos an. Er spricht von den vielen „Verbindungen“, welche aus den „Zwischenräumen“ der Töne entstehen und von ebenfalls in Zahlen messbaren „ähnlichen Verhältnissen“ in den Bewegungen des Leibes; zugleich müsse man dabei bedenken, was darin „Eines und Vieles“ ist; durch dieseart Überlegung gelange man zur „Einsicht“, die wegen der Unendlichkeit jedes Begriffs und Dinges aber nie abschließbar sei.[8]

Der pseudo-platonische Dialog Epinomis bezieht den Terminus „σύστημα“ auf die Zahlen, mit welchen die Gesetze der Sternbahnen erfassbar sind.[9]

NeuzeitBearbeiten

Seit dem 16. Jahrhundert wird der Systembegriff in verschiedenen Zusammenhängen verwendet, so z. B. bezogen auf die Sphäre der Politik zuerst durch Thomas Hobbes im Sinne einer political entity.[10]

Systembegriff der SystemtheorieBearbeiten

Als Systemtheorie werden Forschungsrichtungen diverser Fachrichtungen zusammenfassend bezeichnet, die komplexe Zusammenhänge durch allgemeine Theorien zum Funktionieren von Systemen überhaupt beschreiben. Als erster definierte um 1950 Ludwig von Bertalanffy (1901–1972) Systeme als Interaktionszusammenhänge, die sich von ihrer Umwelt abgrenzen, die wiederum aus anderen Interaktionszusammenhängen besteht.[11] Gemäß in diesem Kontext verbreiteter Grundideen lassen sich Systeme als sich selbst organisierende Funktionseinheiten verstehen, die ihr Weiterfunktionieren selbst produzieren (vgl. Autopoiesis) und sich in spezifischer Weise von ihrer Umwelt differenzieren, etwa durch Ausprägung spezifischer Unterscheidungsweisen. Ein Beispiel: Seefahrer setzten bestimmte Tiere auf einer Insel aus, um sie später dort jagen zu können. Dadurch gerät das bis dahin auf der Insel bestehende System aus Tieren und Pflanzen „durcheinander“; ein neues System entsteht. Manchmal entstehen Endemiten (= Pflanzen oder Tiere, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen). In Disziplinen, die sich mit lebenden Organismen beschäftigen, der systemischen Psychologie und Biologie wie auch der Soziologie, werden lebende von anders gearteten Systemen unterschieden.[12]

Systembegriff der strukturalen LinguistikBearbeiten

Der strukturalen Linguistik (siehe Strukturalismus) liegt die Auffassung zugrunde, dass sprachliche Einzelelemente nicht jeweils durch sich selbst in ihrer Bedeutung begründet sind, sondern durch ihre Relationen zu anderen Elementen – wobei deren Ganzheit als System mit unter anderem dieser allgemeinen Eigenschaft beschrieben wird.[13]

LeittechnikBearbeiten

Für Leittechnik definiert IEC 60050-351 ein System als „Menge miteinander in Beziehung stehender Elemente, die in einem bestimmten Zusammenhang als Ganzes gesehen und als von ihrer Umgebung abgegrenzt betrachtet werden.“[14]

LiteraturBearbeiten

  • F.-P. Hager u. a.: System; Systematik; systematisch. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10 (1998), S. 824–856.
  • S. Jensen: Systemtheorie; System, soziales. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10 (1998), S. 863–869.
  • Wolfgang Schrader, Hans-Joachim Höhn: System, Systemtheorie. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 9 (2000), Sp. 1216–1220.
  • R. Schulz: System, biologisches. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10 (1998), S. 856–862.
  • Geo Siegwart: System. In: Jürgen Mittelstrass (Hrsg.): Enzyklopadie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Metzler, Stuttgart 1996, Band 4, S. 184 ff.
  • Karl Steinbacher u. a.: System/Systemtheorie. In: Hans-Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie, 2 Bände. Meiner, Hamburg 1999, ISBN 3-7873-1629-9, Band 2, S. 1579–1588.
  • Sytse Strijbos, Carl Mitcham: Systems and Systems Thinking. In: Carl Mitcham (Hrsg.): Encyclopedia of science, technology, and ethics. Thomson Gale 2005, Band 4, ISBN 0-02-865901-5, S. 1880–1884.
  • Joachim Valentin: Art. System – systematisch / Systemtheorie. In: Albert Franz u. a. (Hrsg.): Lexikon philosophischer Grundbegriffe der Theologie. Herder, Freiburg im Breisgau 2003, S. 394–396.

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: System – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans Ulrich: Die Unternehmung als produktives soziales System, Bern-Stuttgart, 1968, S. 105–111.
  2. Reinhard Wagner: Vermittlung systemwissenschaftlicher Grundkonzepte. Diplomarbeit, Karl Franzens Universität Graz, Berlin 2002, pdf-Version, S. 2–5, 9–18, abgerufen am 21. Juli 2019.
  3. Wilhelm Dangelmaier: Methoden der computergestützten Produktion und Logistik, Teil 2: Systeme, Vorlesungsskript Universität Paderborn 2017, pdf-Version. S. 2, 4–6, 15
  4. Gert Heinrich: Allgemeine Systemanalyse Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58365-6. S. 6–9.
  5. Christian Erk: Was ist ein System? Eine Einführung in den klassischen Systembegriff, Lit Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3-643-80203-3. S. 5–82.
  6. Franz Poland: σύστημα. In: Georg Wissowa u. a. (Hrsg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Zweite Reihe, Achter Halbband. Metzler, Stuttgart 1932, Sp. 1834 f.
  7. F.-P. Hager: System; Systematik; systematisch, I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, S. 824 f.
  8. Philebos 17 d, zit. nach F.-P. Hager: System; Systematik; systematisch, I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, S. 824 f.
  9. Epinomis 991e, zit. nach F.-P. Hager: System; Systematik; systematisch, I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, S. 824 f.
  10. Thomas Hobbes (2007 [1651]): Leviathan, ebooks.adelaide.edu.au Kap. XXII/
  11. Ludwig von Bertalanffy: An Outline of General Systems Theory. In: The British Journal for the Philosophy of Science, 1/2, 1950, S. 134–165, hier: S. 143.
  12. H.A. – Lebende Systeme, spektrum.de 2000
  13. Vgl. z. B. wiederum Anton Hügli, Poul Lübcke: Philosophielexikon. Rowohlt Verlag, Reinbek 1991, s. v. System: „Eine besondere Rolle spielt das S[ystem] in der strukturalen Linguistik […]. S[ystem] meint hier eine Ganzheit von Elementen, die sich zueinander in einem inneren Abhängigkeitsverhältnis befinden, und zwar so, daß ein einzelnes Element nicht durch sich selbst, sondern nur durch die Unterschiede zu anderen Elementen definiert ist.“
  14. DIN IEC 60050-351:2009-06, 351-21-20