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Sulzfeld (Baden)

Gemeinde in Baden-Württemberg, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sulzfeld
Sulzfeld (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sulzfeld hervorgehoben
Koordinaten: 49° 6′ N, 8° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 204 m ü. NHN
Fläche: 18,76 km2
Einwohner: 4806 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 256 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 75056, 75031, 75059
Vorwahl: 07269
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 082
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Rathausplatz 1
75056 Sulzfeld
Website: www.sulzfeld.de
Bürgermeisterin: Sarina Pfründer
Lage der Gemeinde Sulzfeld im Landkreis Karlsruhe
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Über dieses Bild

Sulzfeld ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Vor der Kreisreform in Baden-Württemberg gehörte Sulzfeld dem Landkreis Sinsheim an.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Sulzfeld liegt im östlichen Kraichgau- und westlichen Stromberggebiet, zwischen Schwarzwald und Odenwald, Rhein und Neckar. Es wird vom Kohlbach durchflossen, der über den Kraichbach zum Rhein entwässert. Die Gemeinde gehört zum Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Sulzfeld gehören das Dorf Sulzfeld, der Weiler Neuhof, der Ort Ravensburg und die Höfe Egonmühle, Gießhübelmühle und Seemühle. Im Gemeindegebiet liegt die Wüstung Weiler.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Einwohnerentwicklung von Sulzfeld (Baden)

Im Jahr 1075 wurde Sulzfeld im Hirsauer Codex erstmals urkundlich erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Ravensburg, deren Bau um 1200 begann, und dem Geschlecht der Freiherren Göler von Ravensburg verbunden. Nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg verwüsteten spanische Söldner den Ort. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Sulzfeld mehrfach zerstört. 1939 wurden 2304 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 2455.[3]

Im Jahre 1801 hat eine Gruppe Siedler aus Sulzfeld ein Dorf östlich der damals zu Südpreußen gehörenden Stadt Łódź gegründet, das Neu-Sulzfeld genannt wurde. Heute stellt es unter dem Namen Nowosolna einen Teil von Łódź dar.

ReligionenBearbeiten

Bernhard Göler von Ravensburg führte in Sulzfeld 1522 die Reformation ein. Damit war der Ort eine der ersten Gemeinden, die zum lutherischen Glauben übertrat. Die heutige evangelische Kirche wurde 1885/86 errichtet.

PolitikBearbeiten

 
Rathaus von Sulzfeld

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat 14 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt die Bürgermeisterin als stimmberechtigte Gemeinderatsvorsitzende.

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):[4]

Gemeinderat 2019
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Bürgervereinigung (BV) 52,7 % (+10,5) 7 (+1)
CDU 26,9 % (+2,2) 4 (+1)
Freie Grüne 11,9 % (+11,9) 2 (+2)
SPD 8,5 % (−13,3) 1 (−2)
Wahlbeteiligung: 64,3 % (+7,7)

BürgermeisterinBearbeiten

Bürgermeisterin ist seit 2010 Sarina Pfründer, die am 2. Mai 2010 mit 83,6 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt worden war. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,7 Prozent. Der Vorgänger Eberhard Roth war 40 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde gewesen und trat bei der Wahl nicht mehr an.[5]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau aus einer silbernen Wolke am rechten Schildrand hervorgehender nackter rechter Arm mit kurzem silbernem Ärmel, der eine goldene Ähre hält.“

PartnerschaftenBearbeiten

Die Gemeinde Sulzfeld unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

Gelber SandsteinBearbeiten

Der gelbe Sulzfelder „Schilfsandstein“ war ein begehrter Baustoff, er war leicht zu bearbeiten und hatte eine lange Lebensdauer. Bereits die Römer brachen die Sandsteine aus den Steinbrüchen von Sulzfeld für zwei Villae rusticae.[A 1][6] Ebenso entstanden Götter- und Heiligenstatuen aus diesem gelben Sandstein. Den Abraum verwendeten sie zur Befestigung der ausgedehnten Kraichgauer Straßen. Im Stettfelder Grabungsfeld fand man sechs Sandsteinkisten aus jenem gelben Schilfsandstein der aus Sulzfeld stammte.[A 2]

Die im 13. Jahrhundert erbaute Ravensburg wurde komplett mit dem gelben Sandstein aus den eigenen Steinbrüchen erbaut.

Bis ins 16. Jahrhundert unterstanden alle örtlichen Steinbrüche den Freiherrn von Göler. Danach war ein Nutznießertum auch für die Sulzfelder Bürger genehmigt.

SteinbrücheBearbeiten

In Sulzfeld gab es vier Steinbrüche, welche aber alle aufgegeben wurden.

1. Der Jägersitz-Steinbruch mit 2,5 ha Fläche war der älteste und größte.[A 3]
2. Der Schaibener-Steinbruch war der zweitgrößte und lag an der Straße nach Ochsenburg.
3. Der Jägerfritz-Streinbruch lag am Kohlbachwald.[A 4]
4. Der Rieth-Steinbruch war der kleinste Steinbruch, er lag im Riethwald auf dem Buchenbuckel.[A 5]

SandsteingebäudeBearbeiten

 
Der heutige Sitz des Bundesgerichtshofs, erbaut aus dem gelben Sulzfelder Sandstein

Verschiedene noch heute bestehende Gebäude wurden mit dem gelben Sandstein erbaut. In Karlsruhe sind dies beispielsweise:

Weitere Sandsteinbauten:

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

IndustrieBearbeiten

Neben einigen kleineren Betrieben in der Metall- und Holzverarbeitung sind auch die beiden Unternehmen E.G.O. und BLANCO in Sulzfeld angesiedelt, welche hauptsächlich elektronische Regler und Heizplatten für Küchenherde sowie Ausstattungen für Großküchen produzieren. Auch die Fa. Pottiez (Stanzerei & Werkzeugbau), Zulieferbetrieb für u. a. die Raumfahrtindustrie, ist ortsansässig.

LandwirtschaftBearbeiten

Das Umfeld der Gemeinde ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzung. Hier ist besonders der sehr ausgeprägte Bereich des Weinbaus zu nennen. Rund um den Ort befinden sich umfangreiche Weinberge, welche von privaten Winzern und den Mitgliedern einer Winzergenossenschaft bewirtschaftet werden. Auch die Burgherren stellen ihren Wein noch selbst her und vertreiben diesen im Restaurant der Ravensburg und im Weingut im Rentamt. Recht ungewöhnlich für die Badische Region ist der Anbau von Trollinger und Lemberger, welcher eher in württembergischen Regionen angebaut wird. Die Gemeinde Sulzfeld ist mit 100 ha Weinanbaufläche eine der größten Weinbaugemeinden Nordbadens.

VerkehrBearbeiten

Sulzfeld ist an die Kraichgaubahn (KarlsruheHeilbronn) angebunden, auf der die Stadtbahnlinie S4 im Karlsruher Verkehrsverbund fährt. Die Gemeinde liegt weiter an der Bundesstraße 293 (Heilbronn – Pfinztal). Direkte Nachbargemeinden und durch Landes- und Kreisstraßen mit Sulzfeld verbunden sind Kürnbach, Zaisenhausen und Mühlbach. Über eine Kreisstraße durch den Ochsenburger Wald kann man auch das Dorf Ochsenburg erreichen. In Zukunft soll die Verkehrsinfrastruktur in Sulzfeld verbessert werden.

BildungBearbeiten

In Sulzfeld gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Außerdem bestehen zwei kommunale und ein evangelischer Kindergarten im Ort.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

GebäudeBearbeiten

 
Die Ravensburg, erbaut mit dem gelben Sandstein
  • Bekannteste Sehenswürdigkeit der Gemeinde ist die Ravensburg. Der begehbare Bergfried der im 13. Jahrhundert in ihrer heutigen Gestalt auf einem Berg oberhalb des Ortes erbauten Burg bietet eine herrliche Aussicht über die Hügellandschaft des Kraichgau und ist ein beliebtes Ausflugsziel.
  • Im Ort bestehen mit dem Amalienhof und dem ehemaligen Rentamt weitere herrschaftliche Gebäude. Der Amalienhof ist ein um 1600 erstmals errichtetes Herrenhaus der Göler von Ravensburg, der nach Amalia Göler geb. Reck benannt wurde. In einem sanierten Wirtschaftsgebäude des Amalienhofes befindet sich heute eine Zahnklinik. Das Rentamt, auch Mittleres Schloss und Pforzheimer Schloss genannt, beherbergt heute das Weingut der Göler. Bei der evangelischen Kirche, deren älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen und die ihren heutigen Grundriss durch Umbau 1885 erhielt, befindet sich außerdem die Grablege der Göler mit mehreren schmuckvollen historischen Epitaphen.
  • Das zum Bürgerhaus umgebaute alte Schulhaus von 1896 beherbergt ein Heimatmuseum sowie die Galerie des Kulturkreises.
  • Sulzfeld ist darüber hinaus reich an historischem Baubestand, der sowohl die Fachwerkbauweise des 17. und 18. Jahrhunderts als auch steinerne ackerbürgerliche Anwesen aus dem 19. Jahrhundert dokumentiert.
  • Das Rathaus ist ein Zweckbau aus dem Jahr 1965, der bei einer Sanierung 1995 teilweise mit regionaltypischem Sandstein verkleidet wurde. Im Rathaus wird eine Sandsteinfigur aus dem 17. Jahrhundert aufbewahrt, die sich einst im Schlossgarten befand.[7]


Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 123–124
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Sulzfeld; Gemeinde Sulzfeld: Gemeinderatswahl 2019 (PDF) und Gemeinderatswahl 2014 (PDF); abgerufen 6. Juli 2019.
  5. stimme.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.stimme.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. abgerufen am 3. Januar 2013
  6. Manfred Himmel, Sulzfelder Sandsteine, Steinbrüche und Steinhauer Onlineversion.
  7. http://www.stimme.de/kraichgau/nachrichten/Sandsteinmaennchen-bekommt-Platz-im-Rathaus;art1943,2578251

AnmerkungenBearbeiten

  1. Diese Steinbrüche befanden sich im Gewann Längenfeld und an der Grenze nach Zaisenhausen.
  2. Die Sandsteinkisten hatten eine Größe von 70/70/60 cm mit einer 10 cm starke Verschlußplatte.
    Eine darin gefundene Weinamphore deutet auf die Verwendung als „Kühlschrank“ hin.
  3. Der Jägersitz-Steinbruch lag an der Gemarkungsgrenze von Sulzfeld nach Mühlbach (Eppingen) oberhalb vom Fröschberg und südlich vom Lichtenberg.
  4. Vermutlich benannt nach dem Offizier und Freiherr Friedrich Fritz von Göler, der leidenschaftlich der Jagd frönte. Aus dem Steinbruch wurden noch 1934 die Steine für das Sulzfelder Kriegerdenkmal (1914–1918) entnommen.
  5. Er wurde bis 1900 mit Mauer- und Sturzsteine für den Hausbau ausgebeutet und danach aufgegeben.

LiteraturBearbeiten

  • Bernd Breitkopf / Kurt Hochstuhl: Sulzfeld. Von Bauern, Steinhauern und Edelleuten. Hrsg. von der Gemeinde Sulzfeld. Ubstadt-Weiher, verlag regionalkultur 1997. ISBN 978-3-929366-59-4.
  • Klaus Rössler: Familienbuch (Ortssippenbuch) Sulzfeld (Landkreis Karlsruhe), erstellt aufgrund der örtlichen Quellen und Kirchenbücher von 1638 bis 1957. 2. Auflage. Sulzfeld: Gemeinde Sulzfeld 2004 (= Badische Ortssippenbücher 97)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sulzfeld (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien