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Subscriptio (Diplomatik)

Teil des Eschatokolls im mittelalterlichen Urkundenformular
Subscriptiones auf einem Privileg Papst Alexanders III. von 1175
Zeugenunterschriften auf einer Urkunde aus Messina aus dem Jahr 1266

Mit Subscriptio oder Subscriptiones, da mehrere Elemente dazugehören können, bezeichnet die Diplomatik den ersten Teil des Eschatokolls (Schlußprotokolls) im mittelalterlichen Urkundenformular. Die ursprüngliche Wortbedeutung „Unterschrift“, „Unterfertigung“ deckt aber nur einen kleineren Teil der Fälle ab. Je nach Aussteller der Urkunde sind die Subscriptiones unterschiedlich ausgestaltet:

In den Diplomen der Könige und Kaiser gehören dazu die Signumzeile mit dem Monogramm des Herrschers und die Rekognitionszeile, teilweise mit einem Rekognitionszeichen. Für diese Zeilen wird wie für die Intitulatio (Angabe der Stellung bzw. Funktion) als Auszeichnungsschrift eine Elongata (langgezogene Schriftvariante) verwendet. Von Karl dem Großen bis ins beginnende elfte Jahrhundert beteiligte sich der Herrscher persönlich nur durch den Vollziehungsstrich (nur letzter Strich eigenhändig), unter Maximilian I. und Karl V. tritt die Namensunterschrift des Herrschers auf. Regelmäßig war der persönliche Anteil des Ausstellers in Byzanz. Neben dem Legimus oder dem Menologem sind auch Unterschriften mit Nennung des Namens und Titels belegt.[1]

In den päpstlichen Privilegien gehören dazu die Rota (Name und Devise) und das Benevalete (Schlusswunsch), zwischen denen die Unterschrift des Papstes steht. Darunter sind in drei Spalten die Unterschriften der Kardinäle angeordnet, links die Kardinalpriester, unter dem Papst die Kardinalbischöfe und rechts die Kardinaldiakone. Für die Kardinäle aller Ordines liefern die Unterschriften biographische Eckdaten. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Dienstalter, bei Absenzen werden die entsprechenden Zeilen frei gelassen. Der Grad der Eigenhändigkeit ist unterschiedlich, jedoch gibt es in jeder Unterschrift einen eigenhändigen Anteil.

In Notariatsinstrumenten finden sich neben der Unterfertigung des Notars, die seit dem 13. Jahrhundert meist ein Notariatssignet aufweisen kann, Unterschriften der Zeugen, die in objektiver Form vom Notar eingetragen sein können, wobei der Form Signum manus … (Zeichen der Hand …) ein Kreuz vorangesetzt wird, das in der Regel dem betreffenden Zeugen zuzuschreiben ist, da es unterschiedlich gezeichnet ist. Schreibkundige Personen unterzeichnen nach dem subjektiv formulierten Muster + Ego N. subscripsi (+ Ich N. habe unterschrieben), + Ego N. testis sum (+ Ich N. bin Zeuge) oder in anderen Varianten. Bisweilen finden sich auch versifizierte Formulierungen.[2]

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Franz DölgerJohannes Karayannopulos, Byzantinische Urkundenlehre. Erster Abschnitt. Die Kaiserurkunden, München 1968, S. 54–56 und öfters.
  2. Horst Enzensberger: Non populus parvus. Versifizierte Zeugenfirmen und Notarsunterschriften im Urkundenwesen Süditaliens, in: Aspetti della cultura dei laici in area adriatica. Saggi sul tardo medioevo e sulla prima età moderna, a cura di Roberto Pacciocco, Luigi Pellegrini e di A. Appignani, Napoli 1998, S. 11–148 (Biblioteca di Studi Medievali e Moderni; Sezione Medievale, 2)

WeblinksBearbeiten