Hauptmenü öffnen

Suai (Verwaltungsamt)

Subdistrikt Suai, Cova Lima, Osttimor
Verwaltungsamt Suai
Suai (Verwaltungsamt) (Osttimor)
Red pog.svg
Die neue Kirche Ave Maria
Verwaltungssitz Camenaça
Fläche 272,85 km²[1]
Einwohnerzahl 25.815 (2015)
Sucos Einwohner (2015)[1]
Beco 3.759
Camenaça 3.681
Debos 11.336
Labarai 3.275
Suai Loro 3.764
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Cova Lima
Lage der Gemeinde Cova Lima

Suai ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Cova Lima. Der Verwaltungssitz befindet sich in Camenaça.[2]

GeographieBearbeiten

 
Verwaltungsamt Suai

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Hato-Udo eine Fläche von 302,60 km².[3] Nun sind es 272,85 km².[1]

Das Verwaltungsamt bildet das Zentrum Cova Limas an der Küste der Timorsee. Östlich liegt das Verwaltungsamt Zumalai, westlich die Verwaltungsämter Tilomar, Fohorem und Maucatar. Im Norden grenzt Suai an die Gemeinde Bobonaro mit seinen Verwaltungsämtern Lolotoe und Bobonaro.

Suai teilt sich in fünf Sucos: Beco (Beco I), Debos (Debus), Labarai (Labarat), Camenaça (Kamenasa, Canabaza, Camenaca, Camenaça, Camenasse, Camenassa) und Suai Loro.

In Holbelis gibt es eine große Höhle, in der Fledermäuse und Affen leben. Früher wurde hier die alte animistische Religion praktiziert. Von der Verehrung von Göttern und Geistern zeugen Gravuren in den Felsen am Eingang der Höhle.[4]

EinwohnerBearbeiten

Das Verwaltungsamt hat 25.815 Einwohner (2015), davon sind 13.063 Männer und 12.752 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 494,6 Einwohner/km².[1] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher des Tetum Terik, eines Dialekts der Amtssprache Tetum. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,7 Jahre (2010,[3] 2004: 18,1 Jahre[6]).

GeschichteBearbeiten

 
Suai auf der Karte Pigafettas von 1521

Suai und Camenaça waren früher traditionelle Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Mündlichen Überlieferungen nach waren beide im Bündnis von Cova Lima dem Liurai von Fohorem untergeordnet und tributpflichtig.[4] Eine andere Quelle gibt an, dass Suai nicht zu Koba Lima gehörte, sondern ein eigenständiges, machtvolles Reich bildete. Die Quelle nennt fälschlicherweise Suai als Zentrum von Wehale, das aber weiter westlich lag.[7]

1522 berichtet ein Mitglied der Magellanexpedition, Antonio Pigafetta, von vier Hauptkönigen auf Timor, die Brüder waren: Oibich, Lichisana, Suai und Canabaza. Suai bildete wahrscheinlich mit Camenaça (Canabaza) ein Doppelreich, das Wehale (von Pigafetta hier Oibich genannt) tributpflichtig war. Suai erscheint auch auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte. Camenaça taucht hier nicht auf.[8][9]

1719 trafen sich in Camenaça die Liurais von etwa einem Dutzend Reichen, um einen Blutpakt zu schließen. Ziel des Bundes war die Vertreibung der Portugiesen und des Christentums insgesamt. Der Camenaça-Pakt (Camenace-Pakt) gilt als Beginn der Cailaco-Rebellion (1719 bis 1769). Unter der Führung von Camenaça wurden Kirchen zerstört und Missionare und konvertierte Timoresen ermordet. Camenaça schloss bereits am 19. September 1731 mit Portugal einen Friedensvertrag.[10]

Während des Krieges von Manufahi verbündete sich 1895 der Liurai von Suai mit Dom Duarte, dem Liurai von Manufahi gegen die portugiesischen Kolonialherren. 1900 kapitulierte Manufahi. Suai war schon vorher besiegt worden.[10]

Im Oktober 1911 kam es zur Rebellion von Manufahi. Der portugiesische Militärposten in Suai wurde am 8. Dezember 1911 aus Angst vor den Aufständischen geräumt. Am 29. Dezember suchten 1.200 Timoresen aus Angst vor portugiesischen Repressalien Schutz in der damals niederländischen Enklave Maucatar. Unter ihnen der Liurai von Camenaça und sein Gefolge. Die Rebellion dehnte sich schnell in der gesamten Region aus und konnte erst im April 1912 endgültig niedergeschlagen werden.[10]

Der kleine Hafen Becos an der Timorsee spielte während der Schlacht um Timor im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle für den Nachschub der Alliierten und als Evakuierungspunkt.

Erst in den letzten Jahren der portugiesischen Kolonialzeit wurde die damalige Distriktsverwaltung von Fohoren nach Suai in Debos verlegt. Suai bot mit seiner Ebene Flugzeugen die Möglichkeit zu landen, zudem hatte es Zugang zum Meer und war damit für Schiffe erreichbar.

 
Die Kirche Nossa Senhora do Rosario, Schauplatz des Massakers

Um den Angriffen der indonesischen Armee 1976 zu entgehen, flohen die Einwohner von Suai entweder nach Maucatar oder versteckten sich ein paar Tage in ihren Anpflanzungen, bevor sie sich den Invasoren ergaben.[11] Die Serious Crimes Unit der UNTAET berichtete, dass in Suai während der indonesischen Besatzungszeit sogenannte Rape Houses existierten. Am 28. April 1998 wurden die Einwohner Camenaças von der indonesischen Armee angegriffen.[12]

Die Bunak-Siedlungen von Suai bis Zumalai wurden erst in jüngerer Zeit gegründet. Die Region war davor unbewohnt. Diese Neugründungen haben noch Beziehungen mit ihren Herkunftsorten. So hat Beco tiefe Beziehungen zu Teda, östlich von Lolotoe, auch wenn die Abwanderung bereits mehrere Generationen zurückliegt. Ihr Dialekt steht tatsächlich jenem der Lolotoe-Region nahe, auch wenn teilweise Vokabular aus dem Südwestdialekt übernommen wurde. Andere Siedlungen entstanden erst während der indonesischen Besatzungszeit, als komplette Dörfer aus dem Norden entlang der südlichen Küstenstraße um Zumalai neu angesiedelt wurden. Ihr Dialekt entspricht komplett jenem des Hochlandes.[13]

Im Vorfeld des Referendums zur Zukunft Osttimors wurde am 20. August 1999 in Suai eine Veranstaltung der Unabhängigkeitsbefürworter von pro-indonesischen Milizen angegriffen. Nachdem sich die Wähler im Referendum für die Unabhängigkeit entschieden hatten, kam es landesweit zu Gewaltausbrüchen der Milizen. Einer der schlimmsten Vorfälle war das Kirchenmassaker von Suai am 6. September 1999. Man geht von bis zu 200 Toten aus.[14] Camenaça wurde von der Mahidi-Miliz zerstört. Ein Einwohner wurde am 12. September 1999 ermordet.[15]

Die Vereinten Nationen entsandten aufgrund des Terrors der Milizen am 20. September 1999 eine militärische Eingreiftruppe unter Führung Australiens, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollte. Am 10. August starb nahe Beco ein nepalesischer UN-Soldat im Kampf mit einer Miliz. Drei weitere nepalesische Soldaten und ein osttimoresischer Zivilist wurden verletzt.[16] Am Morgen des 3. Januars 2008 wurden bei Bandenkämpfen im Dorf Ukun Nain sieben Häuser angezündet. Verletzt wurde niemand.[17] Von der Nationalpolizei wurden acht Verdächtige verhaftet, darunter drei Polizisten.[18]

Im Juni 2013 kam es in Suai und Camenaça zu Überschwemmungen, die drei Todesopfer forderten.[19]

PolitikBearbeiten

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2009 war dies Francisco d' Jesus Alvares,[20] 2011 Inácio Pires,[21] 2015 Miguel Armando Cardoso.[22]

WirtschaftBearbeiten

52 % der Haushalte in Suai bauen Maniok an, 52 % Mais, 47 % Gemüse, 47 % Kokosnüsse, 23 % Reis und 10 % Kaffee.[23] Am Strand von Suai Loro, zwischen Kap Suai und Kap Tafara, gibt es einen Landeplatz für Boote. Vor der Küste können auch größere Schiffe sicher ankern.[24] Hier soll eine Versorgungsbasis für die Nutzung der vor der Küste liegenden Erdölfelder entstehen. Bereits in den 1970ern fand man auch in Suai Loro Erdöl.[25]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Suai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (Memento des Originals vom 12. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 2,5 MB)
  4. a b Cova Lima District Development Plan 2002/2003 (Memento des Originals vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.estatal.gov.tl (englisch; PDF; 2,24 MB)
  5. a b Seeds of Life
  6. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  7. Suai Media Space: Koba Lima − Suai
  8. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história (Memento des Originals vom 13. November 2001 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/oecussi.no.sapo.pt
  9. East Timor – PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  10. a b c History of Timor – Technische Universität Lissabon (Memento des Originals vom 24. März 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pascal.iseg.utl.pt (PDF; 824 kB)
  11. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (Memento des Originals vom 28. November 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. EAST TIMOR: State Violations of East Timorese Human Rights Prevail (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive)
  13. Antoinette Schapper: Finding Bunaq: The homeland and expansion of the Bunaq in central Timor (Memento des Originals vom 24. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/epress.anu.edu.au, S. 177, in: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays, 2011
  14. Masters of Terror: Suai church massacre
  15. SCU: Sako Loro Monu Militia Platoon Commander and 4 Mahidi Militia Indicted, 6. Dezember 2004 (Memento des Originals vom 13. Januar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/lists.topica.com, abgerufen am 13. Januar 2016.
  16. AFP, Nepalese UN soldier dies after East Timor shooting, 10. August 2000
  17. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.news.com.auDaily Telegraph, 3. Januar 2008, Houses torched in East Timor unrest
  18. Suara Timor Lorosae, 8. Januar 2008, Suai case, 3 PNTL members detained
  19. Independente: Flood in Suai, killing three local residents, 24. Juni 2013
  20. Friends of Suai: Suai Sub District Administrator Visits Melbourne, Mai 2009, abgerufen am 27. Juni 2019.
  21. Regierung Osttimros: 2,246 funcionários temporários passam a permanentes, 17. August 2011, abgerufen am 27. Juni 2019.
  22. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal (Memento vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)
  23. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento des Originals vom 10. Oktober 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 9,8 MB)
  24. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (Memento des Originals vom 3. Dezember 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/unmit.unmissions.org (PDF; 438 kB).
  25. Ministry of Natural Ressources, Minerals & Energy Policy of Timor-Leste (Memento vom 29. Oktober 2008 im Internet Archive) (englisch)

Koordinaten: 9° 19′ S, 125° 15′ O