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Die Erstürmung der Bastille, Gemälde von Jean-Pierre Houël, 1789

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gilt als eines der bedeutenden Ereignisse am Beginn der Französischen Revolution. Die Bastille, Symbol der Unterdrückung durch das Ancien Régime, wurde von einer Menschenmenge umlagert und schließlich eingenommen.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Im Juli 1789 befand sich das Volk von Paris in Unruhe: einerseits setzte es große Hoffnungen in die vom König einberufenen Generalstände, andererseits war es durch hohe Brotpreise vom Hunger bedroht. Seit dem 10. Juli wurden Zollhäuser rund um Paris in Brand gesteckt, in der Hoffnung, dass die Waren in der Stadt billiger würden, wenn keine Akzise mehr erhoben würde.

Am 11. Juli entließ der König den beim Volk beliebten Finanzminister Jacques Necker. Außerdem hatte er Truppen in Versailles zusammengezogen – eine deutliche Drohung an die Nationalversammlung. Am 12. Juli erreichte die Nachricht von der Entlassung Neckers Paris. Agitatoren im Palais Royal heizten die Stimmung weiter an. Der berühmteste Redner war hier Camille Desmoulins, der die Patrioten aufforderte, sich als Erkennungszeichen Kastanienblätter an die Hüte zu stecken. Am Tag darauf kam es zu ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und dem Kavallerieregiment Royal Allemand.

Der Sturm auf die BastilleBearbeiten

In den darauf folgenden Tagen wurden Waffenhandlungen geplündert. So belagerte am 14. Juli eine Menschenmenge, die sich zuvor im Hôtel des Invalides Waffen beschafft hatte, die Bastille, um an die dort gelagerten Munitionsvorräte zu gelangen. Der Kommandant der Bastille, Bernard-René Jordan de Launay, ließ auf die vor der Zugbrücke versammelten das Feuer eröffnen. Mehr als 90 Personen fanden den Tod.

Es erfolgte danach ein erneuter Aufmarsch mit verbesserter Bewaffnung (Soldaten, Kanonen), worauf die Wachmannschaft kapitulierte und die Menge das Gefängnis stürmte. Sie befreite die Gefangenen: vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und vermutlich den adligen Schriftsteller Marquis de Sade, den seine Familie wegen seines wüsten Lebenswandels in der Bastille hatte festsetzen lassen.

De Launay wurde auf dem Weg zum Rathaus trotz Zusicherung des freien Geleits wegen seines Schießbefehls von einem Metzger geköpft, ein Wachsoldat wurde ebenfalls umgebracht. Als Jacques de Flesselles, Oberhaupt des Pariser Magistrats, den Kommandanten retten wollte, wurde er ebenfalls geköpft. Die Köpfe trug man anschließend unter dem Jubel der Bevölkerung auf Heugabeln durch die Straßen der Hauptstadt. Es waren die ersten adligen Opfer der Revolution.

FolgeentwicklungBearbeiten

Politische EntscheidungenBearbeiten

Der Sturm auf die Bastille war Anlass zur Aufstellung einer Nationalgarde unter Marquis de La Fayette, damit die Nationalversammlung ihr ergebene Truppen zur Verfügung hatte. Außerdem wurde der königliche Gouverneur von Paris abgesetzt. An seine Stelle trat der Generalrat der Commune, ein Gremium, das bei der Radikalisierung der Revolution eine Rolle spielte.

Abriss der BastilleBearbeiten

 
Eines der Modelle der Bastille im Carnavalet-Museum, Paris

Bereits zwei Tage nach der Erstürmung begann am 16. Juli 1789 der Abriss der Festung unter der Leitung des Bauunternehmers Pierre-François Palloy. Aus Steinen der Bastille ließ er detailgetreue Modelle meißeln, die in die 83 neuen Département-Hauptstädte geliefert und dort mit Pomp als Trophäen eingeweiht wurden. Aus den Schlössern der Zellen und den Ketten und Fußkugeln der Gefangenen ließ Palloy ca. 60.000 Medaillen mit Freiheitsmotiven prägen.

BedeutungBearbeiten

Obwohl keine bedeutenden Gefangenen befreit wurden und die militärische Bedeutung des Sieges über die aus Veteranen und Invaliden bestehende Wachmannschaft gering war, wurde der Sturm auf die Bastille in der Folge zum Mythos und zu einem einschneidenden Ereignis verklärt, was vermutlich auf die hohe Symbolwirkung eines ersten Sieges über eine Befestigung der Despotie zurückzuführen ist.

Der Französische Nationalfeiertag am 14. Juli erinnert an den Sturm auf die Bastille und an das Föderationsfest vom 14. Juli 1790, welches sich auf den Volksaufstand im Vorjahr bezog.

LiteraturBearbeiten

  • Winfried Schulze: Der 14. Juli 1789 – Biographie eines Tages. Klett-Cotta, Stuttgart 1989, ISBN 3-608-91494-3.
  • Karl-Heinz Kuhn (Hrsg.): La semaine mémorable ou Récit exact de ce qui s`est passé à Paris depuis le 12 jusqu`au 17 juillet = Die denkwürdige Woche oder Genauer Bericht dessen, was sich in Paris vom 12. bis zum 17. Juli ereignet hat. Herausgegeben, übersetzt und mit einer Zeittafel versehen von Karl-Heinz Kuhn. Verlag Dr. Hut, München 2011, ISBN 978-3-8439-0111-6.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sturm auf die Bastille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien